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Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2006

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Wie man nicht Schach spielt - Teil II

Von Lyndon LaRouche

Gedanken zu dem Buch von Michael Isikoff und David Corn, Hubris. The Inside Story of Spin, Scandal and the Selling of the Iraq War, New York 2006. ("Hybris: Die interne Geschichte von Verdrehungen, Skandalen und wie der Irakkrieg verkauft wurde", bisher keine deutsche Ausgabe.) Der amerikanische Ökonom und demokratische Oppositionspolitiker LaRouche veröffentlichte diesen Artikel am 9. Oktober 2006.


2. Zeus und Satan
Räuber, die Menschenseelen stehlen

2. Zeus und Satan

Der größte Dramatiker des antiken Griechenlands, Aischylos, verfaßte eine berühmte Prometheus-Trilogie, von der wohl nur der mittlere Teil, Der gefesselte Prometheus, vollständig überliefert ist. Die Crux dieses mittleren Teils der Trilogie ist, daß der teuflische olympische Zeus den Helden Prometheus zu ewiger Folter verdammt. Der Vorwurf war, daß Prometheus den Sterblichen das Wissen gab, wie man das Feuer (heute würde man sagen "die Kernkraft") nutzen kann.

Das war und ist der Streitpunkt im größten Konflikt in der Geschichte der weltweit verbreiteten europäischen Kultur, von Aischylos' Zeit bis heute. Gleichzeitig ist es der Schlüssel zu dem Paradox, das sich mit dem Schachspiel stellt, wie ich es als Thema dieses Berichts beschrieben habe.

Dieser Streitpunkt während des gesamten Verlaufs der Geschichte der weltweiten Zivilisation seit den alten Griechen ist der Kampf darum, die Menschheit in den verschiedenen Kulturen und in der ganzen Zivilisation davon zu befreien, daß diese Eigenschaft in ihnen unterdrückt wird: die Fähigkeit, universelle Naturprinzipien zu entdecken, zu kennen und zu nutzen. Das ist die Eigenschaft, die den Menschen vom Affen unterscheidet, die schöpferische Kraft, "das Leben im wirklichen Spiel der menschlichen Existenz".

Die Frage, die Aischylos in dieser Weise aufwirft, ist die des "oligarchischen Prinzips". Dies war die Doktrin, die in Sparta unter den delphischen Gesetzen des Lykurg gegenüber den zu Tieren herabgewürdigten Heloten praktiziert wurde. Mit anderen Worten: Es war das Herrschaftssystem in der ganzen Menschheit, das die Masse der Menschen praktisch zu Tieren, zu Nutzvieh herabwürdigte. Diese Praxis von Sklaverei, Leibeigenschaft und ähnlichen Formen der Erniedrigung der Masse von Untertanen war die mehr oder weniger vorherrschende Praxis aller bekannten Kulturen früherer Zeiten bis zum Entstehen der europäischen Zivilisation der Neuzeit in der Renaissance des 15. Jh.. Dies ist der entscheidende Punkt, wenn die gegenwärtig vorherrschende Sophisterei der oberen 20% der "68er-Generation" (nach Franklin Roosevelts Tod geborenen Generation) heute den Weiterbestand der amerikanischen Republik und der ganzen Weltzivilisation bedroht.

Die Bedrohung durch dieses oligarchische Prinzip taucht im Verlauf der bekannten Geschichte immer wieder auf. So haben sogar nach dem Höhepunkt der Renaissance des 15. Jh. die von Venedig unterstützten fanatischen Gegner des Ökumenischen Konzils von Florenz die Praxis der Sklaverei wieder eingeführt, diesmal in ihrer brutalsten Form. Dabei waren die spanischen Habsburger führend, indem sie den transatlantischen Sklavenhandel gründeten. Die spanische Monarchie hat diese Praxis dann unter dem Schutz der Briten und der anglo-holländischen Liberalen fast das ganze 19. Jh. über wieder aufgegriffen, hauptsächlich bis zum Sieg der Union über die konföderierten Marionetten der Briten und über die Sklaverei, der unter Präsident Abraham Lincolns Führung erfochten wurde.5

Diese Praxis, die Mehrheit der Bevölkerung praktisch wie Nutzvieh zu behandeln, nannte man in ganz Europa das oligarchische Prinzip. Diese Praxis kommt auch heute noch weithin zum Ausdruck in der Vorstellung, daß private Banken die Wirtschaftspolitik der Regierungen diktieren - eine Diktatur, die über Werkzeuge wie die "unabhängigen Zentralbanken" ausgeübt wird.

Kein Volk ist souverän, solange es die Tyrannei eines solchen Zentralbanksystems toleriert. Zur Zeit des alten Griechenland bestand die oligarchische Tyrannei in dem Herrschaftssystem, für das die satanische Figur des delphisch-olympischen Zeus in Aischylos' Gefesseltem Prometheus steht. Diese Tyrannei blieb dann nach dem Fall des törichten Griechenland als Hauptmerkmal des imperialen Systems in seiner römischen, byzantinischen und mittelalterlichen (ultramontanen, venezianisch-normannischen) Form weiter bestehen.

Schon in physischer Hinsicht waren die Sklavensysteme, die mit der gesamten alten und neuen Geschichte Europas verbunden sind, brutal und viehisch, doch ihr schlimmster Aspekt wird in den üblichen Berichten zu dem Thema meist weniger betont. Das Schlimmste, das eigentlich Unmenschlichste war, daß die Masse der unterworfenen Schichten systematisch auf ein entmenschlichtes, buchstäblich viehisches Geistes- und Kulturleben herabgewürdigt wurde; das tat z.B. die Klasse der Sklavenhalter in den amerikanischen Südstaaten vor dem Bürgerkrieg. Ganz unverhüllt zeigte sich das darin, daß es Sklaven verboten war, lesen und schreiben zu lernen und sich zu bilden, was in den Sklavenhalterstaaten im Süden der USA extrem war. Aber auch nach der Abschaffung der Sklaverei 1865 sah man das an der Bildungspolitik einflußreicher Liberaler, die nominell gegen die Sklaverei, aber anglophil eingestellt waren, in bezug auf die Kinder der früheren Sklaven: Man solle ihnen "nicht mehr beibringen, als sie für ihre zu erwartende Stellung im gesellschaftlichen Leben brauchen".

Selbst die scheinbar weit weniger benachteiligte Schicht der typischen Studenten von heute wird Opfer einer ähnlichen Form geistigen Entzugs: Man lehrt sie nur das "wie", aber nicht "warum", nach dem Motto: "Bringt ihnen bei, gut zurechtzukommen, aber nur in den Spielen, die wir ihnen erlauben."

Ein anderer Teil der gleichen Politik, das eigene Volk praktisch wie Tiere zu behandeln, ist der wissenschaftsfeindliche Ökologiekult (Stichwort "Umweltschutz"), der unter den nominell linken 68ern verbreitet wurde. Dieser Vorstoß, der unter dem Einfluß von Einrichtungen wie dem Kongreß für kulturelle Freiheit und der "Umweltschutzbewegung" unternommen wird, ist eine bewußte ideologische Fortsetzung der oligarchischen Unterdrückung klassischer Wissenschaft und Kultur. Der mit dem antiken Dionysos-Kult verbundene radikale "Umweltschutz" drückt sich heute in moderner Form in einer geistig-moralischen kulturellen Zerrüttung aus, deren Ziel letztendlich Einwirkungen auf den menschlichen Geist sind, die denen einer Versklavung gleichkommen.

Es ärgert die geistigen Sklaven der sog. "Umweltschutzbewegung" nicht, daß man sie unter der gleichen Regel wie der des Zeus in Aischylos' Gefesseltem Prometheus praktisch verdummt und quasi zu Heloten gemacht hat. Sie verteidigen ihre induzierte Dummheit als "unsere eigene Überzeugung", so wie an anderem Ort und zu anderer Zeit eine Kultur der Welt nach der anderen die induzierten kulturellen Gewohnheiten, die ihnen in angewöhnter geistiger Selbstunterdrückung Tag und Nacht Fesseln anlegen, verteidigt hat.

Das gleiche Relikt der oligarchischen Kultur der Antike und des Mittelalters findet heute sein Echo sogar im abstoßenden Verhalten einiger bekannter Persönlichkeiten der Demokratischen Partei in den USA, deren katzbuckelnde Unterwürfigkeit gegenüber den sog. "Eliten" - insbesondere gegenüber der oligarchischen Schicht der reichsten drei Prozent der Familien - ein Widerhall des oligarchischen Prinzip ist, das die ärmeren 80 Prozent der Amerikaner dazu verdammt, sich um die Krumen zu schlagen, die ihnen von den Tischen der herrschaftlichen Finanziers der oberen drei Prozent zugeworfen werden. Diese pro-oligarchische Korruption war einer der entscheidenden Gründe, der verhinderte, daß die Demokratische Partei im Jahr 2005 eingriff, um die amerikanische Automobilindustrie zu retten, oder daß sie 2006 die Verfassung gegen die Ernennung ideologischer Anhänger des Kronjuristen der Nazis an den Obersten Gerichtshof verteidigte. (War diese Abscheulichkeit vielleicht "Jacksonsche Demokratie"?)

Um auf die Gesellschaft der Antike zur Zeit der Entstehung der europäischen Kultur im Zusammenhang mit dem Aufstieg des alten Griechenland zurückzukommen: Dort drückte sich dieses krankhafte Prinzip, das die Praktiken der Sklaverei, der Leibeigenschaft und des Imperialismus darstellen, wie folgt aus.

Das delphische Bild des Göttervaters Zeus mit seinem Gefolge olympischer Götter und Halbgötter stand für das Bild der Oligarchie. Dieses Bild der Herrschaft einer finanziellen oder anderen oligarchischen "Elite" über eine Masse von Menschen, die dazu herabgewürdigt sind, wie Nutzvieh zu leben, nannte man in jener Zeit manchmal das Modell des imperialen Rom und des Lebens unter der Herrschaft des imperialen römischen Pantheons, das der christliche Apostel Johannes mit dem Bild der römisch-imperialen "Hure Babylon" verband.

Die entscheidende Frage in dem Abschnitt der Geschichte des alten Griechenland, in dem Aischylos seine Dramen komponierte, war die des oligarchischen Prinzips, für das damals das Sparta des Lykurg und der delphische Apollonkult typisch waren. Dieses Erbe bedroht noch heute die gesamte Menschheit, und zwar in Form der anglo-holländisch-liberalen Wiederbelebung des mittelalterlichen, ultramontanen Imperialismus als "Globalisierung". Diese Frage des oligarchischen Prinzips, das die gegenwärtige politische Praxis der Nationen West- und Mitteleuropas bestimmt - das ultramontane, anglo-holländisch-liberale Prinzip nach dem Vorbild des finanzoligarchischen Imperialismus des mittelalterlichen Venedig - , war und ist, mit einigen wertvollen Ausnahmen, die große Krankheit der ganzen europäischen Zivilisation, von jener Epoche des europäischen Altertums bis hin zur Regierung George W. Bushs heute, in der die gleiche imperiale Kernideologie zum Ausdruck kommt.

Gerade im Kontext des Peloponnesischen Krieges stellt sich diese Frage, wie es der Dichter, Dramatiker und Historiker Friedrich Schiller zusammenfaßte, beispielhaft im Konflikt zwischen dem delphischen System oligarchischer Diktatur, wie es mit dem Sparta des Lykurg verbunden war, und der Befreiung der Menschen unter der Führung Solons von Athen aus Leibeigenschaft und Sklaverei - jenes Solon, dessen Erbe der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung der Vereinigten Staaten zugrundeliegt.

So produzierte Präsident Franklin Roosevelts Regierung im Zweiten Weltkrieg für das US-Militär eine Serie von Ausbildungsfilmen unter dem Titel Warum wir kämpfen. Dies ist die antioligarchische Tradition Amerikas, das Erbe Solons, für das wir kämpften: für eine Gesellschaftsordnung frei von der anglo-holländisch-liberalen und anderer oligarchischer Tyrannei seit der Gründung der Siedlung in Plymouth und des Gemeinwesens von Massachusetts unter der Führung der Winthrops und Mathers.

Um Athen, das einst das Erbe Solons gewesen war, zu ruinieren, begannen die Kräfte des oligarchischen Modells um den delphischen Kult des Schlangengottes Gaia-Python-Apollo mit dem Sophismus einen Prozeß der Untergrabung der Moral der Söhne der führenden Familien. Dieser Kult der Sophisterei war dann auch das Grundprinzip des anglo-holländischen Liberalismus der Neuzeit, und es war die Methode, die Kinder der wohlhabendsten 20 Prozent der amerikanischen Haushalte, die etwa zwischen dem Tod Roosevelts und der Wirtschaftsdepression 1957 geboren wurden, zu verderben. Die jungen Opfer wählte man, zum Teil absichtlich, zum Teil als Nebeneffekt, aus den Kindern der Generation des Kultes der "weißen Kragen" und des "Managers". Sie wurden die "Wir"-Generation, die Generation des Orwellschen Gruppendenkens.

Diese Massengehirnwäsche der Generation der 1945-57 geborenen Mittelklassejugend ist der Schlüssel zum Verständnis des Prozesses der gezielten moralischen Zersetzung, der zur "Umwertung der Werte" à la Nietzsche führte, wie sie mit der sog. "68er-Bewegung" in Europa und Amerika sichtbar wurde. Damit begann ein Prozeß des kulturellen und wirtschaftlichen Selbstmords der USA und Europas, der inzwischen die transatlantische europäische Zivilisation weitgehend zerstört hat - hauptsächlich von innen heraus, genau wie der Sophismus Athen zerstörte.

Närrische Amerikaner suchen heute den Grund der Nöte des Landes außen, während man den wahren Feind vor allem unter uns suchen muß: in den Gewohnheiten, die den Ahnungslosen eingetrichtert wurden.

Diese Methode zur Zerstörung der einst mächtigen, stolzen, allgemein bewunderten Vereinigten Staaten Franklin Roosevelts war das Mittel, mit dem man uns verleitete, uns selbst kaputtzumachen und unsere Nation im Verlauf der mehr als 60 Jahre seit Roosevelts Tod Schritt für Schritt zu ruinieren. Die anglo-holländischen Liberalen, die gleich nach dem Pariser Frieden im Februar 1763 anfingen, die Freiheiten und die Wirtschaft der englischen Kolonien in Nordamerika anzugreifen, zogen es gewöhnlich vor, ihre anvisierten Opfer, wie die amerikanische Republik, zu einer Selbstzerstörung von innen her zu verleiten, bevor sie ihre eigenen Mittel aufbrauchten, indem sie uns direkt gewaltsam angriffen.

Zerstöre dein Opfer, indem du es in seiner eigenen Dummheit bestärkst! Das war die bevorzugte Methode der anglo-holländischen Liberalen, mit der Frankreich unter dem törichten Ludwig XIV. verleitet wurde, sich selbst zu zerstören. Das war der Siebenjährige Krieg, der im Februar 1763 mit dem Pariser Frieden endete, durch den das faktische Weltreich der Ostindiengesellschaft des Lord Shelburne geschaffen wurde. Großbritannien nutzte dazu die Dummheit der Nationen Europas aus, die sich durch diesen induzierten, künstlich inszenierten Krieg selbst ruinierten - so wie unsere Vereinigten Staaten durch die Spiele, zu denen der Einfluß der anglo-holländischen Liberalen im In- und Ausland unser Volk seit Franklin Roosevelts Tod verleitet hat, nun fast am Ende sind.

Das ist die Methode, mit der uns die anglo-holländischen, liberalen Interessen der Finanzoligarchie aus Europa von innen heraus ruiniert haben, wozu sie die chronisch verräterische Bande der "Liberalen mit den weißen Schuhen" über diese mehr als 60 Jahre einspannten.

Was derzeit im Gang ist, ist auch eine Gefahr für die Nationen Eurasiens, aber es ist nicht in erster Linie eine amerikanische Gefahr. Hinter Cheneys Politik steht praktisch die Absicht eines Kriegszustandes gegen alle ernstzunehmenden Hindernisse für die Globalisierung - ein Beispiel ist, wie die Regierung Bush auf Rußland und China zielt. Aber vor allem benutzen die anglo-holländisch-liberalen Interessen, die unter dem Namen der "Globalisierung" ihr Weltreich schaffen wollen, hochrangige und andere Narren in den Vereinigten Staaten selbst, um unsere Nation durch eine ruinöse Wirtschafts- und Kulturpolitik im Innern und durch närrische Kriege, wie sie die alberne Regierung Bush und ihre Mitläufer in Südwestasien betreibt, zu zerstören. Auf diese Weise wollen die Feinde unserer Zivilisation den finanziellen und ähnlichen "Eliten" Europas, die heute wie früher im wesentlichen Laufburschen des anglo-holländischen, liberalen Systems des ultramontanen Imperialismus venezianischer Art sind, die Herrschaft über die ganze Welt überlassen.

Betrachten wir nun, wie sich diese wirtschaftlich selbstmörderische Ideologie auf die gegenwärtig sagenhaft heruntergekommene Lehre und Praxis von Wissenschaft und Technik auswirkt.

Räuber, die Menschenseelen stehlen

Auch wenn viele in der "Wir-Generation" und ihren Nachfolgern das Gegenteil glauben, ist das, was die unfähigen sog. "Benchmarking-Spezialisten" tun, eindeutig dumm und in seinen Auswirkungen äußerst übel. Sie tun praktisch alles, um die Erkenntnis auszurotten, die eine fähige Unternehmensleitung, wie sie inzwischen verschwunden ist, früher als notwendig erkannte: ein unerprobtes Naturprinzip durch ein, wie Bernhard Riemann es nannte, "einzigartiges Experiment" zu erproben. Wird diese Notwendigkeit einzigartiger Experimente mißachtet, führt das wahrscheinlich früher oder später zum Absturz neu entworfener Flugzeuge und ihrer Hersteller, so wie ähnliche Erfahrungen mit "Benchmarking" sich auf den Anteil der Fehlschläge bei neuen Automobilmodellen etc. ausgewirkt haben.

Dafür gibt es ganz grundsätzliche wissenschaftliche Gründe, aber die Leutchen von der "Wir-Generation" wird man mit solchen streng wissenschaftlichen Beweisen kaum überzeugen; sie fühlen sich eher angezogen von einem für sie angenehmen Geruch in der Polsterung des Wunschobjektes oder von halb verhungerten, möglichst unbekleideten, magersüchtigen Models. Von solchen Narren einmal abgesehen, bleiben uns zwei Anschauungsweisen, die zu betrachten sind.

Benchmarking-Freaks einmal beiseite, wird der eine Typ vernünftigerer Leute zustimmend nicken, wenn man vorschlägt, daß in der Wirtschaft wieder ein strenger Maßstab experimentellen Beweises wissenschaftlicher Prinzipien herrschen sollte. Aber mit dieser Zustimmung sind wir noch nicht einmal auf dem halben Weg zum eigentlichen Streitpunkt. Formulieren wir diesen Punkt einmal wie folgt - man könnte sagen, als die "moralische Frage" der Angelegenheit.

So, wie das Gesetz der allgemeinen Gravitation die Umlaufbahn der Planeten bestimmt, und nicht umgekehrt die Umlaufbahn die Gravitation, so gibt es keine Wirkung in der Natur oder dem willentlichen Handeln des Menschen ohne die leitende Rolle der entsprechenden Motivation für diese Wirkung. Was verdient Priorität: das notwendige Handeln oder der Antrieb dazu? Im wirklichen Leben ist die richtige Wahl des Motivs primär, und die Wirkung, so notwendig sie auch ist, ist sekundär und selbst im wesentlichen eine Folge des Willens.

Die vorsätzliche Motivation des individuellen menschlichen Geistes ist es, die den Prozeß antreibt, für den die bewußte Anwendung entdeckter universeller Naturprinzipien steht. Die Entdeckung eines gültigen universellen Naturprinzips ist potentiell der bewußte Antrieb einer Veränderung des Verhältnisses der Gesellschaft zum Universum, wodurch sich die Macht dieser Gesellschaft über die Natur willentlich vergrößern läßt. Dieser Faktor, der Wille des einzelnen, so definiert, ist entscheidend.

Um zu verstehen, wie dieses scheinbare Paradox in der allgemeinen Praxis zutagetritt, muß man erkennen, daß die meisten Menschen - besonders diejenigen, welche dazu konditioniert wurden, sich als Untertanen zu betrachten - Dinge tun, weil sie z.B. Geld brauchen. Das Bedürfnis nach Geld steht in keinem inneren Zusammenhang zu den Handlungen, die scheinbar davon angetrieben sind. Wenn nichts anderes hilft, besorgt man sich Geld durch Prostitution. Anders gesagt: Diese Menschen denken und handeln als Untertanen. Ein Untertan hält oft Zufälle für Ursachen.

Nehmen wir als entgegengesetzten Fall den Maschinenbauer bei einem Automobilhersteller oder einem vergleichbaren Unternehmen. Das Hauptmotiv, das ihn zu seiner guten Leistung treibt, könnte man vielleicht als "stolz auf sein Werk sein" beschreiben. Er oder sie arbeitet "nicht bloß des Geldes wegen". In solchen Fällen entspringt das Motiv vor allem einer moralischen, keiner primär pekuniären Überlegung. Hier berühren wir die Vorstellung der Unsterblichkeit; der Handelnde wird durch ein Interesse angetrieben, das außerhalb des Bereichs biologischer oder ähnlicher Motive liegt. Er ist dadurch motiviert, daß er sich als sterblicher Mensch fühlt - Cotton Mather und Benjamin Franklin haben das beschrieben - , der sich moralisch verpflichtet sieht, Gutes für die lebenden Generationen wie für kommende Generationen zu tun. Das ist sein vorrangiges moralisches Motiv für sein Handeln als einzelner in der Gesellschaft.

Das Motiv kann darin bestehen, etwas ichtiges wiederzubeleben, was die Menschheit irgendwann verloren hat; häufiger ist es etwas, was die Zukunft betrifft, wenn das sterbliche Individuum nicht mehr lebt. Das kann der Wunsch sein, die wahren Absichten eines Johann Sebastian Bach oder Beethoven vor dem Mißbrauch durch heutige Moden zu retten oder eine wichtige naturwissenschaftliche Entdeckung zu bewahren. Oder es kann darin bestehen, notwendige Dinge zu tun, um Ereignisse vorzubereiten, die erst Jahrzehnte oder gar Generationen später geschehen werden - so wie das viele Raumfahrtpioniere getan haben.

Diese höhere Motivation, die wie Keplers Entdeckung der Gravitation an der Unsterblichkeit teilhat, läßt sich wohl kaum bestreiten bei menschlichen Aktivitäten wie der leidenschaftlichen Arbeit an der Entdeckung eines Naturgesetzes oder der Umsetzung eines Prinzips der klassischen Komposition in der Kunst, die über mehrere Generationen nacheinander wirkt und die trennenden Grenzen zwischen Nationen und Kulturen überschreitet. Bei solchen Aktivitäten spürt der sterbliche Mensch in sich die Unsterblichkeit. Sie bewegt den Menschen dazu, sein Leben der ganzen Menschheit zu widmen und zur Verwirklichung der Verpflichtung des Menschen beizutragen, das Universum besser zu machen, als es ohne sein schöpferisches Einwirken wäre.

Es gibt zwei Arten von Menschen, die zum Schöpferischen neigen (schöpferisch im Sinne der Entdeckung universeller Naturprinzipien): Die erste ist der bloß nützliche Forscher oder Entwickler, der sich als Untertan betrachtet, mit der Motivation eines treuen Dieners. Im zweiten Fall sind die Menschen motiviert durch die schöpferische Arbeit am grundlegenden wissenschaftlichen Fortschritt um seiner selbst willen, so wie etwa Nikolaus von Kues, Kepler, Mendelssohn, Schiller oder auch Abraham Lincoln. Sie sind motiviert durch ein Gefühl einer Unsterblichkeit, die in einer zerbrechlichen, tierartigen, sterblichen Hülle eingesperrt ist: ein persönliches Gespür dafür, unsterblich zu sein. Dann hat man den Antrieb, für die Menschheit zu handeln und so über alle Grenzen von Vergangenheit und Zukunft hinauszureichen, wenn und soweit es die von gewählte Absicht erfordert.

Diese Überlegungen sollten uns zu der Erkenntnis veranlassen, daß die ganze bekannte Geschichte der Menschheit von den widersprüchlichen Eigenschaften weitgehend entgegengesetzter Typen von Menschen und ihren Institutionen geprägt ist.

Auf der einen Seite steht der Typus des prosatanischen Kultes des Apollon, der dem weiblichen Satan Gaia dient und dem satanischen Zeus untertan ist. Auf der anderen Seite steht der Mensch, der seine Identität und sein wesentliches Eigeninteresse darin findet, als Ebenbild des unsterblichen Schöpfers des Universums zu leben - eine Identität in der Idee der fleischgewordenen schöpferischen Seele des Menschen, die am Werk des Schöpfers teilhat, das Universum zu entwickeln und über den unsterblichen geistigen Beitrag des sterblichen Einzelnen auf immer höhere Entwicklungsstufen zu heben.

Fortsetzung folgt


Anmerkung

5. Nach dem Sturz des normannischen Hauses Anjou durch die Sizilianische Vesper übergab Venedig dort die Herrschaft den Habsburgern. Die Habsburger verfolgten dann eine imperiale Politik "über das Ehebett", mit der sie das Herrscherhaus der Trastamara in Spanien, Vettern des Stauferkönigs Friedrich II., übernahmen. Diese Politik, das Ehebett zu benutzen, um Nationen zu vergewaltigen, war von entscheidender Bedeutung bei der Ingangsetzung der Religionskriege in den meisten Teilen West- und Mitteleuropas zwischen 1492 und 1648.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Wie man nicht Schach spielt - Teil I - Neue Solidarität Nr. 47-48/2006
Schriften von Lyndon H. LaRouche 1981-2006 - Internetseite des Schiller-Instituts

 

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