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Aus der Neuen Solidarität Nr. 51-52/2006 |
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Von Lyndon LaRouche
Gedanken zu dem Buch von Michael Isikoff und David Corn, "Hubris. The Inside Story of Spin, Scandal and the Selling of the Iraq War", New York 2006. ("Hybris: Die interne Geschichte von Verdrehungen, Skandalen und wie der Irakkrieg verkauft wurde", bisher keine deutsche Ausgabe.) Der amerikanische Ökonom und demokratische Oppositionspolitiker LaRouche veröffentlichte diesen Artikel am 9. Oktober 2006.
Zu Beginn dieses Aufsatzes berichtete ich, wie schockiert ich war, als ich erkannte, daß Leonhard Eulers formale mathematische Erklärung der Bewegung des Springers beim Schach bewiesen hatte, daß das Schachspiel sozusagen eine tote Sache ist - daß ihm die "Seele" fehlt. Schach ist ein Schlemihl!
Statt des Schachspiels hätte ich zur Veranschaulichung des Konzepts ebenso wirkungsvoll auch den Gegensatz zwischen zwei Aufführungen von Franz Schuberts großer C-Dur-Sinfonie (der 9.) wählen können: eine begeisternde Aufführung in London, die Wilhelm Furtwängler dirigierte, und eine schrecklich langweilige, seelenlose Aufführung in New York unter der Leitung des Freundes von Alma Mahler, Bruno Walter.
Anläßlich der Ausstrahlung im Radio überschwemmte Walter - der in seiner Aufführung Schuberts Sinfonie ruiniert und das Publikum mit einer abtötenden Wiedergabe des zweiten Satzes der Sinfonie vermutlich sehr gelangweilt hatte - die Ohren der Leichtgläubigen mit seinem dummen Nietzscheschen Geschwätz über Beethoven als "dionysischen" und Brahms als "apollinischen" Komponisten! So waren und sind die dekadenten Seelen der modernen Schulen in der Kunst, wenn sie auch damals noch etwas zurückhaltender waren. Anders als Walter kann man Schubert auch kompetent aufführen; Furtwängler hat bewiesen, daß die Sinfonie lebt, so wie es der Komponist bei der Gestaltung der Komposition beabsichtigte. Schubert war kein Schlemihl.
Der Gegensatz zwischen lebendigem und totem Geist, der die Arbeit dieser beiden Dirigenten unterscheidet, bringt uns zu der Tatsache, daß wahre Wissenschaft und wahre Kunst die Eigenschaft gemeinsam haben, daß sie jenseits der Domäne der bloßen Sinneswahrnehmung liegen - genauso wie die menschliche Seele.
Diese Seele ist nicht etwa irgendetwas außerhalb des Universums, das ignorante Menschen fälschlich als selbstevidente Welt der Sinneswahrnehmungen auffassen. Sie ist, wie z.B. Keplers Entdeckungen zeigen, etwas wirksam Handelndes innerhalb des Universums, das, wie Albert Einstein es ausdrückte, endlich, aber unbegrenzt ist. Tatsächlich ist es ein selbstbegrenztes, endliches Universum, begrenzt durch die Eigenschaften seiner nachweisbaren universellen Naturgesetze wie etwa der Gravitation. Es ist kein fixes, sondern ein wachsendes Universum, wachsend nicht so sehr der Größe nach (denn wie sollte man die Ausdehnung einer unbegrenzten Endlichkeit messen?), sondern in seiner Komplexität - so wie die Sonne das Sonnensystem als ihren Ableger und gesetzmäßigen Begleiter aus sich herausdrehte.
Die Qualität der Erfahrungen, welche die ontologische Aktualität der individuellen menschlichen Seele innerhalb des realen Universums ausdrückt, ist mit dem Begriff der Ambiguität verbunden. Ambiguität ist natürlich auch mit der Idee des Unentschiedenen, des Zweifels verbunden. Aber sie drückt sich, z.B. in der richtig praktizierten Naturwissenschaft, im Vorhandensein eines Prinzips aus - so wie Kepler in seiner Neuen Astronomie rigoros Schritt für Schritt ein Universum entdeckt, das die Welt der bloßen Sinneswahrnehmungen beherrscht, als dränge es sich von außen in den Traum der Sinnesgewißheit des leichtgläubigen Ignoranten hinein.
Fehlt diese Ambiguität im Sinne von Keplers Entdeckung der Gravitation, ist das wie ich schon zu Beginn dieses Berichts betonte, ein Schachspiel - wie von geistig toten Spielern an ihren Schachbrettern im New Yorker Washington Square Park, oder so wie Leonhard Euler die Existenz der Ambiguität, die in Leibniz' Kalkulus "infinitesimal" genannt wird, bestritten hat. Kehren wir von den Ideologen der toten Seelen - de Moivre, d'Alembert, Euler, Lagrange und ihren Gesinnungsgenossen - zurück zu Keplers Entdeckung der universellen Gravitation. Wie Albert Einstein Riemann zitierte, ist das wirkliche Universum riemannisch, d.h. es drückt die Grundlagen der gesamten kompetenten neuzeitlichen Naturwissenschaft in der Aufeinanderfolge von Entdeckungen vom Werk Keplers bis zu dem Riemanns aus.
Diese universellen Naturprinzipien, die seelenlose Mathematiker als nichtexistente "Infinitesimale" bezeichnen, sind in Wirklichkeit - wie die Gravitation - Objekte, die so groß sind wie das Universum selbst (ein endliches, aber selbstbegrenztes Universum) und auf jeden noch so kleinen Teil dieses Universums wirken, aber als Objekte im Sinne von Objekten der Sinneswahrnehmungen nicht erkannt werden können, weil sie viel zu groß sind.
Als Euler die Lücke im Schachspiel schloß, indem er zeigte, daß der Rösselsprung auch im Bereich toter Seelen existiert, zeigte er, daß das Schachspiel bzw. die Art des Denkens, die es voraussetzt, niemals ein Weg sein kann, die wahren Prinzipien, die das Universum steuern, zu entdecken.
So ist der Mensch über seine Fähigkeit, universelle Naturprinzipien zu entdecken, in der Lage, seine Macht im und über das Universum zu vergrößern. Dies zeigt, daß die Seele ein wirksamer Akteur in diesem Universum ist. Sein sterblicher Begleiter mag in der Vergangenheit liegen, aber die wirkende Substanz der Seele ist unsterblich, da sie in ihrer Substanz der aktive Ausdruck einer Kraft ist, die im wesentlichen universell ist.
Es gibt also eine Kategorie der Erfahrung, die für den individuellen menschlichen Geist wißbar ist; durch sie berührt der Mensch die schöpferische Kraft, die das Universum ändern kann, wie man sie sonst nur beim Schöpfer selbst findet. Es wäre irreführend, das als "spirituell" zu bezeichnen, wenn man damit unterstellen wollte, es handele sich um etwas außerhalb des Universums, denn in Wirklichkeit ist es eine Kraft im und über das Universum - so wie Heraklit und Platon übereinstimmend sagten: das Prinzip, daß nur die Kraft der Veränderung universell ist.
Daher ist die wichtigste Frage bei der Suche nach Wissen - und insbesondere nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, die das Wohl des Universums betreffen - , mit welchen Mitteln die einzelne menschliche Seele, die an ihre sterbliche Hülle gebunden ist, wirksam und unsterblich im und auf das Universum wirken kann. Für den, der diesen Punkt verstanden hat, liegt das Wichtigste in der sterblichen Existenz des Menschen darin, solche wirksamen Mittel, d.h. ein Prinzip zu entdecken, durch welches der einzelne sich als Kraft erweisen kann, die das Universum zum Besseren verändert.
Was sterbliche Menschen von ständig mürrischen, affenartigen Wesen wie dem unglücklichen amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney abhebt, ist dasjenige am menschlichen Individuum, was die Unsterblichkeit berührt, die in seinem sterblichen Körper enthalten, aber nicht an ihn gebunden ist. Dies zeigt sich in der Fähigkeit bestimmter höherer Kräfte des individuellen menschlichen Geistes, im Universum sinnvolle physische Wirkungen oder große Kunstwerke in der streng klassischen Tradition, die mit dem typischen Werk Platons verbunden ist, hervorzubringen. Solche Wirkungen übersteigen die Möglichkeiten von Menschenaffen, sie sind mit dem Begriff der unsterblichen Existenz der individuellen menschlichen Seele verbunden, so wie der Geistesriese Moses Mendelssohn Platon verstand.
Diese Sorgen gingen in die Entwicklung eines Programms zur Selbstentwicklung der Teilnehmer der LaRouche-Jugendbewegung ein.
Zum Beispiel:
In dem pädagogischen Programm, das ich für die Selbstentwicklung der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) im Studentenalter entworfen habe, konzentriere ich mich auf zwei einander ergänzende Ansätze: auf der einen Seite das Nacherleben der wesentlichen Entdeckungen universeller Naturprinzipien, zunächst der alten Pythagoräer und Platons, dann der neuzeitlichen Wissenschaft Johannes Keplers. Auf der anderen Seite die Aufgabe, die nicht so naheliegende Fähigkeit zu entwickeln, J.S. Bachs Motette Jesu, meine Freude aufzuführen. Die beiden, Wissenschaft und Kunst, werden zusammengebracht, wo sie immer hingehörten, im Bereich der musikalischen Harmonik. Die Verbindung zeigt sich in dem - meist mißverstandenen - Begriff des pythagoräischen Kommas und der Verwirklichung des Prinzips des Kommas in Keplers Harmonik des Sonnensystems. Der junge Erwachsene, der das Komma aus der Sicht der Erfordernisse einer Aufführung der Bach-Motette Jesu, meine Freude nach dem Maßstab des Florentiner und Bachschen Belcanto verstanden hat, aber auch verstanden hat, wie uns das Komma in Keplers Astrophysik gegenübertritt, hat ein und dasselbe Konzept erfaßt.
Das Kombinieren dieser beiden Aufgaben ist notwendig, ja unverzichtbar, damit die Beteiligten Kompetenz erlangen, und es erfordert leidenschaftliche Konzentration und immer wieder neues Durcharbeiten der Bemühungen in wiederholten Arbeitssitzungen, bis die falsche Dämmerung vorüber ist und der Morgen wahrer Einsicht begonnen hat. Das rechte Ziel klassischer Erziehung, ganz besonders der höheren Bildung, besteht darin sicherzustellen, daß der Schüler am Ende eine klare Vorstellung hat, wie man zwischen den bloßen Schatten der Wirklichkeit, die uns die Sinneswahrnehmung liefert, und der Wirklichkeit selbst unterscheidet, die sich dem menschlichen Geist zeigt, der den Gegenstand, der diese Schatten auf seine Sinne wirft, erkennen kann.
Deshalb ist das Wesentliche in der Bildung, ganz besonders der höheren Bildung, daß der Schüler ein wirkliches Verständnis dafür entwickelt, daran teilzuhaben, eine Wirkung zu schaffen und zu beherrschen, die mit einer sinnlich wahrnehmbaren Handlung dieses Schülers zusammenhängt, aber eine Idee berührt, die wirksam existiert, aber selbst kein Gegenstand der Sinneswahrnehmung ist. (In unserer Schule ist "Benchmarking" nicht erlaubt!)
Das Ziel ist, anstatt nur Beobachtetes zu interpretieren, gezielt eine Wirkung hervorzurufen, die zeigt, daß man die Idee eines Prinzips anwenden kann, um etwas zu bewirken, was sonst im Universum der Sinneswahrnehmung nicht verfügbar ist. Trifft man in einer Passage polyphoner Musik den richtigen Ton, die richtige Intonation, dann liefert die richtige Annäherung an das notwendige Komma zu diesem Zweck eine Verbindung zwischen dem menschlichen Willen des Sängers im Chor und dem unheimlichen Effekt, daß es so "stimmt". Ein meisterhaftes Streichquartett ist das beste pädagogische Mittel für entsprechende "klinische" Demonstrationen, aber es gibt nur sehr wenige Musiker, die sich mit den Fähigkeiten des Amadeus-Quartetts, mit der praktisch perfekten Plazierung der Intonation des verstorbenen Primarius Norbert Brainin, messen können. Beethoven ist die Fortsetzung Bachs, und die Große Fuge belegt die grundsätzlichen Zusammenhänge. Beide beherrschen dieselbe Methode eines geradezu unheimlichen Zugangs zur Wirklichkeit des Göttlichen, zum wahren Universum auf der anderen Seite des Zauns der Sinneswahrnehmung.
In ähnlicher Weise wird das Programm der Sphärik, wie man sie mit Pythagoreern wie Archytas und anderen Kreisen Platons verbindet, den Schüler, indem es die alberne Ansammlung sogenannter Definitionen, Axiome und Sätze des zweifelhaften Sophisten Euklid zurückweist, zwingen zu entdecken, was die ontologische Lücke der physikalischen Wirkung zwischen Punkt und Linie, Linie und Fläche, Fläche und Körper physikalisch bedeutet.
Wesentlich ist in dieser Hinsicht Archytas' Verdoppelung des Würfels, die deshalb schon Eratosthenes, ein Zeitgenosse und Briefpartner des Archimedes, besonders hervorhob, ebenso wie die Behandlung der regelmäßigen Körper bei dem mit Platon verbundenen Theaitetos. Diese Entdeckungen, ebenso wie die Entdeckung des Aristarch von Samos, daß sich die Erde um die Sonne dreht, liefern den Schülern, die diese Entdeckungen als ihre eigenen nacherleben, einen Einblick in die Fähigkeit, wahrhaft Mensch zu sein - die Fähigkeit zur Erkennung und Anwendung universeller Naturprinzipien, die jenseits der Grenzen einfacher Sinneswahrnehmung liegen und die Schatten der Wirklichkeit herrufen, die wir über die Sinne wahrnehmen.
Die wesentliche Lehre aus diesem Aspekt des besten Erbes des alten Griechenland ist, welche enorme Bedeutung der riesige Schwindel hat, der im Namen der Elemente des Euklid begangen wird.
Wie ich hier bisher nur angedeutet, aber in früheren Veröffentlichungen ausführlich dargelegt habe, besteht das große Verbrechen, das noch heute die versuchte Praxis der Wissenschaft lähmt, in dem weitverbreiteten Einfluß jenes Sophismus, der wahlweise euklidische oder kartesische Geometrie genannt wird. Dies lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die ontologische Frage, die zu Beginn dieses Berichts aufgeworfen wurde.
Tatsächlich ist der Sternenhimmel, der unsere Erdenexistenz zu umgeben scheint - das haben schon die entsprechenden Griechen, wie die Pythagoreer, aus den Erfahrungen der ägyptischen Astrophysik übernommen - scheinbar kugelförmig. Da wir die Abfolge der Ereignisse anhand von Zyklen der scheinbaren Bewegung von Sonne, Mond und der nächtlichen Anordnung der Sterne am Himmel messen müssen, ist der Begriff des Universalen, mit allen seinen entsprechenden Konnotationen, weniger mit der Astronomie als mit der Astrophysik verbunden - mit der Entdeckung der berechenbaren Wirkungen, welche die Anordnung des beobachteten Nachthimmels stören. Das gilt besonders für den nächtlichen Sternenhimmel der antiken Seefahrer, die sich an den entsprechenden Ufer- und Flußgebieten des Atlantischen und Indischen Ozeans und des Mittelmeeres ansiedelten. Das zumindest kann man aus der Beschäftigung mit den bekannten antiken Kalendern ableiten, wie dies der große indische Gelehrte Bal Gangadhar Tilak getan hat.
Vor allem befaßte man sich beim Studium der astronomischen Geschehnisse damit, daß diese immer wieder von einfacher Regelmäßigkeit abwichen, und zwar in Richtung einer höheren Ordnung der Regelmäßigkeit, die als in sich gesetzmäßige Veränderung aufgefaßt wurde. Daher wird das entsprechende Erbe der ägyptischen physikalischen Kenntnisse, die an die Griechen der Zeit um das 7. Jh. v.Chr. weitervermittelt wurden, zurecht als Angelegenheit der Astrophysik statt nur der einfachen Astronomie betrachtet. Das, was insbesondere an die Pythagoreer weitervermittelt wurde, nennt man Sphärik.
Die entgegengesetzte Strömung, auf welche die Sphärik in dieser antiken griechischen Zivilisation stieß, ist im großen und ganzen das, was man Reduktionismus nennt, besonders die Form des Reduktionismus, die heute als Ursprung von krankhaften Erscheinungen in der neuzeitlichen europäischen Kultur besondere Aufmerksamkeit verdient: der Sophismus, wie man ihn mit den Auswirkungen des üblen Einflusses des delphischen Apollokults auf die griechische Kultur verbindet, die sich in der Orgie des Peloponnesischen Krieges beinahe selbst zerstörte.
Das abstoßendste Beispiel dieser Praxis des Sophismus in der heutigen europäischen Zivilisation ist die weitverbreitete akademische und ähnliche moralische Korruption um die sog. anglo-holländische liberale oder empiristische Sicht eines René Descartes oder der heute vorherrschenden Geisteskrankheit der statistisch-mechanistischen Methode, die derzeit gewöhnlich als fauler Ersatz für echte Wissenschaft dient. Die traditionelle Wurzel des Kartesianismus ist identisch mit der des betrügerischen Kultes der Ptolemäischen Astronomie, die sich wiederum vom Einfluß eines anderen Schwindels, der Euklidischen Geometrie, ableitet.
Die Alternative zu diesem Schwindel leitet sich, was die vorausgesetzte Wissenschaftsmethode betrifft, von der antiken griechischen Sphärik ab.
Der Kernpunkt, der unausgesprochen zu Beginn dieser Schrift eingeführt wurde, ist der: Die Erniedrigung des eigenen Menschenbildes auf so etwas wie bloße Menschenaffen wurzelt in der unbegründeten Hinnahme der Auffassung, die Definitionen, die sich von simpler Sinneswahrnehmung ableiten - Definitionen, Axiome und Postulate, wie man sie beispielhaft mit der erlernten Euklidischen Geometrie verbindet - seien selbstevidente Wahrheiten. Dieser leider weithin akzeptierte Schwindel dient genau dem gleichen Zweck, den der Olympier Zeus in Aischylos' Gefesseltem Prometheus beschreibt: ein Verbot der praktischen Kenntnis universeller Naturprinzipien im Wissen und der Praxis von Menschen, die dazu verdammt sind, ihr Leben praktisch als menschliches Nutzvieh zu fristen.
Diese olympische Doktrin ist der Schlüssel zum Verständnis der charakteristischen Merkmale der Methode der oligarchischen Tradition von Babylon bis zu den anglo-holländischen liberalen Ideologien und Systemen von heute. Sie ist entscheidend für die Unterdrückung des natürlichen Potentials für schöpferische Einsicht. Daß die unmenschliche Ironie des Rösselsprungs beim Schach nicht erkannt wird, ist nur ein Beispiel für diese Unterdrückung.
Sobald wir die aprioristischen, sophistischen Annahmen der euklidischen und kartesischen Geometrien beseitigen - einschließlich derer, die der sog. Newtonschen Überzeugung zugrundeliegen - , läßt uns der Fortschritt der neuzeitlichen experimentellen Naturwissenschaft und ähnliches keine andere Möglichkeit, als zu erkennen, daß nachweisbare universelle Naturprinzipien - typisch ist die Gründung einer umfassenden neuzeitlichen Naturwissenschaft durch Keplers Werk - die willkürlichen Definitionen, Axiome und verwandten Hindernisse eines euklidischen oder kartesischen Systems ersetzen müssen. Genau das hat Bernhard Riemann in den ersten Absätzen seiner mutigen, revolutionären Habilitationsschrift von 1854 zur Genüge deutlich gemacht.
Doch diese Sicht hat nicht mit Riemann begonnen; in seinem Werk entwickelt er nur die Richtung weiter, die seine Vorgänger spätestens seit Thales und den Pythagoreern vorgegeben haben. Das ist das Wesen von Platons Werk. Es ist der Kern der Gründung der neuzeitlichen europäischen Experimentalwissenschaft mit Kardinal Nikolaus von Kues De docta ignorantia. Es ist, wie Albert Einstein erkannte, die allumfassende, entscheidende Bedeutung der Gründung einer erweiterten neuzeitlichen naturwissenschaftlichen Praxis durch den Cusaner Johannes Kepler.
Um diesen Punkt so klar wie möglich zu machen, betrachte man, wie Kepler den methodologischen Kern aller gültigen Formen neuzeitlicher europäischer Wissenschaft nach ihm definierte. Ich fasse die entsprechenden grundsätzlichen Elemente dieser fortgesetzten Geschichte zusammen, damit wir auf den entscheidenden relevanten Punkt, den ich hier behandeln muß, richtig vorbereitet sind.
Der Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaft - wie sich das in meinem Beruf, der Wirtschaftswissenschaft als Naturwissenschaft, widerspiegelt - liegt in zwei entscheidenden Punkten, die Kepler lieferte, sowie einem weiteren von Fermat, wie folgt.
Keplers ureigenste Entdeckung des Prinzips der universellen Gravitation definierte für diejenigen, die ihm bei der Entwicklung der Grundlagen der Naturwissenschaft nachfolgten, zwei wesentliche Arbeitsfelder. Erstens veranlaßte die Entdeckung eines universellen Prinzips der Gravitation, das sich ontologisch als ein infinitesimaler Augenblick eines Prozesses ausdrückt, Kepler dazu, "künftigen Mathematikern" die Entwicklung einer Infinitesimalrechnung zur Aufgabe zu machen. Diese Entdeckung, brachte dann als einziger Gottfried Leibniz zustande. Sein Mitarbeiter Jean Bernoulli behandelte sie als Entdeckung eines universellen Prinzips der physikalischen geringsten Wirkung, das "Kettenlinienprinzip" des physikalischen komplexen Bereichs: die erste Entdeckung des infinitesimalen Kalkulus.6 Das zweite Arbeitsfeld, das Kepler seinen Nachfolgern zuwies, war die Entwicklung eines allgemeinen physikalischen Verständnisses der Bedeutung elliptischer Funktionen.
Eine entscheidende Ergänzung dieser vorausschauenden Beiträge Keplers war Fermats wegweisender experimenteller Nachweis dessen, was sich als das physikalische Prinzip der relativen Zeit erwiesen hat. Wie Hermann Minkowski später in seiner berühmten Erklärung aus dem Jahr 1907 schreiben sollte: Mit dem Begriff der physikalischen Relativität, den das Werk von Kepler, Fermat und Leibniz stillschweigend einschloß, wurden die reduktionistischen Kategorien der quasi euklidischen, kartesischen Vorstellungen von Raum, Zeit und Materie ausgemerzt und von der Vorstellung der physikalischen Raumzeit verdrängt.
Im Zuge der Ausarbeitung der zweiten von Kepler gestellten Aufgabe für zukünftige Mathematiker gingen Carl F. Gauß und seine betreffenden Zeitgenossen energisch daran, den Begriff der elliptischen Funktionen zu entwickeln, wobei Gauß' maßgebliche Rolle in der Astronomie, der Geodäsie und dem Erdmagnetismus empirisch im Mittelpunkt dieser Forschungen stand. Abels Behandlung der Frage der elliptischen Funktionen diente als Ausgangspunkt für Bernhard Riemanns Sprung über die physikalischen elliptischen Funktionen hinaus zur allgemeineren Sicht der physikalischen hypergeometrischen Funktionen, die als Grundlage des neuzeitlichen Prinzips der Dynamik dient - so wie Albert Einstein diese Verbindungen von Kepler bis Riemann später erkannt hat.7
Auf den ersten Blick erscheint diese Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaft von Nikolaus von Kues über Kepler bis Riemann dem Kenner der antiken griechischen Wissenschaft beinahe wie ein Rückkehr zum Werk von Thales, Heraklit, den Pythagoreern, Platon und den Anhängern der anti-aristotelischen Methode Platons in der Platonischen Akademie bis zum Tod des Eratosthenes. Das ist eine im großen und ganzen zutreffende und wichtige Betrachtungsweise, aber man darf den Zusammenhang nicht zu sehr vereinfachen. Man darf die Zusammenhänge und Unterschiede, die diese Entwicklungslinie einer Sicht des physischen Universums beschreibt, nicht zu einer apolitischen, ahistorischen Auffassung des wirkenden Prozesses außerhalb des akademischen Hörsaals herabwürdigen. Die Auffassung des physischen Universums und das Menschen- und Gottesbild definieren eine Reihe funktional untrennbar miteinander verbundener Inhalte von Wissenschaft, Geschichte und Politik.
Nämlich:
Wie ich bereits betont habe, ist jede Bezugnahme auf die Geschichte des Einflusses des oligarchischen Prinzips, wie es Zeus in Aischylos' Gefesseltem Prometheus zum Ausdruck bringt, unausweichlich eine Bezugnahme auf den Zusammenhang zwischen dem politischen Menschenbild, das eine Gesellschaft wählt, und der Natur des physischen Universums, in dem dieses Menschenbild und die menschliche Gattung aktiv vorhanden sind. Wie man die Natur des Menschen sieht, so sieht man auch das Universum, und wie man das Universum sieht, so sieht man auch den Menschen.
Die Verbindung zwischen den scheinbar identischen Gedanken der Sphärik der Pythagoreer und Platons und der neuzeitlichen Naturwissenschaft eines Nikolaus von Kues, Kepler, Leibniz u.a. ist Teil einer historischen Entwicklung, eines jahrtausendelangen Ringens um die Befreiung der Menschheit vom bestialischen oligarchischen Prinzip, dessen typische herausragende Festpunkte erst das alte Babylon und der Kult von Delphi und dann der Imperialismus in seiner römischen, byzantinischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Form waren. Im Wechselspiel des Ringens zwischen der humanistischen Auffassung der Rolle des Menschen im Universum und dem Menschenbild, das in der Praxis der Kulturen zum Ausdruck gelangt, findet man die Brücken zwischen dem antiken Standpunkt der Sphärik und der befreiten Naturwissenschaft Bernhard Riemanns.
Schaut auf die Straßen der Städte und Dörfer Nordamerikas und Europas. Stellt das humanistische Menschenbild, das Solons Athen veredelte, den Kampf des Christentums gegen die "Große Hure Babylon", die eigentlich Rom war, gegen feudale Barbarei, gegen die Anstifter der Religionskriege, gegen den Aufstieg des neuen venezianischen Programms in Form des modernen anglo-holländischen liberalen Imperialismus. Seht die Wirkung der allgemeinen Zustände auf den Geist von Kindern und Erwachsenen auf den Straßen. Wer ist bereit, das Menschenbild, das ich hier zusammenfassend skizziere, politisch zu verteidigen? Oder betrachtet den Kampf für die Rettung der akademischen Freiheit vor dem geradezu teuflischen Bündnis zwischen Dick Cheneys Ehefrau und dem rechtsradikalen Bankier und alten politischen Geheimdienstmann John Train. Betrachtet den historischen Prozeß des Ringens des Guten mit der scheinbar überwältigenden Macht der populären und anderen Ideologien, wie sie in der Praxis der Bösartigen, Korrupten oder einfach nur Dummen zum Ausdruck kommen.
Deshalb ist Wissenschaft heute an praktisch sämtlichen Universitäten in den Vereinigten Staaten und Europa von ihrer Wurzel her politische Wissenschaft.
Wenn wir, wie ich oben erklärte, die geisttötenden Fesseln der euklidischen und kartesischen geometrischen Weltsicht aus unserem Bild vom Menschen und vom Universum verbannen müssen, was soll dann die Lücke, die wir durch das Ausmerzen der ach so heiligen Lügen des Euklid und seinesgleichen geschaffen haben, ausfüllen?
Die typische moderne Antwort findet man im Arbeitsbegriff des "Tensors", unter der Bedingung, daß man darunter die Auffassung der physikalischen Raumzeit versteht, für die Riemanns Begriff der physikalischen Hypergeometrien steht, und nicht irgendeine Elfenbeinturmerfindung der abstrakten Schulmathematik. Unser Ziel muß - wie Riemann betont - im wesentlichen sein, die durch das Ausmerzen von Euklid und seinesgleichen entstandene scheinbare Lücke einzig und allein mit dem zu füllen, was eine angemessene experimentelle Methode als Reihe universeller Naturprinzipien definiert. Diese Prinzipien ersetzen konzeptionell die abstrakten Dimensionen eines euklidischen oder kartesischen Phantasieprodukts. Die Verhältnisse zwischen diesen "Dimensionen" der physikalischen Raumzeit definiert man experimentell, wie Riemanns Behandlung der sog. "Riemannschen Fläche" nahelegt.
Um zu sehen, was Riemann in seinen schriftlichen Berichten und einigen aufgezeichneten Vorlesungen namentlich erreicht hat, ist es unverzichtbar, auf das Werk der Pythagoreer und Platons zurückzuschauen, wie es Gottfried Leibniz tat, als er die pythagoreische Vorstellung der dynamis unter dem modernen Namen Dynamik weiterführte. Das Wesentliche ist natürlich - wie Leibniz selbst mit Hilfe entsprechender Veranschaulichungen deutlich macht - , alles, was den Gestank von Descartes an sich hat, den Gestank der Quacksalberei der sog. statistisch-mechanistische Methode, aus der Wissenschaft zu verbannen.
Denkt wie Kepler, ohne dabei Keplers Wurzeln im Werk des Cusaners und wiederum dessen Wurzeln in der wissenschaftlichen Weltsicht der Pythagoreer und Platons aus dem Auge zu verlieren.
Es wäre unmöglich, eine kompetente strategische Einschätzung der Impulse hinter den verqueren Meinungen und Handlung der gegenwärtigen amerikanischen Regierung abzugeben, ohne die eigentlich zugrundeliegende Idee der Herren der geistig verwirrten, an Nero erinnernden Figur des Präsidenten George W. Bush jun. auf den Präzedenzfall des Römischen Reiches unter Kaiser Augustus zurückzuverfolgen. Dazu muß man sich mit dem Mithraskult auf der Insel Capri befassen, u.a. mit den Motiven von Augustus' Nachfolger Tiberius für die Kreuzigung Jesu Christi, ähnlich wie es Nero mit den Aposteln Peter, Paulus usw. tat.
An der Präsidentschaft von George W. Bush ist nichts wirklich souverän. Er ähnelt einer Kauderwelsch redenden Marionette oder "Bozo, dem Clown". Die Marionettenspieler ziehen die Strippen und lösen das Wackeln und Springen dieser virtuellen Vogelscheuche aus. Er ist ein armes närrisches Werkzeug, wenn auch ein auffällig böswilliges, ein übellauniger geistiger und moralischer Zwerg, der künftigen Generationen von Studenten in Yale unendlich peinlich sein wird.
Da er ist, was er ist, und erst recht, was er nicht ist - wer hat in dieser Präsidentschaft das Sagen, während er im Weißen Haus seine sinnfreien Reden schwingt? Die Antwort ist, so kurz wie möglich gefaßt: das in Erz geschlagene Bild des Erbes des Römischen Reiches.
Wir alle werden in ein komplexes kulturelles Umfeld hineingeboren, eine Art Erbe der Geschichte von alten Zeiten bis in die Gegenwart. Diese Geschichte ist nicht einfach oder einförmig; die große Straße der Geschichte hat viele Abzweigungen - so etwa die Wahl, vor der die Generation der heimkehrenden amerikanischen Veteranen des Zweiten Weltkriegs stand: Ob man von dort aus den Weg weiterging, für den Präsident Franklin Roosevelt sich entschieden hatte, oder den dunkleren Weg wählte, dem die Günstlinge Harry Trumans folgten.
So bewahrte uns beispielsweise Präsident Eisenhower vor den Schrecken, die eine Fortsetzung von Trumans Präsidentschaft mit sich gebracht hätte. Präsident John F. Kennedy pflanzte seine Fahne oben auf dem Hügel auf und sagte "Franklin Roosevelt", aber er wurde ermordet und die Spuren der Tat wurden verwischt - wahrscheinlich aus diesem Grund.
Seit der Zeit, als Präsident Johnson so eingeschüchtert wurde, daß er der Forderung nachgab, das Land voll in den Vietnamkrieg zu stürzen, herrschte ein langer, bitterer Weg nach unten bis zu dem gegenwärtigen verheerenden Augenblick der Krise vor. Wir sollten fragen: "Welchem Schicksal liefert man uns aus? Was kommt als nächstes? Wer führt uns in den Treibsand dieser Torheiten?"
Dieser "Wer" ist jener Oktavian genannte Mensch, der sich mit den Mithras-Priestern auf der Insel Capri auf ein Weltreich verständigte. Unsere Gesellschaft, die ganze weltweit verbreitete europäische Gesellschaft von heute, wird beherrscht vom eingestanzten Bild des vom Römischen Reich hinterlassenen Schicksals. Es ist ein dynamisches Bild, nicht mehr das gleiche wie in den Tagen von Oktavian, Tiberius oder Nero, sondern das britische imperiale Modell, ein Modell namens anglo-holländischer Liberalismus, dessen ererbte Eigenschaften annähernd die gleichen wie die des ultramontanen Systems sind, das mit dem mittelalterlichen Bündnis der finanzoligarchischen Herrscher Venedigs mit der barbarischen normannischen Ritterschaft verbunden war.
Wer ist der Räuber, der diesen Plan unserem Willen aufzwingt? Aha! Wir kennen ihn, so wie wir den räuberischen Tiger oder, wahrscheinlicher, die Hyäne kennen. Wir erkennen ihn an seiner Spur. Es ist das anglo-holländische liberale System der Finanzoligarchie, die Bande hyänenähnlicher Wesen, die die Macht des souveränen Nationalstaates für immer beseitigen wollen, um ein Reich von Finanzhyänen zu gründen - geprägt im Gedenken an die "Globalisierung" der ultramontanen Art, die man "das "Mittelalter" nennt, das im neuen finsteren Zeitalter Europas zusammenbrach. Das ist der Feind. Seine eingestanzte Ideologie hat uns übernommen, so wie Sklaven manchmal die Ideologie ihres Herrn nachahmen.
Wenn man nun Felix Rohatyn oder John Train ins Gesicht schaut, sieht man die eingestanzte Ideologie des Bösen, die der wahre Feind des Daseins der Vereinigten Staaten und einer zivilisierten Ordnung unter den Nationen der Welt ist. Wem die Politik von Train und Rohatyn gefällt, der sollte in den Spiegel schauen und siehe, dort wird er auf seinen "Doppelgänger" treffen, das Bild seines persönlichen Feindes: er selbst.
Wenn Sie überleben wollen, dann müssen Sie sich ändern, und das jetzt sehr schnell.
So gebiert die Vergangenheit durch die der Evolution der Kulturen eigene Dynamik unsere Gegenwart, und wenn das geschehen ist, liegt es an uns, zu entscheiden, was wir mit der heiklen Lage, die unser Schicksal gefangen hält, anfangen: nämlich die Regeln zu ändern, wenn die gewohnten alten Regeln uns vernichten würden.
6. Isaac Newton, der als Anhänger der schwarzen Magie entlarvt wurde, als John Maynard Keynes seinen schriftlichen Nachlaß öffnete, hat in der Hinsicht überhaupt nichts entdeckt.
7. Die Wirkung dieser Entwicklung durch Riemanns Werk zeigte sich in dem Streit über die Frage der physikalischen Relativität, der gegen Ende des 19. Jh. ausbrach und sich im 20. Jh. bis zu den brutalen Angriffen der barbarischen Anhänger des radikal-positivistischen Ernst-Mach-Kultes und der wissenschaftlichen Schwindel Bertrand Russells hinzog.
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Lesen Sie hierzu bitte auch:
Wie man nicht Schach spielt - Teil I Wie man nicht Schach spielt - Teil II Schriften von Lyndon H. LaRouche 1981-2006 |
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