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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2002

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Das Berliner Wohnungsdebakel

Hauptstadt. Es muß schon einiges im Argen liegen, wenn Hausbesitzer neue Mieter mit Schnäppchenangeboten anlocken müssen.

"140000 Wohnungen stehen in Berlin leer", konnte man neulich in der Berliner Morgenpost lesen. Zwar sind gute Wohnungen weiterhin rar und teuer, aber in unsanierten Plattenbauten in Ostberlin stehen bis zu 16% der Wohnungen leer (durchschnittlich 2,9% im Westteil der Stadt). Am dramatischsten ist die Lage in Ostberliner Randbezirken wie Hellersdorf, Marzahn oder Pankow.

Die Wohnungsunternehmen haben sich einiges einfallen lassen, um mit Schnäppchenangeboten neue Mieter anzulocken. Bei Anmietung einer Wohnung lockt im Rahmen der Aktion "Mallorca-Dankeschön", eine kostenlose Urlaubsreise oder ein "Wellness-Monat" mit freiem Strom, Kabelfernsehen, Grundmiete für einen Monat oder kostenloser Waschmaschine. Für eine Wohnung in der 4. bis 6. Etage ohne Fahrstuhl kann der "Kraxelbonus" in Anspruch genommen werden (4 bis 6 Grundmieten frei). Die Gesellschaft "Helle Mitte" lockt mit kostenlosem Computer und 100 Stunden Internet gratis. Billigerer Strom, kostenlose Abwicklung des Umzugs, Ausflugsfahrten, verbilligtes BVG-Ticket u.ä. runden das Angebot ab.

Alles umsonst? Berlin hat einen Aderlaß zu verzeichnen. In den vergangenen zehn Jahren zogen 240000 Menschen nach Brandenburg, im Jahr 2000 waren es allein 33000. Für die Kommunen bedeutet dies einen Verlust an Steuern und Abgaben in Höhe von 3000 Euro pro abgewanderter Person, was hochgerechnet die Summe von 100 Mio. Euro im Jahr 2000 ergibt. Was die Förderung des Wohnungsbaus betrifft, möchte Finanzsenator Sarrazin auf Neuförderungen gänzlich verzichten, auf teure Anschlußdarlehen ebenfalls. Zitat Tagesspiegel: "In der Folge könnten einige Wohnungsunternehmen notleidend werden, aber es wäre allemal günstiger, denen unter die Arme zu greifen als die Anschlußförderung weiter zu zahlen."

ull