Aus FUSION  3/2003:

KURZNACHRICHTEN


Wird Kenia DDT wiedereinführen?
Mit Ionentriebwerk zum Mond

Sondennahrung wird zum "Genußmittel"

Skandal um Fallpauschalen für Frühgeborene

Neues Forschungsgebiet: Die Sonozytologie

Atommüllentsorgung mit Laserstrahlen

Wird Kenia DDT wiedereinführen?

Führende Gesundheitskreise in Kenia haben dringend empfohlen, DDT zur Insektenbekämpfung wieder zuzulassen, um die Ausbreitung von Malaria im Lande zu stoppen. Es wird geschätzt, daß in Kenia derzeit etwa 700 Menschen täglich an Malaria sterben. Die Kampagne für DDT wurde im Frühjahr 2003 von Kenias führendem Forschungsinstitut KEMRI gestartet, dessen Direktor Dr. Davy Koech erklärte, sein Land befinde sich in einem Dilemma und müsse schnell handeln, um die Gesundheit der Bevölkerung zu sichern. Die KEMRI-Studie, in der der Einsatz von DDT vorgeschlagen wird, ist bei führenden Medizinern des Landes auf Zustimmung gestoßen. Die einzige Option zur Bekämpfung der Malaria sei der Rückgriff auf DDT, erklärte Dr. Richard Muga, Direktor der Medizinischen Dienste Kenias, gegenüber dem East African Standard. DDT war in Kenia 1986 verboten worden, ein Verbot, das nach Ansicht des kenianischen Umwelt- und Rohstoffministers Dr. Newton Kulundu aus einer Übertreibung der Gefahren resultierte. Länder, in denen DDT wieder zugelassen wurde, hätten ein sehr viel geringere Malariahäufigkeit.

Mit Ionentriebwerk zum Mond

Nach geglücktem Start mit einer Ariane-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guiana am 28. September befindet sich die erste europäische Mondmission SMART-1 auf ihrem Weg zum Erdtrabanten drei Jahrzehnte nach Abschluß des bemannten Apollo-Programms und fast völligen Stillstands in der Monderkundung seither. Hauptziele der Mission sind der erstmalige Test eines europäischen Ionentriebwerks als Hauptantrieb für interplanetare Raumflüge sowie die bisher umfangreichste 3D-Kartierung der Mondoberfläche. SMART-1 ist keineswegs ein Ausbund an Schnelligkeit. Für die Strecke Erde-Mond würde eine Raumsonde mit gewöhnlichem chemischen Antrieb etwa drei Tage benötigen, SMART wird dafür etwa 16 Monate benötigen. Dafür verbraucht SMART aber gerade einmal 70 kg Xenon-Edelgas als Treibstoff, das, ionisiert, in einem dünnen fortwährenden Strahl aus dem Triebwerk strömt. Die Energie dafür wird von den beiden 14 m langen bordeigenen Solarpanelen erzeugt. Mit dieser Energie werden die Xenon-Gasatome ionisiert, ein elektrostatisches Feld beschleunigt sie dann, so daß sie sich mit hoher Geschwindigkeit von dem Flugkörper weg bewegen und damit die Sonde antreiben.

Aus dem Parkorbit beschreibt die Raumsonde mit stetig laufendem Triebwerk eine lang gezogene spiralförmige Bahn, mit jedem Umlauf etwas höher, bis sie in einer Höhe von 350.000 bis 400.000 km über der Erde in die Nähe des Mondes gelangt. Nach einer Reihe von Vorbeiflügen am Mond zur Nutzung seiner Gravitation jeweils Ende Oktober, November und Dezember 2004 wird SMART 1 im Januar 2005 vom Schwerefeld des Mondes eingefangen und beginnt, unter Einsatz ihres Triebwerks ihre Geschwindigkeit sowie die Höhe ihrer Mondumlaufbahn zu verringern. Jetzt vollzieht sich die Geschichte umgekehrt. Die Flugbahn wird bei jedem Umlauf abgesenkt, bis sie im Februar/März 2005 in eine polnahe Umlaufbahn um den Mond einschwenkt und mit der detaillierten Erkundung des Erdtrabanten beginnt.

Sondennahrung wird zum "Genußmittel"

In aller Stille hat das Bundesfinanzministerium mit Wirkung vom 1. Juli den Mehrwertsteuersatz für Sondennahrung von bisher 7% auf 16% angehoben. Damit ist Sondennahrung, die für viele schwerkranke Patienten überlebensnotwendig ist, kein Lebensmittel mehr, sondern ein Genußgetränk wie Coca Cola. In Deutschland sind ca. 120.000 Menschen auf Sondennahrung angewiesen: Patienten im Wachkoma, Krebs-, Morbus-Crohn- oder Leberzirrhose-Patienten, Schlaganfallpatienten, die nicht schlucken können, und alte Menschen, die zuwenig essen und trinken.

Für die Krankenkassen bedeutet die Mehrwertsteuererhöhung zusätzliche Kosten in Höhe von 45 Millionen Euro pro Jahr. Die AOK hat zwar bereits angekündigt, gegen die Erhöhung klagen zu wollen, aber die Kassen könnten genauso versucht sein, die Sondennahrung mit Verweis auf die knappe Finanzlage aus dem Leistungskatalog zu streichen. Oder Ärzte könnten bei der Verschreibung von Sondenkost wegen ihrer engen Budgets sehr viel zurückhaltender sein. Dabei ist die Versorgung vieler Patienten mit Sondennahrung vielerorts heute schon katastrophal. So erhalten nach Angaben des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen 70 Prozent der Patienten, die über eine PEG-Sonde ernährt werden, zuwenig Kalorien. Darüber hinaus stellte die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik fest, daß bis zu 80 Prozent der Senioren in Alteneinrichtungen und Krankenhäusern mangelernährt sind. Unter der Überschrift "(Ver-)hungern im Schlaraffenland Deutschland" fordert die Gesellschaft eine sofortige Behebung dieser katastrophalen Mißstände.

Skandal um Fallpauschalen für Frühgeborene

In Fachkreisen ist schon seit Anfang des Jahres bekannt, was in der ARD-Magazinsendung "Monitor" am 21. Juli unter dem Titel "Tod im Brutkasten? Neues Gesetz gefährdet Neugeborene" jetzt an die Öffentlichkeit kam: Bei der Umstellung der Krankenhausfinanzierung auf sogenannte Fallpauschalen soll es im Bereich der Frühgeborenenversorgung für Kinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht keine Vergütung medizinischer Leistungen mehr geben. Insgesamt, so hat die Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) ausgerechnet, werde es nach dem neuesten Stand eine Mittelkürzung von 25-30% geben. Zwar versicherte das Bundesgesundheitsministerium, es werde zu keinerlei Einschränkungen der Versorgung kommen, doch fest steht, daß die insgesamt im Gesundheitswesen zur Verfügung stehenden Mittel auch unter der neuen Abrechnungsmethode nicht steigen, sondern eher weiter schrumpfen werden. Das Ironische an der ganzen Spardebatte um die Frühgeborenen ist, daß selbst nach rein buchhalterischen Gesichtspunkten durch die Mittelkürzungen gar nichts gespart wird! Im Gegenteil, die Folgekosten einer sinkenden Versorgungsqualität, die zu einer wesentlich höheren Zahl von Behinderungen bei Frühgeborenen führen würden, wären weitaus größer.

Neues Forschungsgebiet: Die Sonozytologie

Dem Physikochemiker James Gimzewski von der University of California in Los Angeles ist es gelungen, die Schwingungen der Membranen von Hefezellen hörbar zu machen. Das gelang ihm mit Hilfe eines Atomkraft-Mikroskops, mit dessen Spitze die Oberfläche von Zellen abgetastet und damit deren genaue Topologie erfaßt werden kann. Mit dieser extrem empfindlichen Methode läßt sich die winzige Amplitude der Hefezellmembranen von nur etwa zweimilliardstel Meter pro Schwingung messen und über einen Verstärker hörbar machen. Während sich die normalen Zellschwingungen wie rhythmisches Atmen anhören, ändert sich das Geräusch, wenn den Hefezellen z.B. Alkohol zugesetzt wird. Das "Atmen" geht dann in ein schrilles Schreien über. Es besteht die Möglichkeit, mit dieser Methode der Sonozytologie Veränderungen auch anderer Zelltypen zu messen. So könnten ggf. Zellen identifiziert werden, die unter äußerem oder inneren Streß stehen, zum Beispiel Krebszellen.

Atommüllentsorgung mit Laserstrahlen

Die Halbwertszeit nuklearer Teilchen läßt sich mit relativ einfachen Mitteln drastisch verkürzen, wodurch das Problem der Endlagerung von Atommüll aus Kernkraftwerken umgangen werden könnte. So ist es einem Team um Ken Ledingham von der schottischen Universität Strathclyde gelungen, radioaktives Jod-129 mit einer Halbwertszeit von 15,7 Millionen Jahren durch indirekten Laserbeschuß in Jod-128 mit einer Halbwertszeit von nur 25 Minuten zu spalten. Die Forscher richteten dabei zunächst kurze Laserpulse auf eine kleine Goldprobe, wodurch Gammastrahlen als sogenannte Bremsstrahlung entstanden. Die Gammateilchen trafen anschließend auf eine Probe mit Jod-129. Aus deren Atomkernen wurden Neutronen herausgeschlagen, wodurch Kerne des Isotops Jod-128 entstanden, die wesentlich schneller zerfallen. Jetzt soll geprüft werden, ob sich das Verfahren in großem Stil zur Entsorgung anfallenden Atommülls anwenden läßt.