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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2008

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Obama unterstützt Bushs Lauschangriffsgesetz

Mit Unterstützung aller Republikaner im Senat und von 21 Demokraten, darunter auch Senator Barack Obama, kapitulierte der US-Senat am 9. Juli vor der Regierung Bush-Cheney und verabschiedete ein Gesetz, das der Regierung deutlich größere Überwachungsmöglichkeiten gibt - ein Gesetz, das aufgrund des Widerstands vieler Demokraten und einer Handvoll von Republikanern in beiden Kammern monatelang blockiert war. Es wurde am nächsten Tag vom hämischen Präsidenten George Bush unterzeichnet, während Vizepräsident Dick Cheney zusah.

Das Gesetz, eine Änderung des nach Watergate beschlossenen Gesetzes zur Überwachung der Auslandsgeheimdienste (FISA), stärkt das Recht der Regierung, Amerikaner im In- und Ausland auszuspionieren, und es erlaubt der Regierung auch, das Gericht zur Überwachung der Auslandsgeheimdienste zu umgehen und ohne besondere gerichtliche Genehmigung Mitteilungen und Daten zu sammeln. Darüber hinaus wird den Telefongesellschaften, die ab 2001 bei dem von Cheney geleiteten illegalen Überwachungsprogramm mitarbeiteten, nachträglich Straflosigkeit zugesichert.

Viele Kongreßmitglieder - darunter auch Obama vor seiner Konversion - hatten sich gegen das Gesetz ausgesprochen, weil die derzeit rund 40 Gerichtsverfahren in Bundesgerichten der einzige Weg wären, aufzudecken, was die Regierung wirklich im Rahmen ihres „Terror-Überwachungs-Programms“ machte. Viele Beobachter (darunter auch EIR) und Abgeordnete gehen davon aus, daß das Programm viel umfassender und tiefgreifender war, als die Regierung zugegeben hat, und daß riesige Mengen an Kommunikationsdaten über unschuldige Amerikaner gesammelt und dann mit Hilfe von Datenauswertungstechniken Verhaltensmuster gesucht wurden, die man für verdächtig halten könnte.

Während des Vorwahlkampfes hatte Obama noch angekündigt, gegen jedes Gesetz zu stimmen, das den Telekomfirmen Immunität für ihre Kooperation mit der Regierung gäbe, und sogar ein Filibuster gegen jeden solchen Vorschlag versprochen. Aber in seinem „Rennen zur Mitte“ nach den Vorwahlen brach Obama dieses Versprechen ebenso, wie er in den letzten Wochen auch zahlreiche andere Positionen aus dem Vorwahlkampf aufgab.

Sen. Clinton stimmte zusammen mit weiteren 27 Senatoren, darunter auch dem Vorsitzenden des Justizausschusses im Senat, Leahy, gegen das Gesetz.

Ein weiterer erklärter Gegner des Gesetzes war Sen. Dodd. Inzwischen kursieren Gerüchte, daß Obama Dodd zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten machen will - was allgemein als zynischer Versuch betrachtet wird, den durch Obamas Seitenwechsel in der Überwachungsfrage entstandenen Schaden zu begrenzen.

Ein verärgerter Obama-Spender aus Minnesota brachte in einem Brief an die New York Times die Wut vieler Obama-Unterstützer auf den Punkt: „Als mehrfacher Spender für Obamas Wahlkampf war ich bitter enttäuscht über Obamas Ja-Stimme zum FISA-Gesetz am Mittwoch. Herr Obama schwor während des Wahlkampfs mehrfach, er werde jedes Gesetz bekämpfen und behindern, das nachträglich Immunität für Verstöße gegen das FISA-Gesetz gewährt. Am Mittwoch stimmte er für genau solch ein Gesetz. Obwohl Herr Obama noch mehr widersprüchliche Positionen bezogen hat, ist das etwas ganz anderes. Mit diesem Gesetz hat er sein Versprechen gebrochen, um vor der Regierung Bush-Cheney zu kapitulieren und die Verfassung aufzugeben. Dieser Verrat Obamas ist ebenso überraschend wie unentschuldbar. Er hat meine Unterstützung verloren.“

                eir


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