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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2008

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Mehr Gemeinwohl, weniger Kapitalismus!

Dieser Kapitalismus ist der tägliche Bürgerkrieg mit den Waffen des Geldes. Wie lange noch?

Der Globalkapitalismus hat sich zu Tode gesiegt. Nun ist er im Abstieg. Er hat Märkte ausgesaugt und ausgeblutet, was immer die hergaben.

Mit Ende des Weltkommunismus glaubte der Kapitalismus, sich jede Hybris leisten zu können. Wie am Kasino-Spieltisch wurde aus viel Geld noch mehr Geld gemacht, an­statt nach anständiger Kaufmannsart Geld in die Warenproduktion zu stecken, die man Realwirtschaft nennt, mit der echte Werte geschaffen werden. Man tat ganz das Gegenteil: über sogenannte Hedgefonds und Private Equity Fonds (um irrsinnige Namen für irrsinnige Projekte ist man nie verlegen) werden Firmen gekauft, um sie zu zerschlagen und lukrativ weiter verkauft.

Der Zusammenbruch von Banken selbst - beginnend mit der britischen Northern Rock-Bank, deutscher Landesbanken (Staatsbanken!), amerikanischer Immobilien-Kreditbanken, der Schweizer UBS-Bank - ist ein besonders bemerkenswertes Signal.

Sind denn wenigstens noch die Staaten als Rettungsanker einsetzbar? Nein, auch das nicht. Sie sind nicht nur bis an die Halskrause verschuldet, müssen Kredite aufnehmen, um ihre Schuldzinsen zu bezahlen. Sie haben ihre Völker ferner mit Hochsteuern bis zum Letzten belastet, und ihre Infrastrukturen an das räuberische Kapital verscheuert, so daß die neuen Besitzer nun ihrerseits die Staaten strangulieren können, z.B. über den Energie-Hebel. Die Staaten selbst also gingen auf dem Weg in den Abgrund voran. Sie können absaufende Banken nur auf Kosten neuer Schulden, Steuern und mehr Volksarmut subventionieren.

Doch das Schlimmste kommt noch: Arm in Arm mit dem Globalkapital haben die Staats­führungen ihre Volkswirtschaften erdrosselt. Unter den gleisnerischen Wörtern Europa und Globalisierung lieferten die Staatsführungen ihre Infrastrukturen dem Raubtierkapitalismus aus. Das Prinzip des Gemeinwohls, das Interesse der Gemeinschaft der Staatsbürger, die einen Staat mitsamt seiner Geschichte tragen, das salus publica, wurde aufgegeben zugunsten des Profitinteresses jeglicher Sorte von Kapitalisten. Die Staaten Europas besitzen keine Steuerungsmittel mehr. Eine eigene Konjunkturpolitik kann man ohne nationale Währung nicht mehr machen. Der Staat hat nur noch die Alternative, entweder das Kapital, die Banken, absaufen zu lassen oder das eigene Volk.

Das Volk selbst, von Hunger, Kälte durch Energiemangel und Inflation gepeinigt, wird nicht nach dem unfähigen Brüssel rufen, sondern nach Abhilfe durch die eigene Regierung. Das Eigeninteresse der Völker und Re-Nationalisierung werden sich Bahn brechen. Neue Parteien mit Notprogrammen werden auftreten müssen. Hungerrevolten gibt es schon in der 3. Welt, was uns die Medien verschweigen.  Der Kapitalismus ist über den Zenith. Nur wenige haben von seinem Raubzug profitiert. Die Völker werden wieder wirkliche Demokra­tie fordern. Sie werden ihren Staat zurück erobern müssen. Geschichte ist nie abge­schlossen, sondern nach vorne immer offen. Irland ist überall in Europa.

Karl-Hermann Dittmar, Bad Arolsen

 

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