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Aus der Neuen Solidarität Nr. 43/2002

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Unser Kampf gegen Kulturpessimismus und Euthanasie


Euthanasiepropaganda in den USA

Auch die amerikanische Sektion des Club of Life kämpfte gegen wirtschaftlichen Völkermord durch erzwungene Unterentwicklung und Euthanasie aus Gründen der Kostensenkung.

Seit seiner Gründung vor nunmehr 20 Jahren kämpft der Club of Life gegen die neomalthusianische Ideologie des Club of Rome und die damit verbundene Wirtschaftspolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank (siehe dazu auch Helga Zepp-LaRouche in ihrem Rückblick auf 20 Jahre Club of Life in Neue Solidarität von letzter Woche). Dagegen setzten wir ein wirtschaftliches Entwicklungsprogramm, das die gemeinsamen Interessen von Nord und Süd in den Mittelpunkt stellt. 1983 wurde diese Forderung nach einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung auf der Konferenz der Nichtpaktgebundenen Staaten aufgegriffen.

1984 führte der Club of Life in den USA einen intensiven Gedankenaustausch mit Dr. Leo Alexander, einem amerikanischen Berichterstatter des Nürnberger Ärzteprozesses und Mitautor des Nürnberger Ärztekodex von 1947. Dr. Alexander betonte, die vom IWF durchgesetzten drastischen Auflagen führten in den afrikanischen Staaten zu einem verheerenden Völkermord und Massenhunger, und er verglich diese Politik mit den Kriegsverbrechen, für die in Nürnberg Todesurteile verhängt wurden. Die IWF-Politik gegenüber Afrika stehe diesen Verbrechen in nichts nach.

Euthanasiepropaganda in den USA

Auch in den USA ließ die Sparpolitik im Gesundheitswesen Bewegungen entstehen, die sich für ein "Recht auf Sterben" einsetzten. In deutlicher Anlehnung an die Nazipropaganda vom "lebensunwerten Leben" und "Ballastexistenzen" wurden Maßnahmen ergriffen, um Euthanasie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Dr. Alexander hatte 1949 beschrieben, wie die Entwicklung zur Massentötung behinderter und kranker Menschen im Dritten Reich ihren Anfang nahm: "Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte. Es begann mit der Akzeptanz der Einstellung, daß es bestimmte Arten von Leben gebe, die lebensunwert seien. Diese Einstellung umfaßte in seiner frühen Ausprägung die ernsthaft und chronisch Kranken. Allmählich wurde der Kreis derjenigen, die in diese Kategorie einbezogen wurden, ausgeweitet auf die sozial Unproduktiven, die ideologisch Unerwünschten, die rassisch Unerwünschten... Es ist wichtig zu erkennen, daß die unendlich kleine Eintrittspforte, von der aus diese ganze Geisteshaltung ihren Lauf nahm, die Einstellung gegenüber unheilbarer Krankheit war." 1994 verglich Alexander die empörenden Äußerungen des damaligen Gouverneurs von Colorado Richard Lamm, ältere Menschen hätten "die Pflicht zu sterben", in ihren Konsequenzen mit der brutalen Herangehensweise der Nazimedizin.

COL-Mitbegründer Lyndon LaRouche hatte bereits 1980 auf die Anfänge einer solchen Politik in den USA hingewiesen. Damals hatte der Fall des 70jährigen Earle Spring großes Aufsehen erregt. Seine Familie hatte mit der Begründung, daß Spring sterben wolle, auf einen Abbruch der lebensnotwendigen Dialysebehandlung gedrängt, während die Krankenschwestern, die Spring pflegten, aussagten, daß er weiterleben wolle. Der Club of Life griff diese Auseinandersetzung auf nationaler wie internationaler Ebene auf und forderte die Lebensrecht-Bewegung auf, eindeutig Stellung zu nehmen, um sich nicht mitschuldig an der so losgetretenen Euthanasiebewegung zu machen. Tatsächlich gelang uns damit, eine deutliche Wende in der Lebensrecht-Debatte in den USA zu erzeugen.

Ein anderer Aspekt des Abstiegs in die "nachindustrielle Gesellschaft" stellte die Bewegung für ein "Sterben in Würde" dar, die auch in Deutschland vehement von der "Gesellschaft für Humanes Streben" propagiert wurde. In den USA sollte mit dieser Propaganda vor allem von der verheerenden Gesundheitspolitik abgelenkt werden. Aus rein wirtschaftlichen Überlegungen war dort die medizinische Versorgung eines Großteils der Bevölkerung in die Hände sogenannter Health Maintenance Organizations (HMO) übergegangen, die strikt profitorientiert arbeiten. Der Club of Life hatte in diesem Zusammenhang den Fall des 55jährigen Clarence Herbert publik gemacht, dessen Ärzte von der HMO Kaiser Permanante sich vor Gericht verantworten mußten, weil sie ihren Patienten sterben ließen, um Kosten zu sparen und den Ärzten bestimmte Vergünstigungen zu erhalten. Die Billigung einer solchen Einstellung war 1983 von der "Kommission des Präsidenten zur Untersuchung ethischer Probleme in der Medizin" tatkräftig gefördert worden. Sie hatte gefordert, "Bioethik-Kommissionen" einzusetzen, wenn eine "Konsensentscheidung" getroffen werden müßte, "wer leben soll und wer nicht".

Während der Club of Life eine Vielzahl solch spektakulärer Fälle auf Bundes- und Landesebene publik machte, ging er auch gegen die schleichende Akzeptanz der Tötung behinderter Kinder vor. 1982 hatte ein Philosophieprofessor aus San Francisco die Tötung behinderter Kinder gerechtfertigt, wenn die Gesellschaft eine Behandlung nicht wolle oder nicht bezahlen könne. Und im gleichen Jahr hatte das Oberste Gericht des Bundesstaates Indiana in zwei Fällen den Eltern das Recht zugesprochen, ihre behinderten Kinder verhungern zu lassen bzw. im anderen Fall lebensrettende Behandlungen zu unterlassen.

Die öffentliche Kampagne für das "Recht auf Sterben" erreichte 1983 einen weiteren Höhepunkt, als der Gründer der Hemlock-Society Derek Humphry forderte, jede "Tötung auf Verlangen" solle unabhängig vom Alter oder Zustand der Betroffenen erfüllt werden. In den kommenden 18 Jahren wurden mit breiter Medienunterstützung immer schändlichere Forderungen gestellt, die auch vor der Tötung ohne Verlangen (bei komatösen oder schwerstbehinderten Menschen) nicht haltmachten. Der Club of Life bekämpfte eine Vielzahl von Gesetzesvorstößen, welche Komapatienten zum Hungertod verurteilt hätten und verwies auf die damals schon vielversprechenden Behandlungsmethoden von Komapatienten. Auch wenn sie nach dem Erwachen und einer Rehaphase noch auf moderne technische Hilfsmittel angewiesen bleiben, können sie durchaus ein menschenwürdiges Leben führen.

Die Sparpolitik und die verschärfte Budgetierung medizinischer Leistungen ging Ende der 80er Jahre soweit, daß Krankenhäuser ihre staatlichen Zuschüsse verloren, wenn sie Wiederbelebungsmaßnahmen an angeblich "unheilbar Kranken" durchführten. Gegenüber den Familienangehörigen wurde dann argumentiert, es wäre ohnehin besser, die Kranken "in Würde sterben" zu lassen. Das wirkliche Motiv war jedoch die Kostensenkung.

Der Club of Life war weltweit die einzige Organisation, die aufzeigte, daß die "liberale" Wirtschaftspolitik, die selbst von führenden Vertretern von Lebensrechtsorganisationen befürwortet wurde, der eigentliche Motor hinter dem Kulturpessimismus und dem sich dadurch ausbreitenden Euthanasiedenken war.

Leider entschied dann der Oberste Gerichtshof der USA 1990, daß es künftig den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten sei, eigene Gesetze zu verabschieden, selbst wenn darin vorgesehen sei, Patienten verhungern zu lassen und Dritten zu gestatten, entsprechende Entscheidungen ohne Zustimmung des Patienten zu fällen. Seit 1992 haben 15 Bundesstaaten Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht, die "Beihilfe zum Selbstmord" straffrei stellen. In diesem Zusammenhang sei an den Serienmörder Dr. Jack Kevorkian erinnert, der über einen Zeitraum von neun Jahren 140 Menschen mit Giftgas oder tödlichen Injektionen umbrachte. Der Club of Life dokumentierte in jedem dieser Fälle, wie diesen Menschen, von denen viele gar nicht physisch krank waren, mit medizinischem und psychologischem Beistand hätte geholfen werden können.

1996 richtete COL-Gründungsmitglied und Rechtsanwalt Max Dean eine "amicus curiae"-Eingabe an den Obersten Gerichtshof der USA, worin er forderte, die Legalisierung der "Beihilfe zum Selbstmord" in New York und Washington zu verhindern. Landesgerichte hatten in beiden Bundesstaaten ähnlich wie die Nazis mit dem Begriff des "lebensunwerten Lebens" argumentiert. Ein Jahr später fällte der Oberste Gerichtshof dann ein einstimmiges Urteil, das zwar einerseits erklärte, es gebe in der Verfassung kein verbrieftes Recht auf medizinische Beihilfe zum Selbstmord, andererseits aber den Bundesstaaten freistellte, über die Rechtmäßigkeit, Moral und Durchführung der Beihilfe zum Selbstmord zu entscheiden. Damit hatte das Gericht die Chance vertan, in einem historischen Moment als Hüter jener Rechtsprinzipien aufzutreten, die die USA Ende des Zweiten Weltkrieges vor aller Welt verteidigt hatte.

Linda Everett

 

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