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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2008

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Wichtiges kurzgefaßt

Lissabon-Vertrag: Auch „Plan C“ aussichtslos

Die Eurokraten drängen auf ihren „Plan C“ - daß die Parlamente der EU-Staaten trotz des „Nein“ der Iren den Vertrag ratifizieren -, stoßen dabei aber auf immer mehr Hindernisse. Das britische Unterhaus stimmte am 17. Juli zu, aber das italienische Parlament wird möglicherweise nicht fahrplangemäß zustimmen, obwohl Ministerpräsident, Staatspräsident und die Vorsitzenden beider Parlamentskammern versprochen haben, daß dies noch im Juli geschehen werde.

Wie EIR aus dem Außenpolitischen Ausschuß der Abgeordnetenkammer erfuhr, neigt der Ausschuß nach einer Anhörung zum Thema am 16. Juli dazu, eine endgültige Entscheidung bis auf September oder noch später zu verschieben. Bei der Anhörung sprach der renommierte Verfassungsrechtler Prof. Giuseppe Guarino von der Universität Rom, der in zwei Regierungen Minister war und kürzlich ein Buch gegen den Vertrag veröffentlichte (siehe Ausgabe 25/08). Vor dem Ausschuß beschrieb er die rechtlichen und ökonomischen Argumente gegen den Vertrag. Vor allem fehle in der EU eine wirkliche Währungs- und Kredithoheit. Die Regierungen der EU-Länder könnten in einer Bankenkrise nicht eingreifen, weil ihnen dazu die rechtlichen Instrumente fehlten, und sie könnten auch keine großen Infrastrukturpläne verwirklichen, weil es den Staaten verboten sei, dafür Schulden zu machen. Er forderte das Parlament auf, nicht übereilt zu entscheiden, ohne gründlich über die Frage zu diskutieren.

Unterdessen haben in Österreich bekannte Persönlichkeiten aus verschiedenen politischen Richtungen ein „Manifest für ein demokratisches Europa“ veröffentlicht, worin sie eine umgehende Einstellung des Ratifizierungsprozesses fordern. Zu den Unterzeichnern gehören Prof. Hans Köchler von der International Progress Organization und Prof. Adrian Holländer, einer der Anführer der österreichischen Anti-Lissabon-Initiative. In ihrem Manifest heißt es: „Wir rufen in Erinnerung, daß schon der Plan A der Regierungen, der EU eine ,Verfassung’ zu verleihen, 2005 klar am französischen und holländischen Souverän gescheitert ist. Plan B der Regierungen war, den im wesentlichen inhaltsgleichen Vertrag als ,EU-Reformvertrag’ gegen den Willen von Mehrheiten ohne Volksabstimmungen durchzusetzen. Diese Strategie ist nun am einzigen Souverän, der abstimmen durfte, ebenfalls gescheitert... Plan C prominenter EU-Politiker scheint nun zu sein, unbeirrt weiterzumachen. Das wäre nicht nur eine weitere Mißachtung der Demokratie, sondern auch ein klarer Rechtsbruch.“

Tremonti: „Horrorshow“ durch Neues Bretton Woods beenden!

In einem Interview mit der Tageszeitung Corriere della Sera vom 13. Juli sagte der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, die italienische Präsidentschaft der G-8 im Jahre 2009 könne „die Grundlage für eine Initiative zur Neuauflage von Brettons Woods liefern“. Tremonti betonte, die Ursachen der Krise seien weltweit und die Auswirkungen lokal. „Die Lösung muß global und lokal erfolgen: das eine ohne das andere geht nicht.“ Die italienische Regierung habe in der G8-Gruppe und Europa darauf hingearbeitet, „daß die Faktoren der globalen Krise anerkannt werden“.

Tremonti sagte, in den neunziger Jahren sei „ein Zirkus“ geschaffen worden, in dem „Illuminati“ und „Orchesterdirigenten“ die Puppen tanzen ließen, „idealistische oder oberflächliche Politiker ohne Ideale, Zentralbanker und Investmentbanker... Die Globalisierung wurde von den Eliten des Westens erfunden, aber die ärmeren Menschen im Westen und anderswo müssen nun dafür zahlen. Was jetzt aufgeführt wird, ist ein Horrorzirkus mit vier Attraktionen: der Finanzkrise, der Energie- und Nahrungsmittelkrise, und ein perfekter Sturm, den ein neuer Krieg in Nahost entfachen kann.“

 

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