Aus FUSION 4/96:

MARS-PROJEKT

Warum wir den Mars kolonisieren müssen


Güter produzieren keine Güter
Im Sog der Santa Maria
Warum gerade Weltraumfahrt?
Die Tavistock-Papiere

Von Lyndon H. LaRouche

Seit dem Frühjahr 1985 setze ich mich für politische Pläne zur Kolonisierung des Mondes und des Mars ein. Ich bereitete damals eine Rede vor, welche ich während einer Konferenz zu Ehren des kurz zuvor gestorbenen Raumfahrtpioniers Krafft Ehricke am 15. und 16. Juni 1985 halten wollte.[1] Damals schien mir, daß man Krafft Ehricke, so wie ich ihn kennengelernt hatte, am besten würdigen könnte, indem man sicherstellte, daß sein großes Lebensziel weiter vorangebracht wird: Den Mond als industrielle Basis zu benutzen, um von dort aus die Kolonisierung des Mars in Angriff zu nehmen. Im Lichte meiner besonderen Kompetenzen auf dem Gebiet der physischen Ökonomie und meiner vorangegangenen Arbeiten auf dem Gebiet, welches als SDI (Strategische Verteidigungsinitiative) von Präsiden Reagan bekannt geworden war,[2] hatte ich zum Thema eines derartigen Mars-Projektes etwas Einzigartiges und Wichtiges anzubieten.

Nach Diskussionen mit Teilnehmern dieser Konferenz entschloß ich mich einige Wochen später, meinen Vorschlag zu vertiefen. Das Resultat war mein Entwurf eines vierzig Jahre in die Zukunft reichenden Programms zur Kolonisierung des Mars, welches ich im Februar und März 1986 der Öffentlichkeit vorlegte.[3] Später verbesserte ich diesen Vorschlag in verschiedener Weise, wozu auch das Drehbuch für einen Film mit dem Titel "Die Frau im Mars" gehörte, welches ich in der Absicht schrieb, mit dramaturgischen Mitteln die verschiedenen Stadien der Eroberung des Mars darzustellen. Es sollte dokumentiert werden, wie nach einer vierzigjährigen Vorbereitungszeit eine erste städtische Wissenschaftskolonie auf dem Mars eröffnet wird. Eine gekürzte Version dieses Drehbuchs wurde die Grundlage einer halbstündigen Fernsehsendung im Rahmen meiner Kampagne zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei im Jahre 1988.[4]

All dies muß vor dem Hintergrund der halboffiziellen Erkundungsgespräche gesehen werden, welche ich 1982 und Anfang 1983 im Namen der amerikanischen Regierung mit sowjetischen Vertretern geführt habe. Die Politik der "Kolonisierung des Mars" wurde von mir als Möglichkeit gesehen, die negativen Auswirkungen zu umgehen, welche die sture sowjetische Ablehnung des von Präsident Reagan am 23. März unterbreiteten SDI-Angebots hervorriefen.

Wie ich den sowjetischen Stellen und auch den entsprechenden Vertretern des Nationalen Sicherheitsrates der USA dargelegt habe, waren meine wesentlichen Anliegen in diesen Diskussionen folgende drei Punkte: 1. Die in den sogenannten "Entspannungsabkommen" verborgene Gefahr eines Atomkrieges. 2. Der sich seit 1970-71 beschleunigende Niedergang der Weltwirtschaft. 3. Meine Einschätzung, welche ich beiden Seiten im Februar 1983 deutlich machte, daß die sowjetische Wirtschaft auf einen Zusammenbruch zusteuere, der, wie ich damals annahm, in fünf Jahren eintreten würde. Die strategische Absicht hinter meinem Entwurf der "auf neuen physikalischen Prinzipien basierenden strategischen Verteidigung gegen ballistische Raketen" war es, ein dringend notwendiges Verständnis für die globalen wirtschaftlichen und politischen Vorteile eines "wissenschaftsstimulierten" Wirtschaftsprogramms zu wecken. Es war wesentlich, den bereits damals weit fortgeschrittenen Trend in Richtung eines weltweiten Zusammenbruchs der physischen Ökonomie umzukehren und auf diese Weise den gleichzeitigen Abstieg zu einem Kulturpessimismus zu verhindern, der sich im "Westen" mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in neuen Formen des Faschismus äußern würde, während ein derartiger Wirtschaftszusammenbruch Rußland in einem Dostojewski-Alptraum vom "Dritten Rom" versinken ließe.

Die hysterische Ablehnung der SDI, die zuerst der sowjetische Generalsekretär Jurij Andropow und später das Gorbatschow-Regime äußerte, brachte mich im Frühjahr 1985 zu der Einschätzung, daß eine Kooperation in einem auf vierzig Jahre angelegten wissenschaftsstimulierten Programm zur Vorbereitung einer Marsbesiedlung die einzige vorstellbare Alternative war, welche man unter den damaligen Umständen sinnvollerweise vorgeschlagen konnte.

Das Comecon-System kollabierte nach etwa sechs Jahren, nicht nach fünf, wie ich 1983 vorausgesagt hatte. Doch nicht nur der Comecon und die Sowjetunion verschwanden; seit 1988 erlebte die gesamte Welt eine Reihe dramatischer Veränderungen. Die Welt ist heute viel schlimmer, viel gefährlicher und sehr viel ärmer als noch 1983, 1986 oder 1989. Während ich hier schreibe, ist gerade der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Michel Camdessus, zu einer Einschätzung gekommen, welche mindestens in einem entscheidenden Punkt mit meiner allgemeinen wirtschaftlichen Voraussage übereinstimmt, nämlich daß das internationale Finanzsystem mit den Banken im Mittelpunkt eine Krise erlebt, die die das gesamte System implosionsartig zum Einsturz bringen könnte. Er scheint meiner Einschätzung zuzustimmen, daß eine solche "reversed-leverage"-Kettenreaktion jeden Augenblick einsetzen kann.[5]

Die meisten unserer Finanzinstitutionen werden heute von einer Sorte Irrer geleitet, mit denen verglichen Glücksspieler auf Vergnügungsdampfern geradezu Musterbeispiele an Weisheit und Aufrichtigkeit sind. Unsere grundlegende Infrastruktur, unsere Landwirtschaft, unsere Industrie, der Lebensstandard unserer Familien wurden heruntergewirtschaftet und dem monetaristischen Moloch als Tribut gebracht. In den USA ist der Nettowert des physischen Warenkorbs von Konsum und Produktion pro Kopf der Arbeitskraft innerhalb der letzten 25 Jahre auf etwa die Hälfte gesunken.[6] In Westeuropa ist die Lage ähnlich. In Osteuropa, dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und in anderen Regionen der ausgebeuteten Dritten Welt überschreiten die wirtschaftlichen Realitäten das Maß reiner Verzweiflung.[7]

Wenn in dieser Situation jemand sagt, wir können uns heute kein Raumfahrtprogramm mehr leisten, dann beweist diese Person damit, daß sie keine Ahnung von der derzeit ablaufenden Weltwirtschaftskrise hat. Gerade weil sich immer mehr Menschen auf der Welt eine ausreichende Mahlzeit nicht mehr leisten können, brauchen wir ein Programm der Mars-Kolonisierung. Ein solches wissenschaftsstimuliertes Programm für den Wirtschaftsaufschwung ist heute ein weit wichtigeres Unterfangen für unseren Planeten und ein viel praktischeres dazu, als es das noch in der Zeit von 1985-86 war, als ich meine ursprünglichen Vorschläge zu diesem Thema formulierte.

Leider sind alle großen Raumfahrtpioniere dieses Jahrhunderts bereits gestorben oder alt geworden. Nur eine Minderheit der heutigen "Erben-Generation" und ein etwas größerer Teil der Rentner haben noch eine schwache Erinnerung an die Freude, welche die gesamte Bevölkerung ergriff, als damals die ersten Menschen auf dem Mond landeten; für viele war das das vorletzte Mal, daß ihnen die Fernsehnachrichten einen guten Grund gaben, wirklich froh zu sein. Die heutige Situation in der Raumfahrtpolitik ist vergleichbar mit dem, was in der medizinischen Forschung und dem öffentlichen Gesundheitswesen geschieht: Sie werden von den Versicherungskartellen genau zu einer Zeit zugrunde gerichtet, wo unserem Planeten die größte Seuchenwelle in der Geschichte droht. Wir müssen der Welt die Prinzipien, Ziele und Vorteile der Weltraumfahrt ganz von Neuem beibringen.

Es ist notwendig, den folgenden funktionalen Zusammenhang zu erklären: Welches sind die wirtschaftlichen Prinzipien, die ein wissenschaftsstimuliertes Raumfahrtprogramm zum entscheidenden Eckstein macht, um die sich vertiefende globale Wirtschaftsdepression erfolgreich zu überwinden? Wir wollen diese Problematik "Das Christoph-Kolumbus-Prinzip der Wirtschaftswissenschaft" nennen. Warum diese Bezeichnung nützlich und sinnvoll ist, werden wir später sehen.

Güter produzieren keine Güter

Bevor es in den USA zwischen 1966 und 1979 zu einer folgenschweren Wende im politischen Denken und Handeln kam, hatten es die Veteranen des Zweiten Weltkriegs u.a. fertig gebracht, die auf Familienbetrieben zwischen 100 und 200 Hektar basierende Landwirtschaft zu revolutionieren. Das war die Zeit, wo noch der Großteil der Beschäftigten entweder als Arbeiter oder Techniker in der physischen Produktion von Gütern oder in einem damit zusammenhängenden Bereich der grundlegenden Infrastruktur tätig war. Die meisten Beschäftigten erlangten im Zuge des produktiven Prozesses einen gewissen Wohlstand. Betriebsführung und Produktionsleitung der Unternehmen samt Ingenieure und untergeordneter Abteilungsleiter betrachteten die Produkte und Produktionsprozesse vom Standpunkt der Investitionen in wissenschaftliche und technische Verbesserungen und analysierten Fertigungsabläufe und Warenbestände mit Hilfe von Instrumenten zur Fertigungsplanung, wie Materialaufstellungen und Arbeitsablaufdiagrammen. Wir waren damals eine produktive Leistungsgesellschaft.

Heute herrscht dieser normale Geisteszustand nicht mehr.

Etwa 1966 setzte die Transformation von einer zunehmend gesunden und wohlhabenden, produktionsorientierten "Handarbeiter"-Gesellschaft in eine dekadente, selbstzerstörerische, konsumorientierte Gesellschaft des "Freizeit-Looks" und des Hedonismus ein: eine jammervolle, dekadente "Gefühls"-Gesellschaft der "Midlife"-Krisen und Schlankheitspillen. Man fühlt sich an den Niedergang der absterbenden römischen Sklavenhaltergesellschaft der Bürgerkriege und Cäsaren erinnert, an den parasitären Mob jener Bürger, die nur noch von den Hungerrationen politischer Almosen lebten, an die dekadente Bevölkerung des imperialen Roms, deren liebster Freizeitspaß der Circus Maximus in Rom war - eine Improvisation auf unsere heutige Fernsehunterhaltung in der vorelektronischen Zeit. Niemand, der nach 1968 die Universität verließ, erlebte in seinem Erwachsenenleben eine Zeit, in der die Grundannahmen unserer Wirtschaftspolitik nicht vollkommen widersinnig waren. Ein nachdenklicher Archäologe würde langsam den Kopf schütteln: Er fühlt sich an zugrundegegangene Kulturen erinnert, welche genauso ihre moralische Überlebensfähigkeit verloren hatten.

Hinzu kommt in Europa wie in Amerika das Problem, daß während der vergangenen zehn Jahre die Mehrzahl derer, die in die höchsten Positionen von Politik und Wirtschaft aufgestiegen sind, aus der 68er Generation stammen. Abgesehen von einer kleinen Minderheit an Ausnahmeerscheinungen unter ihnen spiegelt sich deshalb in dem, was sie als "mehrheitsfähig" ansehen, die Begrenzheit ihrer Kindheit (welche sie in Amerika mit solchen moralischen Riesen wie "Howdy Doody"* teilten) und einer entsprechenden Erziehung in ihrer Jugend und Erfahrungen als Erwachsene seit Mitte der sechziger Jahre wider.

Den 68ern, die heute Politik machen, kann man nicht vorwerfen, daß sie den "kulturellen Paradigmawechsel" der Zeit von 1966 bis 1971 erfunden hätten; sie sind eigentlich nur die Opfer der aversiven Verhaltensmodifikation, von der zwischen 1962 und 1971 fast ihre gesamte Generation erfaßt wurde.[8] Als Opfer der vom Tavistock-Zentrum eingesetzten Methoden zur Massenbeeinflussung setzten sie diese "Innovation" unbesehen als gegeben voraus, weil sie bereits Jahrzehnte zuvor darauf konditioniert wurden. Die Axiome, mit denen heute Politik gemacht wird, bestehen daher genau in jenen "zeitgeistigen" Dingen, die andere von einem hören sollen, um die eigene Karriere zu fördern - in Politik, Universität, Geschäftsleben oder auch nur in der Freizeit, wenn selbstgefällige Leute zusammenkommen, um sich von anderen, vor allem aber von sich selbst, bewundern zu lassen.

Wir, die in den letzten dreißig Jahren diesen Prozeß der Verhaltenskonditionierung der 68er Generation beobachtet haben, müssen den Führern dieser "Generation von Opfern" und der nachfolgenden sogenannten "Erben-Generation" helfen, ihre Eigenart zu verstehen. Wenn uns das nicht gelingt, dann sind diese zwei Generationen, und weitere mehr, dem Untergang preisgegeben und werden genau wie Shakespeares Hamlet ein elendes Ende erleben. Im engeren Rahmen unseres Themas der Ökonomie der Weltraumfahrt müssen wir der 68er Generation helfen, die methodische Inkompetenz der Generation ihrer Eltern bezüglich wirtschaftlicher Prinzipien zu verstehen. Denn die gleiche Inkompetenz ist heute Grundlage des sogenannten "etablierten" wirtschaftlichen Denkens.

Mitte der fünfziger Jahre "trennten sich die Geister" in der Wirtschafts- und Industrieführung durch eine fraktionelle Kontroverse zweier sich gegenseitig bekämpfender Schulen in einem gerade neu entstandenen Gebiet der Wirtschaftslehre, das als "Systemanalyse" oder "Input-Output-Analyse" bekannt ist. Auf der einen Seite der Kontroverse stand damals der Harvard-Professor Wassilij Leontief, der nach den Krieg die Grundlagen der Erhebung des Nationaleinkommens und Nationalprodukts entwickelte. Gegen Leontief stand Tjalling Koopmans Operations Research Gesellschaft, die Leontief passend als "Elfenbeinturm"-Schule bezeichnete.[9] Die US-amerikanische Komponente dieser "Elfenbeinturm-Fraktion" war stark von zwei Anhängern Bertrand Russells beeinflußt, Norbert Wiener (von "informationstheoretischer" Berühmtheit) und John von Neumanns Dogma der "Systemanalyse". Die Mutter dieser Lehre war das, was als die Cambridger "Systemanalyse"-Mafia der Bertrand-Russell-Nachfolger Lord Kaldor und Kollegen bekannt wurde.

Leontiefs experimentelle Methode war zwar der der "Elfenbeinturm"-Fanatiker bei weitem vorzuziehen, doch beiden Fraktionen war der gleiche axiomatische Fehler gemein. Aus Cambridger Sicht tritt die Bedeutung dieses verbreiteten Fehlers in einem kleinen Buch deutlich zutage, welches der britische Ökonom Piero Sraffa 1960 unter dem Titel "The Production of Commodities by Commodities" ("Die Produktion von Gütern durch Güter") veröffentlichte.[10] Dieser Irrtum ist der dümmste und hartnäckigste, welcher den heutigen axiomatischen Morbititäten zugrundeliegt und fast alle "etablierten" ökonomischen Meinungen durchzieht.

Um die Inkompetenz der heutigen Wirtschaftslehre zu erkennen, ist es unverzichtbar, wenn auch nicht ausreichend, die Absurdität zu erkennen, wenn man den Wirtschaftsprozeß vom Standpunkt des Konsums und nicht vom Standpunkt der Produktion betrachtet. Man muß darüber hinaus verstehen, daß das heute so populäre monetaristische Unwissen nicht nur diesem "konsumeristischen" Irrsinn entspringt, sondern auch die groben Fehler weiter kultiviert, welche bereits seit den 40er Jahren in den methodischen Grundannahmen der "Input-Output-Analyse" enthalten waren. Um diese besser verständlich zu machen, hat der Autor das pädagogische Bild des "Kolumbus-Prinzips" eingeführt. Es folgen jetzt die relevanten Stellen aus der Einleitung des Autors zur chinesischen Ausgabe seines erstmals 1984 erschienenen Lehrbuchs zur physischen Ökonomie.[11]

"Bei der Analyse einer Volkswirtschaft vom Standpunkt der Produktion verwenden wir Hilfsmittel wie Materialaufstellungen und Arbeitsablaufdiagramme. Wir betrachten von der Infrastruktur bis zum Verbrauch des Endprodukts jedes Detail im Produktionszyklus einer Volkswirtschaft als Ströme zu den Verzweigungspunkten, an denen produktive Handlungen geschehen. Es werden ,Warenkörbe' notwendiger Güter pro Arbeitskraft, pro Einheit nutzbaren Landes und pro Familienhaushalt zusammengestellt. Dabei verwenden wir durchgehend die Leibnizsche Definitionsweise eines notwendigen Warenkorbes für den Verbrauch der privaten Haushalte wie auch für jeden einzelnen Sektor von Landwirtschaft, Industrie und Infrastruktur.[12] Auch verschiedene notwendige Verwaltungsformen werden berücksichtigt.

Diese Analyse der Produktionsflüsse stellt den Ökonomen vor die Aufgabe, eine Vorstellung von der funktionalen Beziehung zwischen dem sich verändernden realen Inhalt der Warenkörbe und Veränderungen bezüglich der produktiven Arbeitskraft pro Kopf der arbeitenden Bevölkerung zu gewinnen, so wie Leibniz forderte, das notwendige Einkommen der Arbeiterhaushalte zu studieren.[13] Das muß zusätzlich zum Studium der notwendigen Warenkörbe der Familienhaushalte für jeden Sektor der Produktion und Infrastruktur geschehen.

Das unmittelbare Ziel solcher Untersuchungen ist, die Beziehung zwischen den Ausgaben und der Veränderung des produktiven Output der Gesellschaft pro Arbeitskraft zu bestimmen. Das Maß dieser funktionalen Beziehung kann auf keinen Fall eine monetäre Größe sein; die Korrelation muß zwischen realem Input und der realen Arbeitsproduktivität erfolgen. Zu dieser Regel kann nur eine Ausnahme zugelassen werden: Der Grad, zu dem Quantität und Qualität von Bildung, Gesundheitswesen, Wissenschaft und Technik die potentielle reale Produktivkraft beeinflussen, muß in die Warenkörbe des Verbrauchs von Arbeitskräften, Infrastruktureinrichtungen, Landwirtschaft und Industrie einfließen.

Anhand dieser empirischen Mittel versuchen wir festzustellen, welcher Anteil des Verbrauchs einer Gesellschaft der ,Systemenergie' entspricht. Diesen Verbrauch korrelieren wir mit einer bestimmten Höhe des potentiellen produktiven Ausstoßes. Den gesamten Ertrag, der über das zur Aufrechterhaltung dieses Verbrauchs Notwendige hinausgeht und keine Vergeudung ist, setzen wir gleich mit der ,freien Energie' des produktiven Prozesses. Der Ökonom muß erklären, welche Rolle die Rückinvestierung eines Teils dieser ,freien Energie' dabei spielt, einerseits den Umfang der Wirtschaft und der sie stützenden Infrastruktur zu erweitern und andererseits die Produktivität des Produktionsprozesses durch die Betonung energie- und kapitalintensiver Investitionen in wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zu erhöhen. Ziel des Ökonomen ist sicherzustellen, daß das Verhältnis von ,freier Energie' zu ,Systemenergie' nicht sinkt, obwohl die ,Systemenergie' pro Kopf steigt. Die Frage ist: Wie würden sich Veränderungen im Verbrauchsverhalten auf die potentielle produktive Arbeitskraft auswirken? Wie würden sich Veränderungen auf das Verhältnis von ,freier Energie' zu ,Systemenergie' auswirken?

Der offenbare Grund für das Versagen der meisten Versuche, die physische Ökonomie einer ganzen Nation in diesen Begriffen zu verstehen, ist die irrige Annahme, man könnte die funktionale Variation des Input-Output-Verhältnisses so messen, als messe man die ,Produktion von Gütern durch Güter', wobei der einzelne Mensch nur als Mittel für solche Vorgänge diene. Mit diesem Irrtum hängt der unwissenschaftliche Charakter von Norbert Wieners ,Informationstheorie' und John von Neumanns Versuch, seine ,Systemanalyse' auf Wirtschaftsprozesse anzuwenden, zusammen. Die Arbeit von Professor Wassilij Leontief über Input-Output-Modelle ist nützlich unter der Voraussetzung, daß wir uns nicht zu der falschen Annahme verleiten lassen, wir untersuchten in einer solchen Konfiguration die implizierte ,Produktion von Gütern durch Güter'.

Die Quelle des Anstiegs der produktiven Arbeitskraft ist die jedem Neugeborenen innewohnende Fähigkeit, die jeden Menschen von allen niederen Lebensformen unterscheidet und über sie erhebt. Diese Eigenschaft läßt sich am besten definieren als die entwicklungsfähige, aber souveräne Fähigkeit jedes menschlichen Individuums, experimentell nachweisbare neue grundlegende Entdeckungen zu machen oder einen solchen ursprünglichen Akt der Entdeckung nachzuvollziehen. Dieses für elementare wissenschaftliche Entdeckungen unabdingbare Prinzip ist auch die Quelle der Meisterwerke aller europäischen klassischen Kunstformen. Denselben kognitiven Fähigkeiten, aus denen wir Fortschritte im wissenschaftlichen und künstlerischen Wissen gewinnen, entspringt auch der Anstieg der Macht des einzelnen über die Natur sowie bei der Planung und Herstellung von Produkten.

Wir dürfen uns Produkte nicht als Ursache der Arbeitsproduktivität vorstellen, sondern als deren notwendige Umstände. Betrachten wir dazu die Entdeckungen des Christoph Kolumbus.[14]

Kolumbus' Entdeckung von Amerika begann eigentlich bereits im 3. Jahrhundert v.Chr., als Eratosthenes, das berühmte Mitglied der platonischen Akademie von Athen, die Erdkrümmung berechnete. Paolo Toscanelli (1397-1482), der führende Astronom des 15. Jahrhunderts, orientierte sich an den antiken Experimenten des Eratosthenes und anderer und schuf die Landkarte, die Kolumbus bei seiner erfolgreichen Reise benutzte.[15] Toscanellis Karte hatte nur einen nennenswerten Fehler; sie stellte zwar den Erdumfang weitgehend richtig dar, wie er sich aus astronomischen Beobachtungen der Erdkrümmung ergab, doch stützte sie sich auf stark übertriebene venezianische Berichte über die Entfernung von Venedig nach China und Japan, und deshalb erschien Japan mitten in den heutigen Vereinigten Staaten!

Knapp zwei Jahrzehnte vor seinen berühmten Entdeckungsreisen erfuhr Kolumbus von Toscanellis Karte. Er erhielt Zugang zur Korrespondenz zwischen Toscanelli und Fernao Martins in Lissabon über die Idee, Indien und die südostasiatischen Inseln Richtung Westen über den Atlantik zu suchen.[16] Er schrieb an Toscanelli und erfuhr in dessen letzten Lebensjahren von der jahrzehntelangen Zusammenarbeit, die mit dem unmittelbaren Florentiner Umkreis Nikolaus von Kues' in den Jahren vor dem Konzil von Florenz 1439 begonnen hatte.[17] Diesen wissenschaftlichen Kenntnissen fügte Kolumbus seine Erfahrung und sein Wissen als Seefahrer, Kenntnisse der Meeresströmungen und vorherrschenden Winde hinzu, welche klar darauf hindeuteten, daß es auf der anderen Seite des Atlantik Land geben und ein Weg dorthin führen müßte. Da er Toscanellis Karte benutzte, kann man annehmen, daß sein ursprüngliches Ziel die Inseln im Pazifik weit südlich Japans waren. Kolumbus' Entdeckung Amerikas war somit eine ,wissenschaftliche Entdeckung' im strengen experimentalphysikalischen Sinn.

Mit dem Beispiel von Kolumbus' Entdeckung wollen wir eines der wesentlichsten Prinzipien der Wirtschaftswissenschaft veranschaulichen - ein Prinzip, das die gängigen Wirtschaftslehren der heutigen Universitäten offenbar nicht mehr kennen. Die entscheidende Frage ist: Haben die drei von Kolumbus befehligten Schiffe bzw. deren Besatzung Amerika entdeckt? Die Berichte über die großen Schwierigkeiten, die Kolumbus dabei hatte, die drei Schiffe zu besorgen, und über den Unwillen der Mannschaft erhellen die zweifache Tatsache: Kolumbus, und er allein, war der Handelnde, der die Entdeckung Amerikas erreichte; aber ohne die Schiffe und die Mannschaft hätte er es nicht geschafft.

Nicht die Produktionsmittel, noch nicht einmal die Arbeitskräfte als solche sorgen für die Fortschritte, welche die Lage des Menschen verbessern. Vielmehr hängt aller Fortschritt der Menschheit von der Fähigkeit der souveränen individuellen Geisteskräfte zu wahren Entdeckungen in den Wissenschaften und Künsten ab. Aber um voranzugehen, müssen die Entdecker - und auch ihre Mithelfer - soweit ausgebildet werden, daß sie solche Entdeckungen machen und in die Praxis umsetzen können. Und selbst das kann nur funktionieren, wenn die richtigen Werkzeuge und Materialien zur Verfügung stehen, um den Impuls des individuellen kreativen Intellekts wirksam zu machen.

Die Schiffe haben die Entdeckung Amerikas nicht verursacht, aber sie waren dafür unabdingbar. Die materiellen Lebensbedingungen schaffen nicht den menschlichen Fortschritt, aber ohne derartige Mittel zur Umsetzung der Arbeit des menschlichen Geistes ist kein Fortschritt möglich. Das sollte eigentlich offensichtlich sein, aber die meisten erklärten Ökonomen sind zu sehr in dem von ihren Ideologien erzeugten Irrglauben gefangen, als daß sie die richtigen Beziehungen innerhalb des Produktionsprozesses erkennen könnten.

Ein ähnlich warnendes Wort muß vorausgeschickt werden, wenn in diesem Buch die physische, produktive Arbeitsteilung der Gesellschaft behandelt wird. Nicht die Zahl der Arbeiter oder die eingesetzte Gesamtarbeitszeit schafft die Produktivität, sondern die entwickelten Fähigkeiten des individuellen menschlichen Geistes - die allerdings ohne entsprechende Entwicklung der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur und der Produktionsmittel nicht wirksam werden können.

Wenn wir prinzipiell erkannt haben, daß die Produktion bestimmte grundsätzliche Vorbedingungen hat, müssen wir uns deshalb darauf konzentrieren, die Qualität des einzelnen Menschen in der Gesellschaft zu entwickeln. Zum Beispiel wird der geistige Entwicklungsstand der Kinder entscheidend davon beeinflußt, wieviel Zeit man für Erziehung und Ausbildung aufwendet. Selbst mit den besten Lehrern ist eine gute Ausbildung nur möglich, wenn es sich die Familien wirtschaftlich leisten können, daß die jungen Menschen den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend dieser Ausbildung widmen. Die Gesundheit und Lebenserwartung der Familienmitglieder spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Die sozialen Beziehungen und materiellen Lebensumstände der Familie und des sozialen Umfeldes, die für die Ausbildung der wissenschaftlichen und künstlerischen Fähigkeiten des einzelnen unerläßlich sind, sind wesentliche Elemente der ,Systemenergie', die wir zur dauernden Erhaltung eines bestimmten Standes der potentiellen produktiven Arbeitskraft brauchen.

Ähnlich muß eine Gesellschaft mit stets gleichbleibenden Produktionstechnologien durch sich akkumulierende sog. ,technologische Abnutzung' in den Ruin absinken. Ohne Investitionen in wissenschaftlichen und technischen Fortschritt wird eine Gesellschaft degenerieren. Allerdings erfordern Investitionen in wissenschaftlichen und technischen Fortschritt auch steigende Investitionen in Verbesserungen der Natur, in den Wasser- und Energieverbrauch pro Kopf und die Produktionsmittel pro Kopf."

Alle überlebensfähigen Wirtschaften sind ihrem Wesen nach "nichtentropisch", was sich in folgendem ausdrückt: Das Verhältnis der "freien Energie" zur "Systemenergie" darf nicht sinken, obgleich die "Systemenergie" durch die "Reinvestition" eines Teils des Flusses an "freier Energie" zwangsläufig anwächst. Die Quelle dieses "nichtentropischen" Impulses ist nichts anderes als das, was die Menschheit grundlegend von allen bekannten Gattungen des Universums unterscheidet und ihr einen höheren Rang als diesen gibt: die Schöpferkraft des individuellen menschlichen Verstandes, durch welchen gültige, ursprüngliche Entdeckungen universeller Prinzipien gemacht werden, sowie der Geistesakt, mit welchem der Schüler eine derartige Entdeckung repliziert, indem er innerhalb seines souveränen Denkprozesses diesen schöpferischen Prozeß nachvollzieht.

Dieses "Kolumbus-Prinzip" ist der Schlüssel zu dem erstaunlichen Erfolg der wirtschaftlichen Kriegsmobilisierung, welche in den USA von 1940 bis 1943 unter Präsident Franklin Delano Roosevelt stattfand. Es ist auch die Quelle dafür, wie das Wirtschaftsinstitut Chase Econometrics errechnete, daß für jeden einzelnen von der Regierung Kennedy in das Apollo-Projekt investierten Dollar 14 Dollar in die amerikanische Wirtschaft zurückflossen. Eine bis an die Grenze der Möglichkeiten getriebene Rate der Verwirklichung prinzipieller wissenschaftlicher Entdeckungen sowie die Mobilisierung materieller Ressourcen und der nötigen Mittel für Erziehung und Gesundheitswesen, um moderne "Christoph Kolumbusse" zu ermöglichen, das ist das Geheimnis aller großen wirtschaftlichen Errungenschaften der moderenen europäischen Zivilisation. Die entscheidende Politik besteht darin, die Entwicklung der Geisteskräfte möglichst vieler Personen durch eine Erziehungsmethode zu befördern, die mit den christlich-humanistischen Modellen der Brüder des Gemeinsamen Lebens, Friedrich Schillers und dessen Freund Wilhelm von Humboldt übereinstimmen. Die so entwickelten Geistesfähigkeiten müssen an ihre Leistungsgrenze getrieben werden, indem entsprechende weitgesteckte Missionen formuliert und die Mittel bereit gestellt werden, um die Macht des Menschen über die Natur, d.h. die Pro-Kopf-Relation des Menschen zu unserem Universum qualitativ zu steigern, wie es dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte Gen. 1:26-28 aufgetragen ist.

Im Sog der Santa Maria

In den fünfziger Jahren kam Wernher von Braun zu der Überzeugung, daß Christoph Kolumbus' Entscheidung, mit drei Schiffen die Entdeckung Amerikas zu wagen, das geeignete Vorbild für die zukünftige Reise des Menschen zum Mars sei.[18] 1986 übernahm der Verfasser das von Braunsche "Kolumbus-Prinzip" und paßte es seinem eigenen Entwurf eines auf vierzig Jahre ausgelegten wissenschaftsstimulierten Programms zur Kolonisierung des Mars an. Es läßt sich jedoch noch eine weitere wesentliche Lehre aus dem Kolumbus-Prinzip ableiten, etwas, dem von Braun sicher im wesentlichen zugestimmt hätte.

Warum haben Männer aus dem engen Umkreis des Kardinals Nikolaus von Kues jene Reise nach Indien vorgeschlagen, zu der Christoph Kolumbus sich durch die Korrespondenz zwischen Paolo Toscanelli und Fernao Martins inspirieren ließ?[19] Wie Kolumbus' Gönnerin, die edle Königin Isabella, betonte, unterstützte ihre Regierung diese Reise nicht, weil sie sich davon Goldschätze, Sklaven oder andere Reichtümer aus der Ferne versprach.[20] Genausowenig liegt das Ziel der Raumfahrt darin, neuen Grundbesitz zu erschließen oder Rohstoffe für den irdischen Markt auszubeuten. Ziel ist es, die Beziehung zwischen Mensch und Universum zu verändern; nur so können die erforderlichen neuen Prinzipien entwickelt werden, um das Leben hier auf der Erde zu verbessern.

Der Hauptnutzen der Raumfahrt ist die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen auf der Erde. Dieser Nutzen entsteht daraus, daß völlig neue Forschungsprinzipien, die man in der Raumfahrt entdeckt und entwickelt, in die Wirtschaft auf der Erde einfließen. Das geschieht hauptsächlich dadurch, daß Entwürfe von Experimenten, die ein neues Prinzip beweisen, als Vorlage für neue Konstruktionsprinzipien im Werkzeugmaschinenbau und im Fertigungsprozeß insgesamt dienen. Wie der pfiffige Geschäftsmann sagen würde: "Wir verlieren bei der Raumfahrt vielleicht eine Menge Geld, aber durch das, was bei der ganzen Sache abfällt, bekommen wir ein Vielfaches zurück."

Mitte der achtziger Jahre definierte der Autor die Ziele eines wissenschaftsstimulierten Sofortprogramms zur wirtschaftlichen Entwicklung nach folgenden groben Kriterien.

Wir beginnen genauso wie Nikolaus von Kues und nach ihm Johannes Kepler, Gottfried Leibniz, Carl Gauß, Wilhelm Weber und Bernhard Riemann.[21] Als erstes unterscheiden wir zwischen der nützlichen, aber relativ fehlerhaften formalen mathematischen Physik und der experimentellen Physik.[22] In der experimentellen Physik treffen wir immer wieder auf Paradoxa, welche die Gültigkeit der gängigen mathematischen Physik erschüttern. Werden neu erkannte Lösungen solcher Paradoxa experimentell bestätigt, ergeben sich neue physikalische Prinzipien. Der Kerngedanke von Riemanns genialer Habilitationsschrift von 1854[23] ist die Erkenntnis, daß solche Prinzipien eine neue "Dimension" der physikalischen Raumzeit-Geometrie darstellen. Dadurch erzeugt man eine neue (platonische) Hypothese, welche die mathematische Physik bestimmt: eine neue Mannigfaltigkeit der physikalischen Raumzeit mit der ihr jeweils eigenen charakteristischen "Krümmung". Und wie Riemann ausgehend vom Verständnis der genialen Arbeiten Gaußens erkannte, entspricht das experimentelle Messen dieser "Krümmung" der Bedeutung, die Nikolaus von Kues dem Messen in der experimentellen Physik gegeben hat.[24]

Allen erfolgreichen wissenschaftsstimulierten Wirtschaftsprogrammen, wie denen in der Raumfahrt, liegt die wissenschaftliche Methode der experimentellen Physik, nicht die der mathematischen Physik, zugrunde. Das Wesentliche˙ - das, was über den relativen wirtschaftlichen Erfolg oder Mißerfolg des Programms entscheidet - liegt darin, daß man wiederholt Grenzen durchbricht, indem man Paradoxa sichtbar macht und neue Prinzipien der experimentellen Physik entdeckt und bestätigt, die eine beständige Erneuerung der mathematischen Physik erfordern. Die sich aus einem wissenschaftsstimulierten Wirtschaftsprogramm ergebende relative "Nichtentropie" muß mit den nützlichen Veränderungen in der physikalischen Raumzeit-Krümmung jener Mannigfaltigkeit gekoppelt werden, die sich in der technologischen Praxis des Menschen ausdrückt. Nur wenn man revolutionäre Entdeckungen in der experimentellen Physik erzwingt, indem man wiederholt das scheinbar Unmögliche in Angriff nimmt, lassen sich Erfolge (in unserem Fall) des Raumfahrtprogramms erzielen, während gleichzeitig die Arbeitsproduktivkraft durch die "Sogwirkung" des wissenschaftsstimulierten Wirtschaftsprogramms ansteigt.

Durch solche revolutionären Entdeckungen vermeintlich unmöglicher neuer physikalischer Prinzipien wird die Schöpferkraft des Menschen am nachhaltigsten gefordert. Aus diesen "nichtentropischen" schöpferischen Prozessen der individuellen menschlichen Schöpferkraft und aus keiner anderen Ursache oder Quelle entsteht im Wirtschaftsprozeß "freie Energie" (z.B. wirklicher "Profit"). Wäre dem nicht so, dann hätten sich die demographischen Kennzeichen der menschlichen Bevölkerung durch die gesamte Vorgeschichte und Geschichte hindurch in allen Kulturen stetig verschlechtert: Die Lebenserwartung und damit zusammenhängend auch die relative potentielle Bevölkerungsdichte wären "entropisch" gesunken.[25] Deshalb müssen in der Wirtschaftswissenschaft diejenigen, die auf "Nummer sicher" gehen und uns zwingen wollen, auf den technologischen Fortschritt zu verzichten, zu den sozialen Parasiten gezählt werden - und natürlich auch zu den heidnischen Gegnern der Genesis 1:26-30.

Segle weiter, Kolumbus!

Warum gerade Weltraumfahrt?

Wenn man uns bei der Erörterung moderner wissenschaftsstimulierter "Großprojekte" richtig verstehen soll, müssen wir auf einige typische Beispiele aus der Vergangenheit verweisen. Solche Beispiele sind: Filippo Brunelleschis Anwendung des Prinzips der Kettenlinie beim Bau der Kuppel des Florenzer Doms (Santa Maria Fiore); das Werk Leonardo da Vincis; der Wandel Frankreichs zum ersten modernen Nationalstaat unter Ludwig XI. 1461-83; das wissenschaftsstimulierte Wirtschaftsprogramm von Minister Jean-Baptiste Colbert in Frankreich; die Leistungen Lazard Carnots, Gaspard Monges u.a. während der militärischen Mobilisierung 1792-94 und in der Ecole Polytechnique unter Monge 1794-1814;[26] die Kriegsmobilisierungen unter den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln und Franklin Delano Roosevelt; das Manhattan-Projekt; sowie das deutsch-amerikanische US-Raumfahrtprogramm der fünfziger und sechziger Jahre. Es gibt noch weitere Beispiele, aber für unsere Zwecke reicht diese Liste aus.

In allen diesen Beispielen wurde entweder eine städtische (Florenz), eine regionale oder eine nationale Wirtschaft zur Lösung einer besonderen Aufgabe so mobilisiert, als ob es darum ginge, einen Krieg zu gewinnen. Zum Erreichen der Ziele war stets die Qualität gefordert, die Carl von Clausewitz, der zum Kreis des preußischen Generals Scharnhorst gehörte, in seinem Buch Vom Kriege [27] als Entschlossenheit bezeichnete: Die Entschlossenheit, eine Serie von Durchbrüchen in Form gültiger, neuer physikalischer Prinzipien hervorzubringen. Die militärische Ausdrucksweise ist angemessen, ja fast unumgänglich. Der militärhistorische Bezug ist hierbei das Prinzip der Flanke, das mit exemplarischem Erfolg 1792-94 von Frankreichs "Organisator des Sieges" Lazard Carnot, von Alexander dem Großen (bei Gaugamela), von Hannibal (bei Cannae) und von General William Tecumseh Sherman, dem "Hammer" von General Ulysses Grants "Amboß", angewendet wurde.[28] Das "Prinzip der Flanke", beispielhaft vorgeführt von Alexander dem Großen und Hannibal, vom Wissenschaftler und Soldaten Carnot weiterentwickelt, von Sherman mit Brillanz ausgeführt und im berühmten Schlieffen-Plan gegen den sich anbahnenden Zweifrontenangriff von Großbritannien, Frankreich und Rußland auf Deutschland enthalten[29], entspricht genau der geistigen Einstellung, die man für den Erfolg eines wissenschaftsstimulierten Wirtschaftsprogrammes oder einer Entdeckung wie der des Kolumbus braucht.

Eine schwächere Armee kann eine stärkere vernichten, wenn sie plötzliche, entschlossene Angriffe auf genau ausgewählte "Flanken" der überlegenen Gegenseite richtet. Die Wahl eines bzw. die Koordination mehrerer solcher Angriffspunkte erfordern dieselben geistigen Qualitäten wie die Lösung eines scheinbaren Paradoxons bei der Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien. Die Befehls-Depeschen des Wissenschaftlers Carnot an die verschiedenen ihm unterstehenden Teile der französischen Armee in der Zeit 1792-94 verdeutlichen diesen Zusammenhang. Entwurf und Ausführung solcher Vorstöße, ob in der Kriegführung oder der Wissenschaft, mögen den Untergebenen wie ein furchterregendes Schauspiel der Gnadenlosigkeit ihres Kommandeurs erscheinen. Wenn der Entschluß einmal gefaßt ist, gibt es kein Ausweichen mehr und kein Untergebener darf wanken. Ob im Militärwesen oder in der Wissenschaft, das ist die Bedeutung von Entschlossenheit in Clausewitzens Vom Kriege.

Kein Soldat sollte sich wünschen, jemals im Kampf unter einem Kommandeur zu dienen, dem diese Qualität fehlt; genausowenig kann man sich in einer Krisensituation eine wissenschaftliche oder politische Führung ohne diese Qualität wünschen.

Stellt man eine solche Auswahlbedingung an eine Unternehmung mit wissenschaftlicher Sogwirkung, so erhebt sich die Frage: Warum sollen wir uns unter allen denkbaren Programmen ausgerechnet für ein Raumfahrtprogramm entscheiden?

Für die uns hier gestellte Aufgabe dürfen wir Wissenschaft nicht vom Blickwinkel des Elfenbeinturms der heute gängigen formalen mathematischen Physik betrachten, sondern müssen uns auf den Standpunkt der experimentellen Physik stellen - ein Unterschied, den schon der Begründer der modernen Wissenschaft Nikolaus von Kues betonte, und den Bernhard Riemanns grundlegende Entdeckung aufs neue unterstrichen hat.[30]

Betreten wir also das Gebiet der experimentellen Physik. Betrachten wir sie von dem Standpunkt, den wir bisher dargelegt haben. Man beachte dabei unseren Verweis auf Bernhard Riemanns vernichtende Widerlegung des mathematisch-formalistischen Ansatzes der mathematischen Physik. Man beachte weiter, daß der Verfasser und Riemann sich auf die Wissenschaftsmethode beziehen, die auch Platons Methode der Hypothesenbildung eigen ist. Und man beachte Leibniz' Angaben zu einer "hypermathematischen" Methode der analysis situs, wie sie der Verfasser am Beispiel der physischen Wirtschaftslehre dargestellt hat.[31] Unter diesen expliziten und impliziten Voraussetzungen konstruiert sich die "Landkarte" menschlichen Wissens (Wissenschaft) wie folgt.

  1. "Menschliches Wissen" oder "Wissen" überhaupt [32] muß ausschließlich verstanden werden als das Überprüfen der Gültigkeit neu entdeckter Prinzipien: Ob der Mensch mittels dieser Prinzipien das Universum dazu bringen kann, sich seinem Willen zu beugen oder nicht. Die Vorstellung von Gegenständen als feststehende Objekte per se hat nichts mit Wissen zu tun; nur wenn es sich um bewiesene Prinzipien der Veränderung in bezug auf bestimmte Gegenstände handelt, kann man von wirklichem "Wissen" (Kenntnis) eines Gegenstands sprechen.

  2. "Wissen" kann ausschließlich durch Metaphern gewonnen werden. Der Ausdruck "Metapher" bezeichnet eine bestimmte Qualität der Widersprüchlichkeit, bei der ein unbestreitbares Ereignis beharrlich einem unbewußt eingeschalteten Glaubenssystem zuwiderläuft. Die einzige Lösung dieser Widersprüchlichkeit liegt darin, daß im Zuge des souveränen menschlichen Denkprozesses ein geeignetes neues System von Vorstellungen erzeugt wird. Wird diese neue Vorstellung experimentell oder auf entsprechende Weise bestätigt, so kommt ihr die Gültigkeit eines physikalischen Prinzips zu. Die Neuordnung des alten Glaubenssystems auf eine Weise, die sich mit dem neu entdeckten Prinzip deckt, stellt "Wissen" dar, das dann in den individuellen Denkakt eingeht. [33]

  3. Die Gültigkeit solchen "Wissens" zeigt sich letztendlich, wenn das neue Glaubenssystem seine Wirksamkeit dabei beweist, die Fähigkeit des Menschen zur Beherrschung des Universums zu erweitern, so daß sich die charakteristische [34] Produktivität, die relative potentielle Bevölkerungsdichte und andere demographische Kennzeichen der menschlichen Existenz verbessern.

  4. Wissen, das sich durch das "große Experiment" des Fortschritts in den menschlichen Existenzbedingungen im Universum beweist, ist Wissen im Sinne des "Naturrechts". Andere Bezeichnungen für "Naturrecht" sind "Vernunft" (z.B. bei Kepler) und "notwendiger und zureichender Grund" (G.W. Leibniz).

  5. Die Prinzipien des Wissens gelten gleichermaßen für die Naturwissenschaften wie für Meisterwerke in den verschiedenen Formen klassischer Kunst.[35]

    Mit Hilfe dieser Definitionen und Zusammenhänge kann man nun dazu übergehen, eine kohärente Wissenslandkarte zu erstellen, die durch den gerichteten Fortschritt der Experimentalphysik entsteht. Diese Karte steckt das Terrain ab, auf dem alle, die die Wissenschaft vorbringen wollen, ihre Flankenoperationen ausführen können. Auf diese Weise lassen sich auch die Schritte nachvollziehen, welche den Verfasser 1985-86 zu seinem ursprünglichen Entwurf eines vierzigjährigen Entwicklungsprogramms für den Beginn der Marskolonisierung geführt haben.

    Schon im "Plan der Untersuchung" zu Beginn seiner Habilitationsschrift von 1854 teilt Riemann das gesamte Gebiet der experimentellen Physik in drei verschiedene Unterbereiche ein. In heutiger Sprache sind dies A) die Astrophysik, B) die Mikrophysik sowie die verbleibenden Erscheinungen, deren Wirkungen direkt mit den Sinnen wahrnehmbar sind, d.h. C) die Makrophysik. In jedem dieser Bereiche haben wir es mit drei verschieden Erscheinungsarten zu tun: 1. scheinbar nichtlebende Prozesse, einschließlich der sog. "organischen"; 2. lebende Prozesse, die scheinbar keine Erkenntnisfähigkeit besitzen (alle Gattungen unterhalb des Menschen), und 3. die Denkprozesse, auf die wir uns hier wiederholt bezogen haben. Somit läßt sich die gesamte Wissenschaft als jene Übergänge darstellen, die sich in der experimentellen Praxis aus sämtlichen existierenden Kombinationsvertauschungen innerhalb von neun Feldern ergeben, welche durch diese drei Reihen und drei Spalten vorgegeben sind.

    Aber alles Wissen, das wir auf diese Weise gewinnen können, gehört in den Bereich des Erkennens. Unser Wissen vom "großen Experiment", der menschlichen Entwicklung selbst, subsumiert die möglichen Kombinationen innerhalb der neun Felder sowie die Beziehungen, die sich aus allen tatsächlichen Übergängen entsprechend den möglichen Kombinationsvertauschungen unter den neun Feldern ergeben. Unser gesamtes augenblickliches Wissen über die Gesetze des Universums ist auf das Wissen begrenzt, das wir ausschließlich durch die Erkenntnis des "großen Experiments" gewinnen.

    Auf der höchsten Ebene ist das Wissen in der physikalischen Wissenschaft nicht mehr einem einzelnen dieser untergeordneten speziellen Bereiche zugeordnet. Auf dieser höheren Ebene, wo die "Wissenschaft" ihren Namen eigentlich erst verdient, sind nicht mehr die Dinge innerhalb der einzelnen Bereiche der wesentliche Inhalt der wissenschaftlichen Erkenntnis, sondern die Übergänge, die alle diese Bereiche miteinander verbinden. Die Veränderungen, welche diese vielen Transformationen subsumieren und zusammenfassen, geben dem Wort "Wissenschaft" erst seinen spezifischen ontologischen Inhalt.

    Dennoch stellt jedes Paradox, das in irgendeinem Teil des sich erweiternden Rahmens fortbesteht, die Hypothesen über die wissenschaftliche Erkenntnis als Ganzer in Frage: ganz gleich, ob dieses Paradox in der biologischen Mikrophysik erscheint, als astrophysikalische Anomalie oder aus irgendeiner anderen Permutation innerhalb der neun Felder.

    Unter allen möglichen Quellen solcher Paradoxa sind eine Handvoll Fragen für die Wissenschaft insgesamt von ganz wesentlicher Bedeutung: Was macht im Augenblick des Sterbens den Übergang vom lebenden Prozeß zum nichtlebenden aus? Worin besteht der Übergang von einem nur lebenden Prozeß zum Denkprozeß, der die Handlungen des lebenden Prozesses kontrolliert? Wie wurden die Planeten unseres Sonnensystems samt ihrer spezifischen chemischen Zusammensetzung und anderer Merkmale durch Rotationsablösung von der damals viel jüngeren, sich schneller drehenden Sonne erzeugt? Nach welchen Prinzipien erzeugt sich unser astrophysikalisches Universum stets weiter? Wie lassen sich die Transformationen im astrophysikalischen Bereich mit der charakteristischen Unterscheidung zwischen lebenden, nichtlebenden und kognitiven Prozessen im mikroskopischen Bereich funktional in Einklang bringen?

    Die zentrale Frage ist: Wo, in welchen Nischen dieser "Landkarte" liegen in unserem heute etablierten System anerkannter wissenschaftlicher Dogmen die experimentell nachweisbaren Ungereimtheiten; wo treten sie besonders deutlich hervor? Welche zusätzlichen Ungereimtheiten dieser Art können wir möglicherweise zum Vorschein bringen? Warum beginnen wir nicht, anstatt jede dieser Fragen einzeln zu betrachten, ein koordiniertes Projekt, bei dem wir einige der wichtigsten "paradoxen" Flanken im Rahmen eines integrierten Einzelprojekts anpacken? Das ist der Ansatz, der ein Großprojekt mit wissenschaftlicher Sogwirkung wie das Manhattan-Programm oder die Raumerkundung von der gewöhnlichen Forschung unterscheidet.

    Weil das fruchtbarste Projekt dieser Art jenes ist, das die Mikrophysik in einem Regime astrophysikalischer Revolutionen einschließt, bei dem ein lebender kognitiver Prozeß, der Mensch, im astrophysikalischen Bereich forscht, ist das vorteilhafteste Wissenschaftsprojekt ein langfristiges Programm der bemannten Raumfahrt.

    Zum Beispiel: Bereits mit der Aufgabe, einen Menschen von der Erdoberfläche in die Stratosphäre und noch höher hinauf zu befördern, beginnt der Prozeß, mit dem der Mensch als lebender und kognitiver Prozeß an die Grenzen seiner Anpassungs- und Leistungsfähigkeit gerät. Die Reise von einer geostationären Erdumlaufbahn zum Mond und zurück erscheint fast wie ein gemütlicher Wochenendausflug verglichen mit dem Streß, den ein Flug zum Mars-Orbit mit sich bringt, wozu zum Beispiel ein Flug mit kontinuierlichem Schub notwendig wäre - "ein Unterschied wie Tag und Nacht".

    Ist es überhaupt sinnvoll, Menschen zum Mars schicken? Jedes Argument, nicht sofort mit den Vorbereitungen zur Marskolonisierung zu beginnen, läßt sich mit guten Gründen widerlegen.

    Das erste Argument ist einfach der bekannte Ausspruch: "Dort ist er!" Die Geschichte zeigt, daß das fast unmöglich Erscheinende immer genau das ist, was die Menschheit sich vornehmen muß, wenn sie als menschliche Gattung überleben will. Oft haben wir den Grund dafür, warum es notwendig war, das fast Unmögliche zu versuchen, erst erkannt, nachdem wir es erreicht haben.

    Ein zweiter Einwand erinnert uns an die jüngsten Vorschläge, man solle den ärztlichen Sachverstand durch Computer und Krankenschwestern durch "technische Hilfskräfte" ersetzen, die man nach wenigen Wochen Routineausbildung in den Kliniken beschäftigen kann. Keine linearisierte Maschine oder Ausbildung kann die kognitiven Fähigkeiten des geschulten Fachmanns ersetzen. Der Computer, der die Therapieentscheidungen des behandelnden Arztes überwacht, wird vielfältige "Kunstfehler" begehen, oft mit tödlichen Folgen. Der Ersatz von Krankenschwestern und Pflegern durch unqualifizierte "technische Hilfskräfte" wird genauso sicher zu höheren Morbiditätsraten in den Krankenhäusern führen. Das gleiche gilt für alle wissenschaftlichen Arbeiten. Das Werkzeug ist kein Ersatz für die menschliche Erkenntnisfähigkeit, es wird nie mehr sein als ein nützliches Hilfsmittel für den gut ausgebildeten Fachmann.

    Das "Christoph-Kolumbus-Prinzip der physischen Wirtschaft" bietet Kompetenz sowohl für Entdeckungsreisen jeglicher Art wie auch für die unersetzbaren kognitiven Fähigkeiten des Menschen.

    Um Raumlabors einzurichten, die ein viel umfangreicheres Spektrum erforschen können, als es vom Erdorbit möglich ist, müssen wir so weit wie möglich vom "Rauschen" unserer Sonne weg. Menschen müssen sich auf Sonnenbahnen weit entfernt von den Planeten aufhalten, um "Radioteleskope" von enormem Auflösungsvermögen zu konstruieren und diese auf die am deutlichsten hervortretenden Anomalien astrophysikalischer Objekte richten. Ähnlich müssen Raumlabors gebaut und stationiert werden. Dafür müssen wir möglichst weit von der Erde entfernt eine "Wissenschaftsstadt" bauen. Angesichts der inhärenten Grenzen zukünftiger Antriebsaggregate mit thermonuklearer Fusion, und weil es noch keine "Treibstoffe" mit noch günstigerem Masse-Energie-Verhältnis gibt, ist der Mars das für den Bau einer "Wissenschaftsstadt" in einer künstlichen Umwelt geeignetste nutzbare Objekt innerhalb unserer Reichweite: Eine Art "Los Alamos im Weltraum", das irgendwann einmal etwa eine Viertelmillion Wissenschaftler und anderes Personal versorgen kann.

    Der allgemeine Auftrag dieser Mission ist es, die Astrophysik, Mikrophysik, die Biologie und menschliches Wissen weit über die heute voraussehbaren Grenzen für das kommende Jahrhundert zu erweitern. Indem wir gleichzeitig im Weltraum und auf der Erde koordiniert an der Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien im Bereich der Astrophysik, Mikrophysik und Biologie arbeiten, werden wir in etwa vierzig Jahren, wenn wir die erste Wissenschaftsstadt auf dem Mars errichten, die Wissenschaft und die Wirtschaft auf der Erde viele Male revolutioniert haben.

    Die Tavistock-Papiere

    Mitte der sechziger Jahre untersuchte das Londoner Tavistock-Zentrum[36], eine Institution der psychologischen Kriegführung des britischen Empire, in einer Studie die psychologischen Auswirkungen des Apollo-Programms unter Präsident J.F. Kennedy auf die amerikanische Bevölkerung. Dieser Tavistock-Bericht beklagte, daß das US-Raumfahrtprogramm die amerikanische Bevölkerung zu einem Übermaß an Rationalität und Optimismus angeregt hätte, und forderte deshalb - mit Erfolg - , das Raumfahrtprogramm drastisch zu kürzen. In den folgenden Jahren strich die US-Regierung das Apollo-Programm rabiat zusammen, so daß zwar noch die geplanten ersten Mondlandungen termingerecht durchgeführt werden konnten, danach aber nur noch wenig geschah. Aus diesem und wohl auch anderen Gründen sind in der Folgezeit Rationalität und Optimismus der amerikanischen Bevölkerung in einer Weise verkümmert, die das Tavistock-Zentrum mit Genugtuung erfüllen muß.

    Wer sich noch an die Vereinigten Staaten erinnert, wie sie vor etwa dreißig Jahren waren, könnte wehmütig hinzufügen, daß die große Zahl damals verfügbarer qualifizierter Arbeitsplätze einen Grad an Zufriedenheit hervorgebracht hat, den wir heute bei mehr als achtzig Prozent unserer Bevölkerung völlig vermissen; vielleicht erleben wir es ja noch, daß es wieder Städte gibt, wo nur ein Familienmitglied arbeiten muß und die Kinder unter normalen Bedingungen aufwachsen. Die meisten Leser werden mir zustimmen: Wenn die Bevölkerung ein gesellschaftliches und familiäres Leben führen kann, wie es Leibniz in seiner Schrift Sozietät und Wirtschaft 1671 beschreibt, dann wäre diese Gesellschaft weniger gewalttätig, weniger pervers, mit weniger Angst und Haß erfüllt und weit weniger unglücklich als der Großteil unserer heutigen Gesellschaft. Ein wissenschaftsstimuliertes Programm mit dem Ziel, in vierzig Jahren mit dem Bau einer Wissenschaftsstadt auf dem Mars zu beginnen, versetzte uns in die Lage, ein solches gesellschaftliches und familiäres Zusammenleben wieder zu erreichen. Wir wären weniger unglücklich, allerdings hätten wir noch keine Garantie auf Glück; denn der moralische Nutzen eines solchen Marsprogramms kommt woanders her, nicht unbedingt aus dem sicher beachtlichen materiellen Nutzen, den ein derartiges Programm mit sich bringen wird.

    Der Mensch ist kein Tier, außer wenn er sich absichtlich zur Bestialität degradiert. Die Schöpfungsgeschichte beschreibt den Menschen als ein Geschöpf, das "nach dem Ebenbild Gottes geschaffen" und dazu bestimmt ist, das Universum dementsprechend zu regieren (sich "die Erde untertan" zu machen). Die experimentellen Beweise, die wir Kraft unserer Vernunft erkennen, bestätigen die Genesis in dieser Beziehung. Die wahre menschliche Natur ist also nicht die bestialische Kreatur, welche in Thomas Hobbes und John Locke ihr Unwesen treibt. Wir sind unserem Wesen nach Geschöpfe der Idee und des Wissens. Wenn wir unsere Geisteskräfte in der Weise einsetzen, die uns die Natur vorgibt, und dem Prinzip der Vernunft folgen, können wir uns großer Zufriedenheit erfreuen, weil wir einfach wahrhaft wir selber sind. Wenn wir Menschen unsere wahre Natur entdecken und ihr entsprechend handeln, dann handeln wir sehr leidenschaftlich, aber auch mit jener tiefen Erfüllung, die aus der Gewißheit erwächst, daß man ein Leben führt, das über den Tod triumphiert.

    Aber wenn wir Hobbes, Locke, Mandeville, Hume, Bentham und Mill folgen, werden wir niemals glücklich sein. Dann führen uns schale Vergnügungen zu immer ferneren Grenzen der Perversion - wie Oscar Wildes Dorian Grey. Hier gibt es kein Glück, keine Zufriedenheit, nur augenblickliche Gefühlsausbrüche, die wie Feuerwerkskörper knallen und verpuffen, bis die alte Langeweile wieder zurückkommt, unerbittlicher als zuvor.

    Das in jenem Tavistock-Bericht über das Apollo-Programm beklagte Glück läßt sich zurückführen auf das freudige Gefühl, Teil einer Gesellschaft zu sein, die von der Zukunft bewundert werden muß. Es ist das Gefühl, in einer Welt zu leben, die jeden Morgen von schönen und mächtigen Ideen erhellt wird. Eine Gesellschaft, in der ein Kind, wenn man es fragt: "Was willst du einmal werden, wenn du groß bist?", stolz antwortet und seine Augen vom Optimismus eines großen kleinen Menschen erfüllt sind.

    Der materielle Nutzen, den große Projekte uns bringen, ist notwendig; aber erst die Freude daran, die Ideen zu entdecken, welche das Projekt überhaupt möglich machen, ist die wahrhafte Inspiration ganzer Völker. Segle weiter, Kolumbus! Entdecke für alle, die du hinter dir zurückläßt, aufs neue das Geheimnis, Mensch zu sein.

    Anmerkungen

    1. Colonize Space! Open the Age of Reason, Proceedings der Krafft-Ehricke-Gedächtniskonfernz vom Juni 1985, New Benjamin Franklin House, New York, 1985. Die wichtigsten Reden und Beiträge in deutscher Übersetzung in FUSION, Jg. 6, Nr. 4, 1985. Diese internationale Konferenz fand in Reston (Virginia, USA) am 15. und 16. Juni 1985 statt und wurde gemeinsam vom Fusions-Energie-Forum und dem Schiller-Institut veranstaltet. Krafft Ehricke starb am 11. Dezember 1984.

    2. Die ursprüngliche Form der SDI, wie sie in einem etwas 5 Minuten langen Abschnitt der Fernsehrede des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan vom 23. März 1983 zusammengefaßt ist, war eine Politik, die ich als Teil meiner Kandidatur zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei im Jahre 1980 entworfen hatte. Später, im zwölfmonatigen Zeitraum seit Mitte Februar 1982, diente mein Vorschlag einer strategischen Verteidigung gegen ballistische Raketen als wesentlicher Gesprächspunkt bei halboffiziellen Erkundungsgesprächen mit der sowjetischen Regierung, welche ich für die Reagan-Administration führte. Offensichtlich gefiel dem Präsidenten, was ihm davon berichtet wurde; in seiner Ankündigung im Fernsehen am 23. März 1983 klangen alle grundlegenden Argumente meines Entwurfs an, den ich den Sowjets Punkt für Punkt dargelegt hatte. Später erfuhr die SDI zwar entstellende Veränderungen, aber es ihre Bestätigung vom 23. März 1983 blieb den Sowjets im Gedächtnis.

    3. Diese wurde anschließend vom Fusions-Energie-Forum gedruckt und später auf der gleichen Veranstaltung verbreitet, auf der die Paine-Kommission ihren eigenen Vorschlag für ein langfristiges Marsprojekt präsentierte. Ein Vergleich der beiden Entwürfe liefert einen fruchtbaren Ansatz für das Verständnis, welche politischen Fragen ein solches Langzeitunternehmen aufwerfen sollte.

    4. The Woman on Mars, eine Wahlsendung von LaRouches Wahlkampfkomitee, wurde am 3. März 1988 landesweit im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt.

    5. John Hoefle, "IMF admits global banking crisis is out of control," Executive Intelligence Review (EIR), 11.10.1996, S. 4ff; und "G-7 leaders reach new 'Munich Pact' at Lyons summit", EIR, 19.7.1996, Seite 14ff.

    6. Christopher White, "NAM's 'Renaissance' of U.S. Industry: It Never Happened," EIR, 14.4.1995, S. 12-19; und "U.S. consumer market basket shrinks to the crisis point," EIR, 27.9.1996, S. 12-37.

    7. EIR, 31.5.1996; Seite 4-65.

    8. Von der Kubakrise und den politischen Morden an Präsident Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Bobby Kennedy bis hin zum Vietnamkrieg, der jeden Abend über die amerikanischen Bildschirme flimmerte, und dem Kollaps des Bretton-Woods-Systems.

    9. Siehe Verweis darauf in Lyndon H. LaRouche, "Kenneth Arrow Runs Out of Ideas, but Not Words," 21st Century Science & Technology, Herbst 1995.

    10. Piero Sraffa, The Production of Commodities by Commodities, ... , 1960

    11. Lyndon H. LaRouche, So, You Wish to Learn All About Economics?, 2. Auflage, Washington, D.C., EIR News Service, 1995. In deutsch erschienen als Was Sie schon immer über Wirtschaft wissen wollten, Böttiger-Verlag, Wiesbaden, 1985.

    12. G.W. Leibniz, Societät und Wirtschaft, 1671.

    13. ebenda.

    14. Zur Widerlegung all derer, die darauf bestehen, daß "Kolumbus Amerika nicht entdeckt habe", weil es dort schon vor 1492 seit Tausenden von Jahren Einwohner gegeben habe, läßt sich der Fall der weisen Ehefrau anführen, die eine Falle aufstellte, um zu entdecken, daß eine andere Frau im Bett ihres Mannes sei. Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus wurde mit den gleichen Methoden erreicht, welche auch zur Entdeckung von Planeten, Monden und Asteroiden im Sonnensystem dienten.

    15. Gustavo Uzielli, "Paolo Toscanelli, Amerigo Vespucci, e la scoperta d'America," in der Aufsatzsammlung Paolo dal Pozzo Toscanelli, initiatore della scoperta d'America. Ricordo del Solstizio d'estate del 1892, Florenz, 1892.

    16. ebenda.

    17. Paolo Emilio Taviani, Christopher Columbus: The Grand Design, Orbis Press, London; und Ricardo Olvera, "The Discovery of the Americas and the Renaissance Scientific Project," Executive Intelligence Review, 19.10.1990.

    18. Eine Bibliographie der Schriften von Brauns in Marsha Freeman, How We Got to The Moon: The Story of the German Space Pioneers, 21st Century Associates, Washington, D.C.,1993, Seite 352-353. In deutscher Übersetzung Hin zu neuen Welten. Die Geschichte der deutschen Raumfahrtpioniere, Böttiger-Verlag, Wiesbaden, 1995, S. 387ff.

    19. Nikolaus von Kues verfaßte das entscheidende Werk zur Begründung des modernen europäischen Nationalstaates, Concordantia Catholica (1433), und begründete 1441 die moderne Physik mit De docta ignorantia. Er leistete entscheidende Beiträge für das Zustandekommen des großen ökumenischen Konzils von Florenz (1439-1441). Er spielte außerdem eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des ökumenischen Gedankens zwischen Christen, Juden und Moslems (in De pace fidei). Kues bestimmte Fernao Martins zum Verwalter seiner Besitzungen. Martins kehrte später nach Portugal zurück, um ihm dort zugewiesene Kirchenämter zu bekleiden. Auf diese Weise gelangte die Korrespondenz zwischen Toscanelli und Martins in den Umkreis von Kolumbus als Seefahrer in portugiesischen Diensten.

    20. Isabella verbot auf dem amerikanischen Kontinent die Sklaverei. Leider starb sie schon 1504, und die Staatsführung ging in die Hände derer über, die für den Einfluß Venedigs empfänglich waren. Venedig war und blieb der größte Sklavenhändler, bis ihm dieser Rang von den Holländischen und Britischen Indien-Kompanien abgelaufen wurde. Für Isabella wie auch für die Kreise um Kues war der Zweck der Reisen nach Indien die Evangelisierung, um ökumenische Verbündete gegen die oligarchische Tradition von Babylon zu finden, welche Venedig und der zeitweilige Partner Venedigs, die Osmanische Dynastie, damals darstellten. Äthiopien und Indien wurden als Verbündete der europäischen Zivilisation gegen die fortwährende Bedrohung durch die oligarchische babylonische Kultur gesehen.

    21. Bezüglich der Zusammenarbeit von Gauß und Riemann mit Wilhelm Weber, siehe die Beiträge von Jonathan Tennenbaum und Laurence Hecht in 21st Century Science & Technology, Herbst 1996.

    22. Lyndon H. LaRouche, Jr., "Leibniz from Riemann's Standpoint," in Fidelio, Herbst 1996. Bernhard Riemann, "Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen", in Bernhard Riemanns Gesammelte Mathematische Werke, H. Weber, Hg., Nachdruck, B.G. Teubner, 1902, Stuttgart, auch Saendig Reprint Verlag, Vaduz, Liechtenstein, Seite 272-287.

    23. ebenda.

    24. siehe Nikolaus von Kues, De docta ignorantia. Es ist ein Irrtum, wenn man annimmt, Statistik sei Wissenschaft, oder die Erforschung eines "Modells" in der virtuellen Realität eines digitalen Computersystems schaffe Wissen. Eine ähnliche Wahnvorstellung der mathematischen Formalisten von heute ist die allgemein akzeptierte, aber nichtsdestoweniger absurde Annahme einer "Linearisierung des Raums im unendlich Kleinen", welche teilweise auf die Fehler von Hermann Graßmann zurückzuführen ist.

    25. Es war zum Beispiel der protomalthusianische "Nullwachstums"-Gedanke, der dem Kodex von Diokletian zugrundelang und als kulturelles Echo des babylonischen oligarchischen Modells später in Byzanz die charakteristische demographische und moralische Degeneration hervorrief.

    26. Bis zur Übernahme und Aushöhlung der Ecole durch Marquis Laplace und dessen Schützling, den Plagiator Augustin Cauchy, im Jahre 1815.

    27. Die Werke von Clausewitz über Kriegführung wurden posthum veröffentlicht, ursprünglich in einer zehnbändigen Ausgabe, Berlin, 1832-1837. Die bedeutendste Ausgabe von Vom Kriege erschien 1905 in Berlin mit einer Einführung von Alfred Graf von Schlieffen.

    28. Alfred Graf von Schlieffen, Cannae, Berlin, 1905, passim. Dino di Paoli, "Carnot's grand strategy for political victory," Executive Intelligence Review, 20.9.1996, Seite 14-29.

    29. Das hier bezüglich des Schlieffen-Plans Gesagte ist von solcher Bedeutung, daß wir nicht um die darin implizierte Kontroverse herumkommen. Wenn sich einige Leser durch britische, französische, russische und amerikanische Lügen über die Gründe des Ersten Weltkriegs täuschen lassen, wollen wir folgende Tatsachen auflisten. Der Erste Weltkrieg wurde von niemandem anderen verursacht als der britischen Monarchie, insbesondere von Albert Eduard, Prinz von Wales und späterer König Eduard VII. In den Augen des britischen Prinzen und seiner Lakaien im "Klub der Inseln" war der casus belli die bereits von Präsident Abraham Lincoln entwickelte Strategie zur Zerstörung des britischen Imperiums. Lincolns Kriegsplan, den er ausgeführt hätte, hätten nicht britische Agenten zuvor seine Ermordung durch den Agenten Booth arrangiert, enthielt drei Teilziele: 1. Die Besetzung Kanadas durch die USA, von wo aus London im Unabhängigkeitskrieg von 1776-1783 und im Bürgerkrieg 1812-1815 seine Truppen gegen die USA einsetzte. 2. Die Verwirklichung von Ericssons Plan, die US-Flotte mit hochseetüchtigen Kriegsschiffen auszurüsten, um die britische Seehäfen zu blockieren und damit London in die Knie zu zwingen. 3. Die Schaffung eines Systems transkontinentaler Eisenbahnlinien durch ganz Eurasien, von der Atlantikküste des nachnapoleonischen Frankreich bis zum Pazifischen und Indischen Ozean, wie Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts von Henry Carey vorgeschlagen.

    Es muß daran erinnert werden, daß von der Zeit des Ausbruchs des amerikanischen Bürgerkriegs bis zur Ermordung von US-Präsident William McKinley im Jahre 1901 der russische Zar Alexander II. (unter Einfluß von Dimitri Mendelejew und Minister Graf Sergej Witte) der führende Verbündete der Vereinigten Staaten gegen dessen Todfeinde, das britische Imperium und das imperiale Frankreich unter Napoleon III war. Bemerkenswert ist auch die Allianz zwischen den sogenannten "Lazzaroni" und anderen Kreisen von Benjamin Franklins Urenkel Alexander Dallas Bache und den Kreisen um Gauß, Humboldt, Siemens und Emil Rathenau in Deutschland. Die britische Monarchie betrachtete die Kooperation von Frankreich, Deutschland und Rußland für transkontinentale Eisenbahnprojekte als casus belli. Der entsprechende Kriegsplan für Europa, der diese Kooperation nachhaltig zerstören sollte, wurde als britische "Geopolitik" des Prinzen von Wales, Halford Mackinders, Milners u.a. bezeichnet.

    Der Prinz von Wales/Eduard VII. erweckte deshalb in der Zeit von 1898 bis 1904 die ehemalige Allianz mit dem Frankreich Napoleon III. zu neuem Leben - die Entente Cordiale. Durch die russische Revolution von 1905-1907 wurde Wittes Einfluß ausgeschaltet, und mit Hilfe der panslawistischen Fraktion in Rußland zog Eduard VII. auch Rußland in die Entente Cordiale. Die russische Generalmobilmachung Ende Juli 1914 veranlaßte das nach einem Frieden strebende Deutschland dazu, am 1. August 1914 den Krieg zu erklären. Deutschland wandte sich zuerst in westliche Richtung, um die französischen und britischen Streitkräfte entscheidend zu schlagen, bevor man sich der Hauptmacht des angreifenden russischen Militärs im Osten stellte. Hätte der deutsche Generalstabschef Helmut von Moltke den Schlieffen-Plan nicht abgeändert, so hätte Deutschland damals Frankreich und die britischen Expeditionsstreitkräfte in einem Flankenangriff zerschlagen und Rußland hätte keine andere Wahl gehabt, als Frieden zu schließen. Weder der sich lang hinziehendee Erste Weltkrieg noch der Zweite Weltkrieg hätten in der Form stattfinden müssen.

    Kurz gesagt, die Behauptung der "alleinigen Kriegsschuld Deutschlands", welche von Woodrow Wilsons Außenminister Robert Lansing in die Welt gesetzt wurde, ist eine totaler Schwindel. Schlieffens moralisch unangreifbares Verständnis des Prinzips der Flanke darf nicht übersehen werden, wenn man das Prinzip eines erfolgreichen wissenschaftsstimulierten Großprojektes verstehen will.

    30. Bernhard Riemann, a.a.O. Riemann betont dies am Anfang seiner Habilitationsschrift von 1854 und kommt darauf am Ende erneut zu sprechen. Wegen seiner großen Bedeutung für die weiteren Ausführungen zitieren wir hier einige Auszüge daraus (Seite 272-273): ...Es wird daraus hervorgehoben, daß eine mehrfach ausgedehnte Größe verschiedener Maßverhältnisse fähig ist und der Raum also nur einen besonderen Fall einer dreifach ausgedehnten Größe bildet. Hiervon aber ist eine nothwendige Folge, daß die Sätze der Geometrie sich nicht aus allgemeinen Größenbegriffen ableiten lassen, sondern daß diejenigen Eigenschaften, durch welche sich der Raum von anderen denkbaren dreifach ausgedehnten Größen unterscheidet, nur aus der Erfahrung entnommen werden können... Diese Thatsachen sind wie alle Thatsachen nicht nothwendig, sondern nur von empirischer Gewißheit, sie sind Hypothesen; man kann also ihre Wahrscheinlichkeit, welche innerhalb der Grenzen der Beobachtung allerdings sehr groß ist, untersuchen und hienach über die Zulässigkeit ihrer Ausdehnung jenseits der Grenzen der Beobachtung, sowohl nach der Seite des Unmeßbargroßen, als nach der Seite des Unmeßbarkleinen urtheilen.

    Riemann lenkt unsere Aufmerksamkeit auf diesen entscheidenden Teil seiner einleitenden Bemerkung erneut in der Schlußbemerkung seiner Dissertation (Seite 286): Es führt dies hinüber in das Gebiet einer andern Wissenschaft, in das Gebiet der Physik, welches wohl die Natur der heutigen Veranlassung nicht zu betreten erlaubt.

    31. Über die Rolle der analysis situs in der physischen Ökonomie siehe Lyndon H. LaRouche, "While Monetarism Dies," Executive Intelligence Review, 25.10.1996. Deutsche Übersetzung: "Der Monetarismus liegt im Sterben", Neue Solidarität, Jg. 23, Nr. 44, 30. Oktober 1996, S. 9-11.

    32. Von allen Gattungen ist nur der Mensch des Wissens fähig. Deshalb kann der Begriff "Wissen" nur in der Bedeutung von "menschlichem Wissen" sinnvoll verwendet werden.

    33. Das resultierende Wissen erscheint in der Form einer neuen Hypothese, wie das Riemann für seine Physik beschreibt. Diese Anwendung von Platons Prinzip der Hypothese ist die gemeinsame Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit sowohl des Autors als auch von Riemann.

    34. "Charakteristisch" im Sinne der "Krümmung" einer spezifischen physikalischen Raumzeit-Mannigfaltigkeit.

    35. Siehe Lyndon H. LaRouche, "The essential role of 'time-reversal' in mathematical economics," Executive Intelligence Review, 11.10.1996.

    36. Ursprung und Charakter des Londoner Tavistock-Zentrums war Thema einer Studie, welche Mitte der siebziger Jahre von einer Arbeitsgruppe unter Leitung des Autors erstellt wurde. Der erste Bericht dieser Gruppe erschien unter dem Titel "The Tavistock Grin" in zwei aufeinanderfolgenden Ausgaben des Magazins Campaigner. Das heutige Tavistock-Zentrum, die Londoner Tavistock-Klinik, wurde unter Leitung des Chefs der britischen Abteilung für psychologische Kriegführung, Brigadier Dr. John Rawlings Rees, gegründet. Rees überwachte die Gehirnwäsche des gefangenen Führerstellvertreters und tibetanischen Mystikers Rudolf Hess. Später wurde um die Klinik herum das Tavistock-Zentrum aufgebaut, wo der britische Auslandsgeheimdienst seinen Einflußagenten Henry A. Kissinger ausbildete (was dieser durch eigene Aussagen bestätigte).

    *) Eine Comicfigur, die in den fünfziger Jahren in den USA eine populäre Figur zur Unterhaltung der Kinder war. Der "Held" dieser kurzen Sendungen war der Polizist "Howdy Doody".