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Aus der Neuen Solidarität Nr. 26/2002

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LaRouche in Brasilien: Würdigung für das "bessere Amerika"

Der jüngste Besuch des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon LaRouche in Brasilien hat historische Bedeutung. Die Elite des Landes würdigte seine Leistung als führender Wirtschaftswissenschaftler und verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft der Millionenmetropole Sao Paulo.


Nur wenige Menschen machen Geschichte
Weitere Aktivitäten

Unmittelbar nach seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (2.-3. Juni) besuchte der amerikanische Präsidentschaftskandidat Lyndon LaRouche Brasilien. Am 11. Juni sprach LaRouche vor einem Forum der Vereinigung der Absolventen der Höheren Militärakademie (ADESG) in Sao Paulo. Am 12. Juni wurde LaRouche die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sao Paulo - mit 18 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Welt - verliehen. Am 13. Juni sprach er zu rund 50 führenden Geschäftsleuten der brasilianischen Wirtschaftsmetropole und einen Tag später auf einem Seminar der Iberoamerikanischen Solidaritätsbewegung.

An dem vom ADESG-Vorsitzenden von Sao Paulo, Rocchetto, geleiteten Forum nahmen rund 120 hochrangige Vertreter aus den Bereichen Militär, Wirtschaft, Verwaltung und Politik teil. LaRouche sprach zum Thema "Die globale Systemkrise und das Ende des Freihandels". Daneben kamen auch der ehemalige Kommandeur der Höheren Militärakademie, General Olivia, und der Abgeordnete des brasilianischen Bundesparlaments Marcos Cintra zu Wort.

Die zentrale Aussage von LaRouches Rede war, daß gerade in der heutigen schwierigen Zeit das Konzept der nationalen Sicherheit im militärischen Sinne zum Konzept der strategischen Verteidigung des Nationalstaats weiterentwickelt werden müsse. Dies sei der Unterschied dazwischen, ob man einen Krieg führe, nur um zu töten, oder um den Frieden zu gewinnen. "Wir müssen die Spielregeln ändern", erklärte LaRouche. Denn die gegenwärtig geltenden Regeln bedeuteten das Ende des Nationalstaats. Souveränität, sagte LaRouche, liege im Ändern der Regeln, im Ändern der Axiome zugunsten des Gemeinwohls. Die Verteidigung des Gemeinwohls und die Fähigkeit, über das Ändern der Regeln zu beraten - das sei Souveränität. Brasilien sei dazu in der Lage, sagte LaRouche.

Nur wenige Menschen machen Geschichte

Am folgenden Tag wurde LaRouche die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sao Paulo verliehen. Zunächst begleitete Dr. Eneas Carneiro, ein bekannter, politisch aktiver Kardiologe Brasiliens, LaRouche und seine Frau in die Plenarsitzung des Stadtrats, die für eine Begrüßung und Vorstellung LaRouches unterbrochen wurde. Die abendliche Zeremonie zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft fand im mit 300 Gästen überfüllten Auditorium des Rathauses statt.

Dabei erinnerte die Stadträtin Dr. Havanir Nimtz in einer Ansprache an die ernsten politischen Umstände, unter denen Brasilien derzeit zu leiden habe. Das Land befinde sich "am Rande des Chaos", erklärte sie, Gewalttaten hätten dermaßen zugenommen, daß sich Brasilien dadurch bereits in bürgerkriegsähnlichen Zuständen befinde. Die Drogenbosse hätten eine derartige Macht, daß sie in einigen Teilen des Landes bereits praktisch die Regierung seien. "Wir leben in keiner organisierten Gesellschaft mehr. Wir sind in versprengte Banden zerfallen, die alle für ihre eigenen Interessen kämpfen. Und am Horizont zeichnet sich keine vernünftig Perspektive ab, nur weitere Unordnung. Unser Gast, Herr LaRouche, hat in diesem Zusammenhang erklärt, es sei grundlegend wichtig, daß wir zur klassischen Bildung zurückkehren. Es ist notwendig, daß unsere Kinder wieder wie früher Achtung vor allem entwickeln, was das Werk des Schöpfers ist, vor allem Achtung vor dem menschlichen Leben, das von allem, was wir auf der Erde vorfinden, das schönste Werk des Schöpfers ist."

Dr. Eneas, der nicht nur die Partei PRONA gründete, sondern auch ihr prägender Lehrer an der medizinischen Hochschule gewesen sei, so Frau Dr. Havanir, sei von Anfang an von den Schriften LaRouches beeindruckt gewesen - "genauso wie wir alle, die seine Werke lesen". "Wir alle haben nun eine Reise im gleichen Boot begonnen, einem Boot, das uns eines Tages hoffentlich in ruhigere Gewässer bringen möge, wenn wir die Flutwelle zurückgedrängt haben, die heute die Nationen dieser Welt hinwegzuspülen droht; dann werden wir keine Sklaven eines abscheulichen, verrotteten Finanzsystems mehr sein, das sich bereits im vollen Prozeß weltweiter Auflösung befindet... Und wie Herr LaRouche schon vor mehreren Jahren vorausgesagt hat, gibt es kein asiatisches oder russisches oder argentinisches oder brasilianisches Problem... Die Krise ist systemisch. Die Krise ist weltweit. Die gesamte Zivilisation steht vor einem neuen finsteren Zeitalter. Aus allen diesen Gründen ehren wir Herrn LaRouche heute in diesem Haus als der legitime Repräsentant des weltweiten Kampfes gegen die ruinöse Spekulation, die die Welt in den Abgrund zieht."

Und bei einer anderen Gelegenheit der Zeremonie sagte Dr. Havanir weiter: "Ob zum Guten oder zum Bösen, nur wenige Menschen machen Geschichte", während die Mehrheit der Menschen bestenfalls nur Zuschauer auf der Bühne der Menschheitsgeschichte seien. "Herr LaRouche ist kein Zuschauer der Geschichte... In einigen Jahrhunderten, wenn keiner von uns mehr leben wird, werden sich alle, die wie wir hier auch Intelligenz, Wissen und Liebe zur Menschheit zu schätzen wissen, mit Bewunderung und Respekt an seinen Namen erinnern."

Helga Zepp-LaRouche dankte dem Stadtrat für die Würdigung ihres Mannes, wobei sie auf die zwei Traditionen in der Welt - die oligarchische und die republikanische - verwies. "Auch in den Vereinigten Staaten gibt es zwei unterschiedliche Amerikas... Mit dem, was Sie heute tun, haben Sie der Welt die eindrucksvollste Botschaft übermittelt, welches der beiden Amerikas Sie wollen. Denn wenn es irgendeine Hoffnung für die Welt geben soll, müssen die USA wieder zur Vernunft gebracht werden. Ich danke Ihnen."

Auch Dr. Carneiro würdigte LaRouche: "Sie müssen wissen, wer Herr LaRouche ist. Ich habe kürzlich einen Artikel von ihm über das Problem der Kettenlinie gelesen. Wie viele Präsidentschaftskandidaten wissen überhaupt, was eine Kettenlinie ist?... LaRouche hört nicht bei Gauß und Kepler auf. Er spricht über die alten Griechen, als hätte er selbst beim Gastmahl an der Seite von Sokrates gesessen. Wenn man LaRouche liest, ist das ein erfrischendes Bad in Wissenschaft und Kunst. Aber das wichtigste ist seine Sorge für soziale Fragen, für die Menschheit."

LaRouche selbst entwickelte sofort eine politische Perspektive: Die Vereinigten Staaten müßten zwar global handeln, aber "ihre Beziehungen zu den lateinamerikanischen Staaten sind entscheidend. Die USA können unmöglich aus der heutigen Krise herauskommen, wenn nicht eine Prinzipiengemeinschaft zwischen den Nationen Amerikas begründet wird. Meine Hoffnung ist, daß diese Reise dafür den Anstoß gibt. Brasilien muß eine entscheidende Rolle dabei spielen, denn es ist eines der wenigen Länder, das nach der wirtschaftlichen und politischen Zerstörung [in Lateinamerika], die 1982 begann, noch etwas von seiner Souveränität behalten hat."

Bei einem anschließenden Essen mit rund 50 Wirtschaftsvertretern aus der Region Sao Paulo sagte LaRouche weiter, es liege ihm fern, sich angesichts der baldigen Präsidentschaftswahlen in die innenpolitischen Belange Brasiliens einzumischen, er sehe aber die sich zuspitzenden wirtschaftlichen und finanziellen Probleme Brasiliens im Kontext der systemischen Weltfinanzkrise, die das Ergebnis des realwirtschaftlichen Niedergangs seit 1963 in den USA und weltweit sei. Auf diese Krise dürfe es keine "jakobinische" Antwort geben, sondern diejenigen, die dem Gemeinwohl verpflichtet seien, müßten zusammen über die Lage beraten und danach gemeinsam handeln.

Weitere Aktivitäten

Am 14. Juni hielt LaRouche die Hauptrede auf dem 5. Seminar der Serie "Brasilien-Argentinien: Der Augenblick der Wahrheit", das gemeinsam von seinen Freunden in der Iberoamerikanischen Solidaritätsbewegung (MSIA) und der von den Anhängern des argentinischen Obersten Mohamed Ali Seineldin gegründeten Iberoamerikanischen Bewegung für Integration und Identität (MINEII) veranstaltet wurde. Das Seminar vor einem überfüllten Auditorium der ADESG in Sao Paulo war ein öffentlicher Ideenaustausch zwischen LaRouche und Seineldin, der später über Telefon aus dem argentinischen Militärgefängnis zugeschaltet wurde.

Zur Einleitung einer zweiten Diskussionsrunde des Seminars sprach Helga Zepp-LaRouche über die strategische Bedeutung der Eurasischen Landbrücke für die Integration Iberoamerikas. Dr. Vasco de Azevedo Neto, ein früherer Kongreßabgeordneter und Präsidentschaftskandidat, entwickelte in seinem Beitrag die Notwendigkeit, die "große Wasserstraße" zu vollenden; so bezeichnete er das lange überfällige Projekt, die Flußläufe des Orinoco, Amazonas und La Plata miteinander zu verbinden.

Die große Tageszeitung Monitor Mercantil berichtete am 17. Juni prominent auf der Titelseite über LaRouches Äußerungen in Brasilien. So hob die Zeitung vor allem LaRouches Warnung hervor, die brasilianischen Schulden könnten im ersten Quartal 2003 "explodieren". Monitor Mercantil berichtet schon seit mehreren Jahren regelmäßig über LaRouches Arbeit.

 

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