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Leserbriefe aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2001

Denken und sich empören: Bakunins Menschenbild


I. Materialismus und Gott
   Das Christentum und die Griechen

II. Wahrheit und Autorität

   Abstraktion

Antwort der Redaktion

Von Timo Ollech

Die Lektüre von Michael Bakunins Gott und der Staat (1871) bekräftigte mich in meinem Bestreben, der Frage nach dem Zusammenhang von Menschenbild und Gottesvorstellung nachzugehen. Dieser Zusammenhang scheint mir in der Tradition des Augustinus, über Nikolaus von Kues, Leibniz, Schiller bis hin zu Lyndon LaRouche einem fatalen Fehlurteil zu unterliegen. Im folgenden Artikel möchte ich versuchen, diese Einschätzung genauer darzulegen, wobei ich etliche Zitate aus den Briefen des Paulus zur Verdeutlichung angebe. Bakunin selbst bezieht sich nicht speziell auf Paulus als Einzelautor, seine Kritik trifft auf Paulus jedoch voll und ganz zu.

"Die Absicht oder Zielrichtung des Menschen wird ihm von Gott diktiert", behauptet Lyndon LaRouche und begründet damit die menschliche Freiheit und Würde. Dies ist ganz offensichtlich ein Paradox, denn wenn jemand diktiert - erst recht ein allmächtiges Wesen namens Gott - , gibt es keine Freiheit, wie Bakunin (und mit ihm die Vernunft) klar darlegt. LaRouche muß folglich etwas anderes meinen als seine Worte oberflächlich suggerieren, oder er unterliegt einem Denkfehler; für letzteres spricht, daß er sich trotzdem auf Paulus beruft, was eine positive Interpretation seiner Aussage unmöglich macht.

Seine Haltung ist verständlich, denn wir befinden uns immer noch im Prozeß der Menschwerdung. Nach wie vor fürchten sich viele Menschen vor ihrer Größe und projizieren den Kern ihres Menschseins auf ein imaginäres Wesen, einen Gott. Nelson Mandela beschrieb dies sehr eindringlich in seiner Antrittsrede: "Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, daß wir ungenügend sind. Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Meßbare hinaus kraftvoll zu sein." Bezeichnenderweise konnte selbst Mandela sich nicht ganz von dieser Angst lösen - auch er führt unsere Größe auf Gott zurück, anstatt sie als gegeben zu akzeptieren. Und dennoch: Die größten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte waren großartige Menschen, keine Diener oder Manifestationen irgendeines Gottes.

Doch zunächst einige Informationen zu Michael Bakunin (1814-1876), der vermutlich der bekannteste aller Anarchisten war und ist. Er war im Gegensatz zu Marx ein Mann der Tat, beteiligte sich maßgeblich an den revolutionären Aufständen von 1848, obwohl er als Mitglied des russischen Landadels aufwuchs. 1849 landete er für acht Jahre im Gefängnis, entkam schließlich und reiste um den ganzen Erdball, immer auf der Seite der Unterdrückten. Da er kein Theoretiker war, sind seine Schriften recht unstrukturiert und fragmentarisch, doch stellen sie ein beredtes Zeugnis seiner unbedingten Menschenliebe dar.

I. Materialismus und Gott

Rufen wir uns Friedrich Schillers Deutung des sogenannten "Sündenfalls" ins Gedächtnis (siehe Neue Solidarität Nr. 17, 2001), denn Bakunin beginnt seine Abhandlung mit eben dieser biblischen Geschichte: Andere Worte als die Schillers, doch die Aussage ist die gleiche: Der Gebrauch unserer Vernunft macht uns Menschen erst zu wirklichen Menschen, läßt uns über das Tierische hinauswachsen. Was macht nun die Kirche aus dieser Geschichte? Sie erklärt kurzerhand die Erkenntnis zur Erbsünde! Die Menschen sind von Grund auf böse, und zwar weil sie ihre Vernunft einsetzen.

Hören wir dazu Paulus, der aufgrund seines großen Engagements für die frühen christlichen Gemeinden als der eigentliche Begründer der Kirche gelten kann:

An die Behauptung der Sündhaftigkeit der ganzen Welt, die durch uns Menschen verschuldet ist (erst durch das Essen vom Baum der Erkenntnis kamen Tod und Vergänglichkeit in die Welt!) schließt sich die abenteuerliche Heilsvorstellung der leiblichen Auferstehung der Menschen an, die insbesondere im 1. Korinther-Brief, Kapitel 15 beschrieben wird. Sie soll laut Paulus im Zuge der Neuschaffung der Welt durch Gott, nachdem er die jetzige Welt komplett zerstört hat, geschehen. Man überlege sich, welch verheerende Konsequenzen dieser Heilsglaube für das christliche Menschenbild hat: Wir Menschen haben überhaupt keine Möglichkeit, unser eigenes Schicksal und das unserer Mitmenschen wie der Natur zu verbessern, sondern sind völlig auf Gottes Gnade angewiesen. Gott muß diese Welt letztendlich zerstören, weil wir schwach und sündig, unfähig zu sinnvollem Handeln sind. Für Humanismus ist da kein Platz, wohl aber für "Könige von Gottes Gnaden", die dafür sorgen, daß wir Untertanen wenigstens keinen Unsinn machen. Wer versuchte, über diese Offenbarung, "das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes" (1. Kor. 2,7) vernünftig nachzudenken, hatte gleich verloren. Doch darüber später mehr; im folgenden erklärt Bakunin, warum er Materialist ist und muß dabei zunächst ein tiefsitzendes Mißverständnis ausräumen: Der Fehler liegt also darin, Materie und Geist überhaupt zu trennen. Hat man das erst einmal getan (was nur abstrakt im Denken möglich ist) und erklärt sich anschließend zum Anhänger der Materie, dann müßte man folgerichtig sogleich das Denken einstellen, denn das hat sich nun in einen von der Materie völlig getrennten, in irgendwelchen abgehobenen geistigen Sphären wohnenden Vorgang verwandelt. Erhebt man hingegen das Ideal zum Herrscher über die Materie, steht man vor dem unlösbaren Problem, wie dieses Ideal denn die Materie beeinflussen soll. Denken (somit auch die Metaphysik) ist ein materieller Vorgang. Das darf beim Spekulieren über die Natur der Wirklichkeit nicht vergessen werden. Ideen befinden sich nicht außerhalb der Materie, sondern sind Teil von ihr, sie äußern sich in den Wirkungen der Materie wie in ihrer Struktur.

Einsteins Relativitätstheorie stellt eine sehr gute Illustration für die materialistische Sichtweise dar, denn Raum und Zeit sind keine absoluten, von der Materie unabhängigen ideellen Objekte, sondern untrennbar mit der Materie verbunden, ja sie entstehen überhaupt erst aus der Anwesenheit von Materie. Auch die Monaden von Leibniz sind eigentlich eine materialistische Vorstellung, jedoch versucht sich Leibniz (natürlich vergeblich) an dem Spagat, einen Schöpfergott in sein Weltbild zu integrieren.

Die Trennung von Materie und Geist hängt unmittelbar mit der Religion, dem Konstrukt eines Schöpfergottes, zusammen:

Wieder bestätigt ein Blick in die Briefe des Paulus Bakunins Vorwürfe. Freie Menschen läßt er nicht zu: Aha, Hitler, Stalin und George W. Bush sind also von Gott eingesetzt, da danke ich Gott aber schön - Mir ist von daher völlig unverständlich, wie jemand die Doktrin des Paulus zur Konstruktion eines humanistischen Menschenbildes heranziehen kann. Jenes besagt doch, daß der Mensch von Grund auf gut ist und daher fähig zur stetigen Vervollkommnung. Dazu braucht es keinen Gott, im Gegenteil, die Annahme eines Gottes erniedrigt den Menschen zum ewig ignoranten Sklaven dieser Gottheit und ihrer Priester.

Das Christentum und die Griechen

Auch Bakunin wundert sich, wie Menschen dazu kommen können, einen solchen Glauben auch nur in Erwägung zu ziehen: Den Offenbarungscharakter und Mystizismus des paulinischen Christentums illustriert neben den oben genannten Zitaten seine Vorstellung von Gottes "ewigem Plan", der für die Vernunft unergründlichen Vorsehung. Paulus muß diese Behauptungen so betonen, weil sich Denken und Glauben ausschließen - und er will ja, daß seine "Schäfchen" ihm seine Lehren unkritisch abnehmen. Menschliches Handeln ist ihm komplett irrelevant: "Also kommt es nicht auf das Wollen und Streben des Menschen an, sondern auf das Erbarmen Gottes" (Röm. 9,16). Selbstverständlich bestimmen die Priester, wessen sich Gott "erbarmt" und wer auf der Erde schon in der Hölle schmoren muß. Sie selbst gehören ausschließlich in die erste Kategorie.

Es läßt sich jedoch in der Entwicklung des religiösen Denkens auch ein gegenläufiger Trend beobachten, nämlich die allmähliche Verlagerung des göttlichen Einflusses hin zu den Menschen. Der Kontrast zwischen Paulus und den Denkern der Renaissance verdeutlicht dies sehr gut. Paulus sieht den Menschen als einen Sklaven entweder der Sünde oder Gottes ohne persönliche Freiheit. Der Humanismus der Renaissance war zwar auch noch religiös begründet, ließ jedoch aktives Eingreifen der Menschen in die Entwicklung des Kosmos zu, betrachtete uns als eine Art Werkzeuge Gottes, die in Harmonie mit dessen Gesetzen die Welt vervollkommnen. Durch den "göttlichen Funken" haben wir Teil an der Schöpfung, die nicht wie im Alten Testament nach sieben Tagen abgeschlossen war, sondern ein stetiger Prozeß ist.

Den nächsten entscheidenden Schritt gingen dann die Materialisten und Atheisten, die von der Idee, daß wir bloß ewig unvollkommene Abbilder eines vollkommenen Gottes sind, abgestoßen waren und erkannten, daß wir zwar nicht perfekt sind (denn wir sind ein kleiner Teil des Kosmos, der nur als Ganzes vollkommen ist), jedoch nicht von einem gedachten äußeren Einfluß zu menschlicher Größe gebracht werden. Diese Würde und Größe ist im Gegenteil unser eigentliches Wesen, das, was uns zu Menschen macht. Die Metapher vom Mikrokosmos beschreibt das sehr schön; der Makrokosmos ist selbstverständlich nicht etwa Gott, sondern eben der ganze Kosmos, den wir auf gewisse Weise in uns tragen. Erst der Materialismus war demnach die theoretische Grundlage für den Sprung in unsere eigene Größe, für die Überwindung der Angst, von der Mandela spricht.

Paulus hingegen liefert eine lupenreine Herrschaftsideologie für Oligarchen, verpackt in metaphysische Phrasen. Dazu Bakunin:

Die Ideale der Idealisten haben in der Praxis zwingend brutales Massenelend zugunsten einer kleinen privilegierten Oberschicht zu Folge, selbst wenn sie noch so gut gemeint sind: Da haben wir es: Die griechische Kultur basierte eben nicht auf einem Offenbarungsglauben, sondern auf der Vernunft, und in der Renaissance begannen die Europäer ganz vorsichtig an den Dogmen zu kratzen und sich wieder auf ihre Vernunft zu besinnen. Hätten sie doch damals die göttliche Autorität vollends verworfen und die Vernunft auf den Thron erhoben, der ihr rechtmäßig zusteht! So lebte die Gottesvorstellung als Fremdkörper im Humanismus weiter und konnte in der Restauration die Macht wieder ergreifen. Diese Gefahr besteht weiterhin.

Es mag zwar durchaus sein, daß das Christentum in seiner Interpretation durch Augustinus und seine Nachfolger ein notwendiger Schritt hin zur Befreiung der Menschen war, indem es alle Menschen gleichermaßen als Abbilder Gottes definierte. In der Theorie waren damit alle Privilegien abgeschafft, im praktischen Leben jedoch merkte man davon so gut wie nichts. Folgerichtig muß der nächste Schritt sein, sich von der Idee eines Schöpfergottes ganz zu trennen und die Aussage des Protagoras - "der Mensch ist das Maß aller Dinge" - in ihrer ganz konkreten Bedeutung anzuerkennen.

Bakunin beklagt sich denn auch über die Romantiker, die mit ihrem Idealismus die geistige Grundlage für Metternich und seine reaktionäre Bande lieferte:

Die Gefahr jedes Idealismus besteht darin, vor lauter Idealen die Wirklichkeit, das Schicksal der wirklichen Menschen, aus den Augen zu verlieren: Und so fragt Bakunin, und ich mit ihm:

II. Wahrheit und Autorität

Im zweiten Teil meiner Auseinandersetzung mit Michael Bakunins Gott und der Staat möchte ich den Schwerpunkt auf die Frage legen, welche Bedeutung Autorität in der menschlichen Gesellschaft hat und welche Legitimation es für Autorität geben kann. Bakunin erkennt allein die Wahrheit als Grundlage von Autorität an, alle anderen Autoritäten dienen ausschließlich der Unterdrückung. Die Wahrheit äußert sich in allgemeinen Prinzipien bzw. Naturgesetzen: Die Fähigkeit der Menschen, Naturgesetze zu erkennen und schöpferisch anzuwenden, ist eine Eigenschaft der Materie selbst, menschliches bewußtes Eingreifen in die Natur ist somit nicht prinzipiell von Vulkanausbrüchen, Sonnenwind oder dem Golfstrom unterschieden. Der Materialismus unterscheidet nicht zwischen Natur und Kultur, weil beide Teil des einen materiellen Kosmos sind und sich aus denselben grundlegenden Prinzipien ergeben, jedoch auf unterschiedlichen Ebenen. Wernadskij ist demnach Materialist, auch wenn er sich vielleicht nicht als solcher begreift.

Es klingt hier ferner schon die wichtige Erkenntnis an, daß Bildung die notwendige Voraussetzung für eine Gesellschaft freier Menschen ist, während Privilegien der Feind aller Freiheit sind, was sich immer wieder in der Geschichte bestätigt hat und auch heute bei jedem "Marsch durch die Institutionen" beobachtet werden kann:

Entsprechend muß man sich vor den Brotgelehrten, der modernen Priesterkaste, die Bakunin als "patentierte Vertreter der Wissenschaft" bezeichnet, hüten, und darf ihnen kein einziges Vorrecht lassen: Nikolaus von Kues sieht die Aufgabe der Wissenschaft, das Streben nach Erkenntnis genauso, allerdings setzt er Gott als Ziel der Erkenntnis, was der materialistische Standpunkt bekanntlich als unhaltbar zurückweisen muß. Wird unter Gott das allgemeine, abstrakte, dem Kosmos zugrundeliegende Schöpfungsprinzip verstanden, dann ist der Begriff "Gott" schlicht und ergreifend überflüssig und sollte abgeschafft werden, da viel zuviel Mißbrauch damit getrieben wird. Das Ziel der Wissenschaft ist dann einfach die vollständige Erkenntnis aller Prinzipien, die der Welt zugrunde liegen, was einer Selbsterkenntnis des Kosmos gleichkäme.

Abstraktion

Da die Wissenschaft nach allgemeinen Prinzipien sucht, kann sie die Einzelwesen und Einzeltatsachen nicht erfassen, welche jedoch das wirkliche Leben erst ausmachen. Bildlich gesprochen ist sie die Kerze in der Hand all der Individuen, die die Menschheit ausmachen, doch den Weg durch die Dunkelheit gehen die einzelnen Menschen, die Wissenschaft kann ihnen nur Orientierung geben. Ferner dürfen deswegen die Wissenschaftler sich nicht anmaßen, über das Leben der konkreten Individuen zu bestimmen: Ich erinnere an Bakunins Warnung, wie leicht man die Leiden und Bedürfnisse der wirklichen Menschen vergißt, wenn man für hohe Ideale kämpft. Wie viele Kriege wurden und werden geführt, weil beide Parteien davon überzeugt sind, das richtige und einzig wahre Ideal zu vertreten? Und jeder, der auf die feindliche Idee schießt, trifft doch Menschen aus Fleisch und Blut, deren Wohl das Ideal doch eigentlich dienen sollte. Interessanterweise geht Bakunin in diesem Punkt mit Rudolf Steiner konform, der ein "freies Geistesleben" anstrebt im Gegensatz zur staatlich gegängelten und von kurzfristigen Interessen der Wirtschaft dominierten Schule und Universität. Ganz im Sinne Wilhelm von Humboldts fordert Bakunin, die Wissenschaft und Bildung aus den Elfenbeintürmen der Eliten zu holen und allen Menschen zugänglich zu machen, allerdings darf in der Schule nicht Gehorsam und Unterwürfigkeit gelehrt werden: In seinem Ziel stimmt Michael Bakunin also voll und ganz mit Lyndon LaRouche überein: die vollständige und endgültige Befreiung der Menschheit, indem allen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, ihre schöpferische Vernunft frei zu entfalten. Doch steht diesem Ziel nach Bakunins - im übrigen auch meiner - Auffassung das Konstrukt eines Schöpfergottes im Weg, weil es die Menschen in der Praxis erniedrigt, selbst wenn die Theorie behauptet, nur weil ich von einem gütigen Gott als dessen Ebenbild geschaffen sei, habe ich eine Würde als Mensch. Meine Würde ist nicht abhängig von irgendetwas, auch nicht von einem Gott. Denn dann könnte dieser gegen Art. 1 GG verstoßen und meine Würde antasten. Die Priester taten das über Jahrtausende hinweg, weil sie sich als von Gott Auserwählte präsentierten, weil sie "Gottes Gebote" ausführten.

Man verfällt ja nicht automatisch in plattesten Positivismus und Vulgärmaterialismus, wenn man die Existenz eines Schöpfergottes abstreitet. Lediglich der Schritt vom allgemeinen Schöpfungsprinzip zum Schöpferwesen, das dann Gott genannt wird, ist unzulässig. Damit verlegt man das Gute, Wahre und Schöne aus dem materiellen Kosmos in eine abgehobene Sphäre, den Himmel, unerreichbar für uns Menschen, und macht uns damit zwangsläufig zu den niedrigsten und erbärmlichsten Kreaturen überhaupt, die der (göttlichen) Führung bedürfen. Mit Humanität und Freiheit hat das nichts zu tun.

Wir müssen ein für allemal als Grundsatz anerkennen, daß Glauben der Feind der Vernunft ist, daß Glauben und Denken sozusagen zwei verschiedene Betriebsmodi des Gehirns sind, und wenn es einmal vom Glauben zum Denken umgeschaltet hat, ist eine Umkehr unmöglich, weil wir das bisher nur Geglaubte dann als wahr oder falsch wissen. Und ich weiß inzwischen, daß Gott nur ein Hirngespinst war, das mich von meinem persönlichen Wachstum und dem Einsatz für die leidenden Menschen dieser Welt abhalten sollte - denn auch diese werden angeblich erlöst, wenn sie nur brav an die Dogmen der Religion glauben. Der Glaube an ein Paradies und die dortige Vereinigung mit dem Schöpfer nach dem Tod verhindert, sich jetzt für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse aller Menschen einzusetzen.


Antwort der Redaktion

Lieber Timo,

Dein Text über Bakunins Ansichten über Mensch und Gott, Autorität und Wahrheitssuche gibt durchaus interessante Einblicke in das Denken des russischen Revolutionärs - und auch in Deines (obwohl Du gelegentlich verraten solltest, worin Du nicht mit B. übereinstimmst; aber ich kenne das aus eigener Erfahrung: Wenn man über jemanden arbeitet und ihn anderen nahebringen möchte, dann läßt man Dinge, die einem selbst nicht gefallen, am liebsten weg). Einige Gedanken und Beobachtungen B.s sind sehr treffend, wie z.B. die Charakterisierung der Romantiker, anderes ist merkwürdig widersprüchlich wie etwa die Stelle über die Wissenschaft als "unseren Christus", gegen die er dann, als Metapher, "Gott, den Vater, der die wirkliche Welt, das Leben ist" auf den Plan ruft...

Sicherlich könnte man einiges sagen zum politischen Anarchismus und wie er regelmäßig von schlauen Oligarchen für ihre Zwecke eingesetzt wurde und wird - siehe Genua 2001 - ; aus Platzgründen soll auch der Apostel Paulus hier unverteidigt bleiben. Ich muß mich auf das Wesentliche beschränken.

Du hast Dir ein gewisses Welt- und Menschenbild zurechtgelegt und versuchst nun auszutesten, zu welchem Grade es sich im Einklang oder im Konflikt z.B. mit dem unsrigen befindet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß wir eine ökumenische Bewegung sind, in der Menschen ganz verschiedener Konfessionen aktiv sind - ein lebendiger Dialog der Kulturen sozusagen. Dabei bedient sich jeder mehr oder weniger der ihm gewohnten Ausdrucksweise - d.h. hier in Europa eher der christlichen als etwa der konfuzianischen Begrifflichkeit. Aber die größte Freude ist, wenn man solche universellen Ideen findet, die verschiedene Kulturen auf einer höheren, weniger äußerlichen Vernunftebene vereinen.

Natürlich schließt der Dialog der Kulturen auch den Atheismus ein. LaRouche hat oft betont, daß man wesentliche Ideen der Physischen Wirtschaft oder der Kultur auch ohne Rückbezug auf Gott als Autorität ausdrücken können muß, damit auch Atheisten sie verstehen. Allerdings gehört zu diesem ökumenischen Dialog eine gewisse Toleranz - nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus dem Wissen, daß es nicht darauf ankommt, welche Worte, Begriffe, Namen der andere verwendet, sondern welche Idee er damit ausdrücken will. Und um diese Idee zu erfassen, muß man von diesen Namen absehen können. Mit anderen Worten, einem vernünftigen Atheisten sollte nicht gleich die Galle überlaufen, wenn jemand vielleicht etwas unreflektiert von Gott oder Monotheismus spricht.

LaRouche hat seine Weltanschauung früher oft als "Hypothese der höheren Hypothese" bezeichnet. Und ich dächte, der weise Atheist sollte seine Ansicht auch grundsätzlich als Hypothese betrachten, wobei er davon ausgeht, mit ihr bessere Resultate im Denken und im Handeln zu erzielen und größere Weisheit zu erlangen als mit einer nach seiner Ansicht durch irgendwelche Glaubensartikel eingeschränkte positive Religion. Ein solcher Wahrheitssucher würde dann wohl mit einigem Staunen lesen, was Nikolaus von Kues schrieb: "Gott erfaßt man nicht wie etwas Erkennbares, dem man dann, wenn man es erkannt hat, einen Namen gibt. Vielmehr sehnt sich das Denken nach dem Unbekannten; aber da es das nicht fassen kann, nennt es dieses Unerkannte das Eine, worin sich die Ahnung ausdrückt, daß es dieses Eine ist, wonach das Denken sich sehnt."

Auch mit dem, was Du über die Zusammengehörigkeit von Geist und Materie schreibst, stimmt Nikolaus von Kues grundsätzlich überein. Nicht erst Einstein sieht Raum und Zeit nur als Ordnung des neben- bzw. nacheinander Existierenden, auch Nikolaus von Kues und Leibniz sind sehr nachdrücklich dieser Ansicht - im Gegensatz zu Descartes, Newton usw. In dem Sinne, wie Du Wernadskij einen "Materialisten" nennst, könnte dies für den Cusaner ebenfalls gelten, der übrigens ausdrücklich verneint, daß Gott räumlich außerhalb oder zeitlich vor dem existierenden All des Existierenden zu denken sei (Die belehrte Unwissenheit, Globusspiel).

Wenn Du glaubst, daß Religion in der Dir bekannten Form Dich von "Deinem persönlichen Wachstum und dem Einsatz für die leidenden Menschen dieser Welt" abhält und der Gedanke an ein Jenseits Dich hindert, Dich "jetzt für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse aller Menschen einzusetzen", dann hast Du recht, diese Fesseln abzulegen. Die Frage ist aber, warum empfindest Du die Idee "Schöpfergott" als Zumutung, als etwas, das Dich kleinmachen soll, während sie mich z.B. überhaupt nicht behindert, sondern im Gegenteil in meinem Menschsein bestärkt?

Bei Bakunin kann ich es einigermaßen verstehen, denn man muß sich die Verhältnisse im zaristischen Rußland vor Augen führen: widerwärtigster Absolutismus, ein bogomilisch verkorkstes Christentum, eine verkommene Priesterkaste, Kirchen, in denen die Gläubigen stehen oder knien mußten und sogar der Altar in einem anderen Raum stand, Leibeigenschaft, ein dummstolzer Adel, der (mit Ausnahmen natürlich) Schulen und Bildung nicht nur als Zumutung, sondern auch als Bedrohung betrachtete, Hungersnöte und eine Leidensfähigkeit des armen Volkes, die tatsächlich zum großen Teil durch den Glauben an ein besseres Leben nach dem Tode bedingt war. Wie soll man sich dagegen nicht empören? Aber warum gegen Gott? Liegt das vielleicht daran, daß B. eine ganz andere Idee von Gott hat als Nikolaus oder Leibniz?

Hier und heute herrschen ganz andere Verhältnisse. Die Kirchen sind beinahe zu Randgruppen geworden, Atheismus ist gang und gäbe. Vielleicht muß man unterscheiden zwischen Atheismus aus Nachlässigkeit und einem prinzipiellen Atheismus, der den Begriff Gottes aus ähnlichen Gründen ablehnt wie B. (obwohl das heute nicht mehr besonders revolutionär ist)? Woher kommt dieser Atheismus, bzw. diese andere Vorstellung von Gott als von außen drückender Gewalt?

Ich vermute, es hat mit der Denkmethode zu tun. Der Gedanke kam mir bei B.'s Beschreibung der Wissenschaft als Reich der Abstraktion, die gefühllos und unlebendig immer nur Gegebenheiten feststellt und nie etwas schafft. Halte dagegen LaRouches Physische Ökonomie, die Veränderung der physischen Umwelt durch die materielle Wirkung von Ideen. Bei Nikolaus gibt es das noch nicht, im Ansatz aber bei Leibniz. B. weiß davon nichts, oder ignoriert es. Sein wiederholtes Betonen des Abstrahierens als Denkart der Wissenschaft - mehr als seine Angriffe auf die Idealisten (befaßt hat er sich wohl hauptsächlich mit Fichte und Hegel, nicht mit Leibniz oder Schiller) - legen nahe, daß er im Prioritätsstreit zwischen Ideen und Dingen, zwischen der Auffassung des Platon oder des Aristoteles implizit letzerem den Vorzug gab.

Das ist des Pudels Kern: das aristotelische Primat der Dinge über die Ideen! Besonders deutlich habe ich dieses Problem bei Nikolaus von Kues in "Der Laie über den Geist" erklärt gefunden. Die Schule des Aristoteles behauptet, zuerst existieren die Dinge, und der Mensch macht sich dann, indem er alles Besondere von ihnen abstrahiert, eine allgemeine Idee von ihnen. Nehmen wir z.B. Häuser: Flachdach-Bungalow, Einfamilienhaus, Lehmhütte, Prachtvilla, Blockhaus usw. Den verstandesmäßigen Prozeß des Abstrahierens kann man sich wohl wie ein Computerprogramm vorstellen, bei dem die einzelnen Häuser in ihre wesentlichen Bestandteile zerlegt werden und dann untersucht wird, welche Elemente davon all diesen Häusern gemeinsam sind: Wände, Dach, Tür, Fenster. Deren Ensemble ergibt die Abstraktion Haus, darstellbar als Strichzeichnung. Manchmal heißt eine solche Abstraktion auch "allgemeine Idee". Die Abstraktion ist also nur ein Schatten der sichtbaren Dinge, und darin unterscheidet sie sich grundsätzlich von Platons Idee.

Die Frage ist aber, wenn Ideen angeblich nur infolge von bereits vorhandenden Dingen zustande kommen, woher kam dann die Idee des ersten Hauses? Oder überhaupt neue Ideen, Erfindungen, die erst wenn sie praktisch angewandt werden, eine ganze Reihe völlig neuer, nie dagewesener Gegenstände hervorbringen? Um nicht zugeben zu müssen, daß der menschliche Geist Ideen direkt hervorbringen kann, behaupten eingefleischte Aristoteliker gern, Erfindungen wie das erste Haus seien ganz zufällig, ohne zu denken, zustandegekommen. Und als sie dann da waren, habe man daraus durch Verallgemeinerung die abstrakte Idee abgeleitet. Was spricht aber dagegen, daß die Idee des ersten Hauses als etwas zum Drinwohnen, ein Dach mit vor Wind und Kälte schützenden Wänden, eine Art künstliche Höhle konzipiert wurde? Würde so ein Konzept unseren frühen Vorfahren nicht zur Ehre gereichen?

Und war es nicht so, daß die Idee "Haus" in den verschiedensten Umständen, Zeitaltern und technischen Möglichkeiten die verschiedensten konkreten Formen annahm und noch weiter annehmen wird, die man chronologisch oder nach anderen Kriterien geordnet als unendliche Mannigfaltigkeit (Cantor) auffassen kann? Die Idee "Haus" ist das Erzeugungsprinzip, der Typus oder Gattungsbegriff der geordneten unendlichen Menge der vielen verschiedenen Häuser. Die vielen Häuser vereinigt das eine Urbild, oder ihr Inbegriff.

Der Mathematiker Georg Cantor entwickelte aus diesem Gedanken eine allgemeine Mannigfaltigkeitslehre und eine Theorie der transfiniten Zahlen. Die kleinste transfinite Zahl ist diejenige, welche das Erzeugungsprinzip der unendlichen Reihe 1, 2, 3, ... n angibt. Diese Reihe entsteht, indem man jeweils ein neues Glied hinzufügt, das gegenüber dem letzten um eins vergrößert worden ist. Es gibt aber noch unendlich viele andere transfinite Zahlen, die auch wieder geordnet werden können. Cantor hat auch nachgewiesen, daß nicht alle unendlichen Mengen gleich groß sind, sondern daß ihr Typus unterschiedliche Mächtigkeit haben kann. Es gibt also Erzeugungsprinzipien oder transfinite Zahlen oder Ideen unterschiedlicher bzw. aufsteigender Mächtigkeit.

Cantor war ein Zeitgenosse Bakunins. Die Aristoteliker seiner Zeit wollten Cantor den Umgang mit solchen unendlichen Mengen nicht erlauben. Bertrand Russell war nach Cantors Tod der prominenteste Gegner seiner Mannigfaltigkeitslehre, die so präzise den Primat der einen Idee vor den vielen Gliedern der Reihe darstellbar machte. Wenn sie sich auf breiterer Ebene hätte durchsetzen können, wäre dies das Ende aller syllogistischen Spiegelfechtereien und empiristischen Dummheiten gewesen, die man heute immer noch aufgetischt bekommt.

Z.B. im Zusammenhang mit der Debatte um die Stammzellenforschung bzw. die Frage, ob befruchtete Eizellen Embryonenschutz genießen sollen, oder nicht. Man erkennt die Absurdität schon an der Frage: Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Weder mit willkürlichen Definitionen (erst ab der Einnistung) noch mit empirischen Sinneseindrücken (wenn der Embryo menschliche Form annimmt) kommt man hier weiter, und die Debatte zeigt, daß besonders die Neodarwinisten die Cantorsche Idee "Mensch" nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Zur Idee "Mensch" gehört offensichtlich die ganze unendliche Reihe der Entwicklungsstationen eines menschlichen Potentials: Zygote, Einnistung, Beginn des Zentralen Nervensystems, sichtbar menschliche Form, typische Bewegungen im Mutterleib, dann der große Einschnitt der Geburt, womit die eigentliche Entfaltung des individuellen menschlichen Potentials erst wirklich beginnt: Auf die Säuglings-, Kleinkind- und Schulkindphase sollte nicht nur die Geschlechtsreife, sondern auch die geistige Reife zu selbständiger Arbeit folgen, die Erarbeitung eigenen Wissens, die Bewährung in Beruf, Familie und Verantwortung für das Gemeinwohl, und zugleich das immer fortgesetzte An-sich-Arbeiten mit dem Ziel zunehmender Weisheit, Gerechtigkeit und echter Autorität gegenüber anderen, für die man Verantwortung trägt.

Die Vervollkommnung kann und soll immer weitergehen; das Potential des Menschen ist demnach nicht begrenzt, die Reihe unendlich. Dies ist ein wichtiger Aspekt der menschlichen Freiheit. In jeder Phase aber ist der Mensch Mensch. Das Potential macht den Menschen zum Menschen, nicht der Grad, zu dem es sich erfüllt.

Auf diese Art und Weise kann man die ganze Evolution erfassen und nachvollziehen: die unbelebte Materie mit ihren Elementen und deren Zusammensetzungen, die elektromagnetische Strahlung, sowie jener Teil der unbelebten Materie, der aus lebender Materie entstanden ist; dann die belebte Natur von den Einzellern über die Pflanzen, die niederen und höheren Tiergattungen bis hin zum Menschen; dann die vom menschlichen Denken geprägte Noosphäre mit allen Veränderungen aufgrund menschlicher Geistestätigkeit. Jeder Teilaspekt dieser aufsteigenden Reihe ist selbst eine unendliche Reihe, die definiert ist von einem Erzeugungsprinzip, einer transfiniten Zahl. Und diese Reihe transfiniter Zahlen mit ansteigender Mächtigkeit gehorcht notwendig selbst einem Erzeugungsprinzip noch höherer Ordnung. LaRouche nannte es "Hypothese der höheren Hypothese". Du nanntest es "Schöpfungsprinzip". Mehr braucht es eigentlich nicht - solange klar ist, daß dieses Prinzip nicht in "Selektion und Anpassung" besteht, sondern ein mächtiges Wirkprinzip ist, das ein Abbild hat im menschlichen schöpferischen Geist.

Halte dagegen das Weltbild Newtons und der Materialisten - die eben leider nicht dachten wie Cusanus oder Wernadskij: Paarweise Beziehungen zwischen Teilchen im (fiktiven) leeren Raum, ein entropisches, mechanisches Universum, das von Zeit zu Zeit einen Uhrmacher oder "deus ex machina" braucht! Hier hast Du den fiktiven, von außen wirkenden Gott, über den Goethe sich im Gedicht "Prooemium" lustig macht. Es ist der Gott Newtons, nicht der von Cusanus, Leibniz, Lessing, Goethe oder Schiller. Deren Gott ist nicht außerhalb der Welt, sondern wirkt in ihr. Wie Schiller am Ende des Gedichts "Die Worte des Wahns" sagt: "...Es ist nicht draußen, da sucht es der Tor; es ist in Dir, Du bringst es ewig hervor."

Der Fehler des "deus ex machina" beginnt bereits mit dem Primat der Dinge über die Ideen. Statt auf das Hervorbringen neuer Ideen konzentriert sich das Denken auf das Abstrahieren: Es versucht, das Gegebene zu zergliedern und es mechanisch, auf mathematisch-deduktive Weise beschreibbare Weise wieder zusammenzusetzen. Im Extremfall führt das zudem Versuch, den Inhalt eines Buches durch die Analyse der Buchstaben zu erfassen, oder in der Behauptung, der menschliche Geist ließe sich durch einen intelligenten Computer ersetzen. Erkenntnis wird mit Darstellbarkeit im Rahmen des deduktiven Systems der herkömmlichen Mathematik verwechselt. Wernadskijs Prinzip des Lebens und der Noosphäre, geschweige denn LaRouches "Hypothese der Hypothese" sind damit nicht zu erfassen. Kant nennt dieses mit dem deduktiven Verstand nicht Erfaßbare "Ding an sich", andere sagen dazu "Hirngespinst". Da das Prinzip des Lebens aber unstreitig existiert und wirkt, desgleichen der menschliche Geist, liegt bei der aristotelischen Denkweise eine unnötige und unzulässige Beschränkung vor. Und nur aufgrund dieser Beschränktheit erscheint es so, als läge das schöpferische Prinzip irgendwo außerhalb und unerreichbar.

Damit ist nun eigentlich genug gesagt. Nur noch eine Anmerkung zu Bakunins Menschenbild vom Tier, das denken und sich empören kann. Ich finde es vor allem unvollständig, vermisse die Fähigkeit zu Freude, Liebe (Agape) und auch zum Humor. Wie zum Denken und zur Empörung finden wir bei den Tieren auch dazu zwar eine gewisse Anlage und Vorstufe, aber erst beim Menschen die höhere, geistige Form. Und außerdem: Wer nur denken und sich empören kann, ist zwar ein Mensch, aber kein glücklicher, sondern ein "idealer" im schlechtesten Sinne. Er ist nur ausgedacht und kommt im wirklichen Leben zum Glück nicht vor.

Gabriele Liebig

 

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