* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 35/2006

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

- Interview -

Militärisch kann keiner gewinnen

EIR-Redakteur Jeffrey Steinberg sprach am 17. August mit General (a.D.) Joseph Hoar. Der Vier-Sterne-General (Marineinfanterie) war 1991-94 Kommandeur des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, das für den Nahen und Mittleren Osten zuständig ist. Hoar unterzeichnete jetzt einen Offenen Brief an Präsident Bush, der eine einschneidende Änderung der amerikanischen Mittlel-Ost-Politik fordert.

Hoar: Ich bin sehr besorgt, denn es gibt hochrangige Leute in der Regierung, die gewillt sind, militärische Mittel einzusetzen, wo ein diplomatisches Vorgehen das bei weitem bessere Mittel wäre, unsere Ziele durchzusetzen. Es scheint mir, daß eine Unterstützung Israels und seiner Belange gegenüber der Hisbollah, Syrien und dem Iran direkt oder indirekt zu einem viel größeren Krieg im Mittleren Osten führen kann. Wir sind bereits stark im Irak gebunden, und so etwas könnte die ganze Region in eine militärische Kalamität stürzen.

Hoar: Ich glaube, strategische Bombardierungen haben sich immer als nutzlos erwiesen, den Zweiten Weltkrieg eingeschlossen. Die angestrebten Ziele werden sehr selten erreicht.

Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, waren wir noch nie in einer unvorteilhafteren Situation, was den Angriff auf einen potentiellen Gegner angeht, denn wir haben praktisch keine verläßlichen Informationen über das Nuklearprogramm im Iran. Was wir haben, ist bestenfalls fragmentarisch. Der Iran hat natürlich seine Lehren aus dem israelischen Angriff auf den Irak [den Kernreaktor Osirak bei Bagdad] Anfang der 80er Jahre gezogen; er hat seine nuklearen Einrichtungen verstreut und unterirdisch angelegt, damit sie nicht leicht zu bombardieren sind. Schließlich dürfte Israel seine Schlüsse aus seinen jüngsten Angriffen gegen die Hisbollah ziehen, daß nämlich Luftangriffe keine Ziele zerstören, wenn der Gegner sich gut eingegraben und auf Luftangriffe eingestellt hat.

Hoar: Das ist gar nichts Neues. Die Sache ist die, daß politische Überlegungen überhandnehmen und wichtiger werden als militärischen Erwägungen. Es ist im Irak wie im Südlibanon. Wenn man nicht die politischen Rahmenbedingungen ändert und die Ursachen der Konflikte beseitigt, dann muß man weiter militärisch gegen einen Gegner vorgehen, der gewinnt, solange er nur nicht völlig unterliegt.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: George Washington, Ho Chi Minh, Osama bin Laden und Hisbollah. Sie alle werden, wenn man die politischen Rahmenbedingungen nicht ändert, letztlich gewinnen, solange sie strategisch in der Defensive bleiben und keine Entscheidungsschlacht suchen. Alles, was sie tun müssen, ist doch, weiter zu existieren. Die Hisbollah hat das bestens geschafft: Sie haben sich selbst zum Sieger erklärt. Sie genießen die moralische Unterstützung der Moslems in der ganzen Welt, und sie sind die ersten, die vor Ort helfen, den Schaden, den die Bombenangriffe angerichtet haben, wieder zu reparieren.

Ähnlich war es im Falle unserer Amerikanischen Revolution und in Vietnam. Die Briten suchten damals den Frieden, weil sie anderswo Wichtigeres vorhatten, und Washington, der seine Streitkräfte sorgfältig hütete und keine Entscheidung suchte, bis die Franzosen auf unserer Seite eingriffen, konnte gewinnen. Ho Chi Minh tat das gleiche. Wir haben die nordvietnamesische Armee und den Vietkong in der Tet-Offensive militärisch besiegt, aber wir haben den Krieg politisch verloren, weil das amerikanische Volk einfach nicht mehr bereit war, den Preis dafür zu bezahlen, weiterzumachen und die Natur dieses Kriegs weiter zu verändern.

Jetzt stehen wir vor denselben Problemen. Es sei denn, die politische Führung ist bereit zu sagen, was de Gaulle nach dem Algerienkrieg tat: "Jetzt ist Schluß, wir hören damit auf und wenden uns anderen Dingen zu."

Die Schwierigkeit ist, daß der Irakkrieg so große regionale Auswirkungen auf seine Nachbarn hat, daß wir nicht einfach so abziehen können. Aber wir könnten uns mit den Nachbarstaaten zusammensetzen und zumindest einen Rahmen entwickeln, von dem aus man Lösungen finden kann. Und jeder, der meint, das sei noch kein Bürgerkrieg, der macht sich entweder Illusionen oder hält sich an die Parteilinie, daß wir diesen Kampf im Irak immer noch irgendwie militärisch gewinnen können - was nicht stimmt.

Hoar: ...Wenn es eine Konferenz unter Beteiligung des Irans und Syriens gäbe, hätte man eine reale Chance, den Problemen auf den Grund zu gehen.

Ich schätze Jossi Beilin sehr. Vor Jahren, als er sehr eng mit der Führung der Arbeitspartei zusammenarbeitete und wir unter Rabin einer Lösung ganz nahe kamen, da erschien er mir immer als der Ideengeber, der Mann, der es schafft, von außen auf die Lage zu blicken, um Lösungen zu finden. Derzeit ist sein politischer Einfluß vielleicht nicht mehr so groß, aber er ist ein außerordentlicher Mensch.

Und um auf die zweite Frage zu antworten: Vor dem Hintergrund all dessen, was in den letzten sechs Jahren geschehen ist, kann ich mir kaum vorstellen, daß diese Leute [in der Regierung Bush] bereit sind, etwas so Abenteurliches zu tun wie sich mit allen Betroffenen zusammenzusetzen und über die Probleme zu reden.

[...]

Hoar: Das Wichtigste ist, glaube ich, daß es in zwei Monaten [bei der Wahl Anfang November] zu Veränderungen im Kongreß kommt. Wenn es z.B. im Repräsentantenhaus Ausschußvorsitzende gäbe, die Anhörungen einberufen, Zeugen vorladen und vereidigen können, dann kann man beginnen, einiges von den Mißbräuchen in den letzten sechs Jahren zu untersuchen. Sie wissen so gut wie ich, daß von Hunderten von Fällen erzählt wird, wo Leute angewiesen wurden, bestimmte Dinge zu tun, oder gezwungen wurden, mitzumachen, obwohl sie eine andere Sicht vortragen wollten.

Ich glaube, verändern wird sich nur etwas, wenn den Amerikanern bewußt wird, was ihre Regierung in den letzten sechs Jahren angerichtet hat. Meine Güte! Die Hälfte der Bevölkerung denkt immer noch, Al Kaida und Saddam Hussein hingen irgendwie zusammen und Hussein hätte Massenvernichtungswaffen gehabt! Manchmal verzweifle ich an dem Unverständnis der Amerikaner über das, was auf der Welt vorgeht!

Erst wenn der Kongreß der Vereinigten Staaten sich bemüht, herauszufinden, "wer was wann wußte", können wir dem Problem auf den Grund gehen und in der amerikanischen Bevölkerung ein Gefühl der Empörung hervorrufen.

2 600 Amerikaner sind schon im Irak umgekommen, ein paar Hundert weitere in Afghanistan, Zehntausende verwundet, und die Zahl der irakischen Opfer wächst täglich - wo bleibt der Aufschrei? Ich weiß es nicht. Ich bin bei dem, was in unserem Land geschieht, mit meiner Weisheit am Ende.

Hoar: Das hoffe ich auch.

Hoar: Das tun wir wohl, Jeff.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
US-Militärs und Diplomaten gegen Bushs Irankriegspläne - Neue Solidarität Nr. 35/2006
"Jetzt ist die Zeit, diese Leute loszuwerden" - Neue Solidarität Nr. 21/2004
US-General: Die Genfer Konvention ist nicht "überholt" - Neue Solidarität Nr. 1-2/2005

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum