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Aus der Neuen Solidarität Nr. 28/2002

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Ein gutes Beispiel aus Baltimore

Ein amerikanischer Lehrer berichtet, wie es ihm gelungen ist, seinen Schülern die Unmoral von Gewaltcomputerspielen zu verdeutlichen.

Ich unterrichte zur Zeit Schüler der 7. und 8. Klasse in einer städtischen Schule in Baltimore (Maryland). Meine Schüler werden laufend über aktuelle Themen informiert, deren Einzelheiten ich aus EIR-Studien und dem New Federalist [unsere amerikanische Schwesterzeitung] beziehe. Viele unserer Diskussionen verlaufen so engagiert, daß auch andere Kollegen ins Klassenzimmer kommen und mitdiskutieren. Die jüngste Diskussion war ein gutes Beispiel dafür. Es ging um die Entscheidung der Regierung Bush, den Irak anzugreifen. Wir debattierten über den "Kampf der Zivilisationen", wobei auch das Buch von Samuel Huntington mit dem gleichnamigen Titel als Lesegrundlage diente. Viele Schüler waren äußerst aufgebracht über die Kriegspläne ihrer Regierung. Immer wieder hörte ich Sätze wie: "Mir reicht es, daß wir dauernd Krieg führen", "Bush ist so gewalttätig", "Unter Clinton war das anders".

Nachdem ich eine Zeitlang zugehört hatte, sagte ich den Schülern, daß sie selbst die Gewalt genauso verherrlichen wie George Bush, wenn nicht sogar noch mehr. Das brachte sie in Aufruhr. Sogleich flogen die Hände hoch und alle protestierten. Drei Schüler durften ihre Meinung vor der Klasse begründen. Dann fragte ich die Schüler, wie viele von ihnen ihre Zeit mit Computerspielen verbringen, in denen Mord, Krieg und die Vernichtung von Menschen simuliert wird. Von den 32 Schülern der Klasse hoben alle außer fünf ihre Hände. Ich sagte ihnen, damit seien sie alle Bushs Fußsoldaten. "Wen kann man denn besser für solche Kriege einsetzen als junge Leute, die von Kind auf zum Töten ausgebildet wurden? Jugendliche, die gewohnt sind, auf Menschen zu zielen und abzudrücken, werden später überall auf der Welt sogar muslimische Kinder erschießen. Bush mag die Befehle erteilen, aber ihr werdet es sein, der abdrückt. Ihr habt in euren Computerspielen schon so viele Menschen umgebracht, daß der Tod bei euch nicht einmal mehr ein Achselzucken auslöst."

Eine Minute lang herrschte totales Schweigen in der Klasse, daß man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Alle waren wie versteinert und tief bewegt. Schließlich meldete sich ein Schüler und fragte: "Mr. Smith, was sollen wir tun?" Ich forderte die Schüler auf, die Unkultur in sich selbst zu bekämpfen: "Hört auf, mit diesen Mordsimulatoren zu spielen!" Die Mehrheit der Schüler sagte, sie wären dazu nicht bereit. Ich antwortete, dann wollte ich von ihnen auch nie wieder Beschwerden über die Kriegspolitik der Regierung Bush hören. Ich provozierte sie, indem ich sagte, ein Mörder könne nicht über einen anderen Mörder richten. Einige Schüler erklärten sich zögernd bereit, mit den Gewaltspielen aufzuhören, und dann fanden auch andere den Mut dazu. Nach diesem Erfolg in meiner eigenen Klasse versuchte ich einen ähnlichen Dialog auch in den anderen drei Klassen, die ich unterrichte. Für den nächsten Tag tippte ich die folgende Erklärung, die die Schüler unterschreiben sollten:

"Ich verpflichte mich, von Computerspielen, die zum Morden anregen, die Hände zu lassen. Diese Spiele wurden gemacht, um Schülern die Hemmung zur Gewaltanwendung zu nehmen. Sie erleichtern den Akt des Tötens. Mit meiner Unterschrift zeige ich, daß ich bei so etwas nicht mitmachen möchte. Ich möchte Leben aufbauen, nicht zerstören."

Von den 120 Schülern im Alter von 12 bis 15, die ich unterrichte, haben 23 unterschrieben. Nun wird ein ähnlich lautender Aufruf für die Eltern vorbereitet.

Ted Smith

 

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