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Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2006

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Britischer Insider schlägt Alarm: Finanzsystem kurz vor dem Krach!

Von Helga Zepp-LaRouche

Die Insider der Finanzoligarchie bereiten sich auf einen Zusammenbruch des Finanzsystems vor. Deutschland und Europa müssen zusammen mit LaRouche und der neuen Mehrheit in den USA eine Wirtschaftspolitik in der Tradition F.D. Roosevelts durchsetzen.

Normalerweise ist man gut beraten, den Medien gegenüber ein gesundes Mißtrauen an den Tag zu legen. Doch hin und wieder erscheinen gewisse "Signalartikel", welche die institutionellen Spekulanten auf die bevorstehenden Gefahren hinweisen. So warnte der britische Journalist Ambrose Evans-Pritchard am 7. Dezember im Daily Telegraph im dritten Artikel in relativ kurzer Folge vor dem unmittelbar bevorstehenden Systemkrach: Mit dem eskalierenden Kollaps des Dollar werde das "Herz des Systems", die "Aorta des Kapitalismus" getroffen.

Evans-Pritchard verrät, daß der Insiderhandel von Firmenchefs auf beiden Seiten des Atlantik den Höchststand seit dem Beginn der Aufzeichnungen dieser an sich ja nicht legalen Aktivität vor 20 Jahren erreicht hat; das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen habe das erstaunliche Verhältnis von 60:1 erreicht. Verlassen die Ratten das sinkende Schiff?

In der Tat hat die spekulative Blase astronomische Dimensionen erreicht; laut Evans-Pritchard hat der amerikanische Finanzminister Paulsen in Washington ein Team zum Krisenmanagement reaktiviert, das sich mit dem "Systemrisiko in einer finanziellen Kernschmelze" beschäftigen soll. Paulsen - der vor seinem Amtsantritt noch schnell 700 Millionen bei seinem vorherigen Arbeitgeber Goldman Sachs an persönlichem Einkommen eingenommen habe - sorge sich um die 8000 nichtregulierten Hedgefonds mit 1,3 Billionen Dollar Kapitaleinlagen und die 370 Billionen Dollar (!) an ausstehenden Derivatkrediten. Laut einem gut recherchierten Artikel in der Zeitung Washington Weekly Standard fürchtet Paulsen einen Todesstoß für die US-Wirtschaft.

Weiter beschreibt er den dramatischen Einbruch des amerikanischen Konsummarktes, die "Todesspirale" des kollabierenden amerikanischen Immobilienmarktes und den unhaltbaren Zustand der amerikanischen Defizite. Der "Währungsguru" der HSBC (Hongshang Banking Corporation) David Bloom wird zitiert, daß die USA bisher einen jährlichen Zustrom an Kapital von einer Billion Dollar gebraucht haben, um diese Defizite zu kompensieren. Aber eben diese Kapitalströme fließen seit einiger Zeit nicht in die USA, sondern aus den USA weg. Evans-Pritchard warnt auch vor der "inverted yield curve of satanic fame", d.h. der "teuflischen umgedrehten Gewinnkurve" an den Anleihemärkten, die man nur auf eigene Gefahr ignorieren könne. Und Alan Greenspan wisse seit langem, daß die Wirtschaft dabei sei, von der Klippe zu stürzen.

Dieser Evans-Pritchard hatte sich schon einen schlechten Namen gemacht, als er 1989-90 gegen das vermeintliche "Vierte Reich" anschrieb, das angeblich bei einer deutschen Wiedervereinigung drohe; und kürzlich giftete er gegen Bundeskanzlerin Merkel, ihre Unfähigkeit radikale Reformen durchzusetzen, habe ausländische Investoren Milliarden gekostet. Wenn also ein solcher Schreiberling für den aggressiven Teil der Finanzoligarchie eine solche Warnung vor dem Zustand des Finanzsystems ausspricht, sollte man in Europa lieber dringend aufwachen.

Chance in den USA

Niemand kann bestreiten, daß bisher keine einzige europäische Regierung auch nur das Geringste getan hat, um für diese unmittelbar bevorstehende Systemkrise eine Lösung auf die Tagesordnung zu setzen. Im Gegenteil, die junge Generation in der SPD hat soeben ein Papier in die Diskussion gebracht, das die "Heuschrecken" noch einlädt, in Deutschland zu investieren - und zwar in eine vom Standpunkt der Realwirtschaft völlig inkompetente neue "Ökoblase". Die brutale Realität ist, daß die Bevölkerung in den verschiedenen Nationen in Europa vor den Auswirkungen des kommenden Kollapses derzeit völlig ungeschützt ist.

Die einzige Chance, großen Schaden von Deutschland und allen anderen Staaten der Welt abzuwenden, liegt deshalb in den dramatischen Veränderungen, die mit dem Wahlsieg der Demokraten in den USA stattgefunden haben. Dieser Wahlsieg wäre nach der Einschätzung professioneller Wahlforscher nie und nimmer ohne die Mobilisierung von Lyndon LaRouches Jugendorganisation zustande gekommen. Durch sie gelang die Aktivierung von zusätzlichen zwei Millionen Neuwählern im Alter von 18-35 Jahren, was wiederum zu einer Mobilisierung der Demokratischen Partei im allgemeinen führte. Und es ist eben diese Jugendbewegung, die derzeit im Kongreß und im Senat für die Umsetzung einer Gesetzesvorlage LaRouches zur Reorganisation des Weltfinanzsystems kämpft, dem sog. Economic Recovery Act (ERA) in der Tradition Franklin D. Roosevelts.

Was man aus der Berichterstattung in den deutschen Medien nicht ahnen kann, ist dennoch eine Tatsache: Die Lage in den USA hat sich dramatisch verändert, die Demokratische Partei ist nicht mehr von der Spitze her im Griff der Bankiers à la Rohatyn und Soros, sondern eine ganze Reihe neue Kongreßabgeordnete wurden mit dem Mandat gewählt, umgehend ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bush und Cheney zu betreiben. Man kann davon ausgehen, daß bereits im Januar, wenn der neue Kongreß seine Arbeit übernimmt, ein neues Watergate ins Haus steht.

Aber auch die Republikanische Partei erlebt derzeit eine tiefgehende Krise. Hinter dem Baker-Hamilton-Bericht für eine Änderung der Irakpolitik steht das überparteiliche Einverständnis, daß die Politik von Bush und Cheney im Irak, aber implizit auch gegenüber dem gesamten Nahen und Mittleren Osten ein völliges Desaster ist. Und wenn Lawrence Eagleburger - ein gestandener Mann des republikanischen Establishments - auf die Frage, wie Bush auf die Vorschläge der Baker-Hamilton-Gruppe reagiert habe, antwortete "Seine Reaktion war: ,Wo ist mein Drink?' Er war ein bißchen voll. Es war auch noch früh am Morgen, und ich erinnere mich ehrlich nicht, daß er irgendwelche Fragen gestellt hätte", dann kann man daran abmessen, wie es um Bushs Autorität bestellt ist. Da die Republikaner sich auch um die Wahl 2008 sorgen müssen, gehen Kenner der Lage davon aus, daß die Tage von Bush und Cheney im Weißen Haus gezählt sind und auf keinen Fall bis 2008 dauern werden.

Wenn Europa und damit auch Deutschland die kommenden Stürme überleben will, muß es sich jetzt auf die kommende Änderung der Finanzpolitik in den USA einstellen und Schritte einleiten, mit einer neuen Politik in der Tradition F.D. Roosevelts zu kooperieren. Sollten die USA diesen Wechsel nicht schaffen und untergehen, hätte weder Europa noch irgendein anderer Teil der Welt eine Chance. Aber mit einem veränderten Amerika haben wir und alle anderen Nationen der Welt die reale Chance, den Wahnsinn der letzten sechs Jahre hinter uns zu lassen und die Welt für das 21. Jahrhundert zu gestalten.

 

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