Aus FUSION 1/99:

KURZNACHRICHTEN


Neuer Sternensensor in Jena entwickelt
Lichtgeschwindigkeit gebremst

Stürzt der Himmel ein?

Tunnel zwischen chinesischem Festland und Taiwan vorgeschlagen

China will bemannte Raumfahrt

Jiang Zemin: Historische Rede in Novosibirsk

Neuer Sternensensor in Jena entwickelt

Das Entwicklungslabor der Jena-Optronik hat Ende Januar einen Sternensensor der neuesten Generation vorgestellt. Es handelt sich hierbei um ein sog. "intelligentes" Meßsystem, dessen Programmierung ihm erlaubt, anhand von Vergleichen mit einem integrierten Katalog von rund 2000 Fixsternen selbständig Sternbilder zu erkennen. Damit ausgestattet, können sich Forschungs- und Kommunikationssatelliten eigenständig orientieren, was einen erheblichen Teil der bisher erforderlichen Bodensteuerung ersetzt.

Die Neuentwicklung unterstreicht die Führungsposition, die der deutsche Bereich der Navigationstechnik vor allem im Luft- und Raumfahrtsektor einnimmt. Darüber hinaus zeigen die Forscher und Entwickler von Jena-Optronik, welches Potential die ostdeutsche Industrie hätte, würde sie nur systematischer und großräumiger von der öffentlichen Hand gefördert.

Lichtgeschwindigkeit gebremst

Die Zeitschrift Nature berichtete in ihrer Ausgabe vom 18. Februar 1999 erstaunliche Ergebnisse eines Experiments, das in den USA im Rowland Institute for Science in Cambridge (Massachusetts) von einer Forschungsgruppe unter Leitung von Frau Lene Verstergaard Hau durchgeführt wurde. Den Forschern ist es gelungen, durch eine kleine Wolke aus Natriumatomen, welche normalerweise lichtundurchlässig ist, einen schwachen Laserimpuls zu senden, der sich in dieser Wolke mit nur 17 m/s (das sind etwa 60 km/h) fortpflanzte.

Für den Durchgang des Lichtes durch "dichte" Medien gibt der Brechungsindex an, wieviel langsamer sich das Licht im dichten Medium, verglichen mit der Vakuumgeschwindigkeit, ausbreitet. In Glas (mit einem Brechungsindex von etwa 1,5) liegt die Lichtgeschwindigkeit bei etwa 200000000 m/s. Diamant hat einen Brechungsindex von 2,4. Steigt der Brechungsindex an, kann sich das Licht im dichten Medium gar nicht mehr ausbreiten, es wird absorbiert.

Vor einigen Jahren ist es durch ein Verfahren, welches "elektromagnetisch induzierte Transparenz" genannt wird und wobei durch Quantenresonanz die Absorption des Lichtes verhindert wird, in Blei ein "Brechungsindex" von 165 erreicht worden - was einer Lichtgeschwindigkeit von 18000000 m/s entspricht.

Das Team von Frau Hau hat nun einen Riesensprung gemacht und eine Millionenmal geringere Lichtgeschwindigkeit in Natrium erreicht, wobei eine kleine, nur 0,2 mm dicke Natriumwolke unter die kritische Temperatur von 435 nK (der kritischen Temperatur für das Eintreten der Bose-Einstein-Kondensation) abgekühlt wurde. Die Verzögerung eines 12 mW schwachen Laserstrahls, der durch dieses Medium geschickt wurde, konnte gemessen werden, und ergab die erstaunlich geringe Lichtgeschwindigkeit von nur 60 km/h.

Stürzt der Himmel ein?

Nach einer Mitteilung in den Physical Review Letters vom 5. Oktober 1998 ist aus radiotelemetrischen Daten aller derzeit im All befindlichen Tiefraumsatelliten eine anomale Gravitationsbeschleunigung festgestellt worden. Auf die Satelliten Pionier 10 und 11, Galileo und Ulysses wirkt danach ein geringfügig größerer scheinbarer Zug von der Sonne ein, als man auf Grundlage der gängigen Schwerkrafttheorien vorausberechnet hat, welche generell auf Newtons Gravitationsgesetz zurückgehen. Die neuen Daten könnten die Theorie des amerikanischen Physikers Dr. Benno Soldano (Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Magazins 21st Century Science & Technology) bestätigen, der kürzlich zu diesem Thema ein Buch mit dem Titel Non-Equivalence: A Key to Unity herausgegeben hat. Das Buch faßt Soldanos Arbeiten von fast fünf Jahrzehnten über seine Theorie der Nichtäquivalenz träger und Gravitationsmassen zusammen, eine Hypothese, welche der Newtonschen Theorie entgegensteht.

Tunnel zwischen chinesischem Festland und Taiwan vorgeschlagen

Wie in der wöchentlichen Wirtschaftsbeilage der chinesischen Tageszeitung China Daily zu lesen war, hat Prof. Wu Zhiming von der Universität Qinghua vorgeschlagen, nach dem Vorbild des Kanaltunnels eine entsprechende Verbindung zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan zu bauen. Die Universität hat bereits ein Demonstrationszentrum unter Leitung Wus eingerichtet. Im November 1998 wurde darüber hinaus ein Seminar in Fuzhou in der Provinz Fujian veranstaltet, an dem Experten aus China, Hongkong, Taiwan, den USA und anderen Staaten teilnahmen. Eine Tunnelverbindung könnte den Personenverkehr zwischen der Volksrepublik und Taiwan auf 261 Mio. Menschen und einen Güterverkehr in Höhe von 517 Mio.t im Jahre 2030 anwachsen lassen.

China will bemannte Raumfahrt

Die chinesische Militärzeitung Liberation Daily berichtete am 5. Januar über feste Absichten Chinas, zu Beginn des nächsten Jahrhunderts in die bemannte Raumfahrt einzusteigen. Dies sei notwendig, um eine Position des Landes an führender Stelle unter den Industrienationen der Welt zu sichern, hieß es. Bislang seien mit Rußland/Sowjetunion und den USA nur zwei Nationen aufgrund nationaler Programme in der Lage gewesen, bemannte Raumflüge durchzuführen.

Die chinesische Raumfahrttechnik habe sich bisher auf die Entwicklung und den Bau von Trägerraketen für Satellitenstarts in erdnahe Umlaufbahnen konzentriert, schrieb die Zeitung. Um aber erfolgreiche bemannte Missionen durchführen zu können, müsse Chinas Raumfahrt stärkere Trägerraketen für Nutzlasten von mehr als 20 Tonnen Gewicht zur Verfügung haben, sagte Xu Dazhe, der stellvertretende Leiter der chinesischen Akademie für Raketentechnologie. Bislang seien nur Nutzlasten wie 5 Tonnen schwere Satelliten in den Weltraum befördert worden. Wie Xu Dazhe sagte, seien entsprechende neue Raketentypen bereits in der Entwicklung, und nach Inbetriebnahme wären diese genauso leistungsstark wie die amerikanische Atlas und die europäische Ariane.

Jiang Zemin: Historische Rede in Novosibirsk

Der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin hat am 24. November 1998 in der russischen Wissenschaftsstadt Nowosibirsk eine historische Rede gehalten, die wegweisende Bedeutung für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen China und Rußland haben könnte. Der Fortschritt der menschlichen Zivilisation habe bewiesen, so Jiang Zemin, daß Wissenschaft und Technik die Antriebskraft für wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Fortschritt seien. "Keine der Errungenschaften der Menschheit beim Verständnis und der Nutzung der Natur wäre ohne wissenschaftliche und technische Fortschritte möglich gewesen", sagte er. Jiangs Rede - er sprach russisch ohne Übersetzer - wurde immer wieder durch begeisterten Applaus unterbrochen.

[Zemin] Der chinesische Präsident betonte die Rolle Rußlands als wissenschaftliche und technologische Weltmacht; selbst heute noch führe Rußland die Welt in vielen technischen und wissenschaftlichen Schlüsselbereichen an. Er habe schon vor langem von der Wissenschaftsstadt Nowosibirsk gehört, habe sie aber mit eigenen Augen sehen wollen. Nun sei er tief beeindruckt von den Forschungseinrichtungen und von der vom wissenschaftlichen Entdeckergeist erfüllten Atmosphäre.

Der chinesische Präsident Jiang Zemin
(links) wird von Vertretern der Stadt Nowosibirsk
und der sibirischen Akademie der Wissenschaft begrüßt.