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Aus der Neuen Solidarität Nr. 1-2/2005

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Furchtbarste Naturkatastrophe seit Menschengedenken:

Die Welt braucht eine gerechte Neue Weltwirtschaftsordnung!

Von Helga Zepp-LaRouche,
Bundesvorsitzende der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)


System der Globalisierung ist gescheitert!
Es gibt einen Ausweg

Die jetzt in Südostasien anlaufende größte Hilfsaktion aller Zeiten steht vor einer gewaltigen Aufgabe: der Bergung von vielleicht hunderttausend Toten, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern, die die Zahl der Opfer vervielfachen würde; der Versorgung von rund zwei Millionen Obdachlosen; dem Wiederaufbau von sechzigtausend Dörfern; der Rekonstruktion von Infrastruktur und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Allein um den vorherigen Zustand wieder herzustellen, wird mindestens ein zweistelliger Milliardenbetrag notwendig sein. Die Initiative von Bundeskanzler Schröder für ein Schuldenmoratorium für Indonesien und Somalia ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Aber etwas sehr viel Grundsätzlicheres ist notwendig, wenn verhindert werden soll, daß sich solche unendliches Leid kostenden Katastrophen wiederholen können. Dabei muß grundsätzlich zwischen dem nicht beherrschbaren Aspekt der Naturkatastrophe und den Auswirkungen der unterlassenen Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte unterschieden werden.

Vor der jetzigen Flutwelle war der dramatischste Tsunami derjenige, der angeblich im Jahre 1628 v.Chr. durch einen sehr heftigen Ausbruch des Vulkans Thera auf der heute Santorin genannten Insel ausgelöst wurde und die minoische Kultur auslöschte. Von der Möglichkeit der Wiederholung von Tsunamis solcher Stärke wie des jüngsten in Südostasien muß ausgegangen werden. Aber ein Frühwarnsystem für die gefährdeten Gebiete ist relativ einfach zu installieren und nicht einmal mit großen Kosten verbunden.

Ganz davon abgesehen, daß ein Telefonanruf des sofort über das Seebeben informierten US-Außenministeriums an die von der Tsunami-Gefahr betroffenen Regierungen auch sehr billig gewesen wäre. Was hat die US-Regierung um alles in der Welt davon abgehalten, diese Information an die betroffenen Regierungen weiterzugeben? Diese Frage wird die Welt noch beschäftigen!

Aber der entscheidende Punkt, womit sich die führenden internationalen Institutionen massive Schuld aufgeladen haben, ist der skandalöse Umfang der unterlassenen Entwicklungspolitik der vergangenen Jahrzehnte. Darüber kann auch nicht der Tourismus-Boom in Ländern wie Thailand, Sri Lanka oder den Malediven hinwegtäuschen, der zwar den Touristik-Unternehmen und internationalen Hotelketten enorme Zuwachsraten beschert hat, die Lebensbedingungen der "Einheimischen" aber nicht wirklich verbessert und die entsprechenden Länder wirtschaftlich nicht wirklich entwickelt hat. Im Gegenteil, gerade die sogenannten "Urlaubsparadiese" am Strand erwiesen sich für Touristen wie "Einheimische" als Todesfalle.

System der Globalisierung ist gescheitert!

Die Tatsache, daß unter dem System der "Globalisierung" ein Drittel der Menschheit permanent unterernährt ist, davon eine Milliarde Kinder in Armut lebt, jeden Tag fünfzigtausend Menschen an Hunger und vermeidbaren Krankheiten sterben, sowie ganze Kontinente in ihrer Existenz bedroht sind, ist der Beweis für das absolute Versagen der gegenwärtigen Weltordnung. Nur weil die Regierungen der G7-Staaten sich dem Diktat der von der Globalisierung profitierenden internationalen Finanzoligarchie unterworfen haben, und die Mehrheit der Bevölkerung eine unfaßbare moralische Indifferenz gegenüber der Armut von vier Milliarden Menschen an den Tag legt, heißt dies noch lange nicht, daß diese Weltordnung von Dauer wäre. Sie ist auf der ganzen Linie gescheitert!

Das Ausmaß des moralischen Versagens wird deutlich, wenn man die Haltung in dieser Frage mit der völlig anderen Einstellung vergleicht, die z.B. in den 50er und 60er Jahren vorherrschte. Damals war es ein allgemeines Axiom des Denkens, daß die unverschuldete Unterentwicklung der Entwicklungsländer, die als Resultat jahrhundertelanger Kolonialpolitik verstanden wurde, baldmöglichst durch Entwicklungsprogramme überwunden werden müßte. In der UNO sprach man von "Entwicklungsdekaden", in denen bestimmte Fortschritte bei der Verbesserung von Lebensstandard und Lebenserwartung erreicht werden sollten. Und für Papst Paul VI. war die Unterentwicklung so unerträglich, daß er 1967 in seinem flammenden Appell an die Weltbevölkerung, der Enzyklika Über den Fortschritt der Völker, die Armut geißelte, die "um Rache zum Himmel schrie".

Aber mit dem Wertewandel, der die G7-Staaten seit dem Ende der 60er Jahre aus einer Gesellschaft von Produzenten in eine Gesellschaft von Konsumenten verwandelte - weg von der Produktion realer Güter, hin zur Spekulation und der reinen Geldwirtschaft, weg vom Gemeinwohl, hin zur egoistischen Ellbogen- und Spaßgesellschaft - , mit diesem Wandel änderte sich auch die Haltung gegenüber der sogenannten "Dritten Welt". Jetzt galt es als wünschenswert, wenn dort alles so billig wie möglich war, dann kostete der Aufenthalt im Fünf-Sterne-Hotel am Strand eben weniger, weil die Löhne der "Einheimischen" so wunderbar niedrig waren.

In mehr als einer Weise hat die Phantasiewelt der Konsum- und Spaßgesellschaft einen Realitätsschock bekommen. Und in ihrer typisch zynischen Weise schrieb die FAZ am 29. Dezember, was wohl ein indischer Fischer und ein deutscher Tourist miteinander gemeinsam hätten - normalerweise nichts - , nun aber lägen sie gemeinsam in einem Massengrab. Wenn wir der furchtbaren Flutkatastrophe in Südost- und Südasien überhaupt einen Sinn abgewinnen können, dann höchstens, indem wir sie als einen Wink des Himmels deuten, daß der Mensch nicht ungestraft die Schöpfungsordnung auf lange Zeit verletzen kann, indem er den größeren Teil der Menschheit als Menschen zweiter Klasse behandelt, ohne damit eine natürliche Nemesis heraufzubeschwören.

Das System der Globalisierung befindet sich gegenwärtig in der Endphase seines systemischen Zusammenbruchs. Der freie Fall des Dollars ist dafür nur ein Symptom. Wenn führende "Analysten" dieser Tage vom "Hiroshima des Finanzsystems" reden, vom Armageddon, von einer kommenden Lawine, vom Ende des Systems, dann sollte eigentlich jeder wissen, was die Stunde geschlagen hat. Der große Krach von 2005 ist da.

Es gibt einen Ausweg

1. Die G7-Staaten müssen gemeinsam mit Rußland, China, Indien und anderen Staaten der Welt eine vollständige Reorganisation des hoffnungslos bankrotten Weltfinanzsystems vornehmen und ein neues Bretton-Woods-System in der Tradition Franklin D. Roosevelts beschließen.

2. Die Schulden nicht nur von Indonesien und Somalia, sondern des gesamten Entwicklungssektors müssen gestrichen werden, nicht zuletzt, weil sie ohnehin nicht bezahlbar sind.

3. Die Derivate- und Währungsspekulation, die laut dem letzten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den unglaublichen Umfang von 2000 Billionen Dollar (in Zahlen: 2 000 000 000 000 000) angenommen hat, muß einfach gestrichen und durch Verträge zwischen den Regierungen für illegal erklärt werden. Es müssen feste Wechselkurse beschlossen werden, um Spekulationen gegen Währungen und Volksvermögen unmöglich zu machen.

4. Die Schöpfung neuer Kredite für produktive Investitionen muß der Kontrolle durch "unabhängige", d.h. private Zentralbanken entzogen und ausschließlich unter die Kontrolle souveräner Regierungen gebracht werden.

5. Als Bestandteil des neuen Bretton-Woods-Abkommens müssen in den G7-Staaten neue produktive Kredite in Höhe von rund zwei Billionen Dollar bzw. Euro geschöpft werden: Kredite ausschließlich für produktive Vollbeschäftigung im Rahmen des Ausbaus der Eurasischen Landbrücke, d.h. der infrastrukturellen Integration Eurasiens.

6. Um die dringende Überwindung der Unterentwicklung weiter Teile des Entwicklungssektors in Asien, Afrika und Lateinamerika im Rahmen des Ausbaus der Eurasischen Landbrücke als Motor für die Rekonstruktion der Weltwirtschaft in Gang zu setzen, muß eine "Internationale Entwicklungsbank" Teil dieses Abkommens sein, die mindestens 500 Milliarden Euro pro Jahr für wohldefinierte Entwicklungsprojekte zur Verfügung stellt.

7. Lyndon LaRouche und die nach ihm benannte Bewegung haben seit Anfang der 70er Jahre ganz konkrete Entwicklungsprogramme für Afrika, Lateinamerika, das Pazifische Becken, Indien, den Nahen und Mittleren Osten sowie Eurasien ausgearbeitet, die zusammengenommen die konkrete Basis für eine gerechte Neue Weltwirtschaftsordnung sein können: sofort!

Nur wenn wir das Landesinnere der Nationen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas auf ein menschenwürdiges Niveau entwickeln, können wir die Auswirkung zukünftiger Naturkatastrophen minimieren.

Wenn Sie über diese Fragen, die die Zukunft des 21. Jahrhunderts bestimmen werden, nachdenken, denken Sie nicht nur an sich. Denken Sie an das, was Sie beitragen können, damit die Menschheit diesen Namen verdient!

Schließen Sie sich unserer Bewegung für eine gerechte Neue Weltwirtschaftsordnung an!

 

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