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Aus der Neuen Solidarität Nr. 37/2004

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Wem nutzt der Terror gegen Rußland und Frankreich?

Bei den Terrorangriffen gegen Rußland geht es um weit mehr als den Tschetschenienkonflikt. Die Terrorangriffe sind Teil des "großen Spiels" in Zentral- und Südwestasien vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise. Auch Frankreich ist ins Visier terroristischer Destabilisierungsversuche geraten.


Frankreich wird angegriffen
Was steckt hinter dem Terrorismus im Kaukasus

Am 31. August trafen sich im südrussischen Sotschi Präsident Putin, Bundeskanzler Schröder und der französische Präsident Chirac. Über die Inhalte der Gespräche wurde nicht viel bekannt. Klar ist aber, daß die strategischen Umstände, unter denen das Treffen stattfand, alles andere als "normal" waren: Rußland und auch Frankreich sind schweren terroristischen Angriffen ausgesetzt.

Nur Stunden nach Ende der Gespräche von Sotschi wurden vor einer Moskauer Metrostation 10 Personen bei einem Selbstmordanschlag getötet. Wäre es der Attentäterin gelungen, in die Metro zu gelangen, hätte es ein weit schlimmeres Blutbad gegeben. Eine Woche zuvor waren fast zeitgleich zwei russische Passagierflugzeuge - eines mit Zielort Sotschi - durch Bombenexplosionen zum Absturz gebracht worden, wobei 90 Menschen getötet wurden.

Einen Tag nach den Treffen von Sotschi stürmte ein schwerbewaffnetes Terrorkommando eine Schule in Beslan nahe dem südrussischen Wladiwaskas. Mindestens 500 Menschen, darunter rund 130 Schulkinder, wurden als Geiseln genommen. Jeder, der die russische Mentalität kennt, weiß, daß die üblichen rüden Umgangsformen aufhören, wenn Kinder betroffen sind. Entsprechend stellte der Terrorangriff auf eine Schule auch einen beispiellosen Akt massenpsychologischer Kriegsführung dar. Der Terrorangriff in Beslan hat nach letzten Meldungen mehr als 200 Kindern und Erwachsenen das Leben gekostet und mehr als 500 Personen wurden verletzt.

In auffälliger Gleichschaltung verkündeten die führenden internationalen Medien, die Terroranschläge seien das Werk "tschetschenischer Rebellen" und verwiesen auf einen angeblichen Zusammenhang zu den Wahlen, die am 29. August in Tschetschenien stattgefunden hatten. Besonders die Terroroperation gegen die Schule in Beslan wurde zum Anlaß genommen, die Tschetschenienpolitik Putins massiv anzugreifen, wobei vielfach geradezu Schadenfreude zum Ausdruck kam. Schröder und Chirac wurden ebenfalls massiv attackiert, weil sie Putin wegen Tschetschenien nicht öffentlich kritisiert hätten.

Merkwürdig ist, daß der oberste tschetschenische Rebellenführer Maschkadov jede Beteiligung an den Terroranschlägen zurückwies. Das muß keineswegs heißen, daß keine Tschetschenen an den Anschlägen beteiligt waren, aber es ist ein Hinweis darauf, daß es bei der gegen Rußland und seine Führung gerichteten Terrorwelle um weit mehr geht als nur um Tschetschenien.

Frankreich wird angegriffen

Der französische Präsident Chirac stieß mit eintägiger Verspätung zu dem Dreiertreffen, weil auch Frankreich einem terroristischen Angriff ausgesetzt war. Im Irak waren zwei französische Journalisten - Christian Chesnot vom staatlichen Radio France International und Georges Malbrunot von der Tageszeitung Le Figaro - verschleppt worden. Eine praktisch unbekannte Gruppierung mit dem Namen "Islamische Armee des Irak" drohte mit der Tötung der französischen Journalisten, sollte das Kopftuchverbot für weibliche Muslime an Frankreichs öffentlichen Schulen nicht aufgehoben werden.

Merkwürdig: Chesnot und Malbrunot waren für ihre pro-arabische und pro-muslimische Haltung bekannt. Und Frankreich hatte - wie Rußland und Deutschland - den Irakkrieg strikt abgelehnt. Merkwürdig auch die Reaktion des Chefs der irakischen "Übergangsregierung" Allawi, der seine Schadenfreude gegenüber Frankreich kaum zurückhalten konnte. Mehr noch, Allawi, der seine Tätigkeit für britische und amerikanische Geheimdienste erst gar nicht verheimlicht hat, prophezeite Terroranschläge in "Paris, Nizza und Cannes".

Der französische Online-Dienst Reseau Voltaire, der über gute Quellen in den französischen Nachrichtendiensten verfügt, schrieb am 2. September, die französische Regierung wisse, daß die Entführung der beiden Journalisten nichts mit irakischen Widerstandsgruppen - egal welcher politisch-ideologischen Ausrichtung - zu tun habe. Vielmehr sei die "Islamische Armee des Irak" eine Fassade, hinter der sich eine "verdeckte Operation" verstecke, mit der Frankreich für seine Haltung bezüglich des Irak "bestraft" werde solle. An dieser Operation seien Elemente aus der irakischen Übergangsregierung sowie neokonservative Elemente aus den USA und Israel beteiligt. Deshalb habe Präsident Chirac die Journalistenentführung zu einer zentralen Frage der französischen Staatspolitik gemacht - innen- wie außenpolitisch.

In den vergangenen Wochen war Frankreich die Zielscheibe einer massiven Verleumdungskampagne seitens der israelischen Scharon-Regierung und der internationalen Medien geworden: In Frankreich wüte der Antisemitismus, hieß es. Zunächst wurde auf eine in der Tat seltsame Häufung von Schändungen jüdischer Friedhöfe in Frankreich verwiesen, deren Urheber stets unentdeckt blieben. Ministerpräsident Scharon persönlich forderte die französischen Juden auf, das Land zu verlassen und nach Israel zu kommen. Dann wurde angeblich eine junge jüdische Frau mit ihrem Baby in Paris brutal angegriffen, was von den Medien mit großer Aufmachung als weiterer "Beweis" für den Antisemitismus in Frankreich präsentiert wurde. Bald stellte sich heraus, daß der "brutale antisemitische Übergriff" eine Erfindung des angeblichen "Opfers" war und nie stattgefunden hatte. Dann kam es zu einem Brandanschlag auf eine Pariser Synagoge, der wiederum breitestes Medieninteresse fand. Der israelische Außenminister Schalom kam persönlich nach Paris und verlangte von der französischen Regierung endlich gegen die "antisemitische Gewalt" vorzugehen. Kurze Zeit später fanden die französischen Ermittler heraus, daß der "antisemitische Brandanschlag" vom ehemaligen, jüdischen Portier der Synagoge verübt worden war, der angeblich "geistig verwirrt" sei.

Wichtig ist, daß die großen jüdischen Organisationen Frankreichs die Kampagne "Frankreich ist antisemitisch" klar zurückgewiesen haben. Und sie taten dies bereits, bevor die wahren Hintergründe ans Licht gekommen waren. Gleichermaßen wichtig ist, daß die großen muslimischen Organisationen Frankreichs, auch solche, die das Kopftuchverbot scharf ablehnen, kategorisch die Entführung und Todesdrohungen gegen die beiden Journalisten verurteilt haben.

Was steckt hinter dem Terrorismus im Kaukasus

Es muß also konstatiert werden, daß sowohl gegen Frankreich wie gegen Rußland eine gezielte politische Destabilisierungsoperation im Gange ist, bei der - vor allem gegen Rußland - brutalste Terrortaktiken der "Strategie der Spannung" zum Einsatz gebracht werden. Putin und sein Verteidigungsminister Sergej Iwanow übertreiben deshalb nicht, wenn sie sagen der "internationale Terrorismus" habe Rußland den "Krieg erklärt". Wie Lyndon LaRouche in seinem in dieser Ausgabe der Neuen Solidarität abgedruckten Beitrag ausführt, ist der internationale Terrorismus - in all seinen spezifischen Ausformungen - kein Ding an sich, sondern ein verdeckt gesteuertes Instrument mächtiger Finanz- und Machtinteressen.

Tatsache ist, daß das tschetschenische Rebellenmilieu längst mit internationalen, "islamistischen" Terrornetzwerken verzahnt ist. Die Finanzierung der tschetschenischen Rebellen kommt, abgesehen vom Drogenhandel, in großem Umfang aus dem Ausland - sowohl aus westlichen Ländern wie aus dem arabisch-islamischen Raum. Die ideologische Indoktrinierung und die militärische Ausbildung erfolgt oftmals im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.

Aufschlußreich ist, daß eine "Islambouli-Brigade" sich der jüngsten Terroranschläge in Rußland bezichtigt hat. Diese geht auf einen Khaled al-Islambouli zurück, der 1981 maßgeblich an der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Sadat beteiligt war. Die "Islambouli-Brigade" ist gegenwärtig, neben Rußland, vor allem in Pakistan und Usbekistan aktiv. Es ist davon auszugehen, daß sich islamistische Terrorgruppen wie die "Islambouli-Brigade" auf bestimmte Angriffsziele hinsteuern lassen, indem entsprechende ideologische Vorgaben - "Putin ist der Feind des Islam, siehe Tschetschenien" - gegeben, Finanzmittel und Logistik bereitgestellt und lokale Verbindungen in der Kaukasusregion aufgetan werden.

Es wäre völlig naiv anzunehmen, die gegenwärtige gegen Rußland gerichtete Terrorwelle habe im "tschetschenischen Befreiungskampf" gegen Rußland ihre Ursache. Der Kleinkrieg in Tschetschenien spielt sicherlich eine Rolle, die aber einer verdeckten Großauseinandersetzung im Großraum Südwestasien - insbesondere in der Region Kaukasus-Zentralasien - untergeordnet ist. Bei diesem "großen Spiel" geht es um die Kontrolle der Energievorkommen am Kaspischen Meer und in Zentralasien (sowie um ihren Transport in die westlichen Industrieländer). Rußland und China sind dabei die Hauptkonkurrenten anglo-amerikanischer Energie- und Finanzgruppen. Und es geht um die Zukunft des Iran, der im Visier der US-Neokonservativen und der Scharon-Truppe steht. Es geht um die Zukunft des Irak, wo die Politik der Regierung Bush von einem Fiasko ins nächste taumelt. Und es geht um den Israel/Palästina-Konflikt.

Die Londoner Financial Times hat am 2. September die Frage gestellt, ob die jüngste Terrorwelle gegen Rußland das Putin-Regime unterminieren wird? Wird die Terrorwelle einen Umschwung der öffentlichen Meinung in Rußland weg von Putin bewirken? Das ist die richtig gestellte Frage, unabhängig davon, daß diejenigen, die diese Finanzzeitung kontrollieren, sicherlich die Destabilisierung des "Putin-Regimes" wollen. Rußland ist schwach, aber es wird wieder stärker. Sein Nuklearpotential kann nach wie vor nicht von den synarchistischen Machtkartellen ignoriert werden, die die "Lösung" der systemischen Weltfinanz- und -wirtschaftskrise durch neue Kriege und geopolitische "Großbereinigungen" anstreben.

Auch wenn sie in vieler Hinsicht innerlich geschwächt sind, so sind auch Frankreich und Deutschland - als die Führungsmächte der Europäischen Union - höchst ärgerliche Stolpersteine auf dem Weg zu einer synarchistischen "Weltordnung", in der die Hintermänner eines Dick Cheney das Kommando haben. Daß deshalb gerade dann, als sich Putin, Chirac und Schröder in Sotschi zusammensetzten, Rußland und Frankreich durch eine terroristische "Strategie der Spannung" destabilisiert werden sollen, ist eigentlich keine große Überraschung.

Michael Liebig

 

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