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Aus der Neuen Solidarität Nr. 20/2001

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"Entwicklungskorridore von Kairo bis Hongkong!"


Eurasische Entwicklung
Wirtschaftskrise und Landbrückenkonzept

Hilfe für Afrika

Der Fall D.C. General Hospital

Ein "durchkomponiertes" Konzert

Dialog der Kulturen

Die Macht der Idee

Während die Regierung George W. Bush auf die globale Finanzkrise und die verfallene Realwirtschaft in den USA mit Vorbereitungen einer Notstandsdiktatur, Aufrüstung und einer kriegsträchtigen Konfrontationspolitik nach außen reagiert, drehte sich die Diskussion auf der Jahreskonferenz des Schiller-Instituts um eine strategische Alternative auf Grundlage des Gemeinwohls der Nationen: die Entwicklung der Eurasischen Landbrücke über den arabischen Orient und Ägypten bis ins Herz Afrikas.

Mehrere hundert Mitglieder des Schiller-Instituts und führende Vertreter aus West- und Osteuropa, Asien, Afrika, den Vereinigten Staaten und Südamerika kamen am ersten Maiwochenende zur Jahreskonferenz des Schiller-Instituts in Bad Schwalbach zusammen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Vorschlag des amerikanischen Oppositionspolitikers und Wirtschaftswissenschaftlers Lyndon LaRouche für ein großes eurasisches Entwicklungsprojekt zur Überwindung der globalen Krise, das die ökumenische Zusammenarbeit vieler Nationen und Kulturen erfordert. Die dreitägige Debatte mit Wissenschaftlern aus Rußland, China und Indien sowie aus Nigeria, Burundi, Ruanda und dem Sudan geriet zu einem höchst ideen- und facettenreichen, fruchtbaren Dialog, der dem Konferenzmotto "Der ökumenische Kampf um das Gemeinwohl" voll und ganz gerecht wurde.

Lyndon LaRouche sagte in seiner einführenden Rede am Freitagabend, es sei kein Zufall, daß in den USA inmitten der schwersten globalen Finanzkrise der Geschichte ein politisch unzurechnungsfähiger Präsident, der nicht denken könne, an der Macht sei. Das von den mächtigen Finanzgruppen und ihren Anwaltsfirmen beherrschte Establishment habe es genau so gewollt. Zwar rege sich sogar im zaghaften Europa Widerstand gegen die Einschüchterungstaktiken der "einzig verbliebenen Weltmacht", aber es reiche nicht aus, die USA aus UN-Gremien abzuwählen. Es komme vielmehr darauf an, für das Gemeinwohl der Völker dieser Welt Verantwortung zu übernehmen.

Eurasische Entwicklung

Der einzig funktionierende Ausweg aus der globalen Wirtschaftskrise sei ein "System infrastruktureller Entwicklung Eurasiens von der Atlantikküste bis zum Pazifischen Ozean - nicht einfach Eisenbahnlinien oder ,Seidenstraßen', sondern Entwicklungskorridore von etwa 100 km Breite", sagte LaRouche. Und nur wenn Eurasiens Wirtschaft sich entwickele, habe Afrika eine Chance. Denn Afrika sei zu sehr ausgeplündert worden, um aus eigener Kraft wieder auf die Füße zu kommen. "Wenn es in Eurasien wirtschaftlich aufwärts geht, dann wird es Afrika helfen." So hänge von der Entwicklung Eurasiens die Überwindung der globalen Krise entscheidend ab.

Drei Gastredner aus Rußland sprachen im Anschluß an LaRouche: Dr. Sergej Glasjew, Vorsitzender des Wirtschaftspolitischen Ausschusses der russischen Staatsduma und korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Stanislaw Menschikow vom Zentralen Institut für Mathematische Wirtschaftswissenschaft (CEMI) der Russischen Akademie der Wissenschaften, und, anderntags, Prof. Jurij Gromyko vom Schiller-Institut in Moskau.

Dr. Glasjew betonte die Wichtigkeit von LaRouches strategische Konzepten und dieser Konferenz zu einem Zeitpunkt in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, wo noch eine kurze Frist übrig ist, um Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Er unterstütze voll und ganz die Vorschläge des Schiller-Instituts hinsichtlich Infrastrukturentwicklung auf der ganzen Welt. Rußland stehe vor der Wahl, entweder auf der Linie des sog. "Washingtoner Konsens" weiterzumachen und daran zu zerbrechen oder den von LaRouche empfohlenen Kurs der eurasischen Entwicklungskorridore einzuschlagen.

Prof. Menschikow erinnerte daran, daß Rußland durch einen untauglichen Präsidenten, Boris Jelzin, fast zugrunde gegangen wäre. Allerdings sei die Spekulationsblase in Rußland bereits 1998 geplatzt, so daß Rußland heute von ausländischem Kapital weit weniger abhängig sei. Die von LaRouche formulierte eurasische Herausforderung aufgreifend erklärte er, Rußlands Führungskreise hätten immer "eurasisch" gedacht, aber natürlich sei es richtig, daß man dabei Afrika nicht vergessen dürfe. Das "strategische Dreieck Rußland-China-Indien müsse um zwei Ecken erweitert werden ("Ich will es aber nicht ,Pentagon' nennen"), nötig sei "die Zusammenarbeit zwischen Rußland, China, Indien, Europa und Japan". Er sei überzeugt, der kommende Crash sei "keineswegs fatal", und endete seinen Beitrag - auf das bessere Amerika der Bürgerrechtsbewegung anspielend - mit: "We shall overcome!"

Prof. Gromyko bezog sich auf LaRouches Konzept der physischen Wirtschaft, das in Rußland u.a. von Pobisk Kusnezow ausgearbeitet worden sei. Das liberale Wirtschaftsmodell habe gründlich versagt, und eine Rückkehr zum Sowjetmodell komme ebenfalls nicht in Frage. Entscheidend sei, welche "Mission" Rußland sich heute selber gebe. Z.B. könne Rußland Pionierarbeit dabei leisten, die riesigen unwirtlichen Gegenden im hohen Norden für eine wachsende Zahl von Menschen bewohnbar und nutzbar zu machen.

Wirtschaftskrise und Landbrückenkonzept

Lothar Komp schilderte die Dramatik der Finanz- und Wirtschaftskrise, bevor die übrigen Redner aus Moskau, Beijing, Neu-Delhi und Kairo das Landbrückenkonzept aus ihrer Sicht darlegten. Komp berichtete von den Massenentlassungen in den USA seit Mitte letzten Jahres und dem Verlust weiterer 572000 Arbeitsplätzen in den ersten vier Monaten 2001, von der Bankrottwelle der sog. "dot.coms" und von den grotesken Buchhaltertricks, womit die Krise vor der Öffentlichkeit verschleiert werden soll.

Prof. Wen Tiejun, stellv. Generalsekretär der China Society for Restructuring Economic Systems in Beijing berichtete, LaRouche habe China schon 1994 vor einer Weltfinanzkrise gewarnt. Es sei die früheste Warnung dieser Art gewesen, sie sei damals in China veröffentlicht worden und bestätige sich von Jahr zu Jahr deutlicher. Die Entwicklung Westchinas mit Wasserregulierungsprojekten, Eisenbahnlinien und Autobahnen sei inzwischen Teil des 10. Fünfjahresplans. Im letzen Jahrhundert sei die nördliche Landbrücke mit der Transsibirischen Eisenbahn durch fast menschenleere Gebiete gebaut worden. "Dieses Jahrhundert wird das Jahrhundert der afro-asiatischen Landbrücke sein, die durch dicht bevölkerte Länder wie Vietnam, Myanmar, Bangladesch und Indien führen wird, bis nach Iran, Ägypten und von dort ins übrige Afrika." Dabei müsse vor allem die Zusammenarbeit mit Indien vertieft werden.

Prof. Sujit Dutta vom Institute of Defense Studies and Analysis in Neu-Delhi erläuterte, wie Indien in den 40 Jahren seit der Unabhängigkeit eine blockfreie Außenpolitik und eine konsequente Industrialisierungspolitik nach innen verfolgt habe. In beidem stehe die indische Politik den Ideen des Schiller-Instituts nahe. Die Bewegung der "Blockfreien" sei auf den Widerstand der internationalen Institutionen (IWF usw.) gestoßen, die aber heute selbst in Bedrängnis seien. Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung Indiens sei ein Klima des Friedens, der Ausbau der Energieerzeugung und nicht zuletzt die Schaffung zusätzlicher Verkehrsverbindungen mit Südostasien, den Golfstaaten, Zentralasien, Rußland, China und - Europa.

Prof. Selim Mohammad aus Kairo beschrieb, wie Afrika über die Drehscheibe Ägypten mit der Eurasischen Landbrücke verknüpft werden kann. "Schließlich ist Ägypten teils asiatisch und teils afrikanisch... Die Verbindung nach Afrika verläuft durch Ägypten." Es existieren konkrete Pläne für Eisenbahnlinien ins Innere des Kontinents, einmal durch den Sudan Richtung Süden bis hinunter nach Kapstadt, und durch Libyen westwärts bis nach Tunis. Mit dem Sudan sei man sich bereits einig, daß die noch aus britischen Kolonialzeiten stammende Eisenbahnspurweite des Sudan der ägyptischen Spurweite angeglichen werden soll. Das größte Hindernis für diese großartigen Projekte sieht Prof. Mohammad jedoch in der Einmischung ausländischer Mächte, die solche Projekte immer wieder, nicht zuletzt durch Kriege, sabotiert haben.

Hilfe für Afrika

Am Samstagnachmittag ging es um das Thema "Frieden durch Entwicklung in Afrika: Eine moralische Herausforderung für Europa". Als erster sprach der nigerianische Ökonom Prof. Sam Aluko, der - wie Uwe Friesecke vom Schiller-Institut eingangs erwähnte - in Nigeria einen Ministerposten ausschlug, weil er nicht "dem IWF dienen" wollte. Aluko beschrieb, wie die vom IWF erzwungenen "Strukturanpassungsprogramme" Nigerias Wirtschaft seit 1986 ruiniert haben: Die Produktion des Hauptexportguts Kakao sank von 400000 auf 150000 Tonnen, die Kohleförderung noch dramatischer von 360000 auf 19000 tonnen, das Pro-Kopf-Einkommen halbierte sich auf 360 Dollar im Jahr, und die Währung Naira, die 1985 1:1 zum Dollar stand, verfiel auf 115 Naira zu 1 Dollar.

Anschließend gaben Leonce Ndarubagiye vom Rat zur Verteidigung der Demokratie in Burundi (CNDD) und Jean Gahrururu, der Beauftragte für Außenpolitik der Flüchtlingsorganisation RDR aus Ruanda einen erschütternden Bericht über die Lage im Gebiet der Großen Seen. Ndarubagiye regierte unter Präsident Ndadaye, der 1993 ermordet wurde, eine Provinz Burundis und wäre um ein Haar selbst einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Er machte deutlich, daß die Ursache des völkermörderischen Gemetzels in Burundi und Ruanda nicht der ethnische Konflikt zwischen Hutus und Tutsis gewesen sei, sondern vielmehr eine vorsätzliche Entvölkerungsstrategie derer, die ungestört Afrikas reiche Vorkommen an Gold, Diamanten, Kobalt und anderer Rohstoffe ausbeuten wollen.

Gahururu nannte die unerhörte Zahl von 6 Millionen Afrikanern, die seit 1994 in Ruanda, Burundi und der Republik Kongo im Krieg oder anschließend als Flüchtlinge umgekommen seien. Europa müsse helfen, Frieden und Gerechtigkeit in Afrika wieder herzustellen. Dabei müsse das Entwicklungsprogramm für Afrika, das LaRouche und seine Mitarbeiter schon 1980 vorgelegt hätten, als Vorbild dienen.

Prof. Abdalla A. Abdalla aus dem Sudan, der in früheren Jahren seinem Land als Landwirtschaftsminister gedient hat, verwies auf den seit 40 Jahren immer wieder von außen angefachten Bürgerkrieg im Sudan: "Dieser Krieg hat inzwischen 7-8 Millionen Menschen das Leben gekostet. Das ist eine Katastrophe!" Die Hauptursache sei weder religiös noch ethnisch bedingt, sondern habe vor allem mit Armut zu tun: "Armut führt zu Konflikten". Deshalb müsse der Sudan seine Einkünfte aus dem Ölexport zur Entwicklung des ganzen Landes, auch des Bürgerkriegsgebietes im Süden, einsetzen. Er schlug eine Reihe von entwicklungspolitischen Maßnahmen vor, die sofort in Angriff genommen werden können, um die Nöte der Menschen zu lindern, und Afrika die Tür zu einer besseren Zukunft öffnen.

Der Fall D.C. General Hospital

Dann kamen Vertreter des "anderen Amerika" zu Wort und berichteten über die Schlacht um das einzige öffentliche Krankenhaus in der amerikanischen Hauptstadt Washington: die langjährige "LaRouche-Demokratin" und Senatskandidatin Nancy Spannaus, die Vorsitzende der Gewerkschaft des Pflegepersonals im D.C. General Hospital Charlene Gordon und der Sprecher der Koalition gegen die Schließung des Krankenhauses Dr. med. Alim Muhammad.

Frau Gordon betonte die entscheidende Rolle des Schiller-Instituts im Kampf um den Erhalt der medizinischen Versorgung der unversicherten Einwohner Washingtons und richtete einen leidenschaftlichen Appell an die Konferenzteilnehmer, sich dem konkreten Kampf um das Gemeinwohl anzuschließen.

Dr. Muhammad sprach über den "unverzichtbaren Sieg" in diesem Kampf, in dem das Krankenhaus wie ein "Mikrokosmos" das bedrohte Gemeinwohl auf der Welt insgesamt reflektiere. Im Interesse mächtiger Immobilieninteressen habe der diktatorische Finanzaufsichtsrat die einstimmige Entscheidung des gewählten Washingtoner Stadtrates, das Krankenhaus als öffentliche Einrichtung weiterzubetreiben, mißachtet und gegen den aktiven Widerstand der Bevölkerung einen illegalen Privatisierungsvertrag unterzeichnet, der die baldige "Abwicklung" des Krankenhauses bedeute. Jetzt sei der Kongreß gefordert, und die Demokratie selbst stehe auf dem Spiel: Entweder finden genügend Abgeordnete den Mut, die Entscheidung der demokratisch gewählten Stadträte zu verteidigen, oder sie geben die demokratische Autorität der Legislative auf und öffnen damit einem diktatorischen Regime der "Notverordnungen" Tür und Tor (den Wortlaut dieser Rede finden Sie auf Seite 7).

Ein "durchkomponiertes" Konzert

Wenn man die ganze Konferenz wie eine musikalische Komposition betrachtete, dann würde man das Konzert am Samstagabend als machtvollen Kontrapunkt zu den Diskussionsthemen der vorangegangenen Tage verstehen.

Chor und Orchester des Schiller-Instituts und Solisten präsentierten Teile aus Bachs Cembalo-Konzert in g-moll, BWV 1058, Brahms' Streichsextett op. 18, zwei Choräle aus Bachs Johannespassion und der Motette "Jesu meine Freude" sowie das "Kyrie" und eine Passage des "Gloria" aus Mozarts Messe in c-moll, KV 427 - und zwar als Gesprächskonzert, um dem Publikum einige Grundprinzipien der klassischen Kompositionsmethode zu erläutern und mit Hörbeispielen der dabei verarbeiteten musikalischen Ideen nachvollziehbar zu machen. Es wurde nicht nur ein Erlebnis präzise und schön vorgetragener wunderbarer Musik; die Gesamtheit von gesprochenem Wort, musikalischen Beispielen und ausgeführtem Vortrag der Kompositionen war selbst im besten Sinne "durchkomponiert" und erreichte darum eine höhere Stufe der Vervollkommnung als ein Konzert der üblichen Form. Die Zuhörer aus aller Welt bewegte es zu gedankenvoller Begeisterung.

Dialog der Kulturen

Nicht Agitatoren würden zur Überwindung der heutigen Krise gebraucht, sondern "Philosophen in Aktion", hatte LaRouche in seiner Rede gesagt. Und solche erlebte man am Sonntagmorgen: die unvergleichliche, beinahe 90jährige, aber immer junge Amelia Boynton Robinson, die Vorsitzende der Solidaritätsbewegung in Mexiko Marivilia Carrasco und - mit der Hauptrede - die Gründerin des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche. Sie sprach über den Ursprung des souveränen Nationalstaates in der Idee des Gemeinwohls, der jede legitime Regierung verpflichtet ist.

Nikolaus von Kues, dessen 600. Geburtstag dieser Tage gefeiert wird, hat diesen Gedanken weiterentwickelt - als politisches Konzept in seiner Concordantia Catholica, und später als philosophischen Begriff der "coincidientia oppositorum", der Idee vom "Zusammenfall der Gegensätze" auf einer höheren Ebene. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Schaffung von "Frieden durch Entwicklung" durch die Zusammenarbeit verschiedener Nationen am gemeinsamen Entwicklungsprojekt der Landbrücke, wobei das Prinzip des Gemeinwohls diese höhere Ebene darstellt.

In Nikolaus von Kues' De pace fidei, einem Gespräch zwischen Vertretern von 17 verschiedenen Religionen über den Frieden im Glauben, verkörpert das "Wort Gottes" diese höhere Ebene, wo die scheinbaren Gegensätze verschwinden. Ein lebendiges Beispiel einer Ökumene in diesem Sinne sei die derzeitige Reise von Papst Johannes Paul II., sagte Helga Zepp-LaRouche.

Die Macht der Idee

Der abschließende Teil der Konferenz war den Hauptgedanken des russisch-ukrainischen Naturwissenschaftlers Wladimir I. Werndadskij gewidmet, der - wie Dr. Jonathan Tennenbaum erläuterte - drei Bereiche der Natur unterschied: die nichtlebende Materie, die Biosphäre als Gesamtheit alle lebenden Prozesse und den Bereich der sog. "Noosphäre", der von der kognitiven Tätigkeit der Menschen geprägt ist.

Larry Hecht sprach über Ampères Entdeckungen auf dem Gebiet des Elektromagnetismus, der zum nichtlebenden Bereich gehört. Dr. Wolfgang Lillge berichtete über die Erforschung des Lebens und das hochinteressante Phänomen der Biophotonen. Er begeisterte die Zuhörer mit einem Tonband, auf dem die meßbare, lebendige Interaktion zwischen Zwiebelwurzeln in musikalische Töne umgesetzt wird.

Dino De Paoli sprach schließlich über die Sphäre des menschlichen Geistes, der nicht mit physikalisch-chemischen Begriffen zu fassen sei und doch im Laufe der Menschheitsgeschichte gewaltige materielle Veränderungen der natürlichen Umwelt bewirkt habe. Die Lösung dieses Rätsels, das "Wernadskij uns zu lösen übrig gelassen hat", liege in der Vermittlung der im einzelnen menschlichen Geist erzeugten neuen Ideen an andere Menschen. Ob und wie das gelingt, hängt jeweils von der Kultur der betreffenden Gesellschaft und der Veränderung und Höherentwicklung dieser Kultur ab.

Dieser letztere Aspekt wiederum hat direkte Bedeutung für die Umsetzung der hier diskutierten Konzepte. LaRouche formulierte es so: "Wir sind keine Kaiser, die mit einer Handbewegung ein Prinzip verhängen und anderen Menschen willkürlich aufzwingen können. Der Mensch ist kein Gott, aber der Mensch kann Ideen weitergeben, anwenden und anderen vermitteln. Führung ist im wesentlichen eine Aufgabe für Philosophen, was anscheinend nur wenige Politiker begreifen. Ideen in das Leben der Gesellschaft einzupflanzen, politische Institutionen um Ideen herum aufzubauen - damit kann man die Menschheit zu großen Taten bewegen."

Gabriele Liebig

 

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