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Aus der Neuen Solidarität Nr. 28/2002

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"Uncle Sam" hat ausgedient

Die US-Armee will mit einem eigenen Computerspiel neue Rekruten anwerben. "America's Army" ist ein Ego-Shooter, der stark an das nach Erfurt in die Kritik geratene Spiel "Counterstrike" angelehnt ist.


Verbot von Gewaltspielen gefordert
Kinder zu Söldnern rekrutiert

Das amerikanische Militär hat seinen ersten Ego-Shooter entwickelt, mit dem schon Kinder im Alter von 13 Jahren das Töten lernen sollen. Am 22. Mai stellte die Armee dieses Computerspiel America's Army auf der Elektronikunterhaltungsmesse EEE in Los Angeles (Kalifornien) vor. Es hieß, das Spiel solle dazu dienen, neue Rekruten anzuwerben. Ab dem 1. Juli kann man es kostenlos im Internet spielen bzw. aus dem Internet herunterladen.

Das amerikanische Verteidigungsministerium hat acht Mio. Dollar für die Entwicklung von America's Army ausgegeben. Und schon seit Jahren fließen Gelder aus dem Militär in die Perfektionierung der Computergrafiken und -simulationen dieser Armeespiele. Der ehemalige Oberstleutnant und Psychologieprofessor David Grossman berichtete bereits vor einigen Jahren darüber, daß die US-Armee ihre Soldaten an sogenannten First-Person- oder Ego-Shooter-Computersimulationen ausbilde. Grossman nannte diese Geräte "Mordsimulatoren".

Die Verantwortlichen in der US-Armee, die die Entwicklung der Spiele vorantreiben, sind überzeugt, daß ihre Produkte Spielen wie Counterstrike weit überlegen seien. - Counterstrike wurde exzessiv von Robert Steinhäuser gespielt, der im April in seiner Erfurter Schule 14 Lehrer, zwei Schüler und sich selbst erschoß. Auch die beiden jugendlichen Täter, die 1999 das Massaker an der Columbine-Oberschule in Littleton anrichteten, hatten sich mit Egoshooterspielen auf ihre Tat vorbereitet.

Verbot von Gewaltspielen gefordert

Kurz nach dem Massaker von Erfurt forderte die BüSo-Vorsitzende Helga Zepp-LaRouche ein internationales Verbot gewalttätiger Computerspiele und gewaltverherrlichender Filme. Bereits im Februar 2000 hatte sie auf einer Konferenz des Schiller-Instituts gewarnt, Hollywood und die Spielehersteller seien dabei, aus Kindern gefährliche Killer zu machen. Am 4. Mai 2002 führte Frau Zepp-LaRouche ein Interview mit Grossman, worin dieser drei Faktoren nannte, die die Schüler von Littleton und Erfurt zu Massenmördern gemacht hätten. Er sagte: "Man braucht die Waffe, die Fertigkeit und den Willen zum Töten. Die Computerspiele liefern zwei dieser drei Faktoren. Sie verhelfen zur Fertigkeit und zum Willen zu töten." Grossman ist Mitautor des Buches Stop Teaching our Kids To Kill, und er lehrte an der renommierten Militärakademie West Point.

Ebenfalls in West Point ist heute Major Chris Chambers der stellvertretende Leiter für das Spiele-Projekt der US-Armee. Er berichtete, America's Army sei vom Modeling Virtual Environments and Simulations Institute (MOVES) an der Marineschule in Monterey (Kalifornien) entwickelt worden. MOVES ist ein mit viel Geld ausgestattetes Zentrum für die sog. Immersions-Technologie (Computertechnologien, die das interaktive "Eintauchen" in eine virtuelle Realität ermöglichen sollen). Zwei der Firmensponsoren von MOVES werden von George Lucas, dem Produzenten von "Star Wars", geleitet. Und genau diese Immersions-Aspekte sind es, die den Computerspieler süchtig machen.

Kinder zu Söldnern rekrutiert

Das gezielte Rekrutieren von Kindern ist seit langer Zeit ein besonderes Kennzeichen terroristischer Organisationen wie der narkoterroristischen FARC in Kolumbien oder bei den verschiedenen Söldnertruppen in Zentral- und Westafrika. Lyndon LaRouche hat erst kürzlich gewarnt, die Tatsache, daß sich Jugendliche im Teenageralter und jünger heute exzessiv mit diesen Ego-Shooter-Spielen beschäftigten, sei an sich schon ein Anzeichen für den geplanten Aufbau einer "utopistischen" Armee imperialen Stils. Und in der Tat wird jetzt die US-Armee mit der kostenlosen Verbreitung von Armerica's Army im Internet damit beginnen, Kinder im Töten auszubilden.

Dabei ist Major Chambers besonders stolz darauf, daß die Spiele der Armee bereits weiterentwickelt sind als alle anderen Spiele auf dem kommerziellen Markt. Chambers wörtlich:

"Wie Sie vielleicht gesehen haben, wird in den Artikeln von Actionspielen aus der Ich-Perspektive gesprochen, worin man das Geschehen des Spiels selbst beeinflussen kann, wenn man etwa an einer Infanterieoperation teilnimmt. Dieser Teil des Spiels erregte auf der Entertainment Expo vergangene Woche das meiste Aufsehen. Denn das ist die große Sache in diesem Geschäft, und es gibt eine Menge bedeutender Unternehmen in diesem Spielgenre. Der zweite Teil des Spiels heißt Soldiers - eine Art Rollenspiel für den Computer mit einer ganz anderen graphischen Darstellung und einem ganz anderen Feeling; es ist photorealistisch gemacht, d.h. es erscheint auf dem Computer wie ein Film... Es ähnelt dem sehr verbreiteten Spiel ,Die SIMS', übertrifft aber den jetzigen Stand der Spielegestaltung. In Soldiers wird eine Geschichtenprogrammierung benutzt, die es bis jetzt noch nicht gegeben hat und die speziell für dieses Projekt entwickelt wurde. Auf der Grundlage eigener Gestaltung der Spiele-Charaktere wird ein filmartige Sequenz in Echtzeit erzeugt. Viele andere Spiele vom Typ SIMS enthalten gigantische Entscheidungsbäume, wo die Spielfigur über eine Bandbreite verschiedener Entscheidungen verfügt. Wenn man nur auswählen kann, ob die Spielfigur nach rechts oder links gehen soll, so gibt es für sie nur eine begrenzte Zahl von Wegen. Bei unserem Spiel hat man dagegen wirklich eine unbegrenzte Anzahl von Wegen. Es können Geschichten in Echtzeit erzeugt werden, die buchstäblich von allem beeinflußt werden, was sonst noch im Spiel passiert."

Insbesondere Teenager würden das Spiel mögen, meinte Chambers. Man könne in die Rolle eines Infanteristen schlüpfen und an lebensechtem Training oder an der Ausführung lebensechter operationeller Aufträge irgendwo in der Welt teilnehmen. Man könne die Rolle eines Schützen oder Fallschirmjägers bei einer Militäroperation übernehmen.

Chambers erläuterte, warum das Armee-Spiel "Counter-Strike" überlegen sei: "Unser Spiel ist ähnlich aufgebaut wie dieses, aber besser. Es ist realistischer, es ist besser, was Graphik und Action angeht... Wir zeigen ganz genau die wirklichen Details, die mit Waffen und dem Einsatz von Waffen zusammenhängen. Wir berücksichtigen die physikalischen Grundlagen beim Einsatz von Waffen und der Kommunikationssysteme sowie die wirkliche Belastung, die man auf dem Schlachtfeld bei Einsätzen mit kleinen Einheiten erlebt. Andere Spiele verfügen nicht über den Vorteil von 200 Jahren Sachkenntnis in diesen Dingen. Wir wußten, daß dies unser Vorteil gegenüber der Konkurrenz war, und wir sind dabei, eine Lücke auf dem Markt zu füllen... Jedes Jahr werden wir neu entscheiden, welche Elemente wir den Spielen hinzufügen. Wir werden auf lange Sicht arbeiten... Ein Spiel zu entwickeln, ist nicht gerade das, was wir sonst tun. Also haben wir Leute aus der Spieleindustrie angeheuert, um unser Team abzurunden. Wir haben ein richtiges Gewinner-Team zusammengestellt."

Don Phau

 

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