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Aus der Neuen Solidarität Nr. 6/2002:

Widerstand in Israel
gegen Scharons Nazi-Politik

Das israelische Militär studiere das Vorgehen der SS bei der Beseitigung des jüdischen Warschauer Gettos, um das eigene Vorgehen gegen die Palästinenser zu effektivieren - darauf verweist die israelische Tageszeitung Ha'aretz. In Israel selbst wächst der Protest gegen die faschistische Palästenserpolitik der Regierung Scharon, sogar innerhalb der israelischen Streitkräfte. Und was tut die Bundesregierung? Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig an diesen Kriegsverbrechen und an dem Weltkrieg, den sie auszulösen drohen!


Jüdischer Widerstand in Israel
Wie die SS im Warschauer Getto

Die Warnungen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon LaRouche vor der faschistischen Kriegspolitik Ariel Scharons sind in der israelischen Tageszeitung Ha'aretz vom 25. Januar auf erschreckende Weise bestätigt worden. Der angesehene Militärkorrespondent Amir Oren gibt die Äußerungen eines israelischen Offiziers wieder, daß die israelischen Streitkräfte (Israeli Defense Forces, IDF) auch die Strategie der Waffen-SS gegen den jüdischen Widerstand im Warschauer Ghetto 1943 studiert hätten, um sie heute gegen die Palästinenser auf der Westbank und im Gaza-Streifen anzuwenden (siehe auch Auszüge aus Ha'aretz auf Seite 2).

LaRouche nahm dies zum Anlaß eines neuen Appells, dieser Politik endlich Einhalt zu gebieten (siehe Kommentar).

Am 28. Januar verlangte die Europäische Union in einer ersten Reaktion, die israelische Regierung müsse ihre Militäreinheiten zurückziehen, ihre ungesetzlichen Hinrichtungen einstellen, alle Sperren und Beschränkungen gegen das palästinensische Volk aufheben und den Bau weiterer israelischer Siedlungen in den Palästinensergebieten einstellen. Die EU protestierte auch gegen die willkürliche Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur durch Israel. Solche Zerstörungsaktionen waren das Kennzeichen der schrittweisen Auslöschung des Warschauer Gettos durch die SS.

Die EU-Stellungnahme ist jedoch nur ein schwacher Ansatz dessen, was eigentlich getan werden müßte.

Jüdischer Widerstand in Israel

In Israel selbst regt sich inmitten der von Scharon aufgeheizten Stimmung Widerstand. Fast hundert israelische Reservisten haben bisher (Stand 30. Januar) eine öffentliche Erklärung unterschrieben, in der es heißt: "Wir werden nicht länger jenseits der Grünen Linie zum Zwecke der Besetzung, Deportation, Zerstörung, Blockade, Tötung, Aushungerung und Erniedrigung eines ganzen Volkes kämpfen." Ziel der Kampagne ist es, mindestens 500 Unterschriften zu sammeln und eine breite gesellschaftliche Öffentlichkeit herzustellen.

Auf politischer Ebene hat der israelische Knesset-Abgeordnete Roman Bronfman eine neue Partei gegründet, die "Demokratische Wahl", mit der er verhindern will, "daß Israel in den Zustand des ordinären Faschismus herabsinkt", wie er gegenüber Ha'aretz am 28. Januar erklärte. "Ich bin der Überzeugung, daß der falsche Konsens in Israel heute und die täglichen Greuel in den Palästinensergebieten diese Art Faschismus heraufbeschwören werden. Es muß alles getan werden, damit sich die Lage nicht weiter verschärft, und wenn ich meine Karriere für diesen Zweck aufs Spiel setzen muß, so werde ich es tun." Bronfman drängt die Führung der Arbeitspartei, darunter den Knesset-Präsidenten Avraham Burg, Yossi Beilin und die stellvertretende Verteidigungsministerin Dalia Rabin-Pelossof, der Regierung Scharon offen den Kampf anzusagen.

Avraham Burg hat sich vor kurzem bei Konferenzen in Südafrika und in Paris (siehe Neue Solidarität Nr. 5/2002) mit seinem palästinensischen Amtskollegen getroffen und das Vorgehen Scharons und der IDF gegen die Palästinensische Autonomiebehörde scharf kritisiert. Burg hät an seinem Vorhaben fest, nach Ramallah zu fahren und vor dem palästinensischem Parlament zu sprechen.

Der bekannte israelische Journalist Gideon Levy veröffentlichte einen offenen Brief an Außenminister Schimon Peres, worin er diesen ebenfalls auffordert, die Regierung zu verlassen und so Scharon zu stürzen. Peres soll bereits im Januar andere Kabinettsmitglieder darauf hingewiesen haben, die israelische Regierung begehe Akte, für die sie eines Tages als Kriegsverbrecher angeklagt werden könnte. "Einer Regierung", schreibt Levy, "die absichtlich jeden palästinensischen Versuch Ruhe herzustellen sabotiert, die offen deren Führung demütigt und als einziges Motiv die Rache kennt,... kann nicht mehr vergeben werden."

LaRouche hat seit Juni 2001 wiederholt davor gewarnt, daß Israel im Zuge eines Religionskrieges, der die Frucht solcher Kriegsverbrechen ist, selbst zerstört werden wird. Seit Scharons Machtantritt sind mehr israelische Zivilisten und Soldaten getötet worden als in den vorangegangenen sechs Jahren des Osloer Friedensprozesses, den er ablehnt.

Wie die SS im Warschauer Getto

Was es heißt, wenn die IDF genau jene Methoden studiert, womit die jüdischen Bewohner Warschaus ausgelöscht wurden, wird noch deutlicher, wenn man weiß, welche Quelle bei diesen Studien die Hauptrolle spielt. Generalmajor der Polizei und SS Jürgen Stroop, der die Ausrottungsaktion leitete, hinterließ einen Bericht, in dem detailliert sein Vorgehen während jener schrecklichen 28 Tage im April und Mai 1943 aufgezeichnet ist.

Stroop beschreibt in seinem Bericht ("Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!"), wie seine Soldaten die verbliebenen 60000 Juden im Warschauer Getto, die bewaffneten Widerstand leisteten, vernichteten. 300000 weitere Juden aus Warschau waren bereits zuvor in die Konzentrationslager deportiert worden. Viele Juden im Getto arbeiteten in Rüstungsbetrieben, die die Wehrmacht belieferten, und konnten sich daher Waffen beschaffen.

Heinrich Himmler hatte Jürgen Stroop nach Warschau entsandt, um dieses "Problem" mit SS-Männern, Polizeikräften und Pionieren der Wehrmacht zu lösen. In allen seinen Erklärungen und Äußerungen bezeichnet Stroop die Juden nur als "bewaffnete Banditen und Verbrecher", wohingegen seine Truppen stets die mutigen und draufgängerischen Helden gegen die bewaffneten Feinde waren.

Das Warschauer Getto, ein Wohnbezirk, wo früher 80000 Menschen lebten und nach der Besetzung Polens 400000 Menschen eingepfercht wurden, war vollständig ummauert. Als Stroop gerufen wurde, um den Widerstand zu brechen, ließ er Häuserblock für Häuserblock durchkämmen und bei Widerstand niederbrennen oder sprengen. Die Juden mußten wegen der Brände die Häuser verlassen und wurden dann entweder sofort erschossen oder in die Vernichtungslager deportiert. Widerstand aus einer Wohnung reichte, um den ganzen Komplex niederzubrennen, Keller wurden mit Nebelkerzen und manchmal mit Gas ausgeräuchert. Die Stromversorgung und andere Infrastruktur wurde systematisch zerstört. Kanäle, in denen sich Juden versteckten, wurden geflutet, gesprengt oder das Wasser mit Gift versetzt. Stroop sparte sich die Warschauer Hauptsynagoge bis zum letzten Tag auf, dem 16. Mai 1943, um sie dann zeremoniell zu sprengen. Das war das Signal, daß alle Juden entweder getötet oder "umgesiedelt" worden waren.

Der abartige Nazi-General ließ seinen Bericht in Leder binden, mit Bildern illustrieren und übergab ihn offiziell Himmler als Geschenk. Später wurde der Bericht als Beweismittel an den amerikanischen Richter Robert Jackson in Nürnberg "übergeben", der ihn als erster veröffentlichte. Was ist davon zu halten, wenn dieses Hauptbeweismittel beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß heute der israelischen Armee als taktisches Lehrbuch dient?

Der gesamte Stroop-Bericht wurde 1998 in Buchform erneut veröffentlicht - vom Holocaust History Project als Warnung an die Nationen heute: (www.holocaust-history.org/works/stroop-report/). Zweifellos ist Lyndon LaRouches Warnung nun zu einer entscheidenden Frage von Krieg und Frieden geworden.

Paul Gallagher

 

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