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Neue Solidarität
Nr. 15-16, 10. April 2013

MSNBC-Dokumentation über Irak als Instrument der Kriegsvermeidung

Ein Film über die Lügen, die vor einem Jahrzehnt in den Irakkrieg führten, ist eine Mahnung für heute.

Der große US-Nachrichtensender MSNBC hat eine Dokumentation mit dem Titel Hybris: Wie der Irakkrieg verkauft wurde produziert, die den Gegnern der Kriegspolitik von Präsident Barack Obama gegenüber Iran und Syrien wichtige Unterstützung liefert. Die Dokumentation, in der u.a. der Kongreßabgeordnete Walter Jones und Oberstleutnant a.D. Larry Wilkerson die Lügen und ihre eigenen Fehler im Zusammenhang mit dem Irakkrieg verurteilen, wurde von MSNBC im Februar und dann nochmals im März ausgestrahlt.

Rachel Maddow, die als Erzählerin durch die Sendung führt, erinnert zunächst an die Lügen von Präsident Lyndon Johnson in den 60er Jahren über den angeblichen Angriff auf US-Schiffe im Golf von Tonkin in Vietnam, den es in Wirklichkeit gar nicht gegeben hatte. Dann faßt Maddow die Lügen zusammen, die als Vorwand für den Irakkrieg dienten, und warnt: „Wenn das, was wir in den letzten zehn Jahren durchgemacht haben, unser Land nicht verändert, wenn wir nicht verstehen, was geschehen ist und uns entsprechend ändern..., dann sind wir dazu verurteilt, daß sich die Geschichte wiederholt.“

Maddow und MSNBC schonen zwar Obama und erwähnen weder seinen illegalen Krieg gegen Libyen noch seine gegenwärtigen Kriegsplanungen gegen den Iran und Syrien. Aber der Abgeordnete Walter Jones kommt zu Wort, der im Repräsentantenhaus Anfang Januar eine (mit einem Antrag der letzten Legislaturperiode identische) Resolution einbrachte, die einem Präsidenten, der ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung des Kongresses einen Krieg führt, mit sofortiger Absetzung droht. Das macht sehr deutlich, daß Obama die Politik der Bush-Ära fortsetzt. Die zweite wichtige Stimme des Gewissens in der Dokumentation ist Larry Wilkerson, der bei einer Pressekonferenz, die Walter Jones im vergangenen September veranstaltete, eine der Hauptreden gehalten hatte.

Jones’ Zitaten sind eindrucksvolle Bilder der mit Flaggen dekorierten Särge gefallener Soldaten und trauernder Familien gegenübergestellt, hinzu kommen Zitate führender Demokraten wie den damaligen Senatoren Hillary Clinton, Tom Daschle und John Kerry aus dem Jahr 2002, die für den Krieg stimmten. Zusammengenommen wirkt es wie eine klassische Tragödie, auch wenn nicht ausdrücklich betont wird, daß diese Nachbeter der Parteilinie heute Obamas kriminelle Politik unterstützen.

„Eine der schwerwiegendsten Verantwortlichkeiten, die der Kongreß hat, ist die, darüber abzustimmen, ob junge Menschen zum Sterben in den Krieg geschickt werden“, so lautet gleich die erste Aussage von Jones in dem Film.

Nach kurzen Bildern von Daschle, Kerry und Clinton, wie sie für den Irakkrieg argumentierten, kommt wieder Jones zu Wort und sagt:

Interviewt wird auch Larry Wilkerson, der frühere Stabschef von Außenminister Colin Powell, der die Lügen über Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen der Welt als „hieb- und stichfeste Beweise“ präsentiert hatte. Auf die Frage, ob die Regierung Bush die Vorwürfe gegen den Irak manipuliert habe, und zu seiner eigenen Rolle in dieser Angelegenheit antwortete Wilkerson: „Ich werde mein schweres Versagen mit ins Grab nehmen. Ich bin mir verdammt sicher, daß die Regierung Bush die Fakten frisiert hat.“

Auch der frühere hochrangige CIA-Beamte Paul Pillar, einer der offensten und aktivsten Kritiker Obamas, und der frühere Kommandeur des für Südwestasien zuständigen US-Zentralkommandos General a.D. Anthony Zinni, der 2002 gewarnt hatte, die USA steuerten grundlos in einen Krieg gegen den Irak, treten in der Dokumentation auf. Zinni deckt in dem Film die Inkompetenz und Doppelzüngigkeit der CIA auf.

Bei der Pressekonferenz des Abgeordneten Jones am 21. September 2012 hatte Wilkerson gesagt: „James Madison, der vielfach als Vater unserer Verfassung gilt, hat oft gesagt, wenn man der Exekutive die Macht überläßt, Krieg zu führen, dann ist das gleichbedeutend mit Tyrannei. Genau das ist es, was wir getan haben. Genau das tun wir.“

Hybris ist eine sehenswerte Dokumentation, aber ihre volle Bedeutung wird man nur verstehen, wenn man auf den Internetseiten der LaRouche-Bewegung die Gründe dafür studiert, warum Obama umgehend abgesetzt werden sollte.

Michelle Steinberg