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Aus der Neuen Solidarität Nr. 21/2002

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Killer-Spiele verbieten!


US-Militär mischt mit bei Gewaltvideospielen
Indizierung von Gewaltvideospielen würde LAN-Szene stillegen

US-Militär mischt mit bei Gewaltvideospielen

In der vergangenen Woche zitierten wir Lyndon LaRouches Bemerkung, mit Hilfe der mörderischen Videospiele würden genau jene gladiatorenhaften Charaktere geformt, die Samuel Huntingtons Idealbild des Söldners entsprechen. Tatsächlich ergaben Ermittlungen von EIR, daß die US-Armee aktiv an der Entwicklung von Tötungssimulatoren (David Grossman) beteiligt ist, die nicht nur dazu dienen, aktive Soldaten zum reflexhaften Töten zu drillen, sondern auch an private - oft sehr junge - Kunden verkauft werden. Schon am 2. Juli 1999 - früher als alle anderen Medien und nur zwei Monate nach dem Massaker an der Columbine High School - hatte EIR über die damals noch geheimen Pläne der US-Armee berichtet, noch im gleichen Jahr zu diesem Zweck ein eigenes Institut zu gründen.

Im Haushalt der US-Armee sind offiziell 40 Mio. Dollar für Arbeiten des Instituts für Kreative Technologien (ICT) der Universität von Südkalifornien vorgesehen. Das ICT ist von der US-Armee beauftragt, eine neue Spielekonsole und ein Computerspiel zu entwickeln, das einerseits zur Ausbildung der Soldaten dienen, andererseits aber auch kommerziell vermarktet werden soll. Offenbar gibt es noch nicht genug jugendliche Massenmörder.

Das ICT heuerte wiederum Firmen an, die satanische Videospiele jener Art erfinden, wie sie der Erfurter Massenmörder spielte: Die Spielekonsole, genannt C-Force, wird von der Firma Future Combat Systems entwickelt, einem Gemeinschaftsunternehmen der Firmen SonyImageWorks und Pandemic Studios. Das Spiel, derzeit unter dem Arbeitstitel CSXII bekannt, wird von der Firma Quicksilver Software erarbeitet.

Die Gründungsmannschaft des 1999 auf Initiative der US-Armee gegründeten Instituts kam von Sumner Redstones Medienkartell Viacom. Viacom kontrolliert u.a. den Fernsehsender CBS, die Paramount Studios, die Video-Ladenkette Blockbuster, den Verlag Simon & Schuster, verschiedene professionelle Sportmannschaften. ICT-Exekutivdirektor Richard D. Lindheim kam von Paramount und holte weitere Manager von Redstone, Viacom und Paramount, die jetzt das Institut leiten und die Zusammenarbeit mit dem Milieu der Videospiel-Entwickler koordinieren.

Was bei dieser Zusammenarbeit herauskommt, illustriert eine in Reboot Camp erschienene Besprechung des kürzlich veröffentlichten Kampfspiels Rainbow Six - Rogue Spear, in der es heißt: "Einige militärische Geheimnisse sind nur für Elitetruppen bestimmt - und für fanatische Spieler... Was ist das sicherste Zeichen, daß ihr Militär-Kampfspiel ein Hit ist? Wenn die Armee damit seine Truppen ausbilden will. Dank eines Abkommens zwischen dem Militärzulieferer LB&B Associates und dem Spieleentwickler Red Storm Entertainment lernen einige unserer Soldaten ihre Taktik mit Hilfe einer Computersimulation, die aus dem von Tom Clancy inspirierten Schießspiel Rainbow Six - Rogue Spear stammen."

In der Besprechung wird auch der Spiele-Entwicklungschef Brian Upton zitiert: "Die Armee hätte zehnmal soviel ausgeben müssen, um ein vergleichbares System zu schaffen." Red Storm Entertainments Zugang zu den modernsten Waffensystemen fließt sofort in gängige Titel wie Ghost Recon ein, in dem Spieler Kommunikationssysteme nutzen, an deren Entwicklung das Militär noch arbeitet. Natürlich wurde die Version der Armee modifiziert, um Szenarios hervorzubringen, mit denen die Soldaten tatsächlich konfrontiert werden könnten. "Würden sie einfach so benutzt", wird Upton zitiert, "hätte ich wirklich Angst."

Indizierung von Gewaltvideospielen würde LAN-Szene stillegen

Ein Verbot von Gewaltvideospielen würde diese zwar nicht völlig aus der Öffentlichkeit verbannen - dafür sorgt schon das Internet - , aber schon eine Indizierung für Jugendliche träfe doch einen wichtigen Aspekt des Videospielgeschäfts: die sogenannten LAN-Parties, bei denen sich bis zu 2500 Spielfanatiker treffen, um sich in tagelangen Tournieren gegenseitig virtuell zu massakrieren. LAN steht für Local Access Network, eine mehr oder weniger große Gruppe miteinander "vernetzter" PCs. Bei diesen Veranstaltungen werden oft Spiele wie Counterstrike angeboten, dem auch der Erfurter Massenmörder Steinhäuser verfallen war. Die für den 3. Mai vorgesehene LAN-Party in Erfurt wurde nur deshalb abgesagt, weil die Landesregierung wegen des Schulmassakers Staatstrauer angeordnet und somit alle Vergnügungsveranstaltungen untersagt hatte.

Ohne massive Sponsorengelder sind diese Veranstaltungen nicht zu finanzieren, denn es ist ein enormer technischer Aufwand notwendig, um die zahlreichen Terminals miteinander zu vernetzen, von den Reisekosten, Spesen und Gewinnen der Teilnehmer einmal ganz abgesehen. Wie im Golf-, Tennis- oder Motorsport gibt es inzwischen Profiteams - Clans genannt - , die um Preisgelder von bis zu 300000 Dollar rittern. Spitzenstars der Szene verdienen auf diese Weise immerhin bis zu 100000 Dollar jährlich.

Die LAN-Parties dienen dazu, eine "Szene" zu schaffen und zu erhalten, in der sich die Masse an den Stars der Szene orientiert und, diesen nacheifernd, stets die neuesten, schnellsten und leistungsstärksten Geräte anschafft, um die neusten Spiele mitspielen zu können. Der Spielsektor bildet einen erheblichen Teil des Markts für leistungsstarke Prozessoren. Deshalb ist es für Computer- und Chip-Produzenten wie Advanced Micro Devices (AMD) interessant, LAN-Tourniere zu sponsern und so die Nachfrage nach seinen Chips zu vergrößern.

Einige Sponsoren wurden durch die intensive Diskussion der letzten Wochen über die Wirkung der Gewaltspiele verunsichert. Die negative Öffentlichkeit nach den Erfurter Ereignissen alleine reicht jedoch noch nicht aus, die Sponsoren zum Rückzug zu bewegen. Ein Sprecher des Chip-Produzenten Intel sagte dem Handelsblatt: "Wir warten ab, wie sich die öffentliche Meinung entwickelt, was der Gesetzgeber macht."

Ein Verbot von Gewaltvideospielen würde diesem Spuk ein Ende bereiten. Das Handelsblatt zitierte am 14. Mai AMD-Sprecher Jan Gütter: "Wenn Counterstrike auf den Index kommt, dann ist Schluß mit Sponsoring." Nach der Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften vom 16. Mai, Counterstrike nicht auf den Index zu setzen, müssen wir darauf wohl noch eine Weile warten.

alh

 

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