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Aus der Neuen Solidarität Nr. 47-48/1998

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Eurasische Landbrücke: Helga Zepp-LaRouche erneut in China


Nanjing und Lianyungang

Vom 27. Oktober bis zum 1. November war die Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche Ehrengast und Hauptrednerin eines außergewöhnlichen sechstägigen "Reisesymposiums" über die Eurasische Landbrücke, das nacheinander in vier chinesischen Städten stattfand. Das Symposium wurde von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Zusammenarbeit mit den Provinzregierungen von Jiangsu und Hebei ausgerichtet. Neben der Delegation des Schiller-Instituts, die Deutschland vertrat, waren Rußland, Korea, Japan, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Holland vertreten. Um "vor Ort" Projekte der Landbrücke und Chinas wirtschaftlicher Entwicklung zu begutachten, reisten die Teilnehmer des Symposiums von Beijing (Peking) in die Städte Nanjing, Lianyungang und Qinhuangdao.

Die Einladung und der herzliche Empfang, den Frau Zepp-LaRouche in China erfuhr, ist Ausdruck des wachsenden Ansehens, das Helga und Lyndon LaRouche sowie das Schiller-Institut im Ausland genießen. LaRouche ist unter den chinesischen Ökonomen und Regierungskreisen als buchstäblich einzige internationale Persönlichkeit geachtet, die nicht nur die asiatische und globale Finanzkrise vorhergesehen, sondern auch einen Ausweg aufgezeigt hat. Helga Zepp-LaRouche gilt als bekannte internationale Fürsprecherin der Entwicklungspolitik der Eurasischen Landbrücke - in Amerikas Chinatowns nennt man sie längst die "Seidenstraßen-Lady" - , und man hat in Beijing nicht vergessen, wie sie bei ihrem China-Besuch 1997 frühzeitig vor dem Finanzkollaps in Südostasien und Japan gewarnt hatte. Dies gab ihrem neuen Besuch in China innerhalb der gegenwärtigen historischen weltstrategischen Lage besonderes Gewicht.

An der Haupttagung des Landbrückensymposiums in der Konferenzhalle der Akademie der Sozialwissenschaften in Beijing beteiligten sich Vertreter des chinesischen Staatsrates, des Ministeriums für Außenwirtschaft und -handel, des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie, der staatlichen Planungsbehörde sowie führende Vertreter der Akademie-Institute für Wirtschaft, Finanzen, Osteuropa, Rußland und Zentralasien-Studien wie auch Repräsentanten der Provinzen Jiangsu und Hebei. Nach der Eröffnungszeremonie und den Ansprachen des Direktors des Instituts für Fernoststudien der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Bürgermeisters der Hafenstadt Lianyungang, Xia Geng, hielt Helga Zepp-LaRouche die Hauptrede (siehe Seite 3).

Nach der ersten Sitzungsrunde wurde Zepp-LaRouche mit den anderen ausländischen Gästen in der Großen Halle des Volkes von Cheng Siwei, Mitglied der chinesischen Zentralregierung, empfangen, wo es einen Meinungsaustausch über Chinas Entwicklungspolitik und die innere Lage Chinas gab. Anschließend flog die Delegation nach dem historischen Nanjing, Hauptstadt der Provinz Jiangsu und wichtigstes Industriezentrum am Jangtse, wo die nächste Sitzung des Symposiums stattfand.

Nanjing und Lianyungang

An der Tagung in Nanjing nahmen neben den ausländischen Delegationen und den Vertretern der chinesischen Akademie mehr als 60 Repräsentanten der Provinzverwaltung, Ökonomen und Industriemanager teil; auch Regionalfernsehen und Presse waren anwesend. Hier hielt der wissenschaftliche Berater des Schiller-Instituts Dr. Jonathan Tennenbaum eine Rede zum Thema "Ein projektorientierter Ansatz für internationale Wirtschaftsbeziehungen". Tennenbaum stellte als Alternative zum derzeit kollabierenden britischen "Freihandelssystem" das "Amerikanische System" vor, das staatlich geförderte Großprojekte in Infrastruktur und Wissenschaft vorsieht. Er forderte eine enge internationale Zusammenarbeit, um die eurasischen Infrastrukturkorridore zu entwickeln, Kernkraftwerke in Serie zu fertigen und "Modellstädte" entlang der Landbrücke zu errichten. Dabei betonte er die entscheidende Bedeutung von Lyndon LaRouches sog. "Werkzeugmaschinenbau-Prinzip" insbesondere bei der Kooperation zwischen Industrieländern (einschließlich Rußlands) und Entwicklungsländern, und er umriß, wie die Methode Hamiltonischer Kreditschöpfung die Mittel für eine langfristige Entwicklung der realen physikalischen Wirtschaft erzeugt.

Am Ende der Konferenzrunde wurden die Gäste mit einem Mittagsbankett durch den Vizegouverneur der Provinz Jiangsu geehrt. Dem schloß sich ein eindrucksvoller Besuch am Grab des Führers der bürgerlichen Revolution Chinas, Dr. Sun Zhong Shan (Sun Yat-sen), an.

Von dort aus legten die Konferenzteilnehmer auf dem Landweg 300 km zur berühmten Hafenstadt Lianyungang zurück, dem "östlichen Endpunkt der Eurasischen Landbrücke". Schon Sun Yat-sen hatte im Rahmen seines großen Infrastruktur-Entwicklungsplans diesen Ort als Standort für einen "Östlichen Großhafen" ausersehen. Lianyungang, das sich heute rasch ausdehnt, bildet den Endpunkt der 10900km langen Eisenbahnstrecke, welche die Ostküste Chinas über Zentral- und Nordwestchina, Kasachstan, Rußland, Polen und Deutschland mit dem holländischen Nordseehafen Rotterdam verbindet. Helga Zepp-LaRouche gab in Lianyungang direkt am Denkmal des "östlichen Endpunkts der Eurasischen Landbrücke" ein Fernsehinterview.

Nach Vorträgen über die Geschichte Lianyungangs und die Zukunftsplanungen der Stadt sowie einer Besichtigung des Containerhafens besuchte die Konferenzdelegation zwei moderne Fabriken im Industriegebiet und die Baustelle des dort entstehenden Kernkraftwerks. Dieses Kraftwerk, ein russisch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt, wird nach seiner Fertigstellung das größte Kernkraftwerk Chinas sein. Der erste Reaktorblock von 1000MWe soll 2004 ans Netz gehen; drei weitere Blöcke sollen dann rasch folgen. Die Delegation der Landbrückenkonferenz wurde vom chinesischen Projektleiter inmitten der Bulldozer und Lastwagen begrüßt, die hier Tag und Nacht im Einsatz sind.

Letzter Veranstaltungsort des Landbrückensymposiums war die Hafenstadt Qinhuangdao, die nordöstlich Beijings am Golf von Chilhi gelegen ist. Die Stadtväter der heute zweitgrößten Hafenstadt Chinas verfolgen für das 21. Jahrhundert ehrgeizige Pläne. Sie wollen Qinhuangdao zum "doppelten Brückenkopf" ausbauen, der die sibirische Landbrücke (die Verbindung zwischen Europa und Asien durch die Transsibirische Eisenbahn) mit der neuen Eurasischen Landbrücke über Zentralwest- und Zentralchina verbindet.

Zu den Konferenzrednern gehörten hier der Bürgermeister der Stadt, einer der stellvertretenden Gouverneure der Provinz Hebei und der Direktor der Hafenbehörde von Qinhuangdao sowie Mary Burdman von Schiller-Institut. Burdman legte dar, warum Europa die Errichtung der Landbrücke braucht, indem sie die derzeitige politische und wirtschaftliche Krise in Europa beschrieb. U.a. ging sie auf die in China wenig bekannten Hintergründe des Maastrichter Vertrages und der Währungsunion ein, die von Thatcher, Bush und Mitterrand bewußt durchgesetzt wurde, um eine eurasische Entwicklungsperspektive zu zerstören, in der dem wiedervereinigten Deutschland eine zentrale Rolle zugekommen wäre.

Diese Rede war ein geeignetes "Gegengift" gegen die Desinformation und "heiße Luft", die Tony Blair und andere Chinareisende aus Europa in der jüngsten Zeit verbreitet hatten, als sie den Euro und den sog. "dritten Weg" als Lösungen für die Weltfinanzkrise vorlegten. Wie der Hafendirektor ausführte, bekommt China bereits jetzt ernsthafte Folgen der Asienkrise zu spüren; so gingen die Einkünfte des Hafens vor allem wegen des Wirtschaftseinbruchs in Südkorea deutlich zurück.

Dr. Jonathan Tennenbaum

 

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