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Aus der Neuen Solidarität Nr. 17/2001

D.C.-General-Privatisierung vorerst gestoppt

Washington. Die Koalition zur Rettung des D.C. General Hospital hat prominente Unterstützung erhalten, und der Washingtoner Stadtrat will das einzige öffentliche Krankenhaus jetzt doch nicht verkaufen. Damit landet der Ball wieder beim Kongreß.


Was geschah in Aliquippa?
Die Menschen zu Bürgern machen

Der Kampf gegen die Schließung des Washingtoner D.C. General Hospital weitet sich qualitativ aus. Er könnte sogar dazu beitragen, daß Amerika sich wieder abkehrt vom Kurs zum totalitären Staat und zum Prinzip des Gemeinwohls zurückfindet, wie es in der US-Verfassung festgeschrieben ist.

Erstmals unterstützt jetzt ein hochrangiges früheres Regierungsmitglied die Gegner der Krankenhausschließung, Joycelyn Elders, die unter Präsident Clinton "Surgeon General" war (in mancher Hinsicht einem Gesundheitsminister vergleichbar). Elders sagte am 18. April auf dem wöchentlichen Treffen der Koalition zur Rettung des D.C. General Hospital, sie schließe sich diesem Kampf an, weil sie es als Ärztin gewohnt sei, einen Kampf niemals vor dem letzten Herzschlag verloren zu geben.

Zwei wichtige Ereignisse geben Grund zur Hoffnung. Am 12. April sprach sich der Washingtoner Stadtrat mit 13:0 Stimmen einhellig gegen die Privatisierung des Krankenhauses aus. In der Vorwoche hatte ein Krankenhaus im Bundesstaat Pennsylvania die Zusammenarbeit mit der Firma Doctors Community Health Corporation (DCHC), der der Washingtoner Bürgermeister Tony Williams das D.C. General verkaufen will, in letzter Minute aufgekündigt.

Auf dem Wochentreffen der Koalition zur Rettung des D.C. General Hospital in der Union Temple Baptist Church von Reverend Willie Wilson mit über 350 Teilnehmern sprachen vier führende Mitglieder der Koalition und fünf wichtige Gäste. Dr. Abdul Alim Muhammad, die LaRouche-Mitarbeiter Dennis und Lynne Speed sowie Dr. Michael Young vom D.C. General erläuterten im Namen der Koalition die neuesten Ereignisse.

Die beiden Stadträte Kevin Chavous und Philip Mendelson waren zum Treffen gekommen, um deutlich zu machen, daß sie an der Entscheidung für ein Vollkrankenhaus festhalten und die weitere Finanzierung des D.C. General sicherstellen wollten. Wenn der Bürgermeister sein Veto einlegt, was weitgehend sicher ist, werde man es überstimmen. Er sei sicher, sagte Chavous, daß mindestens neun (d.h. die notwendige Zweidrittelmehrheit), vielleicht sogar alle 13 Mitglieder des Stadtrats gegen das Veto stimmen würden.

Dann würde automatisch wieder der Kongreß, der über den Finanzkontrollrat die Gelder der Stadt verwaltet, mit der Angelegenheit befaßt. Dies unterstreicht, was die Koalition immer wieder als Argument vorgebracht hat: Das amerikanische Volk trägt die Verantwortung für die Rettung des D.C. General, und die Bürger müssen spätestens jetzt Druck auf ihre Kongreßabgeordneten machen, sich für das Krankenhaus einzusetzen.

Mitarbeiter der Koalition haben inzwischen bereits an sechs Tagen Lobbyarbeit im Kongreß betrieben und werden das auch weiter fortsetzen. Die LaRouche-Bewegung will dies mit einer umfassenden Mobilisierung unterstützen, indem Bürger im ganzen Land ihre jeweiligen Kongreßmitglieder auffordern, ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl zu folgen.

Was geschah in Aliquippa?

Auf dem Treffen berichtete Dr. Simmon Wilcox vom Aliquippa-Krankenhaus im Landkreis Beaver in Pennsylvania, wie es den Ärzten des Krankenhauses mit Hilfe der LaRouche-Bewegung gelang, den Verkauf des Hauses an die DCHC zu verhindern. Am 6. April beschloß die Krankenhausleitung einstimmig, die Vereinbarung mit DCHC, nach der DCHC am 17. April die Krankenhausverwaltung übernommen hätte, wieder zu kündigen. Die Gemeinde wird das Krankenhaus als Vollkrankenhaus weiterfinanzieren. DCHC hat in den letzten zwei Jahren in Washington bereits das Greater Southeast Community Hospital und das Hadley Hospital (jetzt ein Schwesternwohnheim) übernommen und plant jetzt die Übernahme des D.C. General.

Der Vertrag zwischen DCHC und dem Aliquippa Bezirkskrankenhaus galt schon als "perfekt", und er selbst hatte die Hoffnung praktisch schon aufgegeben, berichtete Wilcox. Der Umschwung kam, als Vertreter der LaRouche-Bewegung und der Koalition zur Rettung des D.C. General Hospital die Krankenhausleitung und örtliche Politiker mit Hintergrundinformationen über die Machenschaften von DCHC versorgten. Teil dieser Informationen war ein Bericht über die anhängigen Betrugsverfahren gegen DCHC und deren Partnerunternehmen National Century Financial Enterprises (NCFE) in Boston (Massachusetts), Durham (North Carolina) und Louisville (Kentucky).

Die Menschen zu Bürgern machen

Die Reden von Dr. Joycelyn Elders und Reverend James Bevel, der unter Martin Luther King für direkte Aktionen verantwortlich war, gaben den Teilnehmern Vertrauen. Beide appellierten an die Bevölkerung, den Kampf für Prinzipien nicht aufzugeben, sondern sich zu wirklichen Bürgern zu entwickeln.

"Wo sind jetzt die Bürger?", fragte Bevel. "Die Verfassung und die Unabhängigkeitserklärung gibt allen Amerikanern das Recht und die Verpflichtung, als Gleiche für ihre Regierung die Verantwortung zu übernehmen. In der Verfassung heißt es nicht: ,Alle Weißen sind gleich geschaffen', sondern: ,Alle Menschen sind gleich geschaffen'. Insofern sind alle aufgerufen, sich aus dem Zustand von Menschenvieh zu erheben und zu handeln!"

Die Koalition und die LaRouche-Bewegung verbreiten im District of Columbia und landesweit Hunderttausende von Flugblättern, in denen die "Negro Removal"-Pläne zur Dezimierung und Vertreibung der schwarzen Bevölkerung als der eigentliche treibende Grund hinter der Schließung des Krankenhauses herausgestellt wird.

Nancy Spannaus

 

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