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Aus der Neuen Solidarität Nr. 52/2001:

Scharons Spionagenetz in den USA

US-Geheimdienstkreise haben den Medien weitere Informationen zugespielt, die auf eine systematische Spionage israelischer Geheimdienste in den Vereinigten Staaten hinweisen. Anscheinend wurden sogar hochgeheime und hochgesicherte Kommunikationssysteme der Regierung bis hinauf zum Weißen Haus "abgeschöpft". Bereits vor Wochen veröffentlichte Recherchen von EIR wurden damit bestätigt.


Amdocs und Comverse Infosys
Die Ecstasy-Mafia

Comverse Infosys, Bill Clinton & Monica Lewinsky

Wer schützt den Spionagering?

Exakt drei Monate nach den Anschlägen von Washington und New York haben amerikanische Geheimdienstkreise Informationen an die Medien durchsickern lassen, welche die Frage aufwerfen, ob der israelische Geheimdienst im voraus von den Anschlägen am 11. September wußte und die US-Behörden nicht darüber informiert hat. Die hochbrisanten "Informations-Lecks" der US-Dienste erfolgten zu einem Zeitpunkt, da der israelische Regierungschef Scharon offen die Beseitigung Jassir Arafats proklamiert und zielstrebig auf einen Krieg im Mittleren Osten zusteuert (siehe unseren Leitartikel in Nr. 51/2001 "Israelische Spione in Putsch vom 11. September verwickelt?", www.solidaritaet.com).

Unsere amerikanischen Kollegen von EIR gehen nun der Frage nach, ob einige der mehr als 60 nach dem 11. September in den USA verhafteten Israelis Geheimdienstzellen angehören, die mit den Stellen, die den Putschversuch am 11. September organisierten, in irgendeiner bisher noch ungeklärten Weise in Verbindung stehen.

Bei der Pressekonferenz am 13. Dezember im US-Außenministerium rief Außenminister Colin Powell als ersten Reporter den EIR-Korrespondenten auf, der ihm eine Frage zur israelischen Spionage und möglichen "Querverbindungen" zum 11. September stellte. Mit seiner Antwort bestätigte Powell als bisher ranghöchster Regierungsvertreter, daß in dieser Richtung ermittelt wird und er in dieser Angelegenheit mit der israelischen Regierung in Verbindung steht. "Zur Frage, warum sie [die etwa 60 Israelis] festgehalten werden, und zu den anderen Aspekten Ihrer Frage, ob dies so ist, weil sie für den Geheimdienst arbeiten oder was sie sonst tun, muß ich an das Justizministerium und das FBI verweisen."

Im vierten Teil der Serie vom 14. Dezember bezieht sich Fox News auf diese Äußerung Powells und fügt hinzu, nach Angaben der nachrichtendienstlichen Quellen des Senders "herrscht beim FBI, der [Drogenbekämpfungsbehörde] DEA und der [Einwanderungsbehörde] INS helle Aufregung". Es gehe nicht nur um die 60 Verdächtigen, die seit dem 11. September festgenommen wurden, sondern auch noch um weitere 140 Israelis, die in diesem Jahr in Haft genommen wurden. Laut Regierungsdokumenten betreffe der Fall "eine organisierte Geheimoperation zur Informationsbeschaffung" mit dem Ziel der "Unterwanderung von Regierungseinrichtungen" durch israelische Dienste.

Amdocs und Comverse Infosys

Im Mittelpunkt der Spionagevorwürfe stehen zwei israelische Softwareunternehmen, Amdocs und Comverse Infosys, deren Forschungs- und Entwicklungsprojekte von der israelischen Regierung subventioniert wurden. Amdocs betreibt für die meisten großen Telekomfirmen der Welt die Abrechnungssoftware, die bei jedem Telefonat, Faxschreiben und Internetkommunikation automatisch mitläuft. (Auch die Deutsche Telekom arbeitet mit Amdocs.) Amdocs hat Tausende Angestellte weltweit, die für die Wartung der Software zuständig sind. Die Amdocs-Software verfolgt bei den Telefongesellschaften jeden Anruf in Echtzeit zu Rechnungszwecken. Der neue Bericht von Fox News zitiert US-Regierungsquellen, die erklären, diese Rechnungssoftware lasse sich auch "anzapfen", so daß man Telefonate und Datenübertragungen insgeheim und illegal abschöpfen könne. Ähnliches berichtete die Washington Times in einem Artikel über israelische Spionageaktivitäten schon am 29. Mai 2000.

Das andere Unternehmen, Comverse Infosys, verkauft an Polizei- und Justizbehörden in aller Welt Software, die für das legale Abhören von Telefongesprächen verdächtiger Personen bei strafrechtlichen Ermittlungen verwendet wird.

Wie Fox News am 14. Dezember berichtete, gab es 1997 zum ersten Mal Ermittlungen gegen die beiden israelischen Firmen in Los Angeles. Dies geschah im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren örtlicher und nationaler Polizeibehörden gegen ein israelisches Verbrechersyndikat, das Rauschgifthandel mit Ecstasy betrieb, das von Israel und Europa aus nach New York, Miami und Los Angeles gebracht wurde. Die Polizei mußte damals feststellen, daß ihre eigenen Abhöroperationen selbst wiederum abgehört wurden! Fox News: "Laut geheimen Polizeidokumenten, die an Fox News gelangten, haben die Gangster die Beeper, die Handys und sogar häusliche Telefone der Polizei angezapft. Als Ermittler herauszufinden versuchten, woher die Informationen kommen konnten, stießen sie auf Amdocs, eine Aktiengesellschaft aus Israel... Als die Ermittler ihr eigenes Abhörsystem auf Lecks untersuchten, untersuchten sie potentielle Schwachstellen in den Computern, die die abgehörten Gespräche anzapfen, aufzeichnen und archivieren. Ein Hauptlieferant dafür ist Comverse Infosys, das eng mit der israelischen Regierung zusammenarbeitet."

Die Ecstasy-Mafia

In den Berichten der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) heißt es, israelische Verbrechersyndikate, die über russische Auswanderer mit der russischen Mafia verbunden seien, hätten in den letzten Jahren den "Export" von Ecstasy nach Nordamerika unter ihre Kontrolle gebracht. Der zuständige DEA-Beamte in Los Angeles, Assistant Special Agent Michael Braun, erklärte auf einer Rauschgiftkonferenz im Mai 2000, der Ecstasy-Markt sei fest in der Hand des israelischen Organisierten Verbrechens, das modernste und sehr teure Kommunikations- und Verschlüsselungsgeräte sowie hochprofessionelle Methoden der Gegen-Überwachung und der Neutralisierung polizeilicher Überwachung einsetze.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, daß diese israelische Mafia-Syndikate auf schon früher existierende Methoden des Diamantenschmuggels aus Amsterdam und Antwerpen zurückgreifen, um die Ecstasypillen in die USA zu bringen. Vier oder fünf der nach dem 11. September inhaftierten Israelis waren den US-Behörden aufgefallen, weil sie sich weigerten, ihr Appartement in der Nähe des New Yorker World Trade Centers zu evakuieren. Es stellte sich heraus, daß diese Wohnung das Hauptquartier eines Ecstasy-Drogenrings war.

Comverse Infosys, Bill Clinton & Monica Lewinsky

Nach geltendem US-Recht müssen Telekommunikationsfirmen stets eine Computerschnittstelle zu ihren Kommunikationslinien einrichten, damit die Strafverfolgungsbehörden bei entsprechender richterlicher Genehmigung für laufende Ermittlungen Telefongespräche etc. abhören können. Das große FBI-Büro in Quantico (Virginia) überwacht die Einhaltung dieses Gesetzes, und nach Angaben von Fox News hat jemand innerhalb des FBI dafür gesorgt, daß "jahrelang große Teile dieses [Abhör-]Geschäfts Comverse zugute kamen". Etliche Regierungsbeamte haben nach Ausscheiden aus dem Dienst bei Comverse Infosys Beschäftigung gefunden. Der Vorstandsvorsitzende von Comverse Government Systems Corp., ein Tochterunternehmen von Converse Infosys, das Abhörausrüstungen an Regierungsbehörden verkauft, war Robert Marsh - ein ehemaliger General der US-Luftwaffe. Ironischerweise wurde dieser General Marsh unter Präsident Bill Clinton Leiter der staatlichen "Kommission zum Schutz kritischer Infrastruktur", zu deren Aufgaben es gehörte, Datenkommunikationssysteme vor unerwünschtem Anzapfen oder Störungen von außen zu schützen.

Am 21. Mai 2000 berichtete die Londoner Times unter Berufung auf amerikanische Regierungsquellen, die israelische Regierung hätte E-Mails und andere Kommunikation des damaligen Präsidenten Clinton angezapft. "Die Enthüllungen kommen zu einem sensitiven Zeitpunkt, denn der israelische Ministerpräsident Ehud Barak soll heute zu Gesprächen mit Clinton über den Nahost-Friedensprozeß nach Washington fliegen", fügte die Times damals hinzu.

Bei der berüchtigten Lewinsky-Affäre machte Clinton auch persönlich eine entsprechende Andeutung. Im Bericht des Sonderermittlers Kenneth Starr wird Clinton zitiert, wie er zu Monica Lewinsky sagt, seine Telefongespräche würden von einem anderen Land abgehört - er sagte nicht, welches. In dem Times-Artikel heißt es, israelische Agenten hätten ein Unternehmen namens Telrad unterwandert, das vom größten Telekomkonzern Nordamerikas, Nortel, mit der Entwicklung und Installierung eines neuen Kommunikationssystems im Weißen Haus beauftragt wurde.

Wer schützt den Spionagering?

Weder Fox News noch EIR sind derzeit in der Lage, etwas Genaueres über mögliche Verwicklungen der 60 Festgenommenen in den Anschlag vom 11. September zu sagen. Fox hat lediglich angedeutet, daß die israelischen Agenten eventuell Vorabinformationen über die Angriffe besaßen, die sie nicht an die US-Regierung weiterleiteten. Das an sich wäre, sollte es sich als wahr herausstellen, schon eine Ungeheuerlichkeit. Doch wir möchten die Aufmerksamkeit auf eine andere, noch wichtigere Frage lenken: Welche Stellen und Personen innerhalb der amerikanischen Regierung haben diese israelische Spionagetätigkeit jahrelang geschützt und warum?

Von 1993 bis 1999 war einer der wichtigsten FBI-Beamten bei Terrorismusermittlungen in der hochgeheimen "Intelligence Division" des FBI ein gewisser Neil Herman. Er leitete eine Sondergruppe zur Terrorismusbekämpfung (Joint Terror Taskforce) in New York City zum Zeitpunkt des Bombenanschlags auf das World Trade Center im Februar 1993. Bis heute kann niemand erklären, warum das FBI diesen Anschlag nicht verhindern konnte, obwohl es in der Gruppe, die später wegen des Anschlags verhaftet und verurteilt wurde, einen V-Mann hatte.

Bis 1999 war Herman zum Chef der Terrorismusabwehr in der Intelligence Division aufgestiegen. Doch in diesem Jahr verließ er das FBI und wurde statt dessen Leiter der "Fact-Finding Division" der Anti-Defamation Lague (ADL) in New York. Diese "Informationssammelabteilung" der ADL arbeitet mit israelischen Regierungsstellen zusammen und vergibt "Untersuchungsaufträge" an verschiedene Unternehmen und Privatpersonen. Eine solche Person war Graham Knowles, der Verbindungsmann des V-Manns bei dem Bombenanschlag von 1993, eine andere Roy Bullock aus San Francisco. Der ADL-Mann Bullock wurde noch 1993 beim deutschen Verfassungsschutz als "Extremismusexperte" hofiert. Er befand sich gerade zu Gesprächen beim Berliner Landesverfassungsschutz, als sein Büro und Wohnhaus in San Francisco von der Polizei durchsucht wurden. Das FBI ermittelte gegen ihn wegen des Verkaufs geheimer US-Regierungsunterlagen an ausländische Geheimdienste.

Angefangen 1986 mit dem berüchtigten Spionagefall Jonathan Pollard - dem zu lebenslanger Haft verurteilten israelischen Spion - bis jetzt zu den Festnahmen im Zusammenhang mit dem 11. September, zeigte sich immer wieder, daß innerhalb der amerikanischen Regierung ein wirksames Vorgehen gegen die israelische Spionage von hoher Stelle sabotiert wurde, oft unter Einsatz massiver politischer Erpressung. Daran zeigt sich, wie nötig es ist, dieser Korruption und Unterwanderung der US-Behörden ein Ende zu machen - aber auch, wie schwierig es ist. Da Amdocs und Comverse Infosys auch in Europa präsent sind, muß man außerdem davon ausgehen, daß auch europäische Polizeibehörden und Geheimdienste in durchaus ähnlicher Weise "abgeschöpft" wurden.

Roger Moore

 

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