|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 52/2008 |
|
Päpstliche Botschaft zum Weltfriedenstag verurteilt
Spekulation und fordert langfristige Investitionen
Papst Benedict XVI. veröffentlichte seine Botschaft zum
Weltfriedenstag (1. Januar 2009), die den Titel trägt: „Die Armut
bekämpfen, den Frieden schaffen.“ In dieser Botschaft finden sich zwei
besonders bemerkenswerte Passagen: Erstens eine Mahnung, daß das
Finanzsystem wieder zur produktiven, langfristig angelegten Kreditpolitik
zurückkehren muß, und zweitens die Benennung der Spekulation als
einen der wesentlichen Gründe für die Nahrungsmittelkrise.
Über die Finanzwirtschaft sagt der Papst: „Die objektiv
wichtigste Funktion des Finanzwesens, nämlich langfristig die Möglichkeit von
Investitionen und somit von Entwicklung zu unterstützen, erweist sich heute als
äußerst anfällig: Sie erfährt die negativen Rückwirkungen eines Systems von
Finanztransaktionen - auf nationaler und globaler Ebene -, die auf einem extrem
kurzfristigen Denken beruhen, das den Wertzuwachs aus Finanzaktivitäten
verfolgt und sich auf die technische Verwaltung der verschiedenen Formen des
Risikos konzentriert. Auch die jüngste Krise beweist, wie die Finanzaktivität
manchmal von rein autoreferentiellen Logiken geleitet wird, die jeder
langfristigen Rücksicht auf das Allgemeinwohl entbehren. Die Einengung in der
Zielsetzung der weltweiten Finanzmakler auf die extreme Kurzfristigkeit
vermindert die Fähigkeit des Finanzwesens, seine Brückenfunktion zwischen
Gegenwart und Zukunft zu erfüllen zur Unterstützung der Schaffung langfristig
angelegter Produktions- und Arbeitsmöglichkeiten. Ein auf kurze und kürzeste
Fristen eingeengtes Finanzwesen wird gefährlich für alle, auch für diejenigen,
denen es gelingt, während der Phasen der Finanzeuphorie davon zu profitieren...“
Zur Nahrungsmittelkrise sagt der Papst: „Ein fünfter Bereich
im Zusammenhang mit der Bekämpfung der materiellen Armut betrifft die
augenblickliche Nahrungsmittelkrise, welche die Befriedigung der
Grundbedürfnisse aufs Spiel setzt. Diese Krise ist weniger durch einen Mangel
an Nahrungsmitteln gekennzeichnet als vielmehr durch Schwierigkeiten des
Zugangs zu ihnen und durch Spekulationen, also durch das Fehlen einer
Koordination politischer und wirtschaftlicher Institutionen, die in der Lage
ist, den Bedürfnissen und Notlagen zu begegnen... Die Daten über die
Entwicklung der relativen Armut in den letzten Jahrzehnten zeigen alle eine
Vergrößerung des Gefälles zwischen Reichen und Armen an. Hauptursachen dieses
Phänomens sind zweifellos einerseits der technologische Wandel, dessen Nutzen
vor allem der oberen Einkommensklasse zugute kommt, und andererseits die
Preisdynamik der Industrieprodukte, deren Kosten wesentlich schneller ansteigen
als die Preise der Agrarprodukte und der Rohstoffe, die im Besitz der ärmeren
Länder sind. So geschieht es, daß der größte Teil der Bevölkerung der ärmeren
Länder unter doppelter Marginalisierung leidet, sowohl durch niedrigere
Einnahmen als auch durch höhere Preise.“
Den vollständigen Text der Botschaft finden Sie auf der
Internetseite des Vatikan,
http://www.vatican.va/phome_ge.htm.