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Aus der Neuen Solidarität Nr. 47/2002

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Der Golddinar: Strategische Antwort auf das Chaos

Malaysia, Iran und andere islamische Staaten erörtern die Einführung eines Golddinar als Handelswährung. Der IWF sieht es mit Grausen.


Goldreservestandard wie 1944
Strategische Notwendigkeit

Die wachsende Sorge, daß die Regierung Bush die Welt in einen permanenten Krieg zu treiben droht, während sie nichts gegen den globalen finanzwirtschaftlichen Kollaps unternimmt, hat eine Reihe von Nationen zu veranlaßt, koordinierte Schutzmaßnahmen vorzubereiten. Eine davon ist der Vorschlag, einen goldgedeckten Dinar zu schaffen, um den Dollar als Handelswährung zwischen diesen Nationen zu ersetzen.

Malaysias Premier Dr. Mahatir bin Mohamad war am 22.-23. Oktober Gastgeber eines Seminars unter dem Titel "Der Golddinar im internationalen Handel". Es ist bereits die zweite größere Veranstaltung der "Organisation Islamischer Konferenzen" (OIC) zu diesem Thema. Bei der ersten Konferenz über "Ein stabiles, gerechtes und globales Währungssystem" im August war ein Abkommen zur Einführung des Golddinar zwischen Malaysia und einigen noch nicht genau feststehenden Partnern für Mitte 2003 angekündigt worden, dem im Laufe der Zeit weitere Länder beitreten sollen. Nun schlug Irans Zentralbankchef Bijan Latif die Einrichtung eines Sekretariats in Malaysia zur Koordinierung der Entwicklung der Politik des Golddinar vor.

Goldreservestandard wie 1944

In seiner Rede verdeutlichte Dr. Mahatir, daß es nicht darum gehe, einen Goldstandard einzuführen (wobei die gesamte Geldschöpfung an die Menge vorhandene Zentralbankgoldes geknüpft wäre), sondern um die Rückkehr zu einem Goldreservesystem à la Bretton Woods. Er erinnerte die Teilnehmer daran, daß sich die Alliierten, als sie sich "in Bretton Woods versammelten, um die Prinzipien des Umtausches internationaler Währungen zum erleichterten Handel untereinander festzulegen, für Gold als Umtauschstandard entschieden."

Am Beispiel des Handels zwischen Malaysia und Saudiarabien verdeutlichte der Ökonom Tan Sri Nor Mohamad Yakcop auf der Augustkonferenz das System: "Malaysische Exporteure werden für ihre Ausfuhren am Fälligkeitsdatum von der Bank Negara, der malaysischen Nationalbank, in Ringgit, der malaysischen Nationalwährung, bezahlt... In ähnlicher Weise werden die Importeure den Gegenwert in Ringgit für ihre Einfuhren an die Bank Negara abführen. Die saudische Zentralbank wird für ihre Im- und Exporte gleichermaßen aktiv. Nehmen wir z.B. an, daß nach einem Vierteljahr der Export von Malaysia nach Saudiarabien 2 Millionen Golddinar betragen und der saudische Export nach Malaysia im gleichen Zeitraum 1,8 Millionen Golddinar erreicht hat, dann wird die saudische Zentralbank für dieses bestimmte Quartal an die Bank Negara 0,2 Millionen Golddinar überweisen. Das kann in der Weise geschehen, daß die Saudis 0,2 Millionen Unzen Gold durch den Kurator ihres Kontos bei der Bank von England über den Kurator des Kontos der Bank Negara in der gleichen Bank transferieren. Das Wichtige aber bleibt hierbei, daß es mit dem Einsatz der recht bescheidenen Summe von 0,2 Millionen Golddinar möglich war, ein reales Gesamthandelsvolumen in Höhe von 3,8 Millionen zu stützen."

Der Schwachpunkt dieses Systems liegt allerdings im Gold selbst, das ein Gegenstand der Spekulation ist, besonders wenn es an eine Währung wie den Dollar gebunden ist, der demnächst wegen des Zusammenbruchs des US-amerikanischen Banksystems abstürzen wird. Dr. Mahatir ist sich dieses Problems bewußt: "Auch der Goldpreis kann manipuliert werden," sagte er, "aber nicht ganz so leicht wie der US-Dollar oder andere Valuten... Spekulation und Manipulation wird nicht so leicht einzusetzen sein, wie wenn eine regionale Währung an den Dollar geknüpft ist... Der Wert eines Golddinar bleibt der eines Golddinar, unabhängig vom Wechselkurs zwischen dem Golddinar und einer anderen Währung. Wenn der Warenwert und die Leistungen sich in Golddinar ausdrücken, bleibt sein Wert gleich, egal, welches Land am Handel beteiligt ist."

Strategische Notwendigkeit

Dr. Mahatir betonte, daß die ökonomische und strategische Krise die Politik des Golddinar vorantreibt. Die katastrophale Lage im Heiligen Land, der Terroranschlag vom 11. September und der drohende Krieg gegen den Irak hätten dazu geführt, daß die Weltwirtschaft nicht mehr wachsen könne, "denn der Westen ist sehr zornig, insbesondere die Amerikaner. So auch die Moslems. Zornige Leute können nicht rational handeln."

Natürlich könne der Golddinar "die Handelswährung aller Länder werden, nicht nur der muslimischen; aber die islamischen Länder sind am besten in der Lage, die Wirksamkeit dieses Systems zu demonstrieren... und im Zuge dessen aller Welt zu zeigen, daß sie mit Stabilität und Frieden wachsen können. Und damit wird mehr gegen feindselige Unterdückung getan als durch unnütze gewalttätige Vergeltungsmaßnahmen."

Auch andere Stimmen warnen, daß die derzeitigen Fehler Washingtons den Bruch mit dem bankrotten IWF-System beschleunigen werden. James Sinclair, Leiter des Bergbauunternehmens Tan Range Exploration schrieb am 28. Oktober im Editorial der Financial Sense Online: "Mir ist zugetragen worden, daß im Falle eines amerikanischen Angriffs gegen den Irak sehr wahrscheinlich mit einer vereinten islamischen Salve gegen den US-Dollar vermittels des Golddinar zu rechnen ist." Die Saudis, so Sinclair weiter, "werden nicht so freundlich sein, wie es die meisten Beobachter glauben, den Dollar dieses Mal zu retten." Sowohl Sinclair als auch Bijan Latif von der iranischen Zentralbank bezeichneten die Einrichtung einer - nach den Statuten des IWF verbotenen - goldgedeckten Währung als "Aufstand gegen den IWF". Sinclair ergänzt: "Die Einführung des Golddinar wäre für IWF und Weltbank der absolute Tiefpunkt."

Andere verweisen auf die Sorge in Saudiarabien, die USA könnten saudische Guthaben einfrieren, was die Saudis nur dazu trieb, den Golddinar als Ersatz für den Dollar einzuführen und, wenn nötig, sogar alle in Dollar ausgewiesenen Kapitalanlagen aufzulösen. Tatsächlich ziehen die Saudis bereits Geld aus Amerika ab, was sich am Anstieg der Einlagen in saudischen Banken im September um 30 Milliarden Dollar zeigt.

Hintergrund ist die Tatsache, daß in den USA seit Monaten eine saudifeindliche Hysterie angeheizt wird. So erklärte Laurent Murawiec am 10. Juli vor dem Verteidigungspolitischen Rat des Pentagons, Saudi-Arabien sei der Verursacher allen Terrors, und forderte den Sturz der saudischen Regierung und anderer arabischer "Diktaturen". Maurice "Hank" Greenberg forderte im Oktober in einem Bericht des Council on Foreign Relations - der führenden Denkfabrik des amerikanischen Establishments - unter dem Titel "Terroristisches Finanzwesen", die Regierung Bush dürfe, auch wenn dies das gegenwärtige politische System in Saudiarabien gefährden könne, nicht länger so tun, "als kooperierten die Saudis, obwohl sie genau weiß, wo sie es nicht tun."

Unter dem Eindruck einer solchen Politik dürften die Saudis und andere kaum einen anderen Weg sehen, als sich aus dem Dollarsystem zurückzuziehen. Dies könnte schon bald zur Einführung des Golddinar unter den islamischen Nationen und weiteren Fortschritten zu einem neuen Bretton-Woods-System führen.

Michael Billington

 

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