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Aus der Neuen Solidarität Nr. 8-9/2006

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Aus Wirtschaft & Technik


Perspektiven deutscher Energieforschung
Türkei will Kernkraft

Kernreaktoren für Mexiko

Rußland und Finnland planen Hochgeschwindigkeitsbahn

Mit Stardust die Geschichte unseres Sonnensystems erforschen

Perspektiven deutscher Energieforschung

Anfang April soll ein "nationaler Energiegipfel" in Berlin stattfinden, zu dem Bundeskanzlerin Merkel bittet. Die deutsche Lage ist durch das Paradox gekennzeichnet, daß es sehr viel technologische Kompetenz gibt, aber kaum Finanzierung von Projekten. Deutschland stellt für Forschung im Energiebereich gerade einmal 400 Millionen Euro pro Jahr bereit. Das ist die Hälfte der amerikanischen Ausgaben und sogar nur ein Achtel dessen, was Japan einsetzt. Das soll sich ändern, ein nationales Forum für Energieforschung wird mit dem Gipfel ins Leben gerufen.

Konventionelle Projekte, die in Aussicht genommen werden, schließen ein: das seit November 2005 an der Ruhr-Universität Bochum laufende zur "biomimetischen Produktion von Wasserstoff" (Einsatz von Algen in riesigen Tanks) und die Arbeiten am GeoForschungszentrum Potsdam zur Entwicklung von Kraftwerken mit "null Emission". Hochinteressant sind jedoch die Forschungen an der Kernfusion, bei denen Deutschland immer noch einen Spitzenplatz weltweit hält. Besonders erwähnenswert ist das in Greifswald ansässige Projekt Wendelstein 7-X, das 2011 in den Vollbetrieb gehen soll und einen anderen Zugang zur Erzeugung von Plasma wählt als die ebenfalls von Deutschland in Jülich und Karlsruhe unterstützte Tokamak-Technik im ITER (Internationaler Thermonuklearer Experimental-Reaktor im französischen Cadarache). In Greifswald geht es um die Erzeugung stabilerer Magnetfelder zur Bändigung des "wilden Pferdes Fusionsplasma".

Türkei will Kernkraft

Der türkische Premierminister Erdogan hat am 15. Februar im Grundsatz für den Bau von mindestens drei Kernkraftwerken, die bis 2012 ans Netz gehen sollen, entschieden. Wenn der Nationale Sicherheitsrat der Türkei in seiner Sitzung am 28. Februar eine Auswahl aus acht vorgeschlagenen Standorten trifft, kann mit dem Bau des ersten Reaktors bereits 2007 begonnen werden. Dieser wird vermutlich in Sinop, an der Schwarzmeerküste, errichtet werden. Es ist das erste Kernkraftprojekt überhaupt in der bisher stark von Erdgas- und Erdölimporten abhängigen Türkei, die im Jahr 2012 etwa 5 000 Megawatt Atomstrom erzeugen will.

Kernreaktoren für Mexiko

Ende Januar verkündete der mexikanische Energieminister, daß die Regierung Fox vorhabe, ein Kernkraftwerk zu bauen. Der Standort werde, bevor Fox aus seinem Amt ausscheidet, bis Ende 2006 bekanntgegeben. Die LaRouche-Jugendbewegung (LYM) Mexikos denkt nicht an den Bau nur eines Kernkraftwerks (KKWs), nein, man bräuchte zwanzig! Es sei dabei an die Aufbaupolitik des ehemaligen Präsidenten Lopez Portillo zu erinnern, der sich zu Ende seiner Regierungszeit dafür stark machte, mehr als 20 KKWs zu bauen, Dutzende neuer Industriestädte entlang der Küsten und im allgemeinen, den Ölreichtum des Landes gegen modernste Technologien einzutauschen. Der Gedanke dahinter war, das Schwellenland schnellstens zu entwickeln, eine von Importen unabhängige Nahrungsmittelproduktion aufzubauen und, als wichtigstes, Millionen produktiver Arbeitsplätze zu schaffen, für die die neue Generation junger Mexikaner/innen erzogen und ausgebildet werden muß, so daß die wertvollste Ressource, die das Land zu bieten hat, seine Bevölkerung, nicht auswandert und stattdessen den Reichtum der Nation vergrößert.

Warum aber Atomkraft? Naturgas ist in Ordnung, hydroelektrische Werke auch; aber der Weg zu echter Energieunabhängigkeit und technologischem Fortschritt führt über die Nuklearenergie. Sollte Mexiko wirklich gewillt sein, jedem Bürger einen würdigen Lebensstandard zu garantieren und mit der industrialisierten Wirtschaft alle benötigten Dinge zu produzieren, so bräuchte man Unmengen an Energie, die nur die Atomkraft liefern kann. Kohlenwasserstoff- und hydroelektrische Energie reichen einfach nicht.

Es gibt aber einen tieferen Grund für die Atomkraft: Bei der Wahl der Energiequelle ist das entscheidend, was der Ökonom Lyndon LaRouche als "Energieflußdichte" bezeichnet, die Art, in der die Energiewirtschaft in der Dichte der wirtschaftlichen Anwendbarkeit organisiert ist. Das ist genauso wichtig wie die Menge, z.B. ist es offensichtlich ein Unterschied, ob man für 60 kW 1 000 60 W-Lampen einsetzt oder die gleichen 60 kW mit einem Laser erzeugt. Ein Laser kann für Arbeiten genutzt werden, zu denen die Lampen untauglich sind (so wie ein tüchtiger Präsident allemal schafft, was eine Tranfunzel im Präsidentenpalast nie zuwegebringen wird).

Eine erhöhte Energieflußdichte, wie sie nukleare Energie darstellt, ist eigentlich auch mit fortgeschrittener Technologie assoziiert. Für eine existenzfähige Zukunft muß Mexiko, ebenso wie das übrige Iberoamerika, Wissenschaft und Forschung ausbauen, um wirklich souverän zu sein.

Rußland und Finnland planen Hochgeschwindigkeitsbahn

Schon 2008 könnten Bahnreisende innerhalb von 3 Stunden von St. Petersburg nach Helsinki gelangen statt wie derzeit in 5,5 Stunden, zitierte die St. Petersburg Times die Gouverneurin von St. Petersburg, Walentina Matwijenko. Über das Projekt werde seit 2001 zwischen Rußland und Finnland verhandelt, es sei Zeit, "Gas zu geben". Nun habe man sich über die zu treffenden Maßnahmen verständigt, bis Juni solle ein detaillierter Aktionsplan ausgearbeitet sein.

Für den Bau des russisch-finnischen Bahnprojekts sind mindestens 800 Mrd. Dollar notwendig. Davon soll mehr als die Hälfte von Finnland kommen. Die Waggons sollen in Rußland gebaut werden, als Lieferant der Lokomotiven ist Siemens im Gespräch. Schon jetzt reisen jährlich rund 1 Million Finnen nach St. Petersburg, 2002 fuhren 1,6 Millionen Petersburger nach Finnland.

Mit Stardust die Geschichte unseres Sonnensystems erforschen

Vor fast 40 Jahren brachten die Apollo-Astronauten das erste Mondgestein zur Erde. Es wurde in den folgenden Jahren mit immer fortschrittlicheren Techniken in den Laboratorien untersucht. Das revolutionierte unser Verständnis von der Geschichte des Mondes und seiner Beziehung zur Erde.

Am 15. Januar landete die Stardust-Kapsel mit Partikeln vom äußersten Rand unseres Sonnensystems in der Wüste von Utah. Wissenschaftler schätzen, daß sie in ihrem Sammler nahezu eine Million Partikel vom Kometen Wild-2 mitgebracht hat. Mit diesen Proben erhalten wir neues Wissen über unsere Vergangenheit bis hin zur Entstehung des Sonnensystems.

Die meisten Kometen unseres Sonnensystems entstammen dem Kuipergürtel jenseits der Neptunumlaufbahn. Man glaubt, daß sie hier vor mehr als vier Milliarden Jahren entstanden, als die rotierende Gasscheibe der Sonne näher war und sich die Planeten bildeten. Diese eisigen Kometen umkreisen die Sonne so weit entfernt, daß sie sich seit jener Zeit nicht veränderten. Gelegentlich "wandern" Kometen in eine Umlaufbahn, die sie in das Innere des Sonnensystems führt. Dabei ziehen sie verdampfende Eispartikel und Staub hinter sich her, wenn sie sich der Hitze der Sonne nähern.

Bis 1974 befand sich der Komet Wild-2 unentdeckt in den entferntesten Weiten des Sonnensystems, aber dann bekam er nach einer Begegnung mit Jupiter einen "Kick", der ihn in den inneren Bereich des Sonnensystems beförderte. Damit wird er erreichbarer. Es besteht die Möglichkeit, eine Sonde zu ihm zu schicken. Und obwohl er nun der Sonne entschieden näher ist, hat er sich seit seiner Entstehungszeit nicht verändert.

 

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