Wissenschaft und Wirtschaftskrise

Die Götzenanbetung von Isaac Newton
- Teil II -

Von Lyndon H. LaRouche, jr.


1. Empirismus als Religion
   Was ist ein universelles Prinzip?

   Die religiöse Seite des Empirismus

   Die komplexen Zahlen und die Noesis

   Reduktionismus und Satanismus

2. Wissenschaft und Leidenschaft

   Gegen Wiener und von Neumann

   "Kommunikationstheorie"

   Der Mensch im Universum

1. Empirismus als Religion

Ich werde nun zeigen, daß der von Euler und seinen Gesinnungsgenossen übernommene Empirismus eine Religion ist.

In der vorangegangenen Einführung habe ich zusammenfassend dargestellt, daß der venezianische Neoaristotelianismus und Empirismus, die im 16. und 17. Jahrhundert als Instrument der mittelalterlichen Reaktion aufkamen, implizit und primär antichristliche religiöse Bewegungen waren - Bewegungen, die nicht nur im Mittelalter verbleiben, sondern auch die frühere Praxis weiterführen wollten, die Masse der Bevölkerung als "menschliches Vieh", d.h. als Sklaven oder Leibeigene, zu halten. Dabei standen die Forderungen oligarchischer Finanzwucherer über dem Prinzip des menschlichen Lebens, und zwar im gleichen Sinne, wie ein Bauer seine Herde schlachtet - aus Gewinn, Gutdünken oder zum Vergnügen in der spartanischen Tradition des Kaisers Nero.

Indem anders als im Christentum ein willkürlich irrationales Prinzip zum Dogma erhoben wird - so wie es John Locke oder Adam Smith mit ihrem Begriff des "Profits" taten oder wie es der Sprecher des US-Repräsentantenhauses Tom DeLay und der Oberste US-Bundesrichter Antonin Scalia heute mit dem Begriff des "shareholder value" tun -, verstanden sich diese als Neoaristotelianismus und Empirismus bekannten venezianischen Neuerungen als prosatanische Religionen. Ich will diesen Zusammenhang hier aufzeigen.

Das diesbezügliche Argument, das ich auch in früheren Publikationen häufig angeführt habe, kann man wie folgt zusammenfassen.

Wäre der Mensch, wie der Brite Thomas Huxley und auch Friedrich Engels behauptet haben, nur die höhere Entwicklungsstufe eines Affen, wäre das Bevölkerungspotential der menschlichen Gattung niemals über einige Millionen lebende Individuen hinaus gekommen. Heute leben jedoch mehr als sechs Milliarden Menschen. So argumentierte auch der Russe W.I. Wernadskij, als er mit den Mitteln der Geobiochemie zeigte, daß die Menschheit über eine Kraft besonderer Art verfügt, die allen niederen Gattungen wie den Primaten grundsätzlich fehlt, eine noetische Kraft, die sich in der Entdeckung experimentell gültiger, universeller physikalischer Prinzipien ausdrückt.

Wernadskijs Definition der Biosphäre und der Noosphäre teilt das bekannte Universum der experimentellen Physik in drei klassische Kategorien ein, die der modernen Wissenschaft als das Unbelebte, das Lebende und das Noetische bekannt sind. Dies sind jeweils funktionelle Phasenräume; zusammen betrachtet - und dies muß man, um unser Universum zu verstehen - sind es vielfach verknüpfte Phasenräume. Damit ist unser bekanntes Universum implizit als ein Riemannsches im Sinne von Bernhard Riemanns Habilitationsschrift von 1854 definiert.3

Wernadskijs Argument gründet sich zwar auf Ergebnisse der experimentellen Physik in der Tradition seines Lehrers Mendelejew - insbesondere in einer erweiterten Sicht der physikalischen Chemie -, doch bleibt unsere gewöhnliche experimentelle Kenntnis des Lebensprinzips und des noetischen Prinzips im wesentlichen negativ. Wir können das Vorhandensein oder das Fehlen von Leben nachweisen, aber vom Standpunkt der gewöhnlichen unbelebten Physik läßt sich aus der Natur der Sache ein Lebensprinzip nicht positiv darstellen. Man kann zeigen, daß die unbelebten und die lebenden Prozesse jeweils verschiedenen Phasenräumen angehören; nichtsdestoweniger sind beide Phasenräume vielfach wirksam miteinander verbunden. Darüber hinaus sind alle drei - der unbelebte, der lebende und der noetische Phasenraum - als eine funktionale Gruppe vielfach miteinander verbunden. In ähnlicher Weise ist auch die Existenz der noetischen Funktion im Unterschied zu den Funktionen, die bei allen übrigen Formen des Lebens außer dem Menschen vorkommen, deutlich. Aber das Prinzip der Noesis selbst ist vom Standpunkt einer unbelebten Physik oder sogar der lebenden Prozesse im allgemeinen nicht positiv zugänglich.

Diese Schwierigkeiten sollten unsere Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand lenken, der in der uns überlieferten Literatur zuerst in Platons Dialogen definiert wurde. Die Prozesse der menschlichen Sinneswahrnehmung sind Funktionen unserer Biologie. Deshalb kann man nicht behaupten, daß unsere Sinneswahrnehmungen uns direkt die Welt "außerhalb unseres Körpers" zeigen; aber, wie Platon mittels seines Höhlengleichnisses uns sinnbildlich vermittelt, zeigen gründliche Erfahrungen, daß das Individuum durch ausgebildete Sinnesprozesse jene Schatten wahrnehmen kann, die viele außerhalb unseres Körpers ablaufende Prozesse auf unsere geistigen und sensorischen Prozesse werfen.

Genau aus diesen Grund forderte ich vor mehreren Jahren die Mitglieder meiner damals entstehenden Jugendbewegung (meist im Studentenalter zwischen 18 und 25 Jahren) auf, die Mängel ihrer Ausbildung dadurch auszugleichen, daß sie sich mit Gauß' zugespitzter Definition der komplexen Zahlen in seiner Schrift Der Fundamentalsatz der Algebra von 1799 beschäftigen. Ich schlug vor, sie sollten für sich das Konzept einer Idee von dem Standpunkt aus definieren, den die Schrift von 1799 bietet; anschließend sollten sie ihre Studien historisch im Sinne der Ideengeschichte ausrichten, da Ideen so implizit bestimmt sind. Ich habe diesen Vorschlag seither oft wiederholt und tue dies auch jetzt wieder.

Ich will nun zeigen, daß die genannten Paradoxe, die sich mit Wernadskijs Darstellung von Biosphäre und Noosphäre stellen, von diesem Standpunkt einigermaßen erfolgreich angegangen werden können. Lassen Sie mich das erklären.

Die bleibende Eleganz und reine Freude, die uns das Erstlingswerk von Gauß, sein Fundamentalsatz der Algebra von 1799, bietet, liegen darin, daß es - auch wenn Gauß in dieser Hinsicht viel der Ausbildung durch seine großen Lehrer Zimmermann und Kästner zu verdanken hat - die wesentliche, direkte Verbindung zwischen der modernen Tradition eines Nikolaus von Kues, Leonardo da Vinci und Leibniz zu den klassischen Wurzeln dieser Tradition im Ursprung der modernen europäischen Wissenschaft in den Kreisen um Thales, Heraklit und Pythagoras herstellt. Ich möchte dieses spezifische Argument ausführen, indem ich auf Kepler zurückgreife.

Was ist ein universelles Prinzip?

Um hier zu wiederholen, was oft wiederholt werden muß: Sobald man die falsche, reduktionistische Vorstellung des Raumes aufgibt, die mit Euklid, Descartes et.al. einhergeht, ist man genötigt, zu einer voreuklidischen, physikalischen, konstruktiven Geometrie - wofür die Lösung des Delischen Problems durch Archytas typisch ist - und zu der Behandlung der physikalischen Implikationen der Platonischen Körper durch Platon, Kepler und andere zurückzukehren.

Dies bedeutet für den Mathematiker, daß wir uns den Standpunkt der Sphärik als Grundform der physikalischen Geometrie der Sinneswahrnehmungen zueigen machen müssen. In diesem experimentellen Bereich der physikalischen Geometrie ist man mit formal unlösbaren Paradoxen konfrontiert - wie es auch bei den physikalischen Implikationen der Platonischen Körper für die Demonstration eines Unterschieds zwischen den mathematischen Prinzipien unbelebter und lebender Prozesse der Fall ist. Wie Bernhard Riemann in seiner Habilitationsschrift richtig schließt, müssen wir an diesem Punkt den Bereich der Mathematik verlassen und in den Bereich der Experimentalphysik eintreten.

Die Lösung des Delischen Problems durch Archytas ist vielleicht der beste Ausgangspunkt für solche Studien. Der Vorteil liegt darin, daß die Bestimmung zweier Mittelwerte zwar visuell dargestellt werden kann, aber als Verfahren der Würfelverdoppelung bleiben sie unsichtbar, wenn man versucht, die tatsächliche Verdoppelung des Würfels zu betrachten. Dieses paradoxe Bild veranschaulicht die Notwendigkeit hinter Gauß' Entwicklung des Konzepts der komplexen Zahlen und bietet uns wirksame Einsichten in die physikalischen Implikationen des Hauptwerks von Riemann. Gehen wir nun weiter.

Nehmen wir als Illustration zunächst Keplers Entdeckung der universellen Gravitation, die in seinem Werk Die Neue Astronomie von 1609 hinreichend dargestellt ist. Die Feststellung, daß a) die Marsbahn annähernd elliptisch ist, und daß b) die Geschwindigkeitsänderung des Planeten während einer normalisierten Beobachtungsreihe in seiner Umlaufbahn inkonstant ist, bedeutet, daß etwas außerhalb unserer Sinneskräfte dieses sichtbare Verhalten steuert. In ähnlicher Weise lieferte Fermats Experimentalbeweis, daß das Licht nicht dem kürzesten, sondern dem schnellsten Weg folgt, den Ausgangspunkt für die späteren Arbeiten von Christian Huyghens, Leibniz und Jean Bernoulli, die zur Entdeckung des Prinzips der kleinsten Wirkung und im Zusammenhang mit der Kettenlinie zu Leibniz' Entdeckung des Begriffs des natürlichen Logarithmus führten. Überall in der wissenschaftlichen Physik definieren Erfahrungen dieser Art den Begriff universeller physikalischer Prinzipien, der mit dem übereinstimmt, was Nikolaus von Kues, der Begründer der fortschreitenden Entwicklung der modernen Wissenschaft, mit seiner Schrift De Docta Ignorantia in Gang gesetzt hatte.

Um hier zu wiederholen, was aus meinen zahlreichen diesbezüglichen Veröffentlichungen wiederholt werden muß: Aufgrund der Natur unserer Sinneswahrnehmungen zeigen uns diese Wahrnehmungen die Welt "außerhalb unseres Körpers" nicht direkt, sondern lediglich die Wirkung dieser unbemerkten realen Welt auf die Biologie unserer geistig-sensorischen Prozesse. In anderen Worten, die Schatten an der Wand der platonischen Höhle. Es ist jedoch eine besondere Eigenschaft des menschlichen Geistes, eine Eigenschaft, die anderen Lebewesen fehlt, daß wir in der Lage sind, aus den Sinnesprozessen Paradoxe abzuleiten und diese Paradoxe als experimentell nachweisbare, universelle physikalische Prinzipien zu begreifen.

Diese besondere Qualität des menschlichen Geistes deckt sich mit der Drei-Phasenraum-Vorstellung, die unsere bekannten Erfahrungen mit dem gesamten Universum kennzeichnet: daß das Universum von unserem Standpunkt aus einer Gruppe dreier vielfach verknüpfter unbelebter, lebender und geistiger Prozesse besteht, wie sie Wernadskij unterschied, so daß die relativ niedrigeren Prozesse keinen Zugang zum charakteristischen Prinzip des jeweils höheren haben, aber der höhere Prozeß die Kontrolle über die niedrigeren übernehmen kann. Deshalb ist der Versuch der radikalen Positivisten, das Prinzip des Lebens aus dem Unbelebten oder das Noetische insgesamt aus der Biologie abzuleiten, als typisches illusionäres Verhalten von Reduktionisten anzusehen. Es ist nämlich so, daß das Universum als Ganzes, das aus einer vielfach miteinander verbundenen Ordnung dreier spezifischer Phasenräume besteht, auf alle Aspekte dieses Universums einwirkt. Dies hat unter anderem die Wirkung, daß einer spezifischen Qualität von Lebewesen, dem Menschen, noetische Kräfte beigegeben sind, die sich typischerweise in jener Qualität menschlicher Vernunft zeigen, deren Existenz Reduktionisten wie Kant oder Laplace bestreiten.

Wir sind als Individuen nicht irgendwelche Kreaturen, die durch den aufwärtsgerichteten Evolutionsprozeß entstanden sind, wie er inmitten eines Misthaufens stattfindet; wir sind vielmehr Ausdruck eines äußeren Eingreifens in diesen Mist - ein Eingreifen, das uns vollständig von den Affen unterscheidet.

Hier liegen beispielsweise auch die wichtigsten Fragen des religiösen Glaubens.

Die religiöse Seite des Empirismus

Insbesondere ist die monotheistische Vorstellung von Gott als Schöpfer des Universums eine Idee, die die gleichen spezifischen Qualitäten hat wie ein experimentell nachgewiesenes, universelles physikalisches Prinzip, das durch die Fähigkeit des individuellen Geistes hervorgebracht wird, experimentell nachweisbare, nicht selbstevidente Ideen zu generieren. Man betrachte beispielsweise das aristotelische, selbstevidente Konzept Gottes als eines Wesens, das durch die Erzeugung des Universums seine Fähigkeit verloren hat, den durch die in diese Schöpfung eingebauten Gesetze vorherbestimmten Gang zu ändern. Der Schöpfergott ist nicht Gegenstand der Schöpfung, sondern ein fortwährend weiter wirkender Gott; wir sind ein besonderer (individueller) Ausdruck dieses fortwährenden Schöpfungsprozesses. Wir als Individuen sind ein Abbild dieses Gottes. Indem wir diese Schöpferkraft zum Ausdruck bringen, handeln wir als Repräsentanten der menschlichen Gattung.

Das bringt uns unmittelbar zu der entscheidenden Frage der Wissenschaft der physischen Ökonomie. Ein Mensch, der sich immer genau an die schon von seinen Vorfahren praktizierte Form des Wirtschaftslebens hält - wie beispielsweise im Diocletianischen Kodex vorgeschrieben -, lebt wie menschliches Vieh, und nicht wie ein Mensch. Er oder sie verhält sich nicht wie ein Mensch, sondern wie eine Kuh.

Eine solche Kuh wird im Züchtungsprozeß nach Eigenschaften ausgewählt, die für den Besitzer der Herde nützlich sind - ein Prozeß, bei dem einige aus der Herde frühzeitig ausgesondert, geschlachtet werden. Die Kuh, die das Privileg hat zu überleben, wird "versorgt", auf eine Weide geführt, von einem ausgewählten Bullen begattet, gemolken und im Stall gefüttert, bis die Zeit gekommen ist, auch sie zu schlachten. Wenn es dem Bauern einfällt, den Bullen ihren Spaß mit den Kühen zu gönnen, dann achtet er sorgfältig auf das Ergebnis der Zucht, um festzustellen, ob die Nachkommen dieser Verbindung ihn zufriedenstellen. Wenn nicht, dann fort mit ihnen zum Schlachthaus! Die Buchhalter haben verfügt: Keine Mittel verschwenden für die Krankenversorgung derer, die ihre produktive Zeit überschritten haben!

Was unterscheidet das Arbeitsleben eines Menschen von der Natur eines Tieres? Was sonst als die Freiheit von den Gepflogenheiten der mittelalterlichen Gilden!? Wandel im Sinne von Entwicklung ist menschliche Freiheit! Erst der Ausdruck der noetischen Kräfte des Individuums in einer Gesellschaft, die entschlossen ist, sich durch wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt auf ein höheres Niveau zu entwickeln, unterscheidet den Menschen in der Praxis vom Tier.

Die Persönlichkeit eines Menschen definiert sich in gewisser Weise dadurch, was das Individuum bei seinem vorübergehenden Besuch in der gegenwärtigen Geschichte, genannt Leben, leistet. Aber so wichtig diese Leistungen auch sein mögen, sie alleine befriedigen nicht das noch wesentlichere Bedürfnis eines Sterblichen. Das wesentliche menschliche Bedürfnis liegt in einem sozialen Prozeß, der auf der Entwicklung des Individuums um seiner selbst willen beruht. Ein Mensch ist das, was er gerade im Begriff ist zu werden. Das Werden sind jene Akte, in denen die Erfüllung des noetischen Potentials des Individuums als solchem wie auch der Entwicklung der Gesellschaft durch das Eingreifen dieses Individuums in ihr Leben zum Ausdruck kommt. Menschliches Leben ist Noesis per se, ein besonderer Ausdruck der universellen Kreativität, die im Schöpfer des Universums liegt. Eine solche Person zu sein, ist die höchste Daseinsform individueller Menschheit.

So ist die menschliche Natur. Sie ist die Prämisse des gesamten Naturrechts bezüglich der Menschen, der Naturwissenschaft, der klassischen Komposition in der Kunst und der Gesellschaft.

Ich werde hierauf an passender Stelle wieder zurückkommen. Konzentrieren wir uns nun auf die Naturwissenschaft.

Die komplexen Zahlen und die Noesis

Sobald die wirksame Existenz eines universellen physikalischen Prinzips entdeckt und nachgewiesen ist, stellt sich implizit das folgende Problem der mathematischen Darstellung dieser Entdeckung.

Unsere Entdeckung begann damit, daß wir die besondere Bedeutung eines Paradoxes hinter unseren Sinneseindrücken erkannt haben. Keplers Entdeckung der paradoxen Eigenschaften der elliptischen Marsbahn durch die Normalisierung von Tycho Brahes und seiner eigenen Beobachtungen ist ein Beispiel hierfür. Kepler suchte das unsichtbare Prinzip, das diese anomale Wirkung hervorbrachte; er suchte, was sein Biograph einmal als die "Absicht" - die Absicht des Schöpfers - hinter dieser scheinbar anomalen Wirkung bezeichnete. Er identifizierte diese Absicht als seine Hypothese über ein Prinzip universeller Gravitation. Durch Maßnahmen, über die er in jenem Buch berichtet, und weitere Einschränkungen, die er in späteren Büchern machte, gelangen ihm vier bedeutsame Aussagen, die für unsere Diskussion hier relevant sind.

Erstens bezeichnete er seine Entdeckung der universellen Gravitation nicht nur als angemessene Form der Hypothese, sondern als experimentell nachgewiesenes universelles Prinzip.

Zweitens stellte er generelle Beobachtungen hinsichtlich bestimmter Widersprüchlichkeiten in der Mathematik über die Implikationen der Platonischen Körper und damit verbundene Implikationen für die Musik an, wie sie bereits von Platon und von Anhängern des Nikolaus von Kues wie Luca Pacioli und Leonardo da Vinci angesprochen worden waren.

Drittens schloß er daraus auf die notwendige Existenz einer fehlenden Planetenbahn zwischen Mars und Jupiter, eines Planeten, der sich aufgrund anomaler harmonischer Eigenschaften seiner als notwendig bestimmten Bahn selbst zerstörte. Diese Hypothese Keplers wurde im wesentlichen durch die Entdeckung der Bahn wichtiger Planetoiden wie Ceres durch Carl Friedrich Gauß bewiesen.

Viertens verwies er auf zwei unvollkommene Aspekte seiner Entdeckungen - Probleme, deren Lösung er künftigen Mathematikern überließ:

Erstens müßten zukünftige Mathematiker elliptische Funktionen definieren. Dieses Problem wurde durch die Arbeiten von Gauß und seinen Mitarbeitern und Nachfolgern wie Abel und Riemann weitgehend gelöst.

Zweitens müßten zukünftige Mathematiker einen wirklichen Infinitesimalkalkulus entwickeln, der mit den Implikationen der Keplerschen Entdeckung der Gravitation übereinstimmte. Dies gelang zunächst durch die Entdeckung eines solchen Kalkulus durch Leibniz und durch Leibniz' spätere Verfeinerungen davon in Zusammenarbeit mit Jean Bernoulli durch die Definition eines universellen Prinzips der geringsten Wirkung. Die Verallgemeinerung einer solchen mathematischen Physik wurde durch Reformen der damals gelehrten Mathematik erreicht, wobei jene höheren Prinzipien der Geometrie hervorgehoben wurden, die die Empiristen vermieden hatten. Entscheidend abgerundet wurde diese Verallgemeinerung durch eine Reihe wichtiger Nachfolger der Kreise um Gauß und Riemann, wozu Abel wichtige Beiträge lieferte. Die Verallgemeinerung des Problems durch Riemann orientierte sich am Vorbild des Gaußschen Denkens in dieser Hinsicht.

Dieser Verlauf der Hypothesenentwicklung der universellen Gravitation bis zur Form eines experimentell nachgewiesenen, universellen physikalischen Prinzips ist typisch für den Fall, den ich hier behandele. Er verdeutlicht wesentliche Aspekte allen menschlichen Wissens und damit des kategorischen Unterschieds der menschlichen Natur zur der von Tieren und Empiristen. Solche Erfahrungen im Fortschritt der Wissenschaften bedeuten außerdem eine wichtige Herausforderung für jene, die sich als Wächter der mathematischen Physik aufspielen.

Auch wenn Entdeckungen zeigen, daß die Bilder unserer Sinneswahrnehmungen nur Schatten und nicht die Substanz der Realität sind, läßt sich zunächst die Rolle der Sinneswahrnehmungen nicht abstreiten. Aber Experimente zeigen eben, daß Sinneswahrnehmungen als solche nicht die universellen physikalischen Prinzipien repräsentieren, die unser Universum bestimmen - jenes Universum, dessen flüchtige Spuren sich in den Schatten unserer Sinneswahrnehmungen reflektieren. Um ein Geschehen darzustellen, müssen wir daher beide Elemente - Schatten und Substanz - miteinander zu einem einzigen Ausdruck in der Form verbinden, wie ihn Gauß mit seiner Definition des Bereichs der komplexen Zahlen dargestellt hat. Es gibt im Bereich der komplexen Zahlen keine "imaginäre" Komponente. Was die fanatischen Empiristen D'Alembert, Euler und Lagrange als "imaginäre Zahlen" definierten, war der unverzichtbare Aspekt einer Realität, in der reale Wahrnehmung und reale, unsichtbare Ursachen in einer einzigen Form der Darstellung vereinigt sind.

Diese Herausforderung, der sich Gauß 1797 stellte (ausgedrückt in seinem Fundamentalsatz der Algebra von 1799), entsprang nicht einfach einer bloßen Reaktion auf die Fehler Eulers und anderer bei der Behandlung des Cardanschen Problems der Kubikwurzeln. Gauß war ein Schüler von Kästner und Zimmermann, die zu ihrer Zeit zu den führenden Vertretern der mathematischen Werke von Leibniz gehörten.

Betrachten wir die politische Geschichte hinter dem heute vorherrschenden akademischen Unsinn über den Inhalt des Gauß-Papiers von 1799. Der in Leipzig geborene Göttinger Universitätsprofessor Kästner war der führende Mathematiklehrer seiner Zeit; zudem war er nicht nur der führende öffentliche Verteidiger der Werke zweier weiterer Leipziger, Leibniz und J.S. Bach, sondern auch der Mentor eines weiteren Leipzigers, Gotthold Ephraim Lessing, der zusammen mit Moses Mendelssohn jene klassisch-humanistische Renaissance des späten 18. Jahrhunderts begründete, aus der die weltweite klassisch-humanistische Bewegung hervorging, die sich Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa und Amerika verbreitete.

Der spätere Gründer der amerikanischen Republik, Benjamin Franklin, war bei Kästner zu Gast, und Kästner unterstützte Franklin auch anderweitig. Außerdem gab Kästner entscheidende Anstöße, Shakespeare aus dem künstlerischen Mülleimer der britischen Aufklärung zu retten und Englands große, aber verschmähte Literatur wieder zum Leben zu erwecken, was zum Teil durch die Wiederbelebung des wahren Shakespeare in Deutschland geschah.

Kästner leitete auch die Wiedergeburt der voreuklidischen physikalischen Geometrie ein, die heute zu recht als antieuklidisch bezeichnet werden muß. Als Gauß daher fast ein halbes Jahrhundert später an Jonas und Wolfgang Bolyai über seine eigene Entdeckung einer antieuklidischen Geometrie schrieb, bezog sich Gauß nicht auf die interessanten, sogenannten "nichteuklidischen" Geometrien Lobatschewskis und des jungen Bolyai, sondern auf jene wirkliche antieuklidische Geometrie, die Bernhard Riemann im ersten Absatz seiner Habilitationsschrift von 1854 definierte. Gauß' Argumentation in seiner Schrift von 1799 zeigt, daß seine Sicht der Geometrie bereits eine antieuklidische Geometrie war, die auf modernen Ergänzungen der Werke der voreuklidischen konstruktiven Geometrie in der pythagoreischen Tradition fußte.

Dadurch, daß der Empirist Lagrange mit seinen Verfügungen bei Kaiser Napoleon Bonaparte auf offenen Ohren stieß, wurde Gauß' wissenschaftliche Karriere beinahe beendet, wenn nicht die Kreise der Ecole Polytechnique um Lazare Carnot interveniert hätten. Unter der Herrschaft Napoleons war Gauß zeitweise ein besonderes Ziel der Verfolgung.

Später wurde die Ecole unter der Diktatur der Lagrange-Schüler Laplace und Cauchy beinahe ruiniert, was durch die von London eingesetzte französische Restaurationsmonarchie ausdrücklich angeordnet wurde; die Empiristen etablierten ihre Hegemonie unter der aufkommenden Schleimerei der Romantik, die sich mit dem Aufstieg Napoleons und nach dem von Metternich und Castlereigh inszenierten Wiener Kongreß über die Wissenschaft und Kunst ergoß (dort hatten Metternich und die vom Kanzler gesteuerte Geheimpolizei Comtessen auf die Schlafgemächer verteilt, die dann wie gewünscht die Abstimmungen vornahmen; die gleiche Geheimpolizei hatte bereits Beethoven ausspionieren lassen). Gauß' Briefe, die Jonas und Wolfgang Bolyai durch ihre Beschwerden über die von Gauß beanspruchte Entdeckung einer wirklich antieuklidischen Geometrie in seiner Jugend ausgelöst hatten, zeigen die Polizeistaatsatmosphäre, von der die europäische Wissenschaft in den letzten Lebensjahrzehnten des Gauß-Förderers Alexander von Humboldt bedroht war.

So verläuft häufig die politische, wenn nicht sogar die polizeistaatliche Geschichte der Wissenschaft. Geheimpolizisten und Justizminister sind oft ungehobelte Kerle, aber sie oder ihre Hinterleute haben gelernt, daß wirkliche Ideen die stärksten Kräfte in der Geschichte der Menschheit sind, so daß eine einzige Idee, wenn sie sich ausbreitet, einen größeren Einfluß auf die Geschichte haben kann als selbst eine riesige Armee. Die Unterdrückung politisch unerwünschter Ideen war immer bestimmend in der Geschichte brutaler staatlicher und anderer Unterdrückung. Kann man die Idee nicht ins Gefängnis werfen oder zumindestens verfemen, so kann eine entsprechende Behandlung des Denkers die von seinen Gegnern gewünschte Wirkung haben - wenn auch, wie mein eigener Fall gezeigt hat, nur vorübergehend.

Das Faszinierende an der Geschichte der Ideen etwa der alten Pythagoräer, der Platonischen Akademie in Athen, der Renaissance des 15. Jahrhunderts, Kepler, Leibniz, Gauß, Riemann und anderer, ist, daß diese Ideen häufig von neuem aufleben, manchmal viele Generationen später. Oftmals kommt es zur Wiedergeburt einer solchen Idee, indem jemand auf das Werk eines bekannten Entdeckers stößt, manchmal Tausende Jahre nach dessen Tod. Manche, die hierüber nachdenken, fragen: "Hat hier Gott im Interesse der Gerechtigkeit eingegriffen?" In gewissem Sinne lautet die Antwort ja.

Wir, die etwas entdecken oder wiederentdecken, sind die Instrumente, durch die solche scheinbaren Wunder vollbracht werden können, als wären wir Propheten des Altertums in heutiger Mission. Das Prinzip, das wir dadurch zum Ausdruck bringen, ist das höchste uns bekannte Prinzip, das es im Universum gibt: Dieses Prinzip unterscheidet uns von den Affen, wofür sich Thomas Huxley erklärtermaßen hielt, und von Huxleys Lieblingsaffen H.G. Wells, der wohl auch sexuell und anderweitig seine Bestialität unter Beweis stellte, die ihm auf Rat seines Herren gelehrt wurde.

Mit der Geburt eines jeden Kindes kommt ein potentieller Entdecker auf die Welt, der fähig wäre, die Sache der Noesis aufzugreifen und voranzubringen. Unserer Auffassung nach ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Leben eines Neugeborenen einen solchen, glücklichen Verlauf nimmt, davon abhängig, wie Kinder aufgezogen werden, und es Beschränkungen nur durch die Qualität der Gelegenheiten gibt, die jungen und erwachsenen Individuen geboten werden. Manchmal zeigt sich ein wirkliches Genie entgegen aller möglichen Umstände, die ein solches glückliches Ergebnis scheinbar unmöglich machen. Tatsache bleibt, daß sich die Menschheit über das Populationsniveau einiger Millionen affenähnlicher Wesen erhoben hat, ein Zustand, den sich Reduktionisten und Empiristen in der Praxis offenbar wünschen. Selbst der fanatische Empiriker Euler war ein cleverer Bursche und in mancher Hinsicht bemerkenswert nützlich. Die Kraft, die intervenierte, um die menschliche Gattung von allen anderen Lebensformen zu unterscheiden und über sie zu erheben, ist Ausdruck der Intervention eines gärenden Potentials, das nur darauf wartet, in jedem neugeborenen Menschen zum Vorschein zu kommen.

Verhindert werden muß das Verbrechen, dieses glückliche Ergebnis in den Jugendlichen zu unterdrücken. Der Empirismus ist ein solches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Verstoß gegen die deutlich ausgedrückte Absicht des Schöpfers.

Reduktionismus und Satanismus

Der Unterschied zwischen Mensch und Tier zeigt sich daher auf einzigartige Art und Weise im willentlichen Zugang des Menschen zu Wissen und Beherrschung dessen, was wir hier als universelle physikalische Prinzipien identifiziert haben. Die Natur des Menschen liegt deshalb in der Art, wie der menschliche Geist verstehen kann, was Gauß - im Gegensatz zu Euler und Lagrange - als den Bereich der komplexen Zahlen bezeichnet. Realität ist, wie Riemann das Prinzip am Anfang seiner Habilitationsschrift klar und deutlich ausdrückt. Das ist der Mensch im Abbild des Schöpfers.

Die Reduktionisten in der Tradition des Appollokults von Delphi bis hin zu den Sophisten als solchen, Aristoteles und den heutigen geistig wie moralisch Degenerierten wie Empiristen, Positivisten und Existentialisten lehnen entweder das Konzept des Menschen als Ebenbild Gottes einfach ab oder erfinden, wie z.B. Quesnay oder Adam Smith, ein diabolisches Gebräu: den mutwilligen Dämon, den sie anstelle des Schöpfers feilbieten. Empiristen wie Hobbes, Locke, Mandeville, Hume, Adam Smith und Jeremy Bentham definieren, wie Quesnay, den Smithschen "Großen Lenker der Natur" als dämonisches Geschöpf der gleichen Natur wie das von Mandeville vergötterte Böse. Wie Thomas Huxley bezeichnen diese Reduktionisten den Menschen nicht nur als Tier, sie verlangen auch eine Gesellschaftsordnung, in der die Moral von Staat, Kirche und Individuen wie bei Hobbes definiert ist: als obligatorische Raubtiernatur der menschlichen Bestie. Vom Standpunkt der Wissenschaft gibt es keine andere Definition Satans und des Satanismus als diese.

Das Motiv für den von Sarpi, Hobbes, Locke und anderen betriebenen Satanismus ist im wesentlichen politisch. Wenn die Mehrheit der Menschen wie Tiere gejagt oder gehütet und geschlachtet werden soll, wie es Locke in seinen Abhandlungen über den menschlichen Verstand verlangt, dann darf der Mensch politisch und juristisch oder in anderen Ausdrucksformen öffentlicher Unmoral nicht besser als ein Tier definiert werden. Zweck solchen Bosheit ist es nicht nur, niedrige Gesinnungen und Raubtiermanieren gegenüber dem Mitmenschen zu erzeugen. Es soll vor allem verhindert werden, daß jene Teile der Menschheit, die im Zustand menschlichen Viehs gehalten werden, ein Verhalten lernen, das sie dazu veranlassen würde, den wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier zu erkennen. Das wird erreicht, indem es den unteren Schichten - wie z.B. den achtzig Prozent amerikanischer Haushalte mit geringem Einkommen heute - verwehrt wird, tatsächlichen wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt zu praktizieren. Das Raubtierinteresse erfordert, daß die Vorstellung wirklicher Wissenschaft und Technologie beseitigt oder sogar zum Feindbild gemacht wird, wie diese vorsätzlich bösartig Perversion in der sogenannten "Umweltschutz"-Bewegung zum Ausdruck kommt.

Eine moderne Gesellschaft mit einer Bevölkerungsdichte, wie sie sich nach der Renaissance des 15. Jahrhunderts entwickelt hat, kann nicht bestehen, wenn sie sich dem wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt insgesamt widersetzt. Folglich verfolgen die Raubtierklassen das Ziel, den wissenschaftlichen und sonstigen Fortschritt, wenn seine unmittelbare Notwendigkeit nicht vermieden werden kann, zu hemmen und vor allem den unterworfenen Schichten der Gesellschaft das Recht zu verwehren, die allgemeinen Prinzipien zur Erzeugung solchen Fortschritts zu erkennen - genau jene Fähigkeit, die den Menschen zum Menschen macht. Damit sollen die Menschen nicht nur glauben gemacht werden, daß sie Kühe sind, sondern sie sollen dazu gebracht werden, daß sie ihren Status als menschliches Vieh stolz und entschlossen verteidigen. Das war die Absicht der von Platon entlarvten Sophisten und später von Aristoteles. Das war seit Sarpi die Absicht der Reduktionisten wie der modernen Empiristen und ihrer Ableger, der Positivisten, Pragmatiker und Existentialisten. Das war die Absicht des Hobbesschen "Jeder gegen Jeden", des Lockeschen "Eigentums"-Begriffs und Richter Scalias "shareholder value". Die im 15. Jahrhundert von den Kreisen um Brunelleschi, Nikolaus von Kues, Luca Pacioli und Leonardo da Vinci begründete moderne Wissenschaft hat die modernen philosophischen Nachfahren der Sophisten in dieser Hinsicht vor ganz neue Herausforderungen gestellt.

Die Renaissance des 15. Jahrhunderts machte nicht nur den schrecklichen Bevölkerungskollaps Europas rückgängig, der das "finstere Zeitalter" des vorangegangenen Jahrhunderts geprägt hatte. Die Renaissance setzte eine langfristige Hebung des Lebensstandards und der Fruchtbarkeit der europäischen und benachbarten Bevölkerungen in Gang. Die verbesserten Lebensbedingungen von Bürgern und Gesellschaft beruhten auf einer langfristigen Steigerung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte, einem Trend, der von der Realisierung wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Fortschritts abhängt. Wird dieser Prozeß eine Generation lang oder länger unterbrochen, bewegt sich die Gesellschaft langfristig immer mehr auf einen Absturz in ein neues finsteres Zeitalter zu, wobei die Entvölkerung massiv zunimmt und ganze Zweige der menschlichen Kultur absterben. Ohne neue Sprünge im wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt der Arbeitsproduktivkräfte und des Lebensstandard lassen sich Zusammenbrüche dieses Ausmaßes nicht verhindern. Es ist unmöglich, die Uhr des Fortschrittes zurückzudrehen, ohne ein katastrophales neues finsteres Zeitalter - möglicherweise ein neues finsteres Zeitalter auf dem gesamten Planeten - auszulösen. Seit der Renaissance des 15. Jahrhunderts ist der wissenschaftliche und technologische Fortschritt das Gesetz unserer Zivilisation; Kulturen, die sich diesem Gesetz widersetzen, werden verschwinden - zerstört durch eigenen Willen und durch die eigene Hand.

Die moderne europäische Wissenschaft während und nach der Renaissance des 15. Jahrhunderts stellte für die Reduktionisten somit eine neue Bedrohung dar: Das Aufkommen einer umfassenden modernen Wissenschaft und der damit verbundenen Entwicklung klassisch-humanistischer Kompositionsformen in der Kunst, wie sie in besonders herausragender Weise durch die geistige Fruchtbarkeit Leonardo da Vincis verkörpert werden. Die Erfahrung lehrte die Reduktionisten, daß die Rolle dieser umfassenden neuen Wissenschaft ganz anders angegriffen werden mußte. Es galt für sie, eine noch hinterhältigere Form des aristotelischen Sophismus zu entwickeln. Der von Sarpi und seinem persönlichen Lakaien Galileo Galilei ausgebrütete Empirismus war das Ergebnis.

Wenn es schon nicht möglich war, den wissenschaftlichen Fortschritt völlig aus der allgemeinen Praxis einer Gesellschaft zu verbannen, so ließe sich vielleicht ein sophistischer Wissenschaftsersatz zusammenzimmern. Galileos Fiktion einer "Fernwirkung" ist typisch für das Ergebnis solcher Versuche. Wenn man wissenschaftliche Ergebnisse so verdreht darstellt, wie ein moderner Sophist sich das wünschte, könnte man den Menschen die Handhabung neuer Technologien beibringen, ohne sie mit den Methoden bekannt zu machen, mit denen bisher universelle physikalische Prinzipien entdeckt worden waren. Indem man es darauf anlegte, die anerkannten Lehrmethoden der praktischen Wissenschaft so zu verdrehen, daß sich die Opfer einer solchen Lehre gegen deren wesentliches Prinzip selbst wenden - das platonische Prinzip der Hypothese, das den Prozeß der Entdeckung fundamentaler Prinzipien definiert -, konnten die adeligen Herrscher die Früchte der Wissenschaft ernten, ohne daß das Ansehen der modernen Wissenschaft die Bevölkerung mit dem infizierte, was die reduktionistischen politischen Philosophen und ähnliche Schurken als übermäßige Bewunderung für die Praxis des wissenschaftlichen Prozesses betrachten könnten. Durch eine solche "Gehirnwäsche" der öffentlichen Meinung ließe sich das unterdrücken, was als übermäßige Begeisterung für das Heilige im menschlichen Individuum gelten könnte. So schrieb ein durchgedrehter Newton: "Hypothesen sind nicht notwendig." Und so verwarf auch Georg Cantor in den 1890er Jahren, nachdem ihn seine Verfolger in den Wahnsinn getrieben hatten, seine eigenen großen Leistungen des vorhergegangenen Jahrzehnts, indem er das gleiche verrückte Schlagwort wiederholte: "Hypothesen sind nicht notwendig."4

Beschäftigt man sich mit Gauß' Fundamentalsatz von 1799 genauer, wird zudem deutlich, wie die empiristischen Betrügereien Sarpis, Galileos, Eulers, Lagranges und anderer ausgedacht wurden.

Wie ich in diesem Aufsatz schon mehrfach betont habe, weist die wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Mensch und Tier auf die Tatsache hin, daß experimentell nachgewiesene, universelle physikalische Prinzipien Ideen sind, die außerhalb der direkten Reichweite menschlicher Sinneswahrnehmungen liegen. Wir kennen sie nur durch den Prozeß der Hypothesenbildung, wie ihn Platons Dialoge oder frühere Erkenntnisse der voreuklidischen griechischen Geometrie zeigen. Aus dieser Kenntnis der Natur solcher Prinzipien folgt, daß die moderne mathematische Physik verpflichtet ist, die scheinbare Wirkung, wie sie uns die Sinneswahrnehmungen zeigen, mit den entdeckten universellen physikalischen Prinzipien zu verbinden, die außerhalb der direkten Reichweite der Sinneswahrnehmungen liegen. Die funktionale Beziehung zwischen diesen beiden ist die Realität der komplexen Zahlen.

Der Begriff "imaginär" für Quadratwurzeln negativer Zahlen, wie Euler und Lagrange ihn benutzen, ist provokativ. Diese sind in gewisser Weise tatsächlich imaginär, aber nur in dem Sinn, daß sie der signifikanteste Aspekt einer Realität sind - das Abbild einer Realität, die das menschliche Wissen nur durch die Fähigkeit des menschlichen Individuums zur Hypothesenbildung und zum experimentellen Beweis solcher Hypothesen erreichen kann. Doch Euler und andere bleiben bei ihrer Auffassung, daß diese sogenannten "imaginären" Bestandteile der mathematisch-physikalischen Realität nicht real sind, und sie mißbrauchen das Wort "imaginär" als sophistische Lüge, indem sie bestreiten, daß diese Elemente nicht nur real, sondern für den wissenschaftlichen Fortschritt notwendig sind.

Ihr Mißbrauch des Begriffs "imaginär" erhält satanische Züge, wenn man bedenkt, welche kategorische Wirkung ihre Sophisterei annimmt. Sie leugnen nicht nur eine Wahrheit, die für die weitere Existenz unserer Gattung wichtig ist, sondern sie hindern den Menschen daran, seine eigene Natur zu kennen, und degradieren auf diese Weise die leichtgläubigen Schüler ihrer Lehre zu einer Art menschlichem Vieh. Das ist satanisch!

2. Wissenschaft und Leidenschaft

Ein Beispiel. Die meisten heutigen Mathematiklehrer und -professoren sind bei der Behandlung dieser und ähnlicher Gegenstände praktisch klinisch verrückt. Der experimentelle Beweis für diese Tatsache wurde kürzlich auf zwei Kontinenten, in Nordamerika und Eurasien, sehr weitgehend erbracht. Implizit hat er sich auch überall sonst gezeigt.

In den USA läßt sich die derzeit praktizierte öffentliche Bildung eigentlich nur noch als "Mentizid" bezeichnen. Entsprechend den Lehrbüchern, den Prüfungs- und Benotungsregeln gehen die Lehrer und Professoren davon aus, daß ein abgeschlossenes, deduktiv-induktives Systems, sofern es nach den eigenen gewählten Regeln in sich selbst schlüssig ist, tatsächlichem Wissen entspricht. Diese von solchen Personen und Institutionen praktizierte Form der Sophisterei kann man nur als klinische Schizophrenie bezeichnen, besser noch als "legalisierte" oder "popularisierte" Schizophrenie.

Der Beweis hierfür läßt sich relativ leicht antreten, indem man nahezu jeden beliebigen Professor der Mathematik oder mathematischen Physik, der diesen Begriff der mathematischen Konsistenz akzeptiert, mit Carl Gauß' Fundamentalsatz der Algebra von 1799 konfrontiert. Wenn man einen solchen Professor gezielt in dieser Frage herausfordert, wird er gewöhnlich mit einem plötzlichen, völlig irrationalen und kindischen Wutausbruch reagieren, der für eine Geisteskrankheit typisch ist. Die Fälle von Wutausbrüchen dieser völlig irrationalen Art von seiten solcher Pädagogen und ähnlicher Leute sind nach wie vor zahlreich.

Wenn ich an dieser Stelle die Frage geistiger Gesundheit aufwerfe, möchte ich pädagogisch hervorheben, daß sich solche Mathematiker oder mathematische Physiker ja anmaßen, ihre angebliche Objektivität sei völlig unemotional. Anders gesagt, dahinter steckt die Annahme, die Naturwissenschaft beruhe auf einer reduktionistischen Mathematik, und diese Mathematik sei rein deduktiv-induktiv. Die Explosion von Gefühlen in besagten Wutausbrüchen beweist, daß sie in ihrem Beruf einer sehr, sehr emotionalen, großen, sehr persönlichen Lebenslüge anhängen. Wenn ein gebildeter Kritiker die Fehlerhaftigkeit der Definitionen aufzeigt, die hier als Ersatz für das reale, physikalische Universum außerhalb ihrer laputischen5 Phantasien dienen, kann ein klinisch eindeutiger Anfall von Wahnsinn ausgelöst werden.

Dieser Wahnsinn hat zwei Hauptaspekte. Das erste Prinzip dieses Wahnsinns als Methode ist die Illusion, Wahrheit sei "objektiv": sie wurzele in der Kombination von Sinneswahrnehmungen und rein fiktiv gewählten Reihen deduktiver Definitionen, Axiome und Postulate. Das zweite Prinzip, das angeblich das erste ergänzen soll, lautet: Emotionen haben in der Mathematik oder bei vergleichbaren, angeblich rationalen Denkformen keinen Platz. Tatsächlich aber verhalten sich Leute, die so denken, wie Goldfische, die in ihrem Glas immer im Kreis schwimmen; für sie gibt es nichts außerhalb des Wassers in dem Gefäß. In ihrer mathematischen Irrwelt ist die Realität der mathematischen Physik auf ein fischglasartiges Universum reduziert, aus dem Emotionen und die Realität gleichermaßen ausgeschlossen sind. Schlägt man ein Loch in den Behälter, der das Wasser enthält, wird in ihnen eine Springflut von Emotionen ausgelöst.

Wir haben diese Reaktion vielleicht provoziert, aber wir haben den Gefühlsausbruch dieser Leute keineswegs verursacht. Wir waren höchstens der Auslöser, so als hätte man an einem Glas mit heißem Nitroglyzerin gerüttelt. Die emotionale Explosion war Ausdruck der brutalen Unterdrückung, die diese Leute ständig, gewöhnlich seit der Kindheit, erlebt haben. Diese emotional geladene Unterdrückung, ihre internalisierte Gestapo, war der Mechanismus, durch den sie dazu konditioniert wurden, die besagten Elfenbeinturm-Annahmen zu übernehmen. Die Emotion, die in dem irrationalen Ausbruch zutage trat, rührte daher, daß sie plötzlich auf die Existenz dieses Behälters gestoßen wurden, in dem die ganzen illusionären mathematischen Grundvorstellungen enthalten sind. Der Behälter hat die ontologische Qualität eines angsterfüllten Unterdrückungsgefühls. Genau diese Angst hatte sie gefangen gehalten, und was man bei ihren völlig irrationalen Ausbrüchen erlebt, sind die emotionalen Geistesfesseln, an die sie sich so lange gewöhnt haben.

Die Emotion, die bei solchen irrationalen Wutausbrüchen zum Ausdruck kommt, war die "Kraft", die diese Leute in ihre sogenannten selbstevidenten Annahmen hineintrieb, die sie solange völlig emotionsfrei vorzutragen können meinten, bis man sie provozierte. Das war die "Kraft" intellektueller Unterdrückung. Sobald man die Barriere sichtbar machte, hinter der sich ihre antrainierten "emotionsfreien" Ansichten versteckten, löste man allein durch das Sichtbarmachen der Barriere die explosive Ladung aus, die diese Barriere darstellte.

Man muß hinzufügen, daß es eigentlich "keine schlechte Sache" ist, eine solche Reaktion auszulösen; man verstößt damit nicht gegen das, was man abwehrend als Höflichkeit bezeichnen könnte. Nur wenn ein solcher Professor zunächst eine "Katharsis" erlebt, wird er in der Lage sein, wieder vernünftig zu werden. Es ist keine Gemeinheit, Verrückte vernünftig zu machen, ganz im Gegenteil. Wenn man die Wahrheit ausspricht, werden gewöhnlich solche oder ähnliche Wutausbrüche ausgelöst; wollte man solche Ausbrüche vermeiden, müßte man Lügen gutheißen und nähren, was selbst eine Form der Lüge darstellt, wie sie gewöhnlich von den kleinmütigen Kandidaten für das amerikanische Präsidentenamt und anderen praktiziert wird.

Die Euklidische Geometrie kann als Beispiel dafür dienen, wie solche Formen funktioneller Schizophrenie wirken. Die dreizehn Bücher des Euklid sind wie der Fleischauflauf eines Schotten, der aus vielerlei verschiedenen Zutaten besteht. Viele dieser Zutaten, die man sich aus dem Auflauf herauspicken kann, sind die Früchte ernsthafter und kompetenter Arbeit. Nimmt man jedoch den Auflauf als Ganzen, steckt die Anordnung der Einzelzutaten voller Paradoxe, was vor allem für das 10. bis 13. Buch zutrifft. Gerade in diesen Büchern sollte man die impliziten Widersprüche zu den angeblich selbstevidenten Definitionen, Axiomen und Postulaten erkennen, auf denen Euklids Elemente insgesamt aufbauen.

Die Paradoxe, die hier zum Ausdruck kommen, sind eine Folge der Tatsache, daß Euklid den realen Bereich der "Sphärik" (Kugellehre), aus dem der Inhalt der Bücher 10-13 weitgehend abgeleitet ist, durch eine kindische Fantasiewelt ersetzt hat, in der die Gegenstände in einer imaginären Suppe linearer Raumzeit herumschwimmen. Die wichtigsten Passagen der letzten Bücher reflektieren die Beiträge der voreuklidischen konstruktiven Geometrie. Diese Geometrie hatten die Pythagoräer und andere als "Sphärik" aus den angesammelten Kenntnissen von Astronomie und Schiffsnavigation abgeleitete, die die aufkommende griechische Kultur vor allem von der ägyptischen Tradition übernahmen, für die der Bau der großen Pyramiden typisch ist. Dieser Fehler der euklidischen und anderer apriorischer Definitionen, Axiome und Postulate hat, wie Riemann in den ersten beiden Abschnitten seiner Habilitationsschrift von 1854 feststellt, die sogenannte "anerkannte" Mathematik der europäischen Wissenschaft verseucht.6

Riemann greift damit in die Zeit vor Euklid zurück. Tatsächlich kombiniert er die historische Tradition der voreuklidischen konstruktiven Geometrie der "Kugellehre" des Thales, Heraklit, der Pythagoräer und Platons mit den wichtigsten Errungenschaften Leistungen der modernen Wissenschaft seit Nikolaus von Kues' De Docta Ignorantia, zu der die Werke der Cusa-Nachfolger Leonardo da Vinci, Kepler, Fermat, Huyghens und Leibniz sowie Riemanns wichtigster Vorgänger Carl Friedrich Gauß gehören. Entsprechend der Gaußschen Angriffe auf Euler, Lagrange und andere in seinem Fundamentalsatz der Algebra macht Riemann den entscheidenden Schritt, der die Wissenschaft der europäischen Zivilisation praktisch von den Relikten jahrtausendelanger reduktionistischer Dekadenz befreit.

Meine eigenen wichtigen Beiträge der Jahre 1948-53 zu der von Leibniz 1671-1716 begründeten Wissenschaft der physischen Ökonomie hatten die besondere Bedeutung, das von C.P. Snow einmal als "Zwei-Kulturen"-Paradox des zeitgenössischen Bildungswesens bezeichnete Problem zu lösen: die Trennung der Naturwissenschaft von der klassischen Kunst. Meine Lösung für dieses "Zwei-Kulturen"-Paradox beruhte darauf, die gemeinsamen ontologischen Merkmale klassischer Prinzipien nichtbildender Kunst und wissenschaftlicher Entdeckungen aufzuzeigen, welche sich in der Steigerung der produktiven Arbeitskraft durch technologischen Fortschritt äußern.

Infolge dieser Arbeit, die sich in zahlreichen Schritten zwischen 1948 und 1953 vollzog, war ich der Notwendigkeit enthoben, die Prinzipien der politischen Ökonomie von monetären Prozessen abzuleiten, wie es die britische Haileybury-Schule tat; statt dessen konnte ich nun monetäre Prozesse vom Standpunkt der vergleichenden potentiellen relativen Bevölkerungsdichte (pro Kopf und Quadratkilometer) definieren. Meine Bemühungen organisierten sich nach den folgenden, für den Zweck dieses Aufsatzes relevanten Aspekten. Seit Ende 1995 habe ich zur Darstellung der Methode der physischen Ökonomie eine Reihe pädagogischer Grafiken entworfen [Abbildungen 1-5], in denen ich die relative Veränderung des physischen Ausstoßes mit der relativen Veränderung der monetären und finanziellen Aggregate vergleiche. Diese Grafiken werfen die unsinnigen Schätzungen der amerikanischen Wirtschaft, die in den Jahren 1996-2003 von den Regierungen Clinton und Bush verbreitet wurden, über den Haufen.7

Ich beschreibe die wichtigsten Aspekte meines Entdeckungsprozesses wie folgt.

Gegen Wiener und von Neumann

Man kann jemandem am besten eine Idee vermitteln, indem man den Prozeß darstellt, wie sich die Entdeckung dieser Idee vollzogen hat. Deshalb ist auch, wie Friedrich Schiller betonte, die klassische Bühne das beste Medium, Geschichte zu studieren. Wer im Publikum sitzt, vielleicht in der Loge eines klassischen Theaters, erlebt auf der Bühne seiner Vorstellung von neuem die Geschichte oder eine Geschichtslegende. Indem er auf dieser Bühne der Vorstellung sieht, wie sich das die Spitze einer Gesellschaft erfassende Unheil entfaltet, sieht sich der normale Bürger dazu angeregt, sich mit den Prinzipien auseinanderzusetzen, die eine ganze Gesellschaft bis zu ihrem tragischen oder erhabenen Ende führen. Auf diese Weise verläßt der Bürger - so auf den Status eines Staatsmannes erhoben - in der Sicht Schillers das Theater als besserer Mensch, als er es einige Stunden zuvor betreten hatte. Das gleiche Prinzip gilt für die richtige Methode, Wissenschaft zu lehren. Man lernt die Wissenschaft beherrschen, indem man den tatsächlichen historischen Prozeß der Entdeckung und Übermittlung von Ideen nacherlebt. Was erhalten bleiben muß, sind keine auswendig gelernten Erinnerungen an die formalen Aspekte der Entdeckung, die man in jedem Lexikon nachlesen kann; was man sich aneignen muß, ist vielmehr die Erinnerung einer nacherlebten Erfahrung, der Erfahrung, den Prozeß der Entdeckung in seiner Übermittlung in die Gegenwart nachzuerleben. Guter Wissenschaftsunterricht besteht darin, Wissenschaft als historisches Drama in Form eines klassischen Dramas oder ähnlichem neu aufzuführen und wiederzuerleben.

Meine seit frühester Kindheit geübte Abneigung dagegen, etwas nur deshalb zu lernen, weil es eben gelehrt wurde oder der verbreiteten Meinung entsprach, brachte mich seit ungefähr dem 14. Lebensjahr dazu, die bekanntesten Schriften der führenden englischen, französischen und deutschen Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts - von Francis Bacon bis Immanuel Kant - gründlich zu lesen. Anlaß hierfür war teilweise mein Erschrecken darüber, bei meinem ersten Kennenlernen der gängigen ebenen Geometrie mit den gleichen Schlagwörtern konfrontiert zu werden, die ich später als offensichtlich betrügerische, angeblich selbstevidente Definitionen, Axiome und Postulate betrachtete. Meine damalige Suche nach Wahrheit füllte sich schon bald mit einer tiefen Abneigung gegen den "Reduktionismus", wie ich ihn hier bezeichnet habe. Schon mit etwa 16 Jahren war ich Anhänger von Leibniz und ging daran, die Hauptthese der ersten Kantschen Kritik zu widerlegen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigte ich mich mit den Beziehungen und systemischen Unterschieden zwischen den drei klassisch definierten Kategorien unbelebter, belebter und kognitiver Prozesse. Wie entsteht im Geist eine Idee, ein unsichtbares, aber wirksames Prinzip? Eine Zeit lang rang ich mit William Empsons Sieben Typen der Ambiguität, mit dem Ziel, jene Aspekte der klassischen Ironie - z.B. in der Poesie - herauszuarbeiten, die der Beziehung zwischen systemischen Paradoxen und erfolgreichen Hypothesen in der Naturwissenschaft entsprachen. Damit setzte ich meine Beschäftigung aus der Jugendzeit fort, Leibniz gegen Kants Kritiken zu verteidigen.

Vor diesem Hintergrund erhielt ich über Prof. Norbert Wieners Tochter im Januar 1948 eine Vorabkopie von dessen Kybernetik. Dieses Datum ist nur deshalb von Bedeutung, weil die Kette der Entwicklungen, die zu meinen Entdeckungen in der physischen Ökonomie führte, unter diesen Umständen begann. Schon im März jenes Jahres war ich entschlossen, Wieners Argument der "Informationstheorie" zu widerlegen. Der Abschnitt des Buches, der sich mit Steuerungsmechanismen befaßte, war zwar anregend. Die Verwendung des Begriffs "Kybernetik" für das, was Wiener als Informationstheorie definierte, war jedoch ein Schwindel, die intellektuelle Horrorshow eines logischen Positivisten. Seit jener Zeit befand sich der größte Teil meines Geisteslebens in der einen oder anderen Weise im Kriegszustand mit jenem absoluten Übel, für das Bertrand Russell und seine zahlreichen entmenschlichten Anhänger wie Wiener und John von Neumann standen.

Mein Argument gegen das spezifisch Böse an Wieners "Informationstheorie" fußte auf folgendem. In der kompetenten Wissenschaft beginnt die Entdeckung eines Prinzips oder die studentische Reaktion auf eine solche Entdeckung damit, sich mit einem systemischen Paradox zu beschäftigen. Keplers Entdeckung der Implikationen der Marsbahn ist ein Beispiel hierfür. Die erfolgreiche Komposition einer sokratischen Hypothese platonischer Form definiert eine Prinzipienbehauptung, welche das Paradox lösen könnte. Diese Behauptung, diese Arbeitshypothese, macht ein besonderes Experiment erforderlich, etwas, was einem experimentellen Prinzipiennachweis entspricht.

Wenn dieses Prinzip durch das Experiment erfolgreich bewiesen wird, lassen sich aus dem Aufbau des Experiments bestimmte Aspekte ableiten, die das überprüfte Prinzip direkt abbilden. Man kann auf diese Weise vom Vorgang der laborexperimentellen Werkzeugmaschine oder eines vergleichbaren Experimentaufbaus zur Anwendung dieser Aspekte des Experimentaufbaus übergehen, in denen sich dieses neu definierte Prinzip reflektiert.

Darin drückt sich, ganz allgemein gesagt, die Rolle der Technik bei der Verbesserung von Produkten und Produktionsprozessen aus.

Betrachten wir nun, was sich sozusagen auf der Bühne vollzog, während der Vorgang vom Paradox zur neuen Technologie ablief. Der Prozeß begann innerhalb des souveränen Denkprozesses eines einzelnen Menschen. Die Entwicklung einer angemessenen Hypothese und deren experimentelle oder ähnliche Bestätigung erzeugte eine Technologie, durch welche sich die Macht des Menschen pro Kopf und Quadratkilometer über die Natur vergrößert hat. Im Gegensatz zu Wieners Behauptungen hat die radikal reduktionistische Statistikmethode Ludwig Boltzmanns in diesem Prozeß keinen Platz. Wiener beging einen Betrug, indem er die Zunahme der Arbeitskraft als einen statistisch geordneten Prozeß darstellte - eine Tatsache, die einen David Hilbert nicht überrascht hätte, der Wiener wie auch John von Neumann genau wegen solcher Betrügereien einmal von der Universität Göttingen verwies.

Ich übernehme damit nicht Hilberts nette Beschreibung der "intuitiven" Methoden reiner Geometrie, um so einen Ersatz der gängigen Schulalgebra für wesentliche Aspekte fortgeschrittener wissenschaftlicher Arbeit zu finden. Trotzdem erkenne ich seine Absicht, auf etwas Richtiges hinzuweisen, etwas, was ich als reales Phänomen schöpferischer Arbeit kenne, das ich jedoch darin lokalisiere, was als die strikt platonischen Methoden der pythagoreischen Tradition betrachtet werden müßte, wie ich es hier in diesem Bericht tue. Ein besserer Ausdruck als "Intuition" wäre "Einsicht". Welchen Begriff man auch zur Bezeichnung dieses Phänomens verwendet, er bezeichnet die noesis des klassischen Griechisch, jene Qualität, die den Menschen als lebendiges Abbild des Schöpfers von den Affen unterscheidet. Ob man es "Intuition" nennt oder nicht, die Absicht des Hilbertschen Arguments stimmt in diesem Punkt tatsächlich mit meinem ontologischen Verständnis dessen überein, was die klassische Tradition als die noetische Qualität des Denkens definiert. In allem, was ich von den Werken Wieners, von Neumanns und ähnlicher moderner Sophisten gelesen habe, fehlt ihnen ganz auffällig genau diese Qualität wissenschaftlicher Einsicht, auf die sie sogar bewußt und vorsätzlich verzichten.

Diese (noetische) Kraft der Kreativität wurde dem Menschen nicht hinzugesetzt; sie ist eine souveräne Kraft des Individuums. Kreativität wirkt nicht auf den Menschen, sondern der Mensch bringt Kreativität zum Ausdruck, die schon in seiner Natur angelegt ist.8 Sie ist eine Einrichtung außerhalb der Reichweite unbelebter oder bloß belebter Prozesse, wie Wernadskij in Anlehnung an die entsprechende klassische griechische Tradition feststellte. Genauso wie das Lebensprinzip eine zunehmende Rolle in der geologischen Entwicklung des Planeten insgesamt spielt, so hat das Prinzip der menschlichen Kreativität, das allein dem souveränen menschlichen Individuum innewohnt, die Kraft, die unbelebten wie die belebten Prozesse insgesamt zu transformieren. Wäre die Menschheit, deren Gesamtbevölkerung derzeit auf über sechs Milliarden geschätzt wird, nur eine höhere Affenart, wäre die lebende Bevölkerung niemals über einige Millionen hinausgekommen.

Die Fähigkeit des Menschen, unsere Produktivkraft pro Kopf der Bevölkerung über die Natur vorsätzlich zu steigern, ist die einzige wirkliche Quelle dessen, was man als "Profit" und als Akkumulation physischen Kapitals bezeichnen könnte. So ist die Fähigkeit des Menschen, die Existenzkraft der menschlichen Gattung zu vergrößern, eine Eigenschaft, die bei niederen Gattungen nur durch einen evolutionären Sprung zu einer höheren Gattung möglich wird, aber nicht durch ein Potential, das diese Gattungen vorsätzlich nutzen könnten.

Hiermit enden die Argumente gegen Wiener, von Neumann und Co. nicht. Die Entwicklung der produktiven Arbeitskraft wird zwar von Individuen geleistet, aber sie wird gesellschaftlich realisiert, nicht individuell. Damit wären wir bei dem Hauptfehler Wieners, von Neumanns und anderer, nämlich dem Thema menschlicher Kommunikation.

"Kommunikationstheorie"

Bei der Steigerung der menschlichen Existenzkraft, die durch neu entdeckte, universelle physikalische Prinzipien entsteht, gibt es ein Element, das dem individuellen Geist allein eigen ist. Wie wird ein solches Element als Kommunikation zwischen den Menschen weitergegeben? Jede solche Entdeckung ist eine Revolution, für die es im Bereich der Sinneswahrnehmungen bis dahin keine Entsprechung gab. Deshalb ist klar, daß keine wörtliche Äußerung innerhalb der benutzten Sprache die betreffende neue Idee kommunizieren könnte. Damit brechen die Behauptungen über den Inhalt der "statistischen Kommunikationstheorie" wie der Wieners, von Neumanns oder Marvin Minskys vom MIT in sich zusammen.

Dies bringt uns zu den Doppeldeutigkeiten zurück, die sich mir implizit in Empsons Werk stellten. Und dies bringt mich zu einer seit langem geliebten Passage aus P.B. Shelleys Aufsatz Zur Verteidigung der Poesie und zu einigen faszinierenden Werken einer meiner amerikanischen Lieblingsspione, Edgar Allan Poe, zurück. In gewissen Zeiten vergrößert sich "die Fähigkeit, grundlegende und leidenschaftliche Konzepte über den Menschen und die Natur weiterzugeben und aufzunehmen." Was Shelley hiermit meint, ist die Fähigkeit zu Ironie und Metapher, die mit dem großen Wiederaufleben des klassischen Humanismus am Ende des 18. Jahrhunderts verbunden ist. Es sei auch auf den berühmten Monolog im 3. Akt des Hamlet verwiesen: "Sein, oder nicht sein..."

Die Sprache benutzt Doppeldeutigkeiten, die (zum Beispiel) beim Gebrauch der Sprache oder in der mathematischen Physik entstehen, um systemische Paradoxe zu definieren, die jene Qualität der Bestimmtheit haben, wie sie sich in Keplers Überlegungen über die Implikationen einer korrigierten Vorstellung der Marsbahn zeigt. Diese Ambiguitäten mit nachweislich systemischer Eigenschaft verweisen auf die souveränen, kreativen Fähigkeiten des individuellen menschlichen Geistes, auf die Entdeckung einer relevanten Hypothese. Mit Hilfe des gleichen Mittels, d.h. gut gewählter Ironien wie z.B. Metaphern, ist man geistig in der Lage, einen anderen Menschen dazu zu provozieren, Ideen zu replizieren, die im bisher üblichen Sprachgebrauch nicht explizit ausgedrückt werden können. Erzeugung und Aufnahme einer solchen Kommunikation erfolgt durch das Prinzip der sokratischen Hypothese Platons.

Als Wiener beispielsweise zu behaupten versuchte, daß sich antientropische Fortschritte in den Lebensbedingungen der Menschen auf durch Boltzmanns statistische Mechanik bestimmten Wegen vollzögen, beging er einen Betrug, den auch Hilbert durchschaut hätte. Von Neumanns Theorie des Gehirns, der mathematischen Ökonomie und der künstlichen Intelligenz waren Betrügereien der gleichen Art.

Diese Überlegungen führten mich 1953 zu einer vorläufigen, allgemeinen Vorstellung davon, wie sich die Kompositionsprinzipien klassischer nichtbildender Kunst und der Naturwissenschaften voneinander unterscheiden und wo sie miteinander übereinstimmen. Beide zusammen genommen definieren eine nachweisbare Wissenschaft der physischen Ökonomie.

Die Zunahme der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der Menschheit verlangt eine entsprechende Quelle der Antientropie.9 Zunächst muß es eine spezifisch antientropische Eigenschaft lebender Prozesse im Unterschied zu unbelebten Prozessen geben. Zweitens muß es einen weiteren, spezifisch antientropischen Einfluß geben, der bei den niederen lebenden Gattungen fehlt, aber dem Menschen eigen ist. Die Wissenschaft der physischen Ökonomie dient dazu, jene Maßstäbe zu definieren, anhand derer eine Gesellschaft mit Erfolg politische Maßnahmen bestimmen kann, welche im Verlauf der kommenden Generationen insgesamt zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen führen können. Dazu reicht es nicht aus, daß solche Ideen nur durch Individuen entwickelt werden. Es muß eine Kommunikation solcher und anderer Ideen in der Gesellschaft stattfinden. Diese letztere Aufgabe hat vor allem zwei relativ klar unterschiedene Aspekte.

Erstens geht es um die Kommunikation spezifisch antientropischer Ideen unter Individuen, in dem Sinne, wie ich - und nicht Wiener - oben antientropisch definiert habe. Zweitens muß eine weitere Kategorie universeller Prinzipien entdeckt werden, die zwar normalerweise als physikalische Prinzipien gelten, sich aber auf die notwendige Ordnung gesellschaftlicher Prozesse beziehen.

Die Gesellschaft ist nicht nur eine Ansammlung individueller oder lokaler Aktivitäten. Eine moderne Volkswirtschaft beispielsweise ist eine Art "sozialer Organismus", wobei die wichtigsten Effekte von individuellen Aktionen unmittelbar auf die Wirtschaft als funktionell unteilbares Ganzes anstatt von einer Akkumulation lokaler Wirkungen herrühren. Dies bedeutet, daß die Mitglieder einer Gesellschaft ihre scheinbaren Interessen aus lokalen Erfahrungen weitgehend einer höheren Definition dieser lokalen Interessen unterordnen müssen, die von der Gesellschaft als Ganzer ausgeht, anstatt vom Partikulären zum Ganzen fortzuschreiten.

Es gibt verrückte Fanatiker, die alles deregulieren wollen und meinen, jeder Eingriff in ihre grotesken Vorstellungen sei nicht nur ein unrechtmäßiger Angriff auf ihr Individualrecht, sondern notwendigerweise schlecht für die Gesellschaft insgesamt. Diese verrückte Ansicht wird in Mandevilles Loblied auf das Böse, seiner Bienenfabel, in John Lockes Begriff des "Eigentums" und in Adam Smiths Theory of Moral Sentiments (1759) und seinem antiamerikanischen Traktat Der Reichtum der Nationen (1776) vertreten.

Tatsächlich wird in einer gesunden modernen Volkswirtschaft rund die Hälfte der Ausgaben dazu verwendet, jene grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur zu produzieren und zu erhalten, die von allgemeiner Bedeutung für die Wirtschaft jener Region und nicht nur für ein spezielles Unternehmen in dieser Region ist. Die Erzeugung und Verteilung von Strom, die Wasserversorgung, Verkehrssysteme, das Gesundheits- und Bildungssystem, städtische Einrichtungen etc. definieren insgesamt die Eigenschaften des Umfeldes, in dem sich individuelle Aktivitäten abspielen.

So haben beispielsweise zwei scheinbar gleichartige Fabriken, die in unterschiedlichen Umfeldern operieren, in ihrer physischen Produktivität charakteristische Unterschiede. Die Qualität der Stromerzeugung und -versorgung, der Entwicklungsgrad der Wasserressourcen etc. gehören zu den recht offensichtlichen Einflüssen. Man beachte außerdem die geringere Produktivität einer Fabrik, die in einer lediglich durch Autobahnen erschlossenen Region liegt, anstatt Zugang zu modernen Massenverkehrsmitteln für Passagiere und Fracht zu haben. Der Autobahnverkehr erzeugt inhärent höhere gesellschaftliche Kosten pro Kopf, und die Zeitverluste bei überwiegendem LKW-Transport auf den Autobahnen vervielfachen den Kostenfaktor - aus Gründen, wozu außerdem die erheblichen, wenn auch indirekten Effekte einer Verschlechterung der Qualität des Familienlebens gehören.

Die Entwicklung der Infrastruktur deckt sich mit dem Stand der Technologie, um die Geometrie der Gesellschaft und ihrer Gesamtwirtschaft zu definieren. Wenn man einige der funktionellen Elemente, welche die Gesellschaft als Ganze charakterisieren, hinzufügt oder wegläßt, bewirkt man eine Veränderung der Produktivität, die sich in der betroffenen Einzelfirma ausdrückt. Die Quelle dieser Veränderung liegt nicht in der Firma, sondern darin, wie sich die generelle wirtschaftliche Infrastruktur auf die Aktivitäten innerhalb dieser Firma auswirkt. Diese Beziehung zwischen Infrastruktur und Einzelunternehmen hat die Form einer Riemannschen Geometrie. Es genügt an dieser Stelle, eine kurze Erklärung hierfür einzuschalten.

Der Mensch im Universum

Das entscheidende Paradox, das sich bei der Anwendung fundamentaler physikalischer Prinzipien stellt, ist das folgende.

Wenn der Mensch ein universelles physikalisches Prinzip findet, wie z.B. Keplers Entdeckung der universellen Gravitation, deckt er ein schon zuvor existierendes Prinzip des Universums auf. Im allgemeinen geht es hierbei wohl um Prinzipien, die schon bestanden, bevor die Menschheit in Erscheinung trat. Wenn der Mensch ein solches Prinzip entdeckt und anwendet, um das Universum zu verändern, dann hat er kein absolut neues Prinzip in das Universum eingeführt, sondern es ist die durch den Willen der Menschheit als Entdecker hinzukommende neue Verwendung dieses schon zuvor existierenden Prinzips des Universums, welche das Universum verändert.

Man muß sich deshalb physikalische Geometrien des Universums etwa wie folgt vorstellen.

Die unmittelbare physikalische Geometrie, auf die wir uns hier beziehen, ist in erster Annäherung das Universum, das durch eine Reihe von Prinzipien bestimmt ist, deren Wirkung wir kennen. Wenn das Universum m Prinzipien enthält, dann kennen wir hiervon nur einen Teil, nämlich n Prinzipien. Kann der Mensch die Zahl der Prinzipien verändern, die m entsprechen? Wenn der Mensch ein entdecktes universelles physikalisches Prinzip anwendet, wie z.B. die kontrollierte Kernspaltung oder Kernfusion, ändert er damit das Universum; dieser Effekt entsteht nicht dadurch, daß die Existenz dieses Prinzips entdeckt wird, sondern indem der Mensch dieses Prinzip bewußt anwendet, um neue grundlegende Daseinszustände im Universum zu erzeugen, Wirkungen einer Art, wie sie vor diesem willentlichen Akt des Menschen nicht existierten. Neue Elemente und Isotope sind hierfür nur ein typisches Beispiel. Ließen sich Materie-Antimaterie-Reaktionen kontrollieren, die wir bisher nur experimentell definieren können, wäre dies überwältigend. Dieser scheinbar paradoxe Effekt ist der intellektuell wohl herausforderndste Ausdruck der schöpferischen Natur des Menschen.

Stets kann eine Änderung in jenen Bereichen unserer physikalischen Raumzeit-Geometrie, die für die gegenwärtige Funktionsweise der Gesellschaft von mehr oder weniger unmittelbarer Bedeutung sind, auch einen Wandel hervorrufen, wie die normalen Dinge in den einzelnen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens verlaufen. Insgesamt vergrößert sich die Macht des Menschen über die Natur, und die Fähigkeit der Menschen, positive Wirkungen zu erzielen, wird beschleunigt. Das Tempo von Prozessen kann sich hinsichtlich bestimmter, wichtiger Funktionen des täglichen Lebens und der Wirtschaft insgesamt beschleunigen oder verlangsamen. In der Beziehung zwischen den physikalischen Geometrien des gesamten Umfelds, in dem wir leben, und dem relativen Wert von Raum und Zeit unserer Aktionen liegt die eigentliche praktische Bedeutung von Relativität.

Es ergibt sich also folgendes Bild. Die Quelle zunehmender produktiver Arbeitskraft ist einerseits die Schöpferkraft des Individuums, insbesondere des produktiven Individuums wie z.B. des Wissenschaftlers, des Erfinders, des unternehmerischen Landwirts, Herstellers, etc. Aber die Erhöhung der produktiven Arbeitskraft ist nicht auf das beschränkt, was sich unmittelbar am "Produktionsort" abspielt. Durch eine Verbesserung der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur läßt sich die Produktivität einzelner Unternehmen innerhalb der Gesellschaft sogar dann vergrößern, wenn im inneren Ablauf dieser Unternehmen als solcher gar keine auffälligen Veränderungen stattfinden. Fassen wir die verschiedenen damit implizierten Argumente zusammen: Die physikalische Geometrie der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur, in die die einzelnen Unternehmen einer Gesellschaft eingebunden sind, ist die Grenzbedingung, welche das generelle Produktivitätsniveau bestimmt, das in den einzelnen Teilen dieser Gesellschaft erreicht werden kann. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Grundinfrastruktur repräsentiert also die primären "Materialkosten" einer Gesellschaft als Ganzer. Wenn die Kosten dieser Infrastruktur nicht voll aufgebracht werden, kollabiert die Produktivität dieser Gesellschaft drastisch.

Wenden wir uns von diesem Gesichtspunkt wieder dem Problem der Kommunikation zu.

Was jene Eigenschaften angeht, die das menschliche Individuum von allen niederen Lebensformen unterscheiden, ist der menschliche Geist der höchstentwickelte Entwurf, den wir kennen. Sobald man von relativ simplistischen Erklärungen der "menschlichen Natur" auszugehen versucht, liegt man nicht nur falsch, sondern man wird zu einem wahrscheinlich gefährlichen Wirrkopf und Pfuscher. Die "Struktur" des Beziehungssystems, das der soziale Prozeß darstellt, stellt von allen Fragestellungen, die sich die Wissenschaft zur Untersuchung vorlegen kann, die größte Herausforderung dar. Platons Dialoge bieten uns einen Kern grundlegender Einsichten in diese Prozesse. Im Kontext des vorliegenden Aufsatzes können wir uns in dieser Hinsicht darauf beschränken, zu diesem Thema nur folgendes zu sagen.

Der menschliche Geist zeichnet sich dadurch aus, was durch das platonische Prinzip der Hypothese dargestellt wird. Dieses Prinzip der Hypothese, welches das Fundament der klassischen Kunstkomposition wie auch der Naturwissenschaften bildet, ist der Schlüssel dafür, den Menschen von allen niederen Lebensformen zu unterscheiden, und ist nach unserem Wissen das Prinzip, aus dem alle übrigen Merkmale gesellschaftlicher Prozesse abgeleitet werden müssen. In der bekannten menschlichen Kulturgeschichte sind somit jene Bereiche der Kommunikation, die das Attribut einer klassischen Kunstkomposition tragen, jenes beispielhafte Mittel, mit denen es den aufeinanderfolgenden Generationen gelingt, spezifisch menschliche Wissensformen nicht nur innerhalb ihrer zeitgenössischen Gesellschaft, sondern über eine Generationenspanne von Tausenden von Jahren zu vermitteln.

Die Entwicklung und Realisierung von Entdeckungen in den Naturwissenschaften fügen sich also mit den Aspekten der Kultur, welche den klassischen Kompositionsprinzipien der Kunst entsprechen, zusammen, um eine höhere und breitere Arbeitsdefinition der Naturwissenschaft zu schaffen. Wie die Geschichte der Legenden und klassischen Tragödien von Homer bis Schiller und Beethoven sowie die Überreste alter vedischer Kalender zeigen, bieten uns Betrachtungen dieser Art einen Überblick darüber, was wir als "platonische Ideen" bezeichnen könnten - Ideen, die dem Prinzip der Hypothese entsprechen, von dem sowohl die sogenannten Naturwissenschaften als auch die klassischen Kompositionen in der Kunst vollkommen abhängen.

Alle diese Elemente des Wissens reichen jedoch nicht aus, um uns ein klares, grundlegendes Bild des menschlichen Individuums zu vermitteln. Das entscheidende Wort hierbei ist "Unsterblichkeit". Eine Gattung mag als Gattung relativ unsterblich sein, aber nur der Mensch ist als Individuum unsterblich. Das Problem mit dem Wort "unsterblich" beginnt dann, wenn wir den Begriff der spezifischen Unsterblichkeit des Menschen axiomatisch im biologischen Individuum lokalisieren wollen. Der folgende Punkt ist hierbei zu bedenken.

Stellen Sie sich, um das Argument zu bündeln, bestimmte große, wissenschaftliche Entdeckungen vor. Wählen wir Entdeckungen, deren Entdecker uns namentlich bekannt sind, wie z.B. Pythagoras, Platon, Archimedes, Eratosthenes usw. Wir kennen diese Personen eigentlich erst dann, wenn wir ihren Entdeckungsakt im eigenen Geist repliziert haben und wenn wir diese innere Erfahrung des Entdeckens wiederum an andere weitergeben, die nach uns kommen werden. Diese Personifizierung großer Entdeckungen universeller physikalischer Prinzipien ist keineswegs eine Phantasie. Man denke an ein beliebiges experimentell bestätigtes, universelles physikalisches Prinzip. Dieses Prinzip wirkt wie ein Herbartsches Prinzip, als eine Individualität jener Form, die Herbart und Riemann als Geistesmasse bezeichnen. Wird Wissenschaft richtig praktiziert, gibt es eine Übereinstimmung zwischen der Persönlichkeit des Entdeckers und der Quasipersönlichkeit des entdeckten Prinzips. Man muß sich das Prinzip als eine Form der Persönlichkeit vorstellen: Ein Gegenstand, der uns durch den souveränen kognitiven (noetischen) Akt eines Entdeckers zur Kenntnis gebracht wurde.

Die Kreativität des Individuums - des individuellen Entdeckers wie auch derjenigen, die seinen Entdeckungsakt replizieren - ist die wesentliche Auszeichnung des individuellen Menschen, und sie verbindet die unsterbliche Qualität der Persönlichkeit mit dem entdeckten Prinzip selbst.

In dem Maße also, wie jemand ein durchgängiger Reduktionist ist, ist er oder sie, geistig gesehen, praktisch tot - oder schlimmeres.

Das Gefühl, Teil der Menschheit als Ganzer zu sein, ein Gefühl, das uns nur durch unsere Rolle in einem fortschreitenden sozialen und noetischen Prozeß zugänglich ist, ist die eigentliche Quelle einer gesunden Leidenschaft für die Wissenschaft und für die Erschaffung und Aufführung klassischer Kompositionen der Kunst. In diesem Gefühl für die Rolle der Wissenschaft und der klassischen Kunst liegt die einzig wahre persönliche Moral einer Person. Das ist es, was Sokrates und der Apostel Paulus als Agape bezeichneten, was auch soviel wie "das Gemeinwohl" bedeutet. Nur wenn man seine Identität auf diese Weise lokalisiert und seine Wünsche nicht innerhalb der Grenzen unserer sterblichen biologischen Existenz sucht, kann man Glück in dem Sinne finden, was Leibniz unter dem Begriff des Strebens nach Glückseligkeit versteht.

Die Förderung dieses Gefühls für die wahre Bedeutung von Glück und somit der Absicht, die der Gründung der unabhängigen amerikanischen Republik zugrundelag, ist die eigentliche, außerordentliche, buchstäblich einzigartige Größe und beispielhafte Tugend dieser unter der geistigen Führung Benjamin Franklins und vor ihm Cotton Mathers gegründeten Republik. Diese Art Leidenschaft, die in der Wahl unserer Werke und Handlungen zum Tragen kommt, drückt sich in dem aus, was Friedrich Schiller als das Erhabene bezeichnet, jene Qualität, die ein sich selbst gerichteter Hamlet in Shakespeares Monolog des 3. Aktes fürchtet, der aufgrund dieser Furcht nicht nur seinen eigenen sinnlosen Tod, sondern darüber hinaus auch den seiner Nation herbeiführt.

Nur ein Narr strebt nach Belohnungen oder vermeidet auch nur Strafen. Der Weise, von denen es in unserer heutigen Gesellschaft zugegebenermaßen nur wenige gibt, strebt nach der ewigen Glückseligkeit, wie sie Leibniz definierte. Dieses Streben ist seine Leidenschaft, die Kraft, die ihn oder sie antreibt, für die Menschheit zu entdecken oder zu handeln.

In dieser Stimmigkeit sokratischen Denkens, des Erhabenen, mit der Wissenschaft, wie sie Platon implizit als das Aufstellen von Hypothesen definiert, und mit der Liebe zur Menschheit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, drückt sich jene wunderschöne Leidenschaft aus, welche zu den größten Taten anregt. Genau hier liegt die Leidenschaft für die Wissenschaft, die dem Reduktionisten fehlt. Der Haß der Reduktionisten auf das, was ihnen fehlt, ist der Schlüssel zum Verständnis des Bösen in Newton und von Eulers Angriffen auf Leibniz. Wenn wir das verstehen, sind wir in der Lage, mit Freude das zu tun, was wir tun müssen, ohne Rücksicht auf Furcht oder Vergünstigungen. Wie unter anderem auch der wahre Wissenschaftler.


Anmerkungen

3. Siehe Lyndon H. LaRouche, Jr., The Economics of the Noosphere, EIR News Service, Washington, D.C., 2001.

4. Georg Cantor, Beiträge zur Begründung der transfiniten Mengenlehre, 1897. Unter der Wirkung der brutalen, von Leopold Kronecker angeführten inquisitorischen Angriffe auf ihn verfiel Georg Cantor, der Mitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts brillante Arbeiten verfaßte, in Anfälle von Wahnsinn, in deren Mittelpunkt der peinliche Versuch stand, Papst Leo XIII. zur Übernahme der Methoden Newtons zu veranlassen. Der Theosoph Rudolf Steiner und Bertrand Russell spielten eine typische, pathogene Rolle bei der Förderung dieses problematischen Verhaltens. Aber abgesehen von der Bedeutung seiner Grundlagen und der ergänzenden Korrespondenz zu diesem Thema Ende der achtziger Jahre hatte Cantor eine zutiefst humanistische Seite, die er auf seinen Vorfahren Josef Böhm, der an der Uraufführung der späten Streichquartette Beethovens beteiligt war, und auf die Methode der Böhmschen Geigenschule zurückführte, die Cantor als Amateur beherrschte.

5. Jonathan Swift beschreibt die seltsamen Vorstellungen über die Welt, die im Land Laputa vorherrschen, im 3. Kapitel des 3. Teils von Gullivers Reisen.

6. "Bekanntlich setzt die Geometrie sowohl den Begriff des Raumes, als die ersten Grundbegriffe für die Constructionen im Raume als etwas Gegebenes voraus. Sie gibt von ihnen nur Nominaldefinitionen, während die wesentlichen Bestimmungen in Form von Axiomen auftreten. Das Verhältnis dieser Voraussetzungen bleibt dabei im Dunkeln; man sieht weder ein, ob und in wie weit ihre Verbindung nothwendig, noch a priori, ob sie möglich ist.

Diese Dunkelheit wurde auch von Euklid bis auf Legendre, um den berühmtesten neueren Bearbeiter der Geometrie zu nennen, weder von den Mathematikern, noch von den Philosophen, welche sich damit beschäftigten, gehoben..." Bernhard Riemann, Gesammelte Werke, Hrsg. v. H. Weber, Dover Publications reprint, New York, 1953, S. 272-273.

7. Wie ich schon Anfang 1984 in einer halbstündigen nationalen Fernsehsendung aufgezeigt habe, hatten das Federal-Reserve-System und die US-Regierung vor Ende 1983 angefangen, in ihren offiziellen Berichten über den Zustand der Volkswirtschaft einen monströsen Betrug zu verüben. Dieser Betrug wurde als "Qualitätsanpassungsindex" bezeichnet und wird manchmal als "hedonischer Index" beschrieben, ein Begriff, der sich von der 1789 veröffentlichten Schrift Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung des Utilitaristen Jeremy Bentham von der britischen Ostindiengesellschaft ableitet. Aus der Feder des gleichen Bentham stammt auch die ähnliche, noch schlimmere Schrift Zur Verteidigung des Wuchers. Seit 1983 wurden sämtliche offiziellen Berichte der Vereinigten Staaten über die Inflation und das Wirtschaftswachstum in immer gigantischerem Umfang "frisiert", was sich an dem anhaltenden Fall des relativen physischen Lebensstandards seit 1977 - gemessen am Warenkorb der 80% der amerikanischen Familien mit geringeren Einkommen - zeigt.

8. D.h. der Schöpfer hat seine Macht, das Universum zu verändern, nicht verloren, indem er es geschaffen hat. Man beachte in dieser Hinsicht die Bedeutung des deutschen Erziehers Herbart für Riemann und später für Cantor. Was immer als gültiges und universelles physikalisches Prinzip erkannt wird, ist definitiv ein Objekt. Zum Begriff der "Geistesmasse" siehe Riemann, Werke, "Zur Psychologie und Metaphysik, S. 509-520. Dieser Herbartsche ontologische Aspekt der Werke von Riemann und Cantor war für mich in den Jahren 1952-1953 von wesentlicher Bedeutung.

9. Der Begriff "Antientropie" entspricht formal und funktionell dem Begriff "antieuklidisch". Das Konzept ist von jener Art, die mit den klassischen Paradoxen der Verdoppelung der Linie, des Quadrats und des Würfels in der pythagoreischen Form der voreuklidischen konstruktiven Geometrie verbunden ist. Die schattenhafte Wirkung solcher Prozeduren bei der Definition relativ höherer Existenzformen kann man in der Algebra beschreiben, aber der Prozeß der Generation solcher Resultate gehört, wie die Lösung des Archytas für die Verdoppelung des Würfels zeigt, vollständig der Domäne der konstruktiven Geometrie an. Auch hier darf der Begriff der antieuklidischen Geometrie nicht mit dem einer nur nichteuklidischen Geometrie verwechselt werden.