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Aus der Neuen Solidarität Nr. 4/2002:

Von Bülow redet Klartext
über den 11. September

Mit Schärfe und ohne falsche Bescheidenheit hat der frühere Minister Andreas von Bülow die offizielle Version der Anschläge in Washington und New York in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel auseinandergenommen. Er wirft Fragestellungen auf, wie sie bislang nur in dieser Zeitung zu lesen waren.


Die "Bin-Laden-Verschwörungstheorie"
Brzezinski: ein "verrückter Hund"

"Verdeckte Operationen"

Was von Bülow nicht sagt

Rund vier Monate nach dem 11. September und nach drei Monaten Krieg in Afghanistan werden nun auch in Deutschland in der "Mauer der Desinformation", die von Regierungen und Medien aufgebaut wurde, um die tatsächlichen Hintergründe der Anschläge von Washington und New York zu vertuschen, Risse sichtbar. Den Lesern dieser Zeitung werden viele der Fragen bekannt vorkommen, die Andreas von Bülow in einem ganzseitigen Interview mit dem Berliner Tagesspiegel aufwirft, das am 13. Januar veröffentlicht wurde.

Darin nimmt von Bülow kein Blatt vor den Mund. Er gibt keine definitiven Antworten, aber er macht in aller Schärfe klar, daß die offizielle "Es-War-Bin-Laden"-Verschwörungstheorie unhaltbar ist. Der 64jährige von Bülow weiß, wovon er spricht. Er war Staatssekretär im Verteidigungsministerium (1976-1980) und Forschungsminister (1980 bis 1982). Er saß 25 Jahre im Bundestag, wo er der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste angehörte und den "Schalck-Golodkowski- Untersuchungsausschuß" leitete.

Die "Bin-Laden-Verschwörungstheorie"

Gleich zu Beginn des Interviews sagte von Bülow, ihn rege vor allem auf, daß bezüglich des 11. September "viele Fragen nicht gestellt werden," aber die gesamte politische Öffentlichkeit gezielt in eine Sicht der Ereignisse gedrängt werde, die er für völlig falsch halte. Zunächst einmal seien viele Fragen zum 11. September offen: Warum wurden die 26 amerikanischen Geheimdienste mit ihren immensen Budgets von den Anschlägen völlig überrascht? Warum blieben die Abfangjäger der amerikanischen Luftwaffe ganze 60 Minuten am Boden? Wie konnte der FBI dann aber eine Liste mit den angeblichen Selbstmordattentätern nach nur 48 Stunden präsentieren?

"Wenn dieser Atta der entscheidende Mann bei der Aktion war, so ist es doch seltsam, daß er das Risiko eingegangen ist, äußerst knapp vorher erst mit einem anderen Flugzeug nach Boston zu fliegen. Hätte diese Maschine nur ein paar Minuten Verspätung gehabt, wäre er nicht im Flugzeug gewesen, das entführt worden ist. Warum sollte ein raffinierter Attentäter das tun? Man kann bei CNN übrigens nachlesen, daß keiner dieser Namen auf der offiziellen Passagierlisten stand. Keiner hat eines der vier Check-in-Verfahren durchlaufen." Von Bülow wirft noch weitere Fragen auf und weist auf offensichtliche Widersprüche hin, die den Lesern der Neuen Solidarität bekannt sind.

Zu all diesen Fragen und Widersprüchen über den 11. September erfahre man weder von offizieller Seite, noch über die Medien etwas, monierte von Bülow, statt dessen sei viel Propaganda in Gang gesetzt worden: "Mit Hilfe der entsetzlichen Massenanschläge sind die westlichen Massendemokratien einer Gehirnwäsche unterzogen worden."

Von Bülow weiter: "Die Planung der Attentate war eine technische wie organisatorische Meisterleistung. In wenigen Minuten vier Großraumflugzeuge zu entführen und binnen einer Stunde in komplizierten Flugbewegungen ins Ziel zu steuern! Das ist ohne langjährigen Rückhalt aus den geheimen Apparaten von Staat und Industrie undenkbar." Vor diesem Hintergrund habe er bezüglich des 11. September große Schwierigkeiten damit, zu glauben, "daß das alles ein einzelner böser Mann in seiner Höhle ausgeheckt hat."

Wieso wurden in einer ansonsten hochprofessionell geplanten und durchgeführten Operation von den angeblichen Attentätern "Spuren wie eine trampelnde Elefantenherde hinterlassen"? fragt von Bülow. Die Spurenlegung "wie bei einer Schnitzeljagd" verfolge einen offensichtlichen Zweck: Den Islam als Feindbild aufzubauen. An die Stelle des früheren Feindbildes Kommunismus seien die "Selbstmordattentäter" des Islam gesetzt worden.

Brzezinski: ein "verrückter Hund"

Die Idee mit dem neuen Feindbild Islam komme "von Zbigniew Brzezinski und Samuel Huntington, zwei Vordenkern amerikanischer Geheimdienst- und Außenpolitik", sagte von Bülow. "Schon Mitte der 90er Jahre meinte Huntington, die Menschen in Europa und den USA bräuchten jemanden, den sie hassen könnten - das stärke die Identifikation mit der eigenen Gesellschaft. Und Brzezinski, der verrückte Hund, warb schon als Berater von Präsident Jimmy Carter für das alleinige Zugriffsrecht der USA auf alle Rohstoffe der Welt, vor allem Öl und Gas."

Auf den Einwurf des Interviewers, er sei ja ein "Verschwörungstheoretiker", antwortete von Bülow: "Ja, ja. Das ist der Spott derer, die gerne der amtlich verlautbarten Linie folgen." Wenn man ihm Anti-Amerikanismus unterstelle, so sage er: "Ich bin ein großer Verehrer dieser großen, freien Gesellschaft und war das schon immer. Ich habe in den USA studiert."

Auf die besondere Rolle Brzezinskis kam von Bülow erneut an anderer Stelle im Interview zu sprechen. Als damaliges Mitglied der Regierung Schmidt in Bonn hatte er Brzezinskis Aktivitäten zur Zeit des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan mitverfolgt: "Es war die Strategie des amerikanischen Sicherheitsberaters Brzezinski, die Sowjetunion von angrenzenden muslimischen Staaten aus zu destabilisieren: Man lockt die Russen nach Afghanistan und bereitet ihnen dann die Hölle auf Erden, ihr Vietnam. Mit maßgeblicher Unterstützung der US-Geheimdienste wurden in Afghanistan und Pakistan mindestens 30000 muslimische Kämpfer ausgebildet, lauter Tunichtgute und Fanatiker, die zu allem bereit waren und es bis heute sind. Und einer von ihnen ist Osama Bin Laden." Die Taliban, die später ganz Afghanistan terrorisierten, seien aus diesem Ausbildungsprogramm hervorgegangen.

Brzezinski, so erfuhr ein Mitarbeiter dieser Zeitung in der vergangenen Woche aus einer anderen, hochrangigen europäischen Quelle, sei damals auch aus anderen Gründen heftig mit Kanzler Schmidt aneinandergeraten: "Als Ende der 70er Jahre die Russen die SS20-Raketen aufstellten, flog Schmidt sofort nach Washington, um Carter zu sprechen. Er sagte zu Carter, dies sei kein deutsches Problem, sondern betreffe die Sicherheit des Westens insgesamt in ganz entschiedener Weise." Carter sagte Schmidt, er selbst könne das nicht beurteilen, der Kanzler solle mit Brzezinski darüber reden. Der habe seine Diskussion mit Schmidt in Bonn dann mit der Bemerkung begonnen: ,Der Präsident ist noch nicht dahintergekommen, warum Sie so aufgeregt sind. Er versteht es nicht.' Schmidt habe ihm erklärt, diese Raketen könnten Städte wie Hamburg in nur sechs Minuten Flugzeit erreichen, und wenn Brzezinski das nicht interessiere, dann wolle er ihn nie wieder in Bonn sehen. Damit habe Schmidt das Gespräch abgebrochen.

"Verdeckte Operationen"

Von Bülow sagte, durch seine Arbeit im Bundestagsuntersuchungsausschuß zum Komplex "Schalck-Golodkowski" habe er Anfang der 90er Jahre viel über Arbeitsmethoden von Geheimdiensten dazugelernt. Geheimdienste seien zwar sinnvoll zur Nachrichtenbeschaffung, aber da habe sich ein großes Problem mit den verdeckten Operationen von Geheimdiensten in Ost wie West entwickelt, wobei "abseits jedes Völkerrechrechts" Aufstände und terroristische Anschläge inszeniert, Drogen- und Waffenhandel und Geldwäsche betrieben würden. "Da aber auf keinen Fall herauskommen darf, daß ein Geheimdienst dahintersteckt, werden mit großem Aufwand Spuren verwischt. Ich habe den Eindruck, daß derartige Geheimdienste 90 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, falsche Fährten zu legen. Damit, wenn irgendeiner die Mittäterschaft der Dienste behauptet, die Krankheit des Verschwörungswahns unterstellt werden kann. Die Wahrheit kommt oft erst Jahrzehnte später raus. Der CIA-Chef Allan Dulles hat mal gesagt: Im Zweifel belüge ich sogar den Kongreß!"

Auch im Rückblick auf Ereignisse wie beispielsweise das Bombenattentat auf das World Trade Center im Jahr 1993 müsse man schon einige Merkwürdigkeiten feststellen: "Da stand im Mittelpunkt als Bombenbastler ein ehemaliger ägyptischer Offizier. Er hatte sich für den Anschlag einige Muslime zusammengeholt. Diese waren trotz Einreiseverboten des State Department von der CIA ins Land gelotst worden. Gleichzeitig war der Chef der Bande Informant des FBI. Und er vereinbarte mit den Behörden: Im letzten Moment werde das gefährliche Sprengmaterial durch ein harmloses Pulver ersetzt. Das FBI hielt sich nicht daran. Die Bombe ist sozusagen mit Wissen des FBI hochgegangen. Die offizielle Tatversion war rasch gefunden: Täter waren böse Muslime."

Was von Bülow nicht sagt

Hier, wie auch an anderen Stellen des Interviews, ist von Bülow einseitig auf die Rolle des CIA oder des FBI fixiert. Er spricht nicht - wie das Lyndon LaRouche getan hat - von einem versuchten Militärputsch am 11. September. Da könnte er bei der Beschäftigung mit Samuel Huntington, dessen Bedeutung er ja erkannt hat, wichtige Hinweise finden. Huntington ist nicht nur der geistige Urheber der Doktrin des "Kriegs der Zivilisationen", sondern auch der Cheftheoretiker einer amerikanischen Militärkaste, die sich als "Staat im Staate" versteht. Huntingtons Buch The Soldier and the State ist mit seinen 18 Auflagen längst zur "Bibel" reaktionärer Kreise im amerikanischen Militär geworden. (Man vergleiche dazu Lyndon LaRouches Aufsatz Brzezinski & der 11. September, der auszugsweise in der vorigen Ausgabe der Neuen Solidarität veröffentlicht wurde.)

Huntington hält die Teile der amerikanischen Verfassung, die sich mit Militär- und Sicherheitsfragen befassen, für fehlgeleitet und überflüssig. Während Politik und Gesellschaft zusehends verweichlichten und degenerierten, komme der "professionellen" Militärkaste mit ihrer "Weltanschauung" von Härte und unbedingtem Gehorsam sowie ihrem "pessimistisch-realistischen" Menschen- und Weltbild eine immer größere Bedeutung für die Zukunft der Vereinigten Staaten zu.

Interessanterweise hat auch Prof. Wilfried von Bredow auf diese Gefahr aufmerksam gemacht. In einem Artikel, der in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. Januar veröffentlicht wurde, weist er darauf hin, daß die amerikanischen Streitkräfte immer mehr zu einer "Black Box" würden. Die Politik habe den Willen und Fähigkeit zur Kontrolle der Streitkräfte zunehmend verloren, und die Distanz der "professionellen" Militärs zur Gesellschaft wachse immer mehr. Die US-Streitkräfte seien dabei zu einer "liberal-freien Organisation" zu werden, die mit Verachtung und Verbitterung auf die degenerierende Zivilgesellschaft blicke. Auf dieses ideologische und soziologische Milieu hat LaRouche verwiesen, wenn es darum geht die tatsächlichen Urheber des Putschversuchs am 11. September zu suchen.

Von Bülow gibt aufschlußreiche Einsichten wieder, stellt interessante Fragen, geht aber (noch) nicht den aufgrund seiner Einblicke eigentlich konsequenten Schritt, auf den Staatsstreichscharakter der Ereignisse um den 11. September hinzudeuten. Immerhin betont er am Ende des Interviews mit Blick auf die Theorien, die von offizieller Seite bisher verbreitet wurden: "So kann es nicht gewesen sein, sucht nach der Wahrheit!" Und er macht noch eine weitere, sehr wichtige Bemerkung: "Im übrigen kenne ich eine Menge Leute, auch sehr einflußreiche, die mir hinter vorgehaltener Hand Recht geben."

Rainer Apel

 

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