Aus der Neuen Solidarität Nr. 22/1999:


LaRouches Ideen in der Duma gewürdigt

Auf Einladung des Parlamentsausschusses für Geopolitik und des Clubs für die öffentliche Unterstützung der Duma fand am 24. Mai in der Moskauer Staatsduma ein Seminar über das Werk des amerikanischen Staatsmanns Lyndon LaRouches zur Rolle des Nationalstaates im 21. Jahrhundert statt. Die Teilnehmerschaft setzte sich aus Wissenschaftlern, anderen Experten sowie Mitarbeitern und Beratern von Dumaabgeordneten zusammen.

Der Präsident des Schiller-Instituts für Kultur und Wissenschaft in Moskau, Prof. Taras W. Muraniwskij, war eingeladen worden, in einem längeren Beitrag LaRouche als Staatsmann und Wissenschaftler sowie dessen Beiträge etwa im Bereich der physikalischen Wirtschaftslehre vorzustellen. Wegen der aktuellen Lage ging Muraniwskij ausführlich auf die "LaRouche-Doktrin" ein, worin der amerikanische Präsidentschaftskandidat Anfang Mai seine Analyse des Balkankriegs und der amerikanischen Politik dargelegt hatte. Auch andere Schriften LaRouches wurden den Teilnehmern in schriftlicher Form zugänglich gemacht.

In einem anschließenden Beitrag wurde die Rolle des Nationalstaates und die Notwendigkeit der Wiederherstellung der Souveränität, wie sie LaRouche fordert, erörtert. Der Redner, Sergej Smirnow, wandte sich gegen souveränitätsbeschneidende supranationale Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds und forderte den Bau eines neuen Systems unabhängiger Staaten.

Der Chefredakteur des internationalen Journals Attacke Sergej Scharikow analysierte dann anhand der gegenwärtigen Lage sowie der Geschichte dieses Jahrhunderts die Politik Großbritanniens. So wie London Hitlers Machtergreifung damals gefördert habe, um die eigenen Interessen zu wahren, so operiere England in der gegenwärtigen Lage über Personen wie US-Vizepräsident Albert Gore und US-Außenministerin Albright. Scharikow verglich Gores versuchte Machtergreifung über das Impeachment-Verfahren gegen Clinton mit der legalen Machtergreifung Hitlers und betonte, daß in den Geschichtsbüchern der historisch korrekten Sichtweise LaRouches nicht genügend Rechnung getragen werde.

Der Schriftsteller und Musikkritiker Wladimir Marotschkin beschrieb anschließend LaRouches Kritik an der Rock-Drogen-Sex-Gegenkultur und unterstrich die Notwendigkeit der klassischen Erziehung für den Staat. Die negativen Auswirkungen der Gegenkultur auf den menschlichen Organismus wurden in einem späteren Beitrag von dem Psychologen Prof. Wladimir Kitajew-Smyk erhellt. Wissenschaftliche Experimente hätten nachgewiesen, daß z.B. durch Rockmusik der natürliche Rhythmus des menschlichen Organismus gestört werde.

Andrej Ignatjew, Sozialwissenschaftler und Theologe, warf in seinem Beitrag die Frage auf, worin die wahre Freiheit des Menschen bestehe. Er pflichtete LaRouche bei, daß im Liberalismus und in einer vom Liberalismus bestimmten Wirtschaft Freiheit nicht zu finden sei. Liberalismus könne sogar für das Individuum Abhängigkeiten erzeugen, wie man es sehr deutlich beim Drogenhandel sehen kann, dem heute "blühendsten" Teil unserer Wirtschaft.

Der ehemalige Abgeordnete Jewgenij Kogan, der heute als Berater in der Duma tätig ist, griff in seinem Beitrag ebenfalls den Liberalismus scharf an. Dieser sei in Form der Freihandels-Ideologie Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre aus dem Ausland importiert worden und habe verheerende Folgen gehabt. Kogan hob die Notwendigkeit hervor, Rußlands militärisch-industriellen Komplex wiederzubeleben, um ihn als "Ideenschmiede" für die zivile Wirtschaft einzusetzen. Eine Forderung, die - wie Muraniwskij in der Diskussion hervorhob - LaRouche schon in seinem Memorandum Aussichten einer Erholung der russischen Wirtschaft, das 1995 in russischer Sprache erschien, als unabdingbare Maßnahme bezeichnete. Wladimir Snastin, Stabsmitglied eines Duma-Abgeordneten, schloß sich in seiner Rede der Kritik am Liberalismus an und stellte insbesondere die Wichtigkeit protektionistischer Maßnahmen für eine sich entwickelnde Wirtschaft heraus.

Ein Vertreter der Partei des früheren Ministerpräsidenten Gajdar, der die IWF-Schocktherapie durchgesetzt hatte, verteidigte den Liberalismus und stellte die USA als ein gutes Beispiel einer "prosperierenden Wirtschaft" dar, weil sie den Freihandel zur obersten Maxime erhoben haben. Dieser Position ließ sich leicht entgegenhalten, daß Rußland zwar durch den Druck des IWF alle Handelsschranken einreiße, die USA oder die Europäische Union aber für bestimmte Güter hohe Handelsschranken errichtet hätten und dadurch den "Freihandel" außer Kraft setzen. Einige Teilnehmer des Seminars setzten sich kritisch mit LaRouches antimalthusianischer Weltanschauung auseinander. Seine These, auf diesem Planeten könnten 25 Mrd. Menschen unter menschenwürdigen Bedingungen leben, sei nicht haltbar, erklärten sie, die Erde könne höchstens 4 Mrd. Menschen ernähren. Auch diese Thesen konnten vom Standpunkt der physischen Wirtschaftslehre in der Diskussion zurückgewiesen werden.

Der Ablauf dieser Tagung sowie die Tatsache, daß sie in den Räumen des russischen Parlamentes stattfand, zeigt eindrucksvoll, wieviel Ansehen LaRouche in Rußland seit längerer Zeit genießt. Er ist wahrscheinlich der einzige amerikanische Politiker, dem Rußland in der jetzigen schwierigen Weltlage Vertrauen entgegenbringt. Ein ähnliches Seminar über das Werk von Madeleine Albright oder Vizepräsident Gore ließe sich wohl kaum vorstellen. Wieviel Hochachtung LaRouche genießt, wird noch unterstrichen durch ein jüngst in Rußland erschienenes Buch mit dem Titel Die Grundlagen der physikalischen Ökonomie. In der Einleitung wird die geistige Tradition dieser Wissenschaft auf Platon, Cusanus und Leibniz zurückgeführt, und als ihre heutigen Vertreter werden Lyndon LaRouche in den USA und Pobisk Kusnezow in Rußland genannt. Einer der drei Autoren dieses Buchs ist der stellvertretende Verteidigungsminister Rußlands.

Michael Vitt