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Aus der Neuen Solidarität Nr. 5/2006

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- Kommentar -

Fauler Kompromiß bei Conti

Erst vor wenigen Monaten hatte Conti (Continental AG) eine Betriebsvereinbarung getroffen, die dem profitablen Werk eine Produktionsgarantie bis Ende 2007 geben sollte. Und schon liegt alles in Scherben. Die Entlassungen sind beschlossen, die Schließung der Pkw-Reifenfertigung in Hannover-Stöcken ist besiegelt und die Gewerkschaften haben sich wie immer geziert, die eigentliche Größe des Problems anzupacken. Man ist zufrieden, doch noch sozialverträgliche Entlassungen erkämpft und die Stillegung der Produktion von Ende 2006 auf Ende 2007 verschoben zu haben.

Keiner hakte nach, als bei Conti gemunkelt wurde, daß entsprechende Fehlentscheidungen auf dem US-Markt nun auf die gewinnbringenden Bereiche wie Hannover-Stöcken abgewälzt werden sollen. Niemand bringt zur Sprache, daß es offensichtlich Mode geworden ist, Betriebe, die schwarze Zahlen schreiben, zu zerstören. Man hört nichts davon, daß die brutalen Folgen der Globalisierung bei Verhandlungen der Gewerkschaften eine Rolle spielen.

Also ist wie immer die BüSo gefragt, die nicht nur bei Conti mehrfach Flugblätter verteilt hat, um den Arbeitskampf in die richtige Richtung zu bringen. Überall, wo heute Arbeitsplätze zerstört werden, sei es durch Verlagerung in Billiglohnländer oder durch "Maastrichter Subventionsabwanderung", fordert die BüSo nicht nur den Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern einen weltweiten Standardlohn. Es muß endlich sichergestellt werden, daß menschenunwürdige Produktions- und Lebensbedingungen - ob in China, Osteuropa, Deutschland oder anderswo - der Vergangenheit angehören. Solch eine Forderung wäre doch eine wahre Wiederbelebung der Gewerkschaftsbewegung. Statt die Schließung von Betrieben zu überwachen - eine gerechte Wirtschaftspolitik erkämpfen!

Die Krise lockt die Menschen auch bei winterlicher Kälte hinter dem Ofen hervor: in Hannover 2000 Conti-Arbeiter, in Hamburg 1000 niedergelassene Ärzte und viele andere. Jetzt muß eine uralte Idee der BüSo endlich aufgegriffen werden. Wenn schon gestreikt und demonstriert wird, dann doch bitte berufsübergreifend. Denn um eine gerechte Politik geht es letztendlich allen. Und jeder Conti-Arbeiter braucht mal einen Arzt und jeder Arzt mal einen Reifen.

Katharina Pagel, BüSo-Landesvorsitzende Niedersachsen