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Von Daisuke Kotegawa
Daisuke Kotegawa ist derzeit Forschungsdirektor des Canon Institute in Tokio. Er war von 2007-10 Exekutivdirektor des IWF für Japan und davor leitender Beamter des japanischen Finanzministeriums. Er übermittelte die folgende Grußbotschaft, die bei der Konferenz des Schiller-Instituts am 23.3. verlesen wurde.
In den USA und in Europa scheint man nichts aus der Krise Ende der 90er Jahre gelernt zu haben - nämlich, wie man versuchen sollte, wieder Vertrauen in die Finanzmärkte herzustellen, und über den Unterschied zwischen einer gewöhnlichen wirtschaftlichen Abschwächung und der Krise, die der Finanzkrach verursacht hat.
Wie ich immer wieder sage, müssen die Staaten dreierlei Sicherheitsnetze schaffen. Erstens: einen Mechanismus zur Stützung von Finanzinstituten; zweitens ein System zur Erfassung der notleidenden Kredite; und drittens ein System, mit dem der Staat die Kreditvergabe zwischen den Banken garantieren kann.
Aber sie haben bisher nichts in Bezug auf den Teil getan, der das Problem der notleidenden Kredite betrifft, denn um alle notleidenden Kredite zu beseitigen, müssen die Regierungsbehörden die Bilanzen sämtlicher großer Banken gründlich untersuchen, man muß die Resultate allgemein bekannt machen und man muß die Vorstandsmitglieder der Finanzinstitute, die für diese Krise verantwortlich sind, beurteilen.
Im Fall der europäischen Staaten und der USA wurden solche völlig neutralen und verlässlichen finanziellen Untersuchungen niemals durchgeführt, und deshalb hatte die Öffentlichkeit offensichtlich auch niemals Zugang zu Ergebnissen solcher Untersuchungen. Ohne eine derartige Transparenz ist es nicht möglich, alle Marktteilnehmer davon zu überzeugen, daß die Verantwortlichen aller Finanzinstitute unbedenklich sind.
Es ist äußerst wichtig, die Guthaben aller Anleger im Land bis zu einer gewissen Höhe zu garantieren. So ist heute in den meisten Ländern eine bestimmte Grenze festgelegt, bis zu der alle Guthaben in einer Finanzkrise geschützt sind. Aber was in Zypern geschehen ist, ist genau das Gegenteil dieser Politik - man wollte dort ein System einführen, mit dem auch diese Anleger einen Teil ihrer Guthaben verlieren sollten. Das wird das Vertrauen in das Finanzsystem vollkommen zerstören und dadurch die Finanzkrise verschärfen.
Ich verstehe daher nicht, warum die Leute in Brüssel auf eine so dumme Politik setzen sollten, die, wie jedermann auf den ersten Blick erkennt, die völlig falsche Politik ist, um das Vertrauen in das System zu erhalten.
Ich hoffe, daß diese Politik, wie sie von Brüssel empfohlen wird, so bald wie möglich geändert wird, denn das wird eine verheerende Ansteckungswirkung für andere in Frage kommende Länder haben.
Das ist meine Sicht. Vielen Dank.