Aus der Neuen Solidarität Nr. 10/2000:


Anschlag auf das Leben:
Präimplantationsdiagnostik und Embryopatent


Recht auf Leben
"Berufsrechtliche" Probleme

Stammzellen als Abfallprodukt

"Gentechnische Verbesserungen"

Dieser Tage sorgten zwei Meldungen für Unruhe, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Die Enthüllung, daß das Europäische Patentamt in München der schottischen Universität Edinburgh angeblich "aus Versehen" ein Patent zur Entnahme von Zellen aus menschlichen Embryonen zur genetischen Manipulation dieser Zellen und deren Züchtung erteilt habe. Nicht weniger erstaunlich war die Mitteilung, daß man diesen Fehler zwar bedaure, ihn aber nicht rückgängig machen könne. Das "rechtmäßig erteilte Patent" könne nur noch durch ein Einspruchsverfahren von "dritter Seite" verhindert werden.

In der selben Woche stellte die Bundesärztekammer auf einem Presseseminar in Berlin ihren neuen "Diskussionsentwurf zu einer Richtlinie zur Präimplantationsdiagnostik" vor. Was nur mühsam als "Diskussionspapier" getarnt ist, ist in Wirklichkeit eine unverblümte Aufforderung zur Legalisierung eugenischer Selektion, die gerade im Hinblick auf die deutsche Eugenik- und Euthanasiegeschichte einen unglaublichen Skandal darstellt.

Präimplantationsdiagnostik bedeutet, daß ein im Rahmen einer künstlichen Befruchtung im Labor gezeugter Embryo nach wenigen Teilungsschritten einer genetischen Untersuchung unterzogen wird. Falls sich dabei eine "schwerwiegende genetische Schädigung" findet, wird er nicht in die Gebärmutter transferiert, sondern weggeworfen.

Beiden Vorfällen liegen zentrale Wahrnehmungsstörungen zugrunde, womit man es bei Embryonen eigentlich zu tun hat. Es gibt naturwissenschaftlich nicht den geringsten Zweifel daran, daß menschliches Leben mit dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt; wer dies leugnet, kann ebensogut behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

Recht auf Leben

Das im Grundgesetz verankerte Recht auf Leben fußt auf dem naturrechtlichen Grundgedanken, daß dem menschlichen Leben in der Schöpfung eine besondere, herausragende Rolle zukommt, die gleichzeitig seine besondere Würde und die Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens begründet. Diese erstreckt sich selbstverständlich auch auf die vorgeburtlichen Phasen seiner Existenz.

Die zahlreichen Verstöße gegen Geist und Wortlaut des Grundgesetzes sind bekannt. In Deutschland begann es mit der Debatte um den Paragraphen 218, wo zum Zwecke der Rechtfertigung der Abtreibungspraxis der Begriff "menschliches Leben" oder "menschliche Existenz" neu definiert wurde. Dem Ungeborenen wurde die Zugehörigkeit zur Gattung Mensch abgesprochen: der Fötus degradierte zum "Schwangerschaftsgewebe". Der Streit darüber, ab wann denn das Menschsein beginne, diente der Festlegung, bis zu welchem Zeitpunkt abgetrieben werden dürfe. Die Vorschläge variierten von Beginn der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Hirnentwicklung. Allen Vorschlägen lag zugrunde, eine Schutzwürdigkeit an das Vorliegen eines bestimmten Reifegrades oder bestimmter spezifischer Funktionen und Fähigkeiten zu koppeln.

Daß sich diese Denkmodelle nicht auf den Anfang des Lebens beschränken ließen, stand von vornherein fest. Und wirklich sind heute nicht nur Ungeborene, sondern sogar Geborene zunehmend von diesem sogenannten bioethischen Gedankengut bedroht. Der Grundgedanke ist so einfach wie brutal. Nicht die Zugehörigkeit zur Spezies Mensch begründet Würde und prinzipielle Unantastbarkeit. Dem menschlichen Leben wird vielmehr erst dann Wert, Sinn, Lebensrecht und Schutzwürdigkeit zuerkannt, wenn der Träger über Gaben wie Selbstbewußtsein und Kommunikationsfähigkeit verfügt.

Nicht nur Ungeborene oder auch Neugeborene, sondern auch geistig behinderte Menschen, psychisch Kranke, Hirnverletzte, Komapatienten, demente alte Menschen haben aus der Sicht der Bioethik einen anderen, eingeschränkten Status; sie sind nur eine Art "biologisches Substrat". Deshalb dürfen geborene wie ungeborene Menschen, denen die oben genannten Eigenschaften abgehen, völlig legal zu wie auch immer gearteten Forschungszwecken ge- und mißbraucht oder gar beseitigt werden. Im Sinne des Utilitarismus ist alles, was der Nützlichkeit und Glücksoptimierung einzelner oder der Gesellschaft dient, per se legitim.

Die Schlußfolgerungen liegen nahe: wenn nicht länger ersichtlich ist, warum man dem Lebensrecht des Kindes im Mutterschoß keine unbedingte Achtung mehr entgegenbringen soll, warum sollte man diese dann dem "teuren" alten oder kranken Menschen schulden? Und wenn die Erwartung eines behinderten Kindes staatlich und gesellschaftlich akzeptierter Grund für eine Abtreibung ist, weil es belastet, Lebenspläne über den Haufen wirft, Geld kostet - warum sollte man sich da nicht mit dem gleichen "Recht", und ebenfalls mit staatlicher Rückendeckung, "lästiger" kranker Familienmitglieder entledigen können?

Versuche in diese Richtung gab es genug. Die hiesige Sterbehilfegesetzgebung (ebensowie wie Stellungnahmen und Richtlinien der Bundesärztekammer zu diesem Thema) sind schwammig und unvollständig. Es bleiben genügend Hintertürchen, sich zu "teurer" und lästiger Patienten entledigen zu können.

"Berufsrechtliche" Probleme

Doch kehren wir zu unserem eigentlichen Thema - dem Umgang mit Embryonen - zurück. Die Abtreibungsgesetzgebung wurde im Laufe der Zeit unter Tolerierung und aktiver Mitwirkung der Ärzteschaft soweit ausgedehnt, daß heute Mehrlingsschwangerschaften auf die gewünschte Anzahl reduziert werden (durch Giftinjektion via mütterliche Bauchdecke) und behinderte Kinder legalerweise bis kurz vor ihrer Geburt getötet werden dürfen. Ein Umstand übrigens, bei dem Ärzte immer häufiger mit Kindern konfrontiert werden, die ihre eigene Abtreibung überleben.

Nun ist aber die weit verbreite Praxis des "Liegenlassens, bis der Tod eintritt" strafbar. Dieses "berufsrechtliche" Problem ließe sich durch die Präimplantationsdiagnostik lösen, indem das "Übel" schon früher angepackt wird. Diese Überlegung könnte auch eine Rolle beim Zustandekommen des BÄK-Papiers zur Präimplantationsdiagnostik gespielt haben. Und überhaupt, so wird immer häufiger argumentiert, wenn man ohnehin abtreiben darf, wenn die Gesellschaft und der Staat davon überzeugt sind, daß es sogar so etwas wie "ein Recht auf ein gesundes Kind" gibt, warum sollte die Präimplantationsdiagnostik dann in Deutschland verboten bleiben?

Im Rahmen dieser pervertierten Logik ist solch eine Schlußfolgerung korrekt. Ebenso ist nicht erkennbar, wieso im Rahmen der vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Überzeugungen eine Züchtung und Manipulation von Embryonen ein schändlicheres Vergehen darstellen sollte als eine Abtreibung oder der sofortige Wurf in die Mülltonne nach Präimplantationsdiagnostik. Warum den "Zellhaufen" nicht "recyclen" - schließlich ist der "Rohstoff Mensch" wertvoll, für vielerlei zu gebrauchen, für die Herstellung von Kosmetikprodukten bis hin zur angeblichen Möglichkeit der Züchtung von Ersatzorganen.

Es hat in der Tat tragisch-komische Züge, wenn Politiker aller Parteien im Deutschen Bundestag erklären, wie tief erschüttert sie über die Vorgänge im Münchner Patentamt seien, die Bundesregierung gar erklärt hat, Einspruch einlegen zu wollen. Gleichzeitig kommt aber niemand auf die Idee, daß sie selbst es waren, die nicht zuletzt durch die Abtreibungsgesetzgebung einen Wandel im Menschenbild hervorgerufen haben, der solche Vorgänge überhaupt erst ermöglicht.

Stammzellen als Abfallprodukt

Betrachten wir nun den angeblichen "Fehler" des Europäischen Patentamtes einmal genauer. Bei der Erteilung des fraglichen Patentes geht es um eine verbreitete Forschungspraxis, die nichts anderes als eine moderne Form des Kannibalismus darstellt. Denn embryonale Stammzellen fallen nicht vom Himmel. Sie sind entweder das "Abfallprodukt" einer Abtreibung oder werden auf dem Wege der künstlichen Laborbefruchtung erzeugt - doch nicht, damit nach neun Monaten ungestörter Entwicklung ein neuer Mensch entsteht. Sein Leben wird vielmehr von vornherein als eine Art Ersatzteillager für andere Menschen instrumentalisiert, seine Entwicklung unterbrochen, kaum, daß sie begonnen hat.

Embryonale Stammzellen sind "neutral", also noch nicht auf eine spätere Funktion festgelegt oder spezialisiert. Nach den ersten Teilungsschritten einer befruchteten Eizelle besitzt jede einzelne dieser embryonalen Stammzellen noch die Fähigkeit, sich in alle Richtungen zu entwickeln. Theoretisch können sie sich zu jeder Art gewünschtem Zelltyp weiterentwickeln, wenn man sie in entsprechendes Gewebe verpflanzt. Obschon - bzw. gerade weil - diese Praxis in Deutschland (noch) verboten ist, vergeht keine Woche, ohne daß nicht auch deutsche Forscher den Bereich der embryonalen Stammzellforschung als Antwort auf nahezu alle Menschheitsgeißeln hinstellen. Die Heilsversprechen reichen von der Heilung der Zuckerkrankheit über Alzheimer, Parkinson und Krebs, Multipler Sklerose, Herzerkrankungen, Kreislauferkrankungen bis hin zur Verheißung der Herstellung und Transplantation ganzer Organe.1

Eine Diskussion über die ethische Zulässigkeit solcher Versuche wird zumeist wirkungsvoll mit dem Vorwurf im Keim erstickt, man wolle die Kranken im Stich lassen. In der Realität klafft aber eine gewaltige Lücke zwischen den Versprechungen und dem tatsächlichen Stand der Forschung. Dies ist angesichts der reduktionistischen Ausrichtung dieses Forschungszweiges und der Gesamtausrichtung der heutigen Biologie auch nicht weiter verwunderlich. Denn nicht die allem Leben innewohnende Gesetzmäßigkeit ordnender, kreativer Prozesse, ohne die Entwicklung von Leben überhaupt nicht möglich ist, ist Gegenstand der Forschung. Vielmehr wird Leben im Prinzip als nichts anderes als die Summe von Genen und anderer Bausteine betrachtet, die sich im Laufe der Evolution zufällig zusammengefunden haben.

Embryonale Stammzellen sind danach auch eine Art Teil dieser Bausatztheorie. Zwar weiß man nicht, wie sie "funktionieren", doch läßt sich dies ja ausprobieren. Angesichts dieser Jämmerlichkeit wissenschaftlicher Konzeptionen kommt einem das Bild eines Schülers in den Sinn, der zum ersten Mal seinen Chemiekasten ausprobiert. Dies ist keine Wissenschaft, die ihren Namen verdient.

Aber dieser Art Forschung geht es in erster Linie gar nicht um Hilfe für kranke Menschen, sondern um Macht und Geld. Wirklicher medizinischer Fortschritt findet nur noch begrenzt und am Rande statt, weil weltweit der größte Teil aller Energien und Forschungsgelder gebündelt und kontrolliert sind. Nicht echte Grundlagenforschung findet statt, sondern ein Kampf um die Gene - und den "Rohstoff Mensch". Um hier der erste zu sein, wird buchstäblich über Leichen gegangen. In wahrer Goldgräberstimmung werden weltweit Patente auf menschliche Gene oder Zellen (oder Verfahren zur Manipulation derselben) angemeldet, in der Hoffnung, diese Patente irgendwann kommerziell ausschlachten zu können. Den Rechten an diesen Patenten wird inzwischen eine höhere Bedeutung zugemessen wie z.B. Rechten an Bodenschätzen. Und nicht zu Unrecht kursiert das Wort von dem "größten organisierten Raubzug in der Geschichte der Menschheit". Denn wer dieses oder jenes Gen, jene Zelle "besitzt", der kann alle kommerziellen Anwendungen kontrollieren, anderen die Verwendung ihres Patentes verbieten, die Preise für diese "Produkte" in beliebiger Höhe festsetzen.2

"Gentechnische Verbesserungen"

Um aber an das "Filetstück", die "Erbanlagen" des Menschen heranzukommen, braucht man die sogenannte Reproduktionsmedizin. Der prominente Princetoner Molekularbiologe Lee Silver beschrieb auf einem Kongreß in Los Angeles im Sommer 1998 die Rolle der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas: "Mit der In-vitro-Fertilisation gelangt der Embryo aus dem Dunkel des Mutterleibes an das Tageslicht. Und damit bietet die IVF Zugang zu dem darin befindlichen Erbmaterial. Erst durch die Fähigkeit, das Erbmaterial des Embryos zu lesen, zu ändern und zu ergänzen, wird das ganze Gewicht der IVF spürbar werden". (Hervorh. J.D.)

Robert G. Edwards, einer der Pioniere der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, verkündete immer und überall ungeniert, daß es vorrangig gar nicht darum ginge, Eltern zu Nachwuchs zu verhelfen, wenngleich die Betonung dieses "therapeutischen" Aspektes der Reproduktionsmedizin überhaupt erst zu öffentlicher Anerkennung verhalf.3 Nach Edwards eigenen Worten ging es dabei insbesondere um die Embryonenforschung und um das "Aussortieren" kranker Embryonen.

Auf einem Kongreß des Zentrums für biomedizinische Ethik der Universität Tübingen bekräftigte er noch 1997, daß er "dieses Potential" zukünftig mit Hilfe von Gentechnik und Präimplantationsdiagnostik ausgeschöpft sehen möchte. Er scheute sich gleichfalls nicht, von der "Pflicht" zur Verhinderung "nicht normgerechten Nachwuchses" zu sprechen.

Edwards und Silvers Bemerkungen sind keine "Ausrutscher" innerhalb der Reproduktionsbranche, sondern Symptom der ihr von Anfang an innewohnenden Absicht, menschliches Leben in seinen frühesten Entwicklungsstadien zu kontrollieren, zu verwerfen oder zu "verbessern". Während eine Gruppe von Wissenschaftlern auf dem Wege zum "verbesserten Menschen" inzwischen auf Klonierungstechniken setzt, bauen andere (wie z.B. Edwards) vorläufig noch auf gentechnische Veränderungen der menschlichen Keimzellen.

Es würde diesen Rahmen sprengen, hier auf die Geschichte und das Weltbild der Genetik einzugehen. Dieses Thema ist von mir an anderer Stelle behandelt worden.4 Hier genügt die Feststellung, daß damals wie heute das Ziel "gentechnische Verbesserung" des Menschen hieß. Und immer lag der Genetik ein oligarchisches, feudales Welt- und Menschenbild zugrunde, das die einfache Bevölkerung als menschliches Vieh definiert.

Wann immer die Vorstellung von Leben und vor allem des Menschenlebens reduziert ist auf das eines unfreien Wesens, das jämmerlich und hilflos den eigenen Genen ausgeliefert ist, wo ist da etwas von der besonderen Rolle des Menschen in der Schöpfung erkennbar? Reduziert man den Menschen auf die Länge seiner DNA oder die Summe seiner Gene, spricht nichts mehr dagegen, ihn - wie bei der Viehzucht auch - zu "verbessern", gegebenenfalls auch zu klonen oder zu verwerfen. Doch dabei taucht sofort die Frage auf: Wer soll denn eigentlich bestimmen, wer verbessert, optimiert und geklont wird oder wer als Ersatzteillager endet?

Ist die Instrumentalisierung menschlichen Lebens erlaubt, so wird sich dies wiederum nicht auf den Lebensanfang beschränken lassen. Mit welcher Begründung ließen sich dann noch Forderungen zum "Ausschlachten" angeblich hoffnungsloser Komapatienten oder anderer Schwerkranker zum Zwecke der Organgewinnung verhindern? Oder von "Ballastexistenzen", die durch das engmaschige Netz der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik gerutscht sind? Wenn diesen "biologischen Substraten" doch ohnehin die Gaben und Fähigkeiten fehlen, die angeblich das Menschsein charakterisieren? Die Dynamik wird die gleiche sein wie bei der Abtreibungs- und Euthanasiediskussion.

Bereits im November 1997 erschien in der renommierten Medizinfachzeitschrift The Lancet ein Artikel, in dem Wissenschaftler des Royal Liverpool Universitätskrankenhauses die provokante Frage stellten: "Sollen Organe von Wachkoma-Patienten für die Organtransplantation genutzt werden"? Dies sei von "offenkundigem Nutzen", da sie die "nutzlose Verwendung von Ressourcen" beendeten. Und auch die Bioethik-Konvention des Europarates schließt das Beforschen und Forschen an sogenannten nicht-einwilligungsfähigen Personen und sogar die Entnahme von "regenerativem Gewebe" (wohl als erster Schritt) nicht aus. Deutschland ist dieser Konvention bislang nicht beigetreten, und es spricht wiederum nicht für die Bundesärztekammer, daß sie sich für Ratifizierung der Konvention durch die Bundesregierung einsetzt.

Die Frage ist, können wir so weitermachen? Dann wird binnen Jahresfrist die hier präsentierte Liste der Abscheulichkeiten auf die doppelte Länge angewachsen sein. Wenn dies aber nicht unseren Vorstellungen von einer Gesellschaft entspricht, in der wir leben und unsere Kinder großziehen wollen, ist es womöglich an der Zeit, das Bücherregal nach einem verstaubten Grundgesetz zu durchforsten und sich Gedanken über Wesen und Sinn von Artikel 1 und 2 zu machen.

Jutta Dinkermann


Anmerkungen

1. Die Forschung mit embryonalen Stammzellen ist nicht zu verwechseln mit der ethisch unbedenklichen Forschung an somatischen Stammzellen. Stammzellen sind im Körper das Ausgangsmaterial für neue Gewebe. Im ausgewachsenen Körper können sie viele bestimmte Zelltypen wie z.B. Blut- oder Muskelzellen bilden. Die somatische Stammzelltherapie wird heute bereits eingesetzt, vor allem in der Krebsbehandlung, wenn bei der Bekämpfung von Krebszellen auch das Knochenmark zerstört wird und anschließend durch Stammzellen wieder aufgebaut wird. Auch wird sie genutzt, um Hauttransplantate für Brandwunden oder Knorpelersatz für Gelenkdefekte zu züchten. Außerdem gibt es Forschungsansätze in Richtung der Schaffung von "Organersatzteilen". Kürzlich wurde bekannt, daß es US-Wissenschaftlern im Tierversuch gelungen ist, Stammzellen der Bauchspeicheldrüse anzuregen, Insulin zu produzieren.

2. Eine parallele Entwicklung findet übrigens auch in anderen Bereichen statt, so etwa in der Landwirtschaft. Patente auf Saatgut, auch auf gentechnisch verändertes Saatgut, auf Nutzpflanzen, auf Tiere usw. führen schon heute zu einer gefährlichen Konzentration von Lizenzen in den Händen weniger Konzerne. Befürchtungen, daß über diesen Konzentrationsprozeß Erpressungen und Manipulationen bis hin zur Kontrolle über die Welternährung erfolgen könnten, sind nicht von der Hand zu weisen.

3. Immer ist das Strickmuster das gleiche. Die Akzeptanz wird erreicht, indem unabhängig vom Wahrheitsgehalt einfach behauptet wird, etwas diene vor allem "therapeutischen Zwecken". Damit ist zugleich ein wunderbares Totschlagsargument geschaffen: Derjenige, der dagegen ist, kann mühelos als "Schuft" gebrandmarkt werden.

4. Siehe Neue Solidarität vom 24.2.1999: "Gentechnik und Menschenwürde", sowie Neue Solidarität vom 29.1.1997: "Die Menschenfeindlichkeit der Bioethik-Konvention".