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Aus der Neuen Solidarität Nr. 27/2004

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11. September: Noch mehr Fragezeichen

Die Anhörungen und Stabsberichte der "9/11-Kommission" haben neue Erkenntnisse erbracht, wie (und zum Teil auch warum) am 11. September 2001 die regulären Sicherheitsvorkehrungen versagten:


Die zuständigen Behörden
Manöver oder echter Angriff?

Cockpit-Alarm wurde nie ausgelöst

AA-77 verloren

Keiner will entscheiden

Militär war immer dabei

Sinnlose Telekonferenz

Ein abwesender Chef

Wo war Rumsfeld?

"Vieles macht uns nervös"

Bei öffentlichen Anhörungen am 17.-18. Juni in Washington legte die "Nationale Kommission zu Terroranschlägen auf die Vereinigten Staaten" (auch Kean-Hamilton-Ausschuß oder "11.9.-Kommission" genannt) drei Berichte ihres Stabes vor und hörte Zeugen an, die am 11. September 2001 in verschiedenen Funktionen mit der Verteidigung des amerikanischen Luftraums befaßt waren.

Haupthema der Anhörungen war die Frage, wie die Regierung auf die Anschläge reagierte. Im Stabsbericht Nr. 17 wird beschrieben, was die Bundesluftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Agency) und das Luftverteidigungskommando NORAD (North American Aerospace Defense Command) am 11. September taten. Auch die Rolle des Weißen Hauses und des Verteidigungsministeriums werden untersucht.

Die zuständigen Behörden

Zunächst erfolgt ein kurzer Überblick über die Zuständigkeiten der betreffenden Zivil- und Militärbehörden.

Die FAA ist "gesetzlich verpflichtet, die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Flugverkehrs zu regeln." Die zahlreichen Fluglotsen in den 22 Luftverkehrskontrollzentren der Behörde "sind in regionalen Büros zusammengefaßt und arbeiten eng mit der zentralen Luftverkehrskontrolle (Air Traffic Control System Command Center) zusammen", die den Verkehr im gesamten Luftraum überwacht.

Am 11. September wurden die entführten Flugzeuge von vier Kontrollzentren der FAA beobachtet: in Boston, New York, Cleveland und Indianapolis. Die Fluglotsen verfolgen dazu die Daten, die von den Transpondern in Verkehrsflugzeugen abgestrahlt werden; werden diese abgeschaltet, so müssen sie versuchen, die Maschinen direkt über Radar-Rückstrahlung zu beobachten.

NORAD "war und ist verantwortlich für die Verteidigung des Luftraums der kontinentalen Vereinigten Staaten". Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Anzahl der Alarmzentren des NORAD auf sieben verringert, mit jeweils zwei Kampfflugzeugen in Alarmbereitschaft an jedem Standort, also insgesamt 14. "Die entführten Flugzeuge befanden sich alle in einem NORAD-Sektor, dem Nordöstlichen Luftverteidigungssektor", kurz NEADS, dessen Leitzentrum sich in Rome im Staat New York befindet.

Wie mußten die Behörden im Falle von Flugzeugentführungen vorgehen? "Die Vorschriften der FAA zur Anforderung militärischer Unterstützung von NORAD erforderten Meldungen auf mehreren Ebenen und eine Vollmacht auf höchster Regierungsebene." Der Pilot eines entführten Flugzeugs soll "die Flugüberwachung über Funk oder die Eingabe des Transponderkodes ,7500' - den universellen Kode für eine laufende Entführung - über die Entführung in Kenntnis setzen. Die Fluglotsen benachrichtigen dann ihre Vorgesetzten, die wiederum die Leitung bis hinauf zum FAA-Hauptquartier in Washington benachrichtigen." Dort gab es einen sog. "Entführungskoordinator", den "Direktor des FAA-Büros für die Sicherheit der Zivilluftfahrt oder dessen Beauftragter".

Sobald bestätigt ist, daß es sich wirklich um eine Entführung handelt, "ist der diensthabende Entführungskoordinator laut Vorschrift verpflichtet, sich an die Nationale Militärische Kommandozentrale (NMCC) im Pentagon zu wenden und ein militärisches ,Begleitflugzeug' anzufordern, das dem [entführten] Flugzeug folgt, alles Außergewöhnliche meldet und bei einem Notfall die Suche und Rettung unterstützt. Das NMCC fordert dann beim Büro des Verteidigungsministers die Genehmigung an, militärische Unterstützung zu leisten."

Manöver oder echter Angriff?

Das erste Flugzeug, das entführt wurde, war American Airline Flug 11 aus Boston. Nachdem der Transponder abgeschaltet wurde, "sagte der Fluglotse seinem Vorgesetzten, er glaube, mit dem Flugzeug sei etwas ernsthaft nicht in Ordnung". Keiner von beiden vermutete eine Entführung, und man folgte den üblichen Verhaltensregeln für Fälle, in denen es keinen Funkkontakt zu einer Maschine gab.

Als eine Funkübertragung zu hören war, auf der eine Stimme an Bord von AA-11 sagte: "Wir haben ein paar Flugzeuge [in unserer Gewalt]. Bleiben Sie ruhig, dann geschieht Ihnen nichts. Wir kehren zum Flughafen zurück" usw., war klar, daß es sich um eine Entführung handelte. Sobald der Flugleiter alarmiert war, teilte er einen zweiten Fluglotsen ein, der dem ersten helfen sollte. Die Leiter der Bostoner Zentrale gaben die Meldung auf dem Dienstweg bis in die Operationszentrale im FAA-Hauptquartier weiter. "Der diensthabende Beamte antwortete, das Sicherheitspersonal habe soeben begonnen, die Entführungslage in einem Konferenzgespräch mit dem Regionalbüro für Neuengland zu besprechen." Man schaltete eine Telekonferenz der Zentralen in Boston, New York und Cleveland.

Ein dritter Funkspruch von AA-11 erreichte die Zentrale in Boston: "Keiner bewegt sich. Wir kehren zum Flughafen zurück. Machen Sie keine Dummheiten." Jetzt wird es merkwürdig: "Die Bostoner Zentrale folgte nicht dem Routineverfahren, über die vorgeschriebene Befehlskette militärische Unterstützung anzufordern." Statt dessen wandte man sich an das Militär über die FAA in Cape Cod, versuchte dann Atlantic City, erreichte schließlich NEADS, und dies "war die erste Mitteilung, die das Militär - auf irgendeiner Ebene - davon erhielt, daß American 11 entführt worden war."

Der erste Funkspruch von AA-11, der eine Entführung signalisierte, erfolgte um 8.24.38 Uhr. Das FAA-Zentrum in Boston erreichte NEADS um 8.37.52 Uhr, also gut 13 Minuten später. Das Gespräch mit NEADS verlief wie folgt:

"FAA: Hi. Die Bostoner Zentrale, wir haben hier ein Problem. Das ist ein entführtes Flugzeug, das auf New York zufliegt, und wir brauchen euch, jemand muß schnell ein paar F-16 oder so etwas dorthin schicken und uns beistehen.

NEADS: Ist das echt oder eine Übung?

FAA: Nein, das ist keine Übung, kein Test."

Die Aussage des NORAD-Kommandeurs Gen. Ralph Eberhart am 17. Juni erklärt, warum der Mann bei NEADS diese Frage stellte. Gen. Eberhart sagte: "Am Morgen des 11.9. führten wir eine NORAD-Stabsrahmenübung durch, und unser Hauptquartier und unsere Regionen standen unter ,Kriegsbedingungen'."

NEADS befahl dann tatsächlich den Einsatz von zwei F-15-Kampfjets, rund 230 km von New York entfernt. Die Entführung wurde dem Einsatzkommandeur gemeldet, der seinen Vorgesetzten benachrichtigte und um die Genehmigung zum Alarmaufstieg der Maschinen bat. Er wurde angewiesen, dies zu tun, die Genehmigung werde folgen. Sein Vorgesetzter meldete es dem NORAD-Hauptquartier.

"Die F-15-Kampfjets wurden um 8.46 angewiesen, aufzusteigen... Aber NEADS wußte nicht, wohin es die Kampfflieger schicken sollte: ,Ich weiß nicht, wohin ich die Kerle schicken soll. Ich brauche eine Richtung, ein Ziel.'" Der Grund hierfür soll der abgeschaltete Transponder gewesen sein, obgleich eine Radarerfassung gegeben sein mußte. "American 11 schlug um 8.46.40 Uhr im World Trade Center ein. Kurz nach 8.50 Uhr, als NEADS immer noch versuchte, AA-11 zu lokalisieren, erfuhren sie, daß ein Flugzeug mit dem World Trade Center kollidiert war."

Cockpit-Alarm wurde nie ausgelöst

Das nächste Flugzeug, das entführt wurde, war United Airlines Flug 175 aus Boston. Es drang um 8.41 in den Luftraum des New Yorker Zentrums ein, "aber leider war dem gleichen Fluglotsen, der für United 175 verantwortlich war, die Aufgabe übertragen worden, die entführte American 11 zu verfolgen." Als dieses Flugzeug im WTC einschlug, wurde der Transponder-Kode von UA-175 zweimal verändert, was aufgrund der Konzentration auf AA-11 erst einige Minuten später bemerkt wurde. "Der Fluglotse und der Manager im Kontrollzentrum New York wußten nicht, daß AA-11 bereits abgestürzt war."

Nachdem die Änderungen des Transpondercodes um 8.51 bemerkt wurden, versuchte der Fluglotse ohne Erfolg, das Flugzeug zu kontaktieren, und informierte das New Yorker FAA-Zentrum um 8.55, daß es sich ebenfalls um eine Entführung handeln könnte. "Der [FAA-] Manager versuchte, die regionalen Manager zu informieren und ihm wurde gesagt, die Manager seien dabei, über ein entführtes Flugzeug zu diskutieren (vermutlich AA-11), und wollten nicht gestört werden."

Um 9.01 Uhr sagte ein Manager des New Yorker FAA-Zentrums der FAA-Zentrale in Herndon, Virginia: "Wir haben hier mehrere Krisenlagen gleichzeitig. Es eskaliert stark, sehr stark. Das Militär muß uns helfen... Wir haben es noch mit etwas anderem zu tun, ein zweites Flugzeug ist möglicherweise in ähnlicher Richtung unterwegs" - offenbar war damit UA-175 gemeint.

Das New Yorker FAA-Zentrum kontaktierte dann die Anflugüberwachung des New Yorker Flughafens, und bat sie, bei der Lokalisierung von UA-175 zu helfen, was sie auch tat. Das Flugzeug war "im schnellen Sinkflug" und schlug um 9.03.02 im Südturm des WTC ein.

"Das Bostoner Zentrum teilte der Neuengland-Region mit, alle Flugzeuge würden angehalten, die im Zuständigkeitsbereich des Bostoner Zentrums starten sollten." Der Bostoner Operationschef wies alle Flugzeuge an, die Sicherheitststufe für die Cockpits zu erhöhen."

"Das Bostoner Zentrum bat dann die Kommandozentrale Herndon, für die ganze Nation eine ähnliche Cockpit-Sicherheitswarnung auszugeben. Wir haben keine Hinweise gefunden, die darauf hindeuten, daß die Manager der Kommandozentrale eine solche Cockpit-Sicherheitswarnung ausgegeben haben."

Der ehemalige stellv. FAA-Leiter Monte Belger wurde dazu von der Kommission mündlich befragt: "Eine solche Warnung wurde nicht ausgegeben, und eine Viertelstunde später wurde das Cockpit der United 93 gestürmt." Man bat Belger um eine Erklärung. Belger verwies an John White, den früheren Dienststellenleiter in FAA-Führungszentrale für Luftverkehrskontrolle. White sagte: "Ich wußte nichts von dieser Bitte. Ich habe heute zum ersten Mal davon gehört. Ich war an jenem Tag nicht in der Lage, diese Bitte zu hören. Ich habe immer angenommen, daß wir den Fluglinien eine mündliche Warnung hinsichtlich der Sicherheit der Cockpits erteilt hätten."

Auch der damalige nationale Operationschef der FAA-Kommandozentrale, Ben Sliney, sagte bei der Anhörung, er habe nichts von der Bitte gewußt - möglicherweise jedoch Ellen King, eine Kollegin, mit der er an diesem Tag seine Aufgaben teilte.

NORAD erfuhr von der Entführung der UA-175 erst um 9.03 Uhr - als das Flugzeug gerade in seinem Ziel einschlug.

AA-77 verloren

Als drittes Flugzeug wurde American Airlines Flug 77 entführt, das um 8.20 Uhr vom Washingtoner Flughafen Dulles startete. Es wich schon bald vom Kurs ab und schaltete den Transponder ab. "Zu diesem Zeitpunkt wußte der Fluglotse in Indianapolis nichts von der Lage in New York. Bis 9.20 Uhr wußte er nicht, daß weitere Flugzeuge entführt worden waren... Als das [FAA-] Zentrum Indianapolis nach dem Flugzeug suchte, schauten die beiden Manager und der für American 77 zuständige Fluglotse nach Süden und Südwesten, entlang des geplanten Flugweges, aber nicht nach Osten - wohin das Flugzeug nun steuerte. Die Manager haben die übrigen Fluglotsen des Zentrums Indianapolis nicht aufgefordert, ihre direkte Radarüberwachung einzuschalten, um sich an der Suche zu beteiligen... Kurz, das Zentrum Indianapolis hat nie gesehen, daß American 77 umgekehrt war... American 77 flog 36 Minuten lang unentdeckt auf einem Kurs nach Osten in Richtung Washington."

Um 9.25 war der FAA klar, daß zwei Flugzeuge in ihr Ziel gestürzt waren und ein drittes entführt war. Die FAA in Herndon fragte im FAA-Hauptquartier nach, "ob sie ein ,nationales Flugverbot' anordnen wollten. Noch während die Chefs im Hauptquartier der FAA darüber diskutierten, um 9.25, tat die Kommandozentrale dies auf eigene Verantwortung."

Das Militär war dem Vernehmen nach nicht informiert. "NORAD wußte nichts über die Suche nach American 77. Sie hörten nur von einem zweiten Flugzeug, das es nicht mehr gab, American 11. Bei einem Gespräch zwischen der FAA und NEADS glaubten sie, AA11 sei immer noch in der Luft und unterwegs nach Washington. Um 9.24 Uhr wurden Kampfjets angewiesen, von Langley aus aufzusteigen."

Während eines Gesprächs zwischen NEADS und der FAA in Washington über AA-11 sagte um 9.34 ein Manager der Washingtoner Zentrale: ",Wir suchen - wir haben auch American 77 verloren.' Dies war die erste Mitteilung an das Militär, daß auch American 77 vermißt war, und sie geschah rein zufällig. Hätte NEADS nicht angerufen, hätten die Luftraumverteidiger des NEADS überhaupt nicht erfahren, daß American 77 vermißt war, obwohl die FAA nach ihm suchte. Niemand in der Kommandozentrale oder im Hauptquartier der FAA hat je militärische Unterstützung für American 77 angefordert."

Die Kampfjets aus Langley, die aufgestiegen waren, flogen irrtümlicherweise nach Osten statt nach Norden. Um 9.36 wurden sie nach Washington befohlen. Als das Pentagon um 9.37.46 getroffen wurde, waren die F-15 150 Meilen entfernt.

Keiner will entscheiden

Das letzte Flugzeug, das an diesem Tag entführt wurde, war United Airlines Flug 93 aus Newark. Auf den Funkübertragungen an Cleveland sind Kampfgeräusche, Schreie u.ä. zu hören. FAA Cleveland bemerkte, daß UA-93 um 700 Fuß tiefer flog. Anderen Flugzeugen gelang es nicht, Funkkontakt mit ihm aufzunehmen. "Um 9.34 Uhr erfuhr das Hauptquartier der FAA von der Entführung." In einer weiteren Mitteilung aus dem entführten Flugzeug hieß es, es sei eine Bombe an Bord. Der Transponder wurde abgeschaltet, aber das Flugzeug wurde über Radar verfolgt. Um 9.36 Uhr wurde Cleveland gefragt, ob das Militär gebeten worden sei, Kampfjets aufsteigen zu lassen.

Die Chefs der FAA wurden von 9.34 Uhr bis 10.08 Uhr über den Kurs des Flugzeug auf dem laufenden gehalten, das umgekehrt war und auf Washington zuflog. Die Kommandozentrale erfuhr um 9.42 Uhr aus Fernsehberichten, daß ein Flugzeug auf das Pentagon gestürzt war. Daraufhin wies Ben Sliney alle Einrichtungen der FAA an, allen im Luftraum befindlichen Flugzeugen die Landung auf dem nächstgelegenen Flughafen zu befehlen, was auch geschah.

Es war sein erster Diensttag als Leiter der nationalen Operationen der FAA. Er erläuterte in seiner Aussage am 17. Juni: "Ich war überzeugt davon, daß ich an dem Tag dazu befugt war", da er "für das sichere und effektive Arbeiten des nationalen Luftfahrtsystems verantwortlich war".

Um 9.46 Uhr wurde die FAA informiert, UA-93 befinde sich "25 Minuten außerhalb von Washington". Um 9.49 Uhr "legte die Kommandozentrale nahe, jemand im Hauptquartier solle entscheiden, ob Beistand des Militärs angefordert wird".

"FAA-Hauptquartier: Sie holen Jeff heraus, um über United 93 zu reden.

Kommandozentrale: Wollen wir daran denken, Flugzeuge im Alarmstart loszuschicken?

FAA-Hauptquartier: O Gott, ich weiß nicht.

Kommandozentrale: Das ist eine Entscheidung, die jemand wahrscheinlich in den nächsten zehn Minuten treffen muß.

FAA-Hauptquartier: Aber gerade haben alle den Raum verlassen."

Angeblich beriet man bei der FAA darüber, ob Flugzeuge im Alarmstart abheben sollten. Andere Flugzeuge sichteten UA-93 um 10.01 Uhr in "äußerst schlingernder Bewegung". Um 10.03 stürzte es in Pennsylvania ab.

Militär war immer dabei

"Trotz der Gespräche über militärischen Beistand forderte niemand im FAA-Hauptquartier militärischen Beistand hinsichtlich United 93 an. Auch gab kein Manager im FAA-Hauptquartier irgendwelche Informationen über United 93 an die Streitkräfte weiter." NEADS wurde über UA-93 erst um 10.07 Uhr informiert, nachdem die Maschine zerschellt war. Zur gleichen Zeit gab der für die nach Washington fliegenden F-15-Maschinen zuständige Offizier bei NEADS, der von dem Absturz nichts wußte, "ausdrücklich Anweisung, die Kampfflieger aus Langley seien nicht befugt, Flugzeuge über der Hauptstadt abzuschießen". Und "die Nachricht von der Erlaubnis zum Abschuß entführter Zivilflugzeuge erreichte NEADS erst um 10.31 Uhr" - also zu spät.

Bei früheren Zeugenaussagen vor dem Ausschuß im Mai 2003 hatten sich NORAD-Offiere verschiedentlich darüber geäußert, wann sie von der Entführung von UA-93, von AA-77 und Befehlen zum Schnellaufstieg von F-15 erfuhren - inzwischen hat der Ausschuß festgestellt, daß die Angaben falsch waren.

Die Frage der Kommunikation der Kommandozentrale mit "dem Militär" ist sowohl in dem Bericht als auch in den Zeugenaussagen verwirrend. Sliney sagte aus: "Uns in der Kommandozentrale ist natürlich die militärische Zelle verfügbar, die unsere Verbindung zu den Streitkräften war. Sie waren alle bei sämtlichen Ereignissen am 11.9. anwesend." Belger bestätigte dies in seiner Aussage: "Es waren Leute aus dem Militär in der FAA-Kommandozentrale, die dort Dienst hatten."

Sinnlose Telekonferenz

Das Zentrum des Krisenmanagements am 11. September war das NMCC im Pentagon. "Die FAA, das Weiße Haus und das Verteidigungsministerium hielten jeweils eine Telekonferenz mit mehreren Behörden ab. Die FAA veranstaltete ihren Vorschriften folgend etwa um 9.20 Uhr eine Flugzeugentführungs-Telekonferenz mit mehreren Behörden, darunter das Verteidigungsministerium." Beteiligte aus der FAA und dem Pentagon "sagten uns, dieser Anruf hatte keinen Einfluß auf die Koordinierung der Reaktion des Militärs und der FAA auf die Angriffe..."

Es ist ein Rätsel, was es mit dieser Telekonferenz auf sich hatte. Bei Anhörungen am 17. Juni wurde Belger gefragt, warum die FAA erst nach 39 Minuten das NMCC über die Entführung von UA-93 informierte. Belger antwortete: "Was ich im nachhinein am enttäuschendsten finde und am schwersten verstehe, ist die Kommunikationsverbindung zwischen den FAA-Operationen und dem NMCC an jenem Morgen." Er fuhr fort: "Ich glaube, es geht aus den Unterlagen klar hervor, daß die FAA-Operationszentrale das NMCC um 9.20 Uhr anrief und in das Entführungsnetz aufnahm - das ist ein offenes Kommunikationsnetz unter dem FAA-Koordinator für Flugzeugentführungen, einem hochrangigen Mitarbeiter der FAA-Sicherheitsorganisation, und der Zweck [des Netzes] ist, die betroffenen Bundesbehörden zusammenzubringen, damit sie die Informationen gleichzeitig erhalten... die Hauptinformationsquelle zwischen FAA, DoD, FBI, Secret Service ... ist das Entführungsnetz der FAA... Ich ging an dem Morgen davon aus, weil es in meinen 30 Jahren bei der FAA immer so gewesen war, daß das NMCC im Netz war und alles in Echtzeit hörte." Als ihm klar wurde, daß das NMCC nicht im Netz war, sei er "nicht gerade erfreut" gewesen.

Wie dies mit dem Bericht des Stabsberichtes über die Telekonferenz des NMCC - siehe unten - zusammenpaßt, ist unklar. Im Stabsbericht heißt es weiter:

"Der Lageraum im Weißen Haus machte eine Videoschaltung unter dem Vorsitz von Richard Clarke... Sie hatte keinen unmittelbaren Einfluß auf die Notstands-Verteidigungsmaßnahmen." Das NMCC im Pentagon "hielt eine wichtige Telekonferenz ab, die um 9.29 Uhr als ,Konferenz über bedeutsame Ereignisse' begann und dann um 9.37 Uhr als Konferenzschaltung über Bedrohung aus der Luft fortgesetzt wurde. Diese Telekonferenz dauerte mehr als acht Stunden. Der Präsident, Vizepräsident, Verteidigungsminister, stellv. Generalstabschef und stellv. Nationale Sicherheitsberater nahmen zu verschiedenen Zeitpunkten des Tages alle an der Konferenz über Bedrohung aus der Luft teil, ebenso Mitarbeiter des Militärs vom Schutzbunker des Weißen Hauses. Ebenso der Militärassistent des Präsidenten an Bord von Air Force One.

Mitarbeiter arbeiteten fieberhaft daran, die FAA an diese Telekonferenz anzuschließen, aber sie hatten Probleme mit der Ausrüstung und Schwierigkeiten, sichere Telefonnummern zu finden... Die FAA kam erst um 10.17 zu der Schaltung dazu. Der FAA-Vertreter, der an dem Anruf teilnahm, hatte keine Erfahrungen oder Verantwortlichkeiten mit Entführungsfällen, hatte keinen Zugang zu Entscheidungsträgern und verfügte über keine der Informationen, über die hohe FAA-Beamte zu dieser Zeit verfügten.

Wir fanden keinen Hinweis darauf, daß zu diesem kritischen Zeitpunkt am Morgen des 11. September die Spitzenkommandeure von NORAD in Florida oder Cheyenne Mountain sich irgendwann mit ihren Kollegen im FAA-Hauptquartier absprachen, um die Lageübersicht zu verbessern und eine gemeinsame Reaktion zu organisieren. niedrigerrangige Beamte improvisierten... Aber die höchsten Beamten des Verteidigungsministeriums verließen sich auf die Telekonferenz des NMCC, an der die FAA nicht in sinnvoller Form teilnahm."

Ein abwesender Chef

Eine Anomalie, die in dem Bericht auftaucht, ist, daß auch der zuständige Diensthabende im NMCC ein Neuling war. Hauptmann Charles Leidig von der US-Marineakademie sagte am 17. Juni aus: "Etwa zwei Monate vor dem 11. September 2001 trat ich den Dienst als Stellvertreter für Operationen an der Kommandozentrale im Direktorat J3 des Generalstabs an". Im August 2001 hatte er sich "als diensthabender Vizedirektor für Operationen im NMCC" qualifiziert. Leidig berichtete: "Am 10. September 2001 bat mich Brigadegeneral WinfieldP von der US-Armee, am nächsten Tag einen Teil seines Dienstes als Vizedirektor für Operationen im NMCC zu übernehmen. Ich willigte ein und löste Brigadegeneral Winfield am 11. September 2001 um 8.30 Uhr ab."

Leidig berichtet weiter, wie er, nachdem er von dem Angriff der beiden Flugzeuge auf das World Trade Center erfahren hatte, die beiden gerade erwähnten Tele-Konferenzen zusammenrief. "Während der Konferenz über Bedrohung aus der Luft löste mich Brigadegeneral Winfield ab und übernahm den Dienst als Vizedirektor für Operationen" beim NMCC.

Wo war Rumsfeld?

Die Konferenzschaltung begann um 9.39 Uhr damit, daß ein NMCC-Offizier NORAD um einen Lagebericht bat. NORAD hatte "widersprüchliche Berichte". Das NMCC sagte, das Pentagon sei getroffen worden, und ersuchte darum, den Verteidigungsminister zu der Konferenz dazuzuholen. Um 9.44 Uhr hieß es aus dem Pentagon und aus dem Büro des stellv. Generalstabschefs, sie versuchten, die beiden Männer zu finden.

Präsident Bush befand sich zu dem Zeitpunkt mit Schulkindern in einer Schule in Florida. Nachdem man ihn von dem Angriff des zweiten Flugzeugs auf das World Trade Center unterrichtet hatte, "ging er noch einmal für fünf bis sieben Minuten in das Klassenzimmer", wurde dann zum Flughafen gefahren und bestieg Air Force One. Während des Fluges hörte er von dem Angriff auf das Pentagon. Er wollte nach Washington zurückkehren, aber der Secret Service riet dringend davon ab. Um 9.37 Uhr wurde Vizepräsident Cheney in einen Untergrundtunnel evakuiert und dann zum Konferenzraum im Bunker gebracht.

Cheney behauptet, er habe dann Befehl erteilt, entführte Flugzeuge abzuschießen. Es ist bemerkenswert, daß dieser Befehl vom Vizepräsidenten kam. "In den meisten Fällen verläuft die Befehlskette bei der Genehmigung von Gewaltanwendung vom Präsidenten zum Verteidigungsminister und weiter vom Minister zum Truppenkommandeur. Der Präsident sprach offenbar irgendwann nach 10 Uhr kurz mit Minister Rumsfeld, aber niemand erinnert sich, daß es dabei um mehr ging als um eine allgemeine Aufforderung, die Streitkräfte in Alarmbereitschaft zu versetzen. Der Präsident und der Minister redeten bei diesem Gespräch nicht über die Anwendung von Gewalt gegen entführte Flugzeuge."

Rumsfeld "wurde erst Teil der Befehlskette für diese Kampfbefehle, als er im NMCC ankam". Er telefonierte um 10.39 Uhr mit Cheney, der ihm sagte: "Es gab hier mindestens drei Fälle, wo wir Berichte über Flugzeuge im Anflug auf Washington hatten - zwei wurden als Entführungen bestätigt. Und den Anordnungen des Präsidenten gemäß habe ich Erlaubnis erteilt, sie abzuschießen. Hallo?"

Rumsfeld fragte, wem Cheney den Befehl erteilt hätte und ob die Flugzeuge informiert seien. Cheney sagte, das sei der Fall, und soweit er wisse, "haben sie schon zwei Flugzeuge abgeschossen", was nicht zutraf.

Cheney hatte sich hier "geirrt", aber andere Kampfflugzeuge vom Luftwaffenstützpunkt Andrews, die weitergehende Befugnisse hatten, befanden sich nach Benachrichtigung durch den Secret Service in der Luft. Sie sollten das Weiße Haus schützen und alle Flugzeuge, die es bedrohen, abschießen. Sowohl Cheney als auch Bush sagten aus, sie hätten von diesem Einsatz nichts gewußt.

"Vieles macht uns nervös"

Auf der Pressekonferenz nach den Anhörungen am 17. Juni betonten die Ausschußvorsitzenden, eines der größten Probleme am 11. September sei die mangelhafte Kommunikation gewesen, insbesondere daß es keinen direkten Austausch zwischen der FAA und NORAD gab, worin viele die Ursache des Chaos sehen.

Die Journalisten stellten mehrere wichtige Fragen. Eine war, warum Präsident Bush so spät reagierte, eine andere, wo sich Rumsfeld aufgehalten habe und warum er nicht auffindbar war. Die Frage lautete: "Minister Rumsfeld war im Speisesaal des Pentagons. Dann war er in seinem Büro und mußte ans Fenster seines Büros gehen, um zu sehen, daß das Pentagon angegriffen wurde. Hätte ihn nicht jemand in seinem Büro anrufen können? Macht uns das nicht etwas nervös über den Verteidigungsminister?"

Ausschußmitglied Kean antwortete: "Vieles an dieser Geschichte macht uns nervös. Die Kommunikation ist eines der wichtigsten davon, und der Verteidigungsminister ist nicht der einzige..."

mlm

 

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