Aus FUSION 2/1999:

KURZNACHRICHTEN


Wechselnde Magnetfelder auf dem Mars
Öl eine erneuerbare Ressource?

Zu viele linke Hände

Neue Infrastrukturprojekte in China

Deutscher Röntgen-Satellit gestartet

Pflanzen halten sich nicht an Montreal-Protokoll

Bakterien haben Vorliebe für bestimmte "Musik"

Wechselnde Magnetfelder auf dem Mars

Messungen des an Bord der Sonde Mars Global Surveyor befindlichen Magnetometers haben ergeben, daß es auf dem Mars einzelne Magnetfelder gibt, deren nebeneinanderliegende Banden in unterschiedliche Richtungen weisen. Das Wissenschaftsmagazin Science berichtete darüber in seiner Ausgabe vom 30. April. Der Mars besitzt jedoch anders als die Erde heute kein globales Magnetfeld mehr; nur noch vereinzelte Magnetfelder finden sich in Felsgebieten.

Die wahrscheinlichste Erklärung für die von Mars Global Surveyor gefundene Verteilung ist, daß es ähnlich wie auf der Erde zu periodischen Umkehrungen des Magnetfeldes auf dem Mars gekommen ist. Der NASA-Wissenschaftler Jack Connerney berichtete, die gefundenen magnetischen Streifen hätten eine erstaunliche Ähnlichkeit zu Mustern, wie sie sich auf dem Grund der irdischen Ozeane finden, wo es zum Auftrieb von Material aus dem Erdkern kommt, wenn sich tektonische Platten verschieben. Das Muster der Magnetfelder ist Ausdruck der periodischen Polaritätsänderungen des Erdfeldes. Die Forscher sind der Auffassung, daß es in der frühen Geschichte des Mars zu ähnlichen Prozessen gekommen sein könnte, als dessen Kern noch flüssig war. Die Polaritätsumkehr des frühen Mars-Magnetfeldes soll sich nach dieser Auffassung in diesen alternierenden Banden erhalten haben.

Öl eine erneuerbare Ressource?

Die herkömmliche Ansicht, daß die weltweiten Vorräte an Erdöl endlich seien, wird von dem Phänomen in Frage gestellt, daß Ölfelder wachsen, obwohl sie gleichzeitig ausgebeutet werden. Das berichtete das Wall Street Journal am 16. April. So sind die wahrscheinlichen Reserven von Eugene Island 330, eines Ölfeldes im Golf von Mexiko, in den letzten Jahren von 60 auf 400 Mio. Barrel gewachsen, und das jetzt geförderte Rohöl stammt aus einer anderen geologischen Zeit als das Öl, das bei Beginn der Förderung 1973 gepumpt wurde. "All das," so heißt es in der Zeitung, "hat einige Wissenschaftler zu einer radikalen Theorie veranlaßt: Eugene Island füllt sich rapide an, vielleicht von einer Dauerquelle kilometertief im Erdinneren."

Zwischen 1976 und 1996 sind die geschätzten Weltölreserven um 72% auf 1,04 Billionen Barrel angewachsen, wobei die größte Zunahme in den letzten zehn Jahren vor allem dank verbesserter Computerdarstellung geologischer Strukturen festgestellt wurde. Trotz dieser besseren Methoden, so das Wall Street Journal seien die Geologen in argen Nöten zu erklären, warum der große Ölpool des Nahen Ostens seine Reserven in den letzten 20 Jahren trotz intensiver Bohrungen mehr als verdoppelt hat.

Bildtext: Können wir uns bald vor Öl nicht mehr retten? Ein Ölübergabestation in der Nähe der Orkney-Inseln. (Foto: Mannesmannröhren-Werke AG)

Zu viele linke Hände

In der Mai/Juni-Ausgabe der Zeitschrift American Scientist machte sich Prof. Harry Petroski von der Duke-Universität darüber Gedanken, warum viele Ingenieurstudenten so wenig oder überhaupt keine Erfahrung mit dem einfachsten Handwerkszeug ihres zukünftigen Berufs haben. Die Studenten könnten erstaunlich geschickt mit einem Computer umgehen und versuchen sich zu einem gewissen Grad als Programmierer oder gar Hacker. Aber die übergroße Mehrheit benutze den Computer wie eine Art schwarzer Kasten. Diesen Studenten komme es gar nicht in den Sinn, den Kasten einmal aufzumachen, um nachzusehen, wie er funktioniert.

Und weiter beobachtete Petroski: "Wenn ich von meinen Erfahrungen mit den heutigen Ingenieurstudenten aus besserem Haus der ersten und zweiten Semester ausgehe, dann sieht es so aus, daß die meisten von ihnen in ihrer Jugend darum gebracht worden sind, in das Innenleben von Maschinen zu gucken, indem sie diese auseinandernehmen und wieder zusammenbauen. Mehr noch, es scheint so, als hätte eine ganze Menge dieser Studenten Werkzeuge, mit denen man so etwas tut, nie in der Hand gehabt. Weil sie niemals mit mechanischen Apparaten näher in Berührung gekommen sind, fehlt ihnen auch für so etwas der Blick, der sich damit entwickelt. Wenn sie nun ein Werkstück zeichnen sollen, verlieren sie sich in einem Gewirr von Linien."

Neue Infrastrukturprojekte in China

Die staatliche Entwicklungsplanungskommission Chinas hat eine Liste von 102 zentralen Bauprojekten für dieses Jahr bekanntgegeben. 91 dieser Projekte aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Schienenverkehr, Wasserkraft und Städtebau sind bereits im Bau, die elf verbleibenden wurden jetzt genehmigt. Auch Ausbau und Erneuerung des ländlichen Stromnetzes gehört zu diesen Vorhaben, um so die Funktionsfähigkeit des nationalen Stromnetzes zu verbessern, Probleme der Elektrizitätsübertragung zu mindern und die Strompreise im ländlichen Raum zu senken, die dort in der Regel höher sind als in den Städten. Das Nahverkehrsprojekt in Shanghai und der Bau einer U-Bahn in Shenzhen gehören zu den wichtigsten Projekten. Insgesamt investierte China in den ersten vier Monaten 1999 umgerechnet etwa 2 Mrd. DM in den Eisenbahnbau, teilte das Bahnministerium am 17. Mai mit. Es wurden 310,2 km neue Schienen verlegt und 267,2 km bestehende Strecken mit einem zweiten Gleis versehen. 181,6 km doppelspurige Strecke wurden für den Verkehr geöffnet. China plant in diesem Jahr mindestens 12 Mrd. DM für den Bau von 1320 km an neuen Schienenstrecken und den doppelgleisigen Ausbau von weiteren 970 km Bahnstrecke auszugeben.

Deutscher Röntgen-Satellit gestartet

In der Nacht des 28. April wurde der deutsche Forschungssatellit ABRIXAS vom russischen Raumfahrtbahnhof Kapustin Yar mit einer russischen Cosmos-Rakete gestartet. ABRIXAS ist eine Abkürzung für A BRoad-band Imaging X-ray All-sky Survey (Breitbandröntgen-Abbildung des gesamten Himmels). Aufgabe des Satelliten ist es, den Himmel nach Röntgenquellen abzusuchen, wofür er ein abbildendes Röntgenteleskop mitführt, das mit insgesamt 189 Spiegeln Röntgenstrahlung aus den Tiefen des Weltraums einfängt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, dem Astrophysikalischen Institut Potsdam und dem Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen leiten das Projekt, von dem man sich die Entdeckung mindestens 10000 neuer Röntgenquellen im All erhofft. Solche Quellen für Röntgenstrahlen können Neutronensterne, Supernova-Reste und die nähere Umgebung vermuteter Schwarzer Löcher sein.

Pflanzen halten sich nicht an Montreal-Protokoll

Bodenchemiker des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) haben festgestellt, daß die Kreuzblütler (Brassicacaea), zu denen Kohl, Raps und viele "Unkräuter" gehören, in großen Mengen Methylbromid freisetzen. Das berichtete der USDA-Newsletter Methyl Bromide Alternatives im April unter der Überschrift "Pflanzen schuld an Produktion und Freisetzung von Methylbromid?" Methylbromid, ein in der ganzen Welt eingesetztes wichtiges Schädlingsbekämpfungsmittel, war als menschengemachter "Ozonkiller" in Verruf gebracht worden. Die jüngste Erkenntnis, so das USDA, könnte eine Erklärung für die "fehlende Quelle" des in der Atmosphäre gefundenen Methylbromids sein.

Das Montreal-Protokoll von 1987 sieht ein Verbot des Einsatzes von Methylbromid Anfang des kommenden Jahrtausends vor. Bisher wurde jedoch kein Ersatz für dieses äußerst nützliche Mittel gefunden, und wenn das Verbot durchgesetzt wird, bedeutete dies erhebliche Ernteverluste für Obst und Gemüse weltweit - ein weiteres Resultat des Ozonlochschwindels.

Bakterien haben Vorliebe für bestimmte "Musik"

Wie der japanische Bakteriologe Masachi Matsushashi von der Universität Tokio herausgefunden hat, reagieren Bakterien bei Beschallung auf unterschiedliche Tonhöhen in ganz spezifischer Weise. Er stellte fest, daß bestimmte Frequenzen die Vermehrung der Bakterien beschleunigen, andere hingegen die Teilungsrate fast vollständig unterbinden. Für jede Bakterienart ergeben sich dabei unterschiedliche wachstumsfördernde bzw. -hemmende Frequenzen. Nun soll untersucht werden, ob Infektionskrankheiten beim Menschen einfach durch Schallwellen geeigneter Tonhöhe bekämpft werden können. Damit ergäben sich ganz andere Behandlungsmethoden, denn anstatt Antibiotika zu verabreichen, könnten nun Patienten mit Lautsprechern beschallt werden, die die geeigneten, ganz spezifischen Tonfrequenzen abgeben.