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Aus der Neuen Solidarität Nr. 17/2006

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Finanzwelt in Panik: Hyperinflation wie 1923!

Die Zentralbanken sind in einer Zwickmühle: Sie müßten die Zinsen weiter anheben, um die Hyperinflation auf den Rohstoff- und Energiemärkten zu bremsen; doch um die wankenden Anleihen- und Immobilienmärkte zu stützen, müßten sie die Zinsen senken. Tun sie nichts, wäre dies wiederum für die Anleger ein klares Zeichen, wie prekär die Lage auf den Weltfinanzmärkten tatsächlich ist.


Panisches Hin und Her
LaRouche über die "schichtweise" Explosion der Finanzblase

Rohstoffpreise explodieren

Zinsangst am Häusermarkt

"Faustischer Pakt" bei Privatrenten

Eine seltsame Mischung aus irrationalem Überschwang und panischer Angst kennzeichnet in diesen Tagen die Finanzmärkte. Die Rohstoffpreise explodieren wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, der asiatische Aktienmarkt erklimmt ein neues 16-Jahres-Hoch, und nie zuvor wurde soviel Geld in Hedgefonds, private Beteiligungsfonds und Finanzderivate aller Art investiert. Zugleich implodieren in Island, Neuseeland und Saudi-Arabien die ersten "Carry-Trade"-Blasen, und hochrangige Finanzoffizielle stoßen düstere Warnungen über den drohenden Kollaps des amerikanischen Häusermarktes sowie des Dollars aus. Extreme Preisausschläge sind die Folge. Der Goldpreis, der sich über Jahre hinweg in einem nur wenige Dollar breiten Band bewegt hatte, kann nun binnen drei Tagen um 46 Dollar ansteigen (seit Ostermontag), um dann innerhalb einer Stunde (am 20. April) um 30 Dollar pro Feinunze abzustürzen.

Hintergrund der extrem instabilen Lage ist das - im Rahmen des jetzigen Systems - ausweglose Dilemma der führenden Zentralbanken. Während der "Greenspan-Ära" wurde jedes Krisensymptom mit der weiteren Öffnung der Geldschleusen bekämpft und dadurch eine gewaltige Menge an Liquidität erzeugt. Insgesamt wurden dadurch sämtliche Segmente des internationalen Finanzsystems künstlich aufgebläht. So wurde in den Jahren 2000 bis 2005 der Marktwert von Häusern in den wichtigsten Volkswirtschaften von 30 auf 70 Billionen Dollar hochgetrieben. Seit dem März 2003 hat sich die Marktkapitalisierung an den weltweiten Aktienbörsen von 20 auf 40 Billionen Dollar verdoppelt und damit selbst den Höchststand der "New-Economy"-Blase schon längst wieder überschritten.

Leider stellt das, was da in den vergangenen Jahren so kräftig gewachsen ist, keinen wirklichen Reichtum dar. Es ist lediglich versprochener Reichtum. Indem Zentralbanken aus dem Nichts Liquidität erzeugen und diese ins Bankensystem leiten, schaffen sie zwar zusätzliche Versprechen auf künftige Leistungen, aber eben nicht die Mittel, mit denen sich diese Versprechen in der Zukunft einlösen lassen. Wir erleben daher nichts anderes als eine Hyperinflation unerfüllbarer Finanzversprechen. Irgendwann fliegt der Schwindel auf, und die Finanzblasen implodieren.

Panisches Hin und Her

Die Zentralbanken sind sich darüber völlig im klaren. Sie haben deshalb seit geraumer Zeit begonnen, ihre Leitzinsen zu erhöhen und die Liquiditätszufuhr ins Finanzsystem gemächlich zu drosseln. Doch angesichts der schon geschaffenen Blasenbildungen ist die geordnete Rückführung der Liquidität eine Illusion. Schon kracht es wegen der steigenden Zinsen in den USA, Europa und demnächst auch Japan auf einigen Schwellenmärkten. Auch die Häusermärkte zeigen erste Anzeichen von Zinsschäden.

Aber sollten die Zentralbanken jetzt aus Angst die Politik der Liquiditätsverknappung aussetzen oder gar umkehren, wäre dies wiederum für die Anleger ein klares Zeichen, wie prekär die Lage auf den Weltfinanzmärkten tatsächlich ist, und das könnte die Ängste noch vertiefen. So will Japan die Nullzinsen zwar abschaffen, traut sich aber noch nicht, den ersten Schritt zu tun. Die Europäische Zentralbank (EZB) verkündete überraschend eine mehrmonatige Pause bei Zinserhöhungen. Und die Federal Reserve ließ durch die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls vom 25. März durchblicken, daß man möglicherweise kurz vor dem Ende der schrittweisen Zinserhöhung stehe.

LaRouche über die "schichtweise" Explosion der Finanzblase

In einem Stellungnahme vom 14. April 2006 erläuterte Lyndon LaRouche die Dynamik hinter der Vielzahl von Krisen, welche nun auch für all jene offensichtlich werden, die sie bisher nicht wahrnehmen wollten - das Platzen der Immobilienblase, Hyperinflation bei den Rohstoffpreisen, Zerfall des Gesundheitswesens, dramatische Massenentlassungen in der Industrie und faschistoide Einwandererpolitik.

Der Schlüssel zum Verständnis sei die Mehrschichtigkeit der "Carry-Trade-Blase", die entstand, als Alan Greenspan die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac als hyperinflationäre Liquiditätspumpe für Finanzderivate mißbrauchte. Monetäre Absprachen dienten dem gleichen Zweck. Die Nullzinspolitik der japanischen Notenbank ermöglichte es Spekulanten, Kredite in Yen aufzunehmen, in Dollar oder andere Währungen zu tauschen und diese als Kredite an private und öffentliche Banken oder andere Unternehmungen zu vergeben. Diese Gelder wurden dann dazu benutzt, der Immobilienspekulation Kapital zuzuführen. Auf diese Weise bildete sich Schicht auf Schicht an Finanzinstrumenten, bis hin zu den Kreditderivaten. Heute verleihen Banken, die eigentlich bankrott sind, Gelder an Hedgefonds, damit diese Unternehmen aufkaufen und ausschlachten.

"So türmt sich Schicht auf Schicht, und es gibt keinerlei Entsprechung mehr zu den realen Werten... Es ist eine Blase der schlimmsten Art. Sie ist, was ihren Umfang und ihre Vehemenz angeht, noch weit gefährlicher als die John-Law-Blase", schreibt LaRouche. "Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem das ganze System hochgeht. Denn diese Genies haben aus dem Börsenkrach vom Oktober 1987, der dem von 1929 ähnelte, mit diesen Mechanismen etwas gemacht, was das ganze internationale Finanzsystem zerreißen wird ... Es besteht die Gefahr eines neuen finsteren Zeitalters."

Aber so weit müsse es nicht kommen, erklärte LaRouche weiter, in der modernen Gesellschaft könne man Währungen und das Finanzsystem reorganisieren. Aber solange man versuche, an der monetaristischen Finanz- und Währungspolitik festzuhalten, gebe es für die Menschheit keine Hoffnung.

Rohstoffpreise explodieren

Auch die Rohstoffmärkte sind außer Rand und Band. Zusätzlich zu der Liquidität, die hier von spekulativen Investoren in einen im Vergleich zu Aktien, Anleihen und Immobilien recht kleinen Markt hineinmanövriert wird, spielt dabei zugleich die Flucht in Sachwerte eine gewisse Rolle. Die immer offensichtlicher werdenden Systemgefahren lassen Gold wieder einmal als Alternative zu Papierwährungen und -werten erscheinen. Anfang April schoß der Goldpreis erstmals seit 25 Jahren über die Marke von 600 Dollar. Vor vier Jahren gab es die Feinunze noch für weniger als 300 Dollar.

Silber kletterte im April zum ersten Mal seit 23 Jahren über die 12-Dollar-Marke und schoß dann in wenigen Tagen weiter auf fast 15 Dollar hoch. Allein seit Jahresbeginn hatte sich Silber damit um mehr als 60% verteuert. Auch die Preise für viele Industriemetalle wie etwa Kupfer und Zink sind so hoch wie nie zuvor. Der Kupferpreis hat sich seit Anfang 2002 vervierfacht, der von Zink verdreifacht.

Nicht weniger dramatisch sind die Preisanstiege bei Energierohstoffen. Zu Beginn des Jahres 1999 war der Rohölpreis auf 10 Dollar pro Barrel gefallen, heute liegt er bei deutlich über 70 Dollar. Die Erdgaspreise haben sich allein seit 2002 mehr als vervierfacht.

Es ist sogar eine stetige Beschleunigung des Preisanstiegs bei Rohstoffen festzustellen. So stieg beispielsweise der Preis für Palladium von Ende März 2003 bis Ende 2005 von 170 auf 257 Dollar pro Unze. Dies bedeutete einen Anstieg um 51% über 33 Monate, umgerechnet 19% im Jahr. Aber von Anfang 2006 bis zum 12. April stieg der Palladiumpreis von 257 auf 348 Dollar pro Unze, dies bedeutete aufs Jahr gerechnet einen Anstieg um 132%. Der Preis für eine Tonne Aluminium stieg von Ende März 2003 bis Ende 2005 um jährlich 13%, für 2006 liegt der jährliche Anstieg bereits bei 72%. Der Preis für eine Tonne Zink stieg im Zeitraum März 2003 bis Ende 2005 um 55% pro Jahr, 2006 liegt die jährliche Rate bereits bei 220%.

Zinsangst am Häusermarkt

Während die vorsichtige Liquiditätsdrosselung seitens der Zentralbanken bislang ohne jede Wirkung auf die Spekulation auf den Rohstoff- und Aktienmärkten bliebt, liegen die Nerven auf den zinsempfindlichen Anleihe- und Immobilienmärkten bereits blank. Im April schoß die Rendite für 10jährige US-Regierungsanleihen erstmals seit sechs Jahren über die Marke von 5%, und auch die entsprechenden Renditen in Europa und Japan haben sich schon merklich von ihren historischen Tiefständen entfernt.

Dies bedeutet zunächst einmal kräftige Kursverluste bei den führenden Anleihesorten. Zugleich kommen überall in den sogenannten Schwellenländern die Anleihen und damit auch die Währungen unter die Räder, weil die Zinsdifferenz zu den USA, Europa und Japan schrumpft und sich das Risiko daher nicht mehr lohnt. Die internationalen Anleger ziehen ihr Geld ab, und die "Carry-Trade"-Blase platzt. Nachdem Island, Neuseeland und die Golfstaaten bereits in den Strudel hineingerissen wurden, wird in den Finanzmedien täglich über die nächsten Krisenkandidaten spekuliert: Ungarn, Türkei, Südafrika.

Am 30. März sorgten William Rhodes von Citigroup und Josef Ackermann von der Deutschen Bank für Aufsehen, als sie auf der Züricher Frühjahrstagung des Internationalen Institute of Finance (IIF), das die 300 führenden Banken der Welt repräsentiert, vor den dramatischen Folgen einer Finanzkrise in den "Emerging Markets" warnten, die durch die Implosion der "Carry-Trades" entstehen könne. Im letzten Jahr seien noch 400 Mrd. Dollar in diese Hochzins- und Hochrisikomärkte hineingeflossen, soviel wie nie zuvor. Nun könne es zu einer allgemeinen Panik kommen.

Viel höhere Beträge stehen jedoch auf den Häusermärkten im Spiel. In den USA sind die Zinsraten für 30jährige Hypotheken inzwischen auf rund 6,5% geklettert, und langsam wird es eng. Die Zahl der Wohnungsneubauten ist im März um 8% eingebrochen, bei Einfamilienhäusern waren es gar 12%. In den vergangenen Monaten konnte die Blase nur aufrechterhalten werden, indem die Banken fast nur noch Hypotheken zu variablen Zinsen oder mit negativer Amortisation vergaben. Die Kreditnehmer können dieses Spiel nur dann überleben, wenn sie das über einen solchen Kredit erworbene Haus in kurzer Zeit mit kräftigem Gewinn wieder verkaufen können.

Die Banken behaupten, sie gingen dabei kein großes Risiko ein, weil sie ihre Hypothekenkredite anschließend an Fannie Mae und Freddie Mac weiterverkaufen. Doch nun stellt sich heraus, daß nach den neuesten Zahlen der Federal Reserve rund ein Drittel sämtlicher Forderungen von US-Geschäftsbanken (ohne Fannie und Freddie) aus Hypothekenkrediten bestehen. Zählt man hypothekengesicherte Anleihen hinzu, dann sind es sogar 44%. Selbst "Bloomberg" sah sich am 17. April genötigt, dies als eine systemische Gefahr für das amerikanische Bankenwesen zu bezeichnen und Parallelen zur Großen Depression, der US-Sparkassenkrise Ende der achtziger Jahre und zur japanischen Bankenkrise der neunziger Jahre zu ziehen. Am Jahresende 2005 beliefen sich die ausstehenden Hypothekenkredite der US-Privathaushalte auf 8,7 Billionen Dollar. Seit 1996 hat sich die jährliche Neuverschuldung mit Hypotheken von 200 Mrd. Dollar auf 1000 Mrd. Dollar verfünffacht.

"Faustischer Pakt" bei Privatrenten

Je schwieriger die Lage auf den liquiditätsabhängigen Finanzmärkten wird, desto mehr Versuche wird es geben, bestehende Zahlungsströme in den Volkswirtschaften in die diversen Blasen umzuleiten. Die Privatisierung der Rentensysteme muß in diesem Zusammenhang gesehen werden. Immerhin locken hier allein in Deutschland rund 200 Mrd. Euro pro Jahr.

In ganz ungewöhnlicher Weise hat nun der scheidende Chef der IWF-Abteilung für internationale Kapitalmärkte, Gerd Häusler, zu diesem Thema Stellung genommen. Bei der Vorstellung des neuen IWF-Berichts zur globalen Finanzstabilität schloß er am 11. April in London mit einer, wie er selbst sagte, "geradezu philosophischen Erklärung zu modernen Kapitalmärkten", die sich ausdrücklich auf private Renten bezog. In steigendem Maße, so Häusler, werden private Ersparnisse an den Finanzmärkten angelegt, und damit erhielten die Privathaushalte für die Finanzmärkte die Rolle eines "Stoßdämpfers letzter Instanz". Aber diese Anleger wüßten oft wenig über die damit verbundenen Risiken. Es könne der Fall eintreten, daß "ihre ausdrücklichen oder unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllt werden", so daß Regierungen vor der Wahl stünden, "Märkte zu stützen, die zu wichtig sind, um unterzugehen."

Häusler weiter: "Für jemanden, der aus der Kultur Goethes kommt, hat eine solche Lage etwas von einem impliziten Faustischen Pakt: Die Privathaushalte sind eingeladen, sich an der Jagd nach Gewinn zu beteiligen ... Aber die Schattenseite eines solchen Paktes ist natürlich, daß sie sich auch am Risiko beteiligen - was erst sichtbar wird, wenn die Wertpapierpreise beträchtlich zu fallen beginnen und Mephisto seinen Anteil fordert." Man habe es hier mit "einem Minenfeld potentieller Interessenkonflikte oder Schlimmerem" zu tun, einer "hochexplosiven Mischung", welche "das ganze kapitalistische, auf Marktmechanismen gegründete Finanzsystem diskreditieren" könne.

Lothar Komp

 

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