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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2008

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LaRouche-Aktivisten stellen Amato bloß

Der frühere italienische Ministerpräsident Giuliano Amato, einer der Architekten des Lissaboner Vertrages, hat zugegeben, daß dieser Vertrag Europa in das Mittelalter zurückwerfen soll. Er machte diese Aussage, als ihm LaRouche-Aktivisten vor prominenter Zuhörerschaft bei einer Veranstaltung der Walter-Hallstein-Stiftung an der Berliner Humboldt-Universität am 10. Juli entgegentraten.

Solche Eingeständnisse sprechen für sich, kommen sie doch von dem Mann, der nach den Referenden in Frankreich und den Niederlanden 2005 dazu ausersehen wurde, den gescheiterten „Verfassungsvertrag“ mit neuem Namen und einigen kosmetischen Veränderungen neu zu verpacken, um ihn doch noch durchsetzen zu können. Er bildete damals das Aktionskomitee für Europäische Demokratie („Amato-Gruppe“), die von der Bosch-Stiftung finanziert wurde und die es heute noch gibt; sie arbeitete den Lissaboner Vertrag aus. Interessanterweise überschneidet sich die Gruppe personell mit George Soros’ neuem European Council on Foreign Relations, der den EU-Vertrag genauso gegen den Willen der Bevölkerung durchboxen will.

Auf der Berliner Veranstaltung antwortete der ehemalige Ministerpräsident auf eine Frage von Daniel Buchmann von der LaRouche-Jugendbewegung (LYM), ob er immer noch für das mittelalterliche System „globalen Rechts“ sei, wie er in dem berühmten Interview mit Barbara Spinelli 2005 geäußert hatte. Amato sagte, die Menschheit habe während des größten Teils ihrer Geschichte ohne Nationalstaaten gelebt; diese seien erst im 16. Jahrhundert erfunden worden und hätten im 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erlebt, seien jetzt aber „durch viele Herausforderungen herausgefordert“. Das Europa, für das er sich einsetze, sei kein Ersatz des Nationalstaats, sondern ein „Hermaphrodit“, der beide Komponenten vereine: die institutionelle Seite über dem Staat und die Seite des Bürgers (der Bürger, wohlgemerkt, als „Europäer“ und nicht als Angehöriger einer Nation).

Amato wies auch Polemiken von Buchmann und James Rea von der LYM zurück, Imperien seien für die Kriege der Vergangenheit verantwortlich gewesen, und setzte dagegen, diese Imperien seien Resultat „nationaler Dynastien“, die ihre jeweiligen Nationalstaaten gegeneinander ausspielten. Eine weitere Frage eines LYM-Mitglieds zur Nahrungsmittelfrage beantwortete Amato damit, daß Spekulation ein geringerer Faktor für höhere Preise sei als verstärkte Nachfrage durch „mehr Esser“. Die Verteidigung der Finanzoligarchie sprach auch aus anderen Bemerkungen - z.B. daß die EZB nicht die Auswirkungen der Inflation auf den EU-Bürger zu bekämpfen habe. Auch kritisierte er den italienischen Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, dieser peitsche die Emotionen gegen einen Feind hoch, ohne über die Mittel zu verfügen, überhaupt etwas gegen die Spekulation tun zu können. Da Amato sich jedoch auf Tremontis Forderung bezog, Artikel 81 und 82 des geltenden EU-Rechts anzuwenden, mußte er sich bewußt sein, daß diese Mittel in Wirklichkeit sehr wohl existieren und gegen Spekulanten angewandt werden könnten.

Als echter Sophist sagte Amato, man solle das irische „Nein“ nicht angreifen, sondern Ideen entwickeln, wie man den Lissaboner Vertrages durchsetzen könne, ohne ihn umzuschreiben oder ein weiteres Referendum abzuhalten. Ein weiteres Beispiel seines Sophismus war seine Forderung nach einem gesamteuropäischen Referendum anstelle nationaler Referenden, weil letztere nationale Unzufriedenheit mit „wichtigeren“ europäischen Fragen vermischten. Amato setzte seinem Sophismus die Spitze auf, als er behauptete, das irische „Nein“ sei eigentlich ein „Ja“ zu Europa. Bezüglich Verteidigungs- und Sicherheitsfragen betonte er insbesondere, der Aufbau einer Polizeitruppe zur Bekämpfung des Terrorismus und einer gemeinsamen europäischen Armee sei für Europa wesentlich.

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