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Aus der Neuen Solidarität Nr. 23/2002

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US-Army bringt eigenes Schießspiel heraus

Nachdem die US-Armee schon seit Jahren Computersimulationen zum Schießtraining für ihre Soldaten verwendet, benutzt sie nun offen entsprechende Computerspiele, um neue Rekruten zu werben und gewissermaßen "vorzutrainieren". Das zu diesem Zweck vom Modeling Virtual Environments and Simulation Institute der Naval Postgraduate School in Kalifornien entwickelte Spiel heißt America's Army, seine Herstellung kostete acht Millionen Dollar.

Obwohl das Spiel ein Ego-Shooter ist und die Soldatenausbildung sogar an genau den gleichen Waffentypen, wie sie auch tatsächlich in der US-Armee verwendet werden, realistisch simuliert wird, ist es auch für Teenager erlaubt. Begründung: In dem Spiel sei kein rotes Blut zu sehen. Es scheint überhaupt keine Alterseinschränkung zu geben, denn America's Army wird kostenlos über das Internet, als Beilage in Computerspiel-Zeitschriften und über die Rekrutierungsbüros der US-Armee verteilt.

Das Spiel besteht aus einem zweidimensionalen Rollenspiel namens Soldiers, in dem man eine Soldatenkarriere durchlaufen kann, und dem Ego-Shooter Operations. In Operations stehen sich US-Soldaten und Terroristen gegenüber. Das Ganze ist so eingerichtet, daß man nur auf Seiten der US-Soldaten kämpfen kann, nicht aber - wie bei Counterstrike - auf Seiten der Terroristen. Soldiers ist Vorbedingung für Operations. Der Spieler muß z.B. erst virtuell die Ausbildung zum Scharfschützen durchlaufen, bevor er dann online in Operations die Rolle des Scharfschützen übernehmen darf. Die US-Army hat für die Online-Spiele 140 Server zur Verfügung gestellt, die von Administratoren überwacht werden, um Mogeleien und schlechtes Verhalten zu unterbinden. Auch sind Sicherungen gegen willkürliches Schießen z.B. auf die eigenen Kameraden eingebaut. Wer das tut, kommt in eine "Cyber-Zelle".

Einer der Entwickler von America's Army, Commander Brian Osborne, sagt ganz unverblümt, mit diesem Spiel wolle die US-Armee neue Wege bei der Werbung von Rekruten gehen und insbesondere 17-24jährige junge Männer ansprechen, um sie für die Armee zu gewinnen.

Damit schließt sich der Kreis. Tötungs-Computersimulatoren wurden zunächst von der US-Armee entwickelt, um bei den Soldaten die Treffsicherheit beim Schießen auf Menschen zu erhöhen, was mit dem Abbau der Tötungshemmung beim Schützen einhergeht. Anschließend wurden die Computersimulationen als Spiele kommerziell genutzt und vermarktet. Und jetzt werden sie offen zur Werbung und Ausbildung von Söldnern genutzt. Die Brutalisierung der Bevölkerungsgruppen, die sich von diesen Spielen ansprechen lassen und davon fasziniert sind, geht damit uneingeschränkt weiter und läßt Böses ahnen.

Quellen: Washington Post und heise-online-news

 

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