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Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2006
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"Dollarabsturz bedeutet globalen Kollaps"
Der Washington-Korrespondent der chinesischen Tageszeitung für Wissenschaft und Technologie, Li Mao, stellte Lyndon LaRouche nach dessen Internetforum vom 16. November eine Reihe von Fragen. LaRouches Antworten und das Internetforum selbst bildeten dann die Grundlage für einen Artikel Li Maos, der am 4. Dezember in der Zeitung erschien. Wir dokumentieren hier das Interview.
Herr LaRouche, Sie haben gewarnt, wenn der US-Dollar um mehr als 30% an Wert verlöre, würde die US-Wirtschaft abstürzen, und mit ihr die von China und Indien, sogar der ganzen Welt. Würden Sie bitte die Gründe dafür darlegen?
LaRouche: Es gibt ein relevantes konzeptionelles Problem, ein Problem der wissenschaftlichen Inkompetenz der meisten Wirtschaftsprognostiker. Sie prognostizieren so, wie ein Mathematiker die Bahn einer Billardkugel auf einem Tisch vorhersagt. Sie haben eine mechanistisch-statistische Prognosemethode auf der Grundlage von Bahnen in der cartesischen Raum-Zeit.
Kompetente Wirtschaftsprognosen berücksichtigen die langfristigen Zyklen der physischen Kapitalinvestitionen in der Wirtschaft, die man als dynamischen Prozeß betrachtet. Das ist meine Methode der Prognosen, die mit der Methode Riemanns übereinstimmt.
Kompetente Wirtschaftsprognosen in der heutigen Welt müssen den Mangel an Kohärenz zwischen den monetären und finanziellen Werten einerseits und den unabhängig von monetär-finanziellen Annahmen betrachteten physischen Werten andererseits berücksichtigen.
So ist das monetär-finanzielle Kapital in der transatlantischen Ökonomie in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten mit zunehmender Geschwindigkeit gewachsen, während die physischen Werte pro Kopf und Quadratkilometer mit zunehmender Geschwindigkeit kollabierten.
Was die Weltmärkte seit der Abschaffung des Bretton-Woods-Systems 1971-72, das auf dem an eine Goldreserve gebundenen Dollar beruhte, erhalten hatte, war die unter Regierungen und Geschäftsleuten verbreitete Annahme, daß die in Dollar ausgewiesenen Werte irgendwie auch langfristig mit ungefähr dem gegenwärtigen Wert akzeptiert werden.
Wenn der Dollar plötzlich um 20% - also auf ein Niveau von etwa 80% des gegenwärtigen Wertes - kollabiert, wird der Kollaps des Dollars einen Kollaps sämtlicher Währungsreserven bedeuten, die in Dollar ausgewiesen sind. Dies würde nicht bei -20% haltmachen, und der Kollaps würde eine globale Panik auslösen. Unter diesen Umständen wird das gesamte System des Welthandels, wenn nicht die spezifischen Reformen durchgeführt werden, die ich dargelegt habe, in einem kettenreaktionsartigen Kollaps auf einen geringen Prozentwert des heutigen Niveaus stürzen.
Nichts kann das System des Weltwährungsfonds (IWF) in seiner gegenwärtigen Form retten. Es ist so oder so zum Untergang verurteilt. Es ist dazu verurteilt, entweder zu desintegrieren, oder durch ein neues System ersetzt zu werden, das unter Notstandsbedingungen errichtet werden muß.
Im vergangenen Monat sagte ein japanischer Ökonom in einem Interview mit meinem Kollegen in Tokio, es nahe lautlos eine Dollarkrise. Der Dollar stehe vor einer Abwertung, und im schlimmsten Szenario könne er kollabieren, was einen großen Schock für die Weltwirtschaft auslösen würde, wenn das Wachsen des Handelsbilanzdefizits und der Verschuldung der USA nicht gestoppt wird. Was sagen Sie dazu, und unter welchen Umständen könnte diese schreckliche Annahme Realität werden?
LaRouche: Diese Annahme ist Realität. Wäre ich Präsident der Vereinigten Staaten, was ich nicht bin und wahrscheinlich auch nicht so bald werde, und die Unterstützung der führenden politischen Partei im US-Kongreß hätte, wäre ich bereit, in Zusammenarbeit mit einigen führenden Nationen angemessene Maßnahmen zu treffen. Das könnte den Prozeß des Kollapses aufhalten, und würde durch langfristige Abkommen über ein viertel oder ein halbes Jahrhundert zwischen den führenden Nationen und Gruppen von Nationen zu einem neuen globalen Währungssystem mit festen Wechselkursen führen. So lange wir den gegenwärtigen Präsidenten und Vizepräsidenten haben, ist jedoch eine Rettung vor einem wahrscheinlichen kettenreaktionsartigen Kollaps nicht wahrscheinlich.
Gegenwärtig macht die US-Regierung sehr viel Druck für eine Aufwertung des Renminbi (Yuan). Wie können Sie diese Praxis erklären, da Sie keine Abwertung des Dollars wollen, und was sind die Wirkungen auf die USA und China, wenn der Wert des Renminbi weiter ansteigt?
LaRouche: Ich wünschte zwar, daß China weniger abhängig wäre von billigen Exporten und sich mehr auf die innere Entwicklung Chinas konzentrierte, aber jede Dollarabwertung durch eine Anhebung des relativen Preises des Renminbi würde eine Katastrophe auslösen. Wenn die Vereinigten Staaten nicht den Reformen zustimmen, die ich angedeutet habe, gibt es derzeit keine Abhilfen für die Krise, die wir derzeit kommen sehen.
Was muß die internationale Gemeinschaft Ihrer Meinung nach tun, um zu verhindern, daß der Dollar zu stark abgewertet wird, insbesondere von chinesischer Seite?
LaRouche: Langfristige Handels- und Investitionsabkommen auf der Grundlage physischer anstelle der gegenwärtigen monetären und finanziellen Werte, insbesondere in technologisch fortgeschrittene Investitionsprojekte in der grundlegenden Infrastruktur sind als Schritt einer Reform immer richtig. Solche Schritte werden die Wirkung der Krise tendenziell minimieren und den Rahmen für generelle Abkommen zwischen den Nationen über eine Reform abstecken.
China ist jetzt eines der Länder in der Welt mit einer großen Menge an Dollarreserven. Was sind die potentiellen Risiken für China? Was sind Ihre Vorschläge, wie China diese Dollars wirksam nutzen kann?
LaRouche: Wäre ich ein Bürger Chinas, dann würde ich das Schwergewicht auf die Nutzung solcher Währungsreserven als langfristige Kredite für technologisch fortgeschrittene Investitionen zur Schaffung einer Grundinfrastruktur der Wirtschaft legen, sowohl innerhalb Chinas, als auch in gemeinsamen eurasischen Entwicklungsprogrammen.