Aus der Neuen Solidarität Nr. 48/97:


Terrorismus made in London


Zahllose internationale Proteste
Die Gesetzeslage

Islamische und jüdische Provokateure

Nach dem Anschlag von Luxor stehen "islamische" Terrorgruppen erneut weltweit im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eigentlich wäre jedoch der Begriff "von Großbritannien aus operierende" Terrorgruppen in den meisten Fällen zutreffender. Betrachten wir z.B. die Liste der terroristischen Organisationen, die die amerikanische Regierung am 8. Oktober veröffentlichte. Darin sind 30 Organisationen aufgeführt, denen auf dem Boden der USA alle Aktivitäten (z.B. Spendensammeln) verboten sind. Von diesen 30 Gruppen haben zehn in London ihr Hauptquartier, weitere 15 unterhalten dort wichtige logistische Operationen wie Zeitungen, Büros mit Faxgeräten, usw. Das schließt alle 15 Terrorgruppen des Nahen Ostens auf der Liste ein, die für Morde an mehreren tausend Zivilisten verantwortlich sind.

Diese zahlreichen Terroristen kann die britische Führung in vielen Regionen der Welt einsetzen, um damit ihre geopolitischen Ziele zu befördern; das gilt ganz besonders für den Nahen Osten. Das drohende Kriegsszenario für den Nahen Osten (siehe Kommentar auf Seite 2) kann ohne den Einsatz brutaler Terroranschläge britisch gesteuerter Gruppen - nämlich nominell "islamische" oder "arabische" Fanatiker auf der einen, "jüdische" Extremisten auf der anderen Seite - nicht entfaltet werden. Diese Praxis hat im Britischen Empire eine lange Tradition: Man unterstützt in den verschiedenen Konflikten die extremsten Kräfte auf allen Seiten, und wenn keine solchen Kräfte existieren, schafft man sie sich.

Zahllose internationale Proteste

Daß London Terroristen Unterschlupf und Unterstützung gewährt, ist in der Welt nicht unbemerkt geblieben. Mindestens zehn Regierungen haben sich in den letzten Jahren offiziell bei der britischen Führung darüber beschwert, u.a. Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, die Türkei und Israel unter der früheren Regierung Peres. Wir greifen einige wichtige Beispiele heraus:

Die Gesetzeslage

Schutz und Lenkung von Terroristen ist offizielle britische Politik - man gibt sich nicht einmal große Mühe, dies zu verbergen. Am 14. Februar ist ein Gesetzentwurf im zuständigen Parlamentsausschuß gescheitert, der zum ersten Mal in der britischen Geschichte die Vorbereitung von Terroranschlägen im Ausland von britischem Boden aus als Verbrechen einstufte. Die Vorlage hatte der konservative Abgeordnete Nigel Waterson am 25. Januar eingebracht, nachdem sich Saudi-Arabien heftig darüber beschwert hatte, daß England den Terroristenchef Mohammed al-Masri bei sich aufnahm; al-Masri hatte zusammen mit seinem Londoner Förderer Osama bin Laden in der BBC die Verantwortung für zwei Bombenanschläge auf US-Militärbasen in Saudi-Arabien 1995 und 1996 übernommen, bei denen über 20 Amerikaner starben. Beide großen britischen Parteien waren gegen das Gesetz. Die Regierung Major stützte den Antrag ihres Parteifreundes nicht, und der Labour-Abgeordnete George Galloway kämpfte mit Unterstützung seiner Partei erfolgreich gegen das Gesetz. Galloway ist ein Zögling Lord Aveburys, einem der wichtigsten Förderer des Terrorismus im heutigen Großbritannien.

Galloways Rede im Parlament zu dem Gesetzesvorschlag macht deutlich, daß das Gesetz scheiterte, weil die britische Krone den Terrorismus schützt und fördert, um ihn für ihre geopolitischen Zwecke zu nutzen:

Galloways politischer Mentor Lord Avebury hatte 1995 gegenüber einem EIR-Reporter erklärt, die Aktionen der Terrorgruppen, die von der britischen Regierung unterstützt werden, würden zur Spaltung und Zerstörung bestimmter Nationen führen.

Islamische und jüdische Provokateure

Das Klima für einen neuen großen Nahostkrieg läßt sich nur erzeugen, wenn Hamas, Islamischer Dschihad oder Hisbollah Massaker an Israelis begehen und jüdische Siedler gewaltsam gegen Palästinenser vorgehen. Alle Seiten werden hier von London kontrolliert und arbeiten heimlich auch untereinander zusammen. (Was wir über die folgenden Gruppen schreiben, trifft ähnlich auch auf die meisten wichtigen Terrorgruppen der Welt zu, von der Kurdischen Arbeiterpartei PKK über die Jammu- und Kaschmir-Befreiungsfront bis hin zu den Tamilen-Tigern.)

Hamas (auch: Islamische Widerstandsbewegung). Die Hamas wurde 1987 als islamistische Fraktion innerhalb der Palästinenserbewegung gegründet. Sie entwickelte sich aus Netzwerken des britischen Generals John Bagot Glubb Pascha, der jahrzehntelang von Jordanien aus die Arabische Legion führte und unter dem Vorwand der Bekämpfung kommunistischer Infiltration im ganzen Nahen Osten aufständische islamische Gruppen organisierte und lenkte. Das zweite Hauptquartier der Hamas neben den Palästinensergebieten ist London. Dort residiert der extremste Flügel der Organisation, die Izeddin al Kazzam, und dort wird auch die Monatszeitschrift der Hamas Filistee al-Muslima herausgegeben. Anfang 1996 wurde in dem Blatt ein fatwa (religiöser Befehl) ausgegeben, der Selbstmordattentate auf israelische Zivilisten forderte, worauf im Februar und März 1996 die Anschläge der Hamas und des Islamischen Dschihad auf israelische Busse folgten. Das Hamas-Magazin schrieb, Hauptangriffsziel sei die Regierung der israelischen Arbeitspartei, und tatsächlich wurde diese wenig später durch Netanjahu abgelöst.

Die Anschläge von Hamas und Islamischem Dschihad im Juli 1997 lieferten Netanjahu den Vorwand, den Osloer Friedensvertrag für tot zu erklären. Nachdem das israelische Attentat auf den Hamas-Führer in Jordanien Khalid Mashaal gescheitert war, wurden der Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin und über 50 seiner Anhänger aus israelischen Gefängnissen entlassen, und Popularität und Macht der Gruppe sind zu Lasten Arafats massiv gestiegen.

Islamische Gruppe (al-Jamaa al-Islamiyya). Die Islamische Gruppe hat die Verantwortung für den Terroranschlag von Luxor übernommen. Auch sie hat ihr Hauptquartier in London. Zwei Führer der Gruppe, Abdel Abdul Madschid und Abdel Tawfiq al Sirri (Jassir al-Serri), wurden in Ägypten in Abwesenheit wegen Mordes verurteilt, leben aber ungehindert in London, sammeln dort Spenden und planen Terrorakte. Ägyptische Proteste bei der britischen Regierung blieben bisher erfolglos. Während die in Ägypten einsitzende Führung der Islamischen Gruppe öffentlich der Gewalt abgeschworen hat, tut die Londoner Zentrale das Gegenteil und schwört, den gewaltsamen Kampf weiterzuführen.

Bewaffnete Islamische Gruppe - GIA. Seit 1992 führt die GIA einen Terrorkrieg in Algerien und in Frankreich, dem Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Der wöchentliche Nachrichtenbrief der Gruppe Al Ansar wird in London verfaßt und gedruckt, und zwar von Terroristen, die in Algerien in Abwesenheit verurteilt wurden und dennoch eine britische Aufenthaltsgenehmigung besitzen.

Tempelberg-Sekte. Auch auf der "jüdischen" Seite hat London die Fäden in der Hand. Besonders seit der Besetzung Ostjerusalems und der Westbank 1967 lenkt die britische Monarchie u.a. über die Quatuor Coronati-Freimaurerloge der Vereinigten Großloge Englands etliche extreme jüdische Sekten, die einen großen Religionskrieg anzetteln wollen. Diese Gruppen wollen die Heiligen Stätten auf dem Haram al Scharif, dem Tempelberg in Jerusalem, zerstören, um dann anschließend dort den Tempel Salomons (der einer Legende nach von den ersten Freimaurern errichtet wurde) neu aufzubauen. Sekten, die zu diesem Zweck neu gegründet wurden, sind u.a. die Jeschiva Ateret Cohanim, Gusch Emunim und Iyal, deren Mitglied Jigal Amir am 4. November Ministerpräsident Jitzhak Rabin während einer Friedenskundgebung ermordete. Hinzu kommen die Jewish Defense League und die Kach-Partei von Rabbi Meir Kahane.

Auf englischer Seite waren im Hintergrund an der Leitung dieses "Sektenprojekts" insbesondere Lord Harlech, Lord Peter Carrington und die Interessen um den britisch-kanadischen Medienkonzern Hollinger beteiligt, der u.a. den Londoner Daily Telegraph und die Jerusalem Post herausbringt. Für die Finanzierung werden Unterweltfiguren herangezogen, so etwa die Spielkasino-Betreiber Cyril Stein in England und Irving Moskowitz in Kalifornien; letzterer ist nicht nur der Hauptgeldgeber der Extremistengruppen, sondern auch Netanjahus.

Starke Unterstützung erhalten diese Gruppen von evangelischen "christlichen" Sekten in Commonwealth-Ländern und in den USA, z.B. dem Fernsehprediger Pat Robertson, und deren politischen Verbündeten im US-Kongreß wie den Senatoren Jesse Helms und Al D'Amato. Obwohl sie im allgemeinen Moslems extrem feindlich gegenüberstehen, arbeiten die Tempelberg-Sekten mit Hamas und Islamischem Dschihad aus gemeinsamer Opposition gegen den Friedensprozeß zusammen. Der Iyal-Führer Avishai Raviv, der die Haßkampagne gegen Rabin organisierte und Amir den Mord befahl, koordinierte laut israelischen Presseberichten Aktionen mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad.

Am 13. Oktober flog ein jüdischer Waffenschmuggelring aus Kiryat Arba auf, einer Siedlung der Tempelberg-Sekten. Die Bande hatte über 50 kg Sprengstoff an zwei Palästinenser verkauft, die den größten Einkaufsboulevard Tel Avivs in die Luft sprengen wollten. Hätten die beiden damit Erfolg gehabt, so wären unzählige israelische Zivilisten umgekommen und Netanjahu hätte im Fernsehen neue "Militäraktionen gegen Terrorismus" angekündigt. So funktioniert das britische Nahost-Kriegsszenario.

Joseph Brewda