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Aus der Neuen Solidarität Nr. 5/2002

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Neues aus der Medizin


Früherkennung von Brustkrebs mittels Infrarotkamera
Aus Knochenmarkzellen werden Nervenzellen

Verbesserung der Dünndarmdiagnostik

Neue Ansätze bei der Behandlung von Sehstörungen

Künstliche Knochen gezüchtet

Tumorbehandlung mittels gentechnisch veränderter Bakterien

Resistente AIDS-Viren

Neue Materialien für Herzklappen

Neues Leukämie-Medikament

Neuer Bluttest für die Krebsdiagnostik

Früherkennung von Brustkrebs mittels Infrarotkamera

Bisher war die Mammographie die Hauptstütze bei der Diagnostik des Brustkrebses. Jetzt ist eine neue Technik verfügbar, die eine weitere Verbesserung der Früherkennungsrate ermöglichen könnte. Am Fraunhofer-Institut für Festkörperphysik wurden hochsensible Detektoren und die dazugehörenden Infrarotkameras entwickelt, mit denen Temperaturdifferenzen von 5/1000 Grad im Gewebe gemessen werden können. Werden bestehende Temperaturschwankungen in der Umgebung berücksichtigt, kann mit der Thermographie frühzeitig Tumorgewebe ermittelt und die Patientin einer wesentlich frühzeitigeren Therapie zugeführt werden. Hierzu eignet sich besonders die Kombination mit der in den USA entwickelten dynamisch-flächigen Thermometrie. Diese wurde jetzt in den USA für klinische Studien zur Diagnostik des Brustkrebses zugelassen und soll auch in Verbindung mit den neuen Infrarotkameras in Deutschland zum Einsatz kommen.

Nach Auffassung der beteiligten Wissenschaftler hat die hochauflösende Thermographie große Chancen, sich in der allgemeinen Diagnostik zu etablieren. Damit wären die großen Fehlerquellen der Mammographie überbrückt: denn immerhin erweisen sich von zehn mittels Mammographie diagnostizierten Mammatumoren nur zwei als bösartig.

Aus Knochenmarkzellen werden Nervenzellen

Am Jefferson Medical College in Philadelphia ist es gelungen, mittels eines Cocktails von Nährsubstanzen und Wachstumsfaktoren adulte Stammzellen aus dem Knochenmark zur raschen Umwandlung in Nervenzellen anzuregen. Auf dem Jahreskongreß der Amerikanischen Gesellschaft für Neurowissenschaften in San Diego wurden die Versuchsergebnisse jetzt vorgestellt. Das Ziel der Wissenschaftler ist es, dopaminbildende Nervenzellen zu entwickeln, mit denen dann Parkinsonkranke behandelt werden könnten. Es sei gelungen, Stammzellen aus dem Knochenmark durch Wachstumsfaktoren zu hundert Prozent in Nervenzellen zu verwandeln, und zwar innerhalb von einer Stunde. Dabei hätten diese Zellen nicht nur das Aussehen von Nervenzellen, sondern besäßen auch die für Nervenzellen typischen Proteine. Schließlich hätte sich erwiesen, daß durch verschiedenartige Eiweißstoffe eine Reihe von Unterklassen der Nervenzellen mit entsprechend unterschiedlichen neuralen Funktionen entstanden seien. Allerdings hat der Wachstumscocktail vorerst noch eine begrenzte Wirkung; nach 2-3 Tagen wandeln sich die Zellen wieder in ihre ursprüngliche Stammzellenform um. Die Forscher am Jefferson College haben aber große Hoffnung, auf die Forschung mit embryonalen Stammzellen verzichten zu können.

Verbesserung der Dünndarmdiagnostik

Am Klinikum der Technischen Universität München kommt jetzt eine neue Methode zur Anwendung, die die Diagnostik im gesamten Verdauungskanal erleichtern kann. Es handelt sich um eine winzige Kamera in einer Kapsel, die vom Patienten geschluckt wird und dann mit Hilfe der Darmperistaltik den ganzen Verdauungskanal in ca. zehn Stunden passiert. Während der Passage macht die Miniaturkamera ständig Aufnahmen, die über Sensoren zu einem Rekorder weitergeleitet und gespeichert werden. Die Photokamera hat noch den Nachteil, keine Gewebeproben entnehmen zu können. Verschiedene Methoden, um dieses Problem zu lösen, werden noch diskutiert.

Neue Ansätze bei der Behandlung von Sehstörungen

An der Universität von Kyoto ist es Wissenschaftlern im Tierversuch mit Hilfe eines nichtpathogenen Virus gelungen, in Muskelgewebe aus dem Auge ein Gen einzubringen und dann in die Netzhaut (Retina) zu implantieren. Man konnte beobachten, daß die implantierten Zellen dort die Arbeit von gesunden Retinazellen übernahmen. Die beteiligten Forscher sind der Überzeugung, daß auf diese Weise auch blinden Menschen wieder zum Sehen verholfen werden könnte. Mit entsprechenden Versuchen am Menschen werde allerdings erst in Jahren gerechnet.

Künstliche Knochen gezüchtet

Erstmals gelang es Technikern an der Berliner Charité, dreidimensionale Knochen zu züchten. Als Grundlage hierfür lassen sich Eiweißstoffe - Kollagen - mit ihren Fasern so anordnen, daß sich daran Hydroxyapatit-Kristalle anlagern. In der Gesichtschirurgie sollen die neuen künstlichen Knochen bereits verwendet werden. In Freiburg wurde einem Patienten erstmals ein solch künstlich gewachsener Knochenteil in den Kiefer eingesetzt.

Tumorbehandlung mittels gentechnisch veränderter Bakterien

Tumorgewebe ist nicht gleichmäßig mit Blutgefäßen durchzogen. Es gibt Regionen, in denen die Blutversorgung, und damit die Sauerstoffzufuhr, vermindert sind. Diesen Umstand machten sich amerikanische Forscher an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zunutze. Mit dem Bazillus Clostridium novyi fanden die Forscher einen Keim, der ihren Vorstellungen, einen Tumor von seiner schlechter durchbluteten Seite her zu bekämpfen, entsprach. Clostridium novyi gehört nämlich zu den sog. Anaerobiern, also Keimen, die zu ihrer Vermehrung keinen oder nur wenig Sauerstoff benötigen. Gentechnisch gelang es, das ein starkes Gift produzierende Clostridium novyi in eine unschädliche Variante umzuwandeln. Spritzte man Mäusen mit einem Tumor die Sporen des genbehandelten Clostridium novyi, konnte der Tumor innerhalb eines Tages zum Verschwinden gebracht werden. Das umgebende gesunde Gewebe wurde nicht tangiert, die entstehenden Leerräume wandelten sich in Narbengewebe um. Noch unklar ist, wann mit ersten Versuchen bei Menschen zu rechnen ist.

Resistente AIDS-Viren

Aus den USA kommen Meldungen, wonach 5-10% an AIDS neu Erkrankter gegen die bisherigen erfolgreich angewandten Medikamente resistent seien. Diese Beobachtungen wurden gleichzeitig von Forschern der Universität Pittsburgh und der University of British Columbia im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie warnen vor einer weiteren Ausbreitung medikamentenresistenter HI-Viren in den USA.

Neue Materialien für Herzklappen

Bundesweit werden jährlich ca. 25000 Patienten mit einer neuen Herzklappe versorgt, wobei die von Schweinen gewonnenen eine Lebensdauer von etwa 15, die künstlichen Klappen von ca. 30 Jahren besitzen. Dies kann sich grundlegend ändern, wenn die Forschungen an der Rostocker Herzklinik um Prof. Gustav Steinhoff und dem Rostocker Kompetenzzentrum für Biomaterialien erfolgreich zu Ende geführt werden. Bereits in seiner Zeit in Hannover hatte Prof. Steinhoff damit begonnen, Schweine-Herzklappen von lebenden Zellen zu befreien und das verbliebene Eiweiß-Stützgerüst mit menschlichen Gewebezellen zu besiedeln. Eine Stabilität dieses Zuchtgewebes konnte aber im Tierversuch nicht erreicht werden. Auch in Boston hatten Versuche mit einer Kunststoffmatrix zu unbefriedigenden Ergebnissen geführt: das Material war nicht elastisch genug. Beide Methoden will Prof. Steinhoff nun vereinen. Als Kunststoffmatrix scheint sich ein Stoff anzubieten, der der Forderung nach Selbstauflösung nachkommt: Polyhydroxybuttersäure (PHB), die zunächst wegen der leichten Kompostierbarkeit für die Verpackungsindustrie entwickelt, aber dort wegen zu hoher Kosten nicht verwandt wurde. PHB baut sich im Laufe der Zeit ab, seine Auflösung läßt sich zeitlich steuern; die auf einer PHB-Matrix siedelnden körpereigenen Zellen können sich zu einer kompletten Herzklappe formieren. Botenstoffe und Wachstumsfaktoren helfen bei der Steuerung. Die Versuche laufen in einem Bioreaktor ab, einem Gerät, das in einem Inkubator die Strömungsverhältnisse im menschlichen Herzen simuliert und auch der Form nach dem menschlichen Herzen angepaßt ist. Das erklärte Ziel ist es, eine Herzklappe zu schaffen, die sich dem Wachstum des Menschen anpaßt und somit lebenslang im Träger verbleiben kann.

Neues Leukämie-Medikament

Die chronisch lymphatische Leukämie ist die häufigste Leukämieform im Erwachsenenalter und galt bisher als nahezu unheilbar. Mit dem Antikörper Alemtuzumab kann nach Auskunft von Forschern noch etwa die Hälfte jener Erkrankungen positiv beeinflußt werden, die auf eine vorausgegangene Chemotherapie nicht mehr angesprochen haben. Auf die rasanten Fortschritte der Leukämiebehandlung in den letzten Jahren wiesen jetzt auch Wissenschaftler des Klinikums der Münchner Universität hin. Neue Verfahren ließen heute eine Unterscheidung von schnell und langsam fortschreitenden Leukämieformen zu. Damit gestalte sich auch die einzuschlagende Behandlung individueller, risikoärmer und effektiver.

Neuer Bluttest für die Krebsdiagnostik

Eine Krebserkrankung lasse sich heute kostengünstiger, schneller und zuverlässiger nachweisen, wenn man sich die Tatsache zunutze mache, daß Tumoren Autoantikörper entwickeln, die im Blut nachgewiesen werden könnten, sagte Prof. Wolfrum von der Universität Heidelberg auf einer Wissenschafts-Pressekonferenz in Bonn. Ein solcher Antikörper sei das p53-Protein, das bereits als Einzelmolekül farbstoffmarkiert erkannt werden könne. Eine Krebserkrankung werde damit im frühesten Stadium sichtbar. Auf der gleichen Konferenz berichtete der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums Harald zur Hausen über Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Krebserkrankungen. Gegen fünf Typen krebserregender Viren seien schon Impfstoffe entwickelt und könnten in einigen Jahren auf den Markt kommen. Ihre Anwendung sei besonders einfach, da sie als Nasenspray applizierbar seien.

Dr. med. Joachim Roeder

 

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