* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2006

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

Es gibt keine Grenzen des Wachstums!

Nach 30 Jahren: Generationswechsel beim Club of Rome

Von Frank Hahn


Elitäres Denken bei "TT 30"
Was will der Club of Rome?

Die Fehler der Systemanalyse

30 Jahre Propaganda und ihre Folgen

Im Jahre 1972 erschien das Buch Grenzen des Wachstums des Club of Rome. Als ein Jahr später - im Oktober 1973 - der Yom-Kippur-Krieg zwischen Israel und Ägypten ausbrach, der als Vorwand für die sog. "Ölkrise" der westlichen Welt mit Fahrverboten und extremen Preissteigerungen bei Mineralölprodukten diente, war kaum jemandem der Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen klar.

Da der Club of Rome offenbar immer noch existiert und einer der prominenten Autoren des besagten Berichts von 1972 plötzlich aus der Versenkung wieder ans Licht der Öffentlichkeit tritt, müssen wir uns wohl mit dem Thema Club of Rome erneut beschäftigen. Dennis Meadows war im November auf Europatour, hat sein Buch Grenzen des Wachstums - das 30 Jahre update vorgestellt und Geschichten über die alten Geschichten erzählt, so u.a. vor der Hamburger Sparkasse, vor einem katholischen Forum in Wien sowie vor der SPD-Denkfabrik in Berlin, und zwar mitten im Deutschen Bundestag im SPD-Fraktionssaal.

Die alten Geschichten - wer will die denn noch hören? Es gibt ein paar Unverbesserliche aus der 68er Generation, weißbärtig und vegetarisch, die sich allein aus Nostalgie nochmal das Märchen von damals erzählen lassen. Wichtiger ist jedoch die junge Generation, die das alles nicht mehr oder noch nicht weiß - und es gibt tatsächlich eine Jugendorganisation des Club of Rome, genannt "TT 30", der viele junge Bundestagsabgeordnete der SPD, Grünen etc. angehören.

Elitäres Denken bei "TT 30"

Gemeinsames Merkmal der Mitglieder von TT 30 ist ihre Zugehörigkeit zu einschlägigen Beraterfirmen aus dem neoliberalen und neokonservativen Umfeld. Andreas Barthelmeß z.B. kommt von der Beraterfirma Roland Berger, Anja Meinicke ist "Consultant" bei Price Waterhouse, und Christian Horz ist "Assistant Manager" bei der Corporate Media Technology der Bertelsmanngruppe. Auffallend ist ebenfalls die Überlappung von TT 30 mit der "Stiftung für die Rechte der zukünftigen Generation" (SRzG), in deren Beirat wohlbekannte Vertreter der "Nullwachstumsideologie" wie Carl Amery, Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker oder Prof. Werner Weidenfeld sitzen. Aber Generationengerechtigkeit und Nullwachstum schließen sich bekanntlich aus, eine Seite muß bei "Nullwachstum" zugunsten der anderen verzichten. Einige Jungpolitiker haben bereits unverhohlen gefordert, die Alten sollten mit ihren Rentenansprüchen nicht das Fortkommen der Jungen behindern.

Die Jugendorganisation des Club of Rome kommt ziemlich elitär daher. Dies ist kein Wunder, wenn man die Geschichte der Gründung vor fast 40 Jahren kennt. Die wesentlichen Gründungsmitglieder wie Aurelio Peccei, Alexander King und Prof. Pestel waren alle Abteilungsleiter bei NATO, OECD und ähnlichen Organisationen, abgesehen von ihrer Verbindung zu den großen Stiftungen der Weltunternehmen FIAT, VW oder der Rockefeller-Stiftung. Nur um dem Mißverständnis vorzubeugen, das Konzept des Ausstiegs aus der Industriegesellschaft sei nur von "Öko-Freaks" und alternativen Aussteigern propagiert worden.

Aber was hatte die NATO damit zu schaffen? Damals wurden die ersten Planspiele über die militärische Sicherung des Zugriffs auf fossile Rohstoffe angestellt. Die Rechtfertigung geopolitischer (Rohstoff)kriege läßt sich aber langfristig dem Publikum nur verkaufen, wenn die Angst vor Dunkelheit und Kälte aufgrund des Mangels an "Rohstoffen" die Kriegsangst überwiegt.

Was will der Club of Rome?

Öffentlich wurde und wird dies natürlich zurückgewiesen, aber in privaten Gesprächen haben führende Repräsentanten des Club of Rome wie Alexander King zugegeben, daß ihr Weltmodell des Gleichgewichts - volkstümlich als "Nullwachstum" bezeichnet - nur noch Raum für zwei Milliarden Menschen lasse. Der damalige deutsche Repräsentant des Club of Rome, Prof. Eduard Pestel, sprach Ende der 80er Jahre sogar davon, daß die Erde nicht mehr als eine Milliarde Menschen "tragen" könne. Die LaRouche-Bewegung hatte deswegen dem Club of Rome Völkermord vorgeworfen.

Bei seinem jüngsten Auftritt im Deutschen Bundestag gerierte sich Dennis Meadows als harmloser "Systemdenker" ohne böse Absichten. Er sagte sogar: "Wir haben nie behauptet, es gäbe Grenzen des Wachstums... wir haben nur auf die Folgen hingewiesen, wenn die Grenzen des Wachstums überschritten werden sollten." Prof. Meadows ist nicht mehr der Jüngste und merkt es nicht mehr, daß er inkohärente Sätze formuliert und sich dauernd widerspricht. Und warum hieß der Bericht von 1972 denn "Grenzen des Wachstums"?

Das Wort "Nullwachstum" kam in der Studie kaum oder gar nicht vor - stattdessen wurde ein "Weltmodell" präsentiert, das auf der Annahme geschlossener Regelkreise beruhte: die Bevölkerungsentwicklung wird vom "positiven Regelkreis" Geburtenrate und dem "negativen Regelkreis" Sterberate bestimmt. Ebenso bei der Industrieproduktion: die Regelkreise von Kapitalinvestitionen und Kapitalabnutzung ergänzen sich. Exponentielles Wachstum bei Bevölkerung und Industriekapital führt angeblich zur Zunahme der negativen Regelkreise: Umweltverschmutzung, Erschöpfung der Rohstoffe und Hungersnöte nehmen zu. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung der Reaktion des "positiven Regelkreises" wachse die Bevölkerung und Industrie zunächst weiter an, und zwar über die belastbare Grenze hinaus! Da dies zum Kollaps führen würde, heiße die Antwort "freiwillige Selbstbeschränkung" mit dem Ziel ausgeglichener Regelkreise - also eines statischen Gleichgewichtszustands der Welt.

Zielvorgabe des Club of Rome: Pro Jahr dürfen nicht mehr Menschen geboren werden als sterben. Aber auch wenn bei gleichbleibender Bevölkerung die Industrieproduktion weiter stiege, käme es zu "dramatischen Effekten" wie z.B. rascher Erschöpfung der Rohstoffvorräte. Daher müßten beide Regelkreise kontrolliert werden. Die Rate der Investitionen im industriellen Bereich dürfe die Rate des Verschleißes niemals übersteigen. Wir haben es also tatsächlich mit einer Ideologie des "Nullwachstums" zu tun.

Die Autoren der Studie geben allerdings zu, daß selbst in einem solchen stabilen System wegen der unaufhaltsamen Erschöpfung der Rohstoffvorräte das scheinbare Gleichgewicht irgendwann wieder zerfallen werde. Also was tun? Die programmatischen Forderungen sind brutal deutlich:

1. Der Rohstoffverbrauch weltweit muß auf ein Viertel gesenkt werden!

2. Verlagerung des volkswirtschaftlichen Schwerpunkts weg von der Industrieproduktion hin zur Dienstleistung.

3. Schadstoffemissionen müssen ebenfalls auf ein Viertel beschränkt werden.

4. Investitionskapital soll von der Industrie in die Nahrungsmittelproduktion umgelenkt werden, "selbst wenn dies unwirtschaftlich erscheint"! Die Landwirtschaft soll extensiv, nicht intensiv betrieben werden, um der raschen Erosion des Bodens vorzubeugen.

All dies wurde 1972 vorgeschlagen und sollte idealerweise ab 1975 umgesetzt werden. Wenn man damit bis zum Jahr 2000 warte, habe die Welt keine Chance. Dann würden zwischen 1975 und 2000 so viele Rohstoffe verbraucht, wie sie andernfalls noch bis 2100 reichen würden. Es ging also um das "Strecken" der Rohstoffvorräte.

Wären die hier beschriebenen Maßnahmen 1975 eins zu eins eingeführt worden, hätten sie zu einem Kollaps der Zivilisation geführt - es kann sich jeder ausrechnen, was allein die Reduzierung des Rohstoffverbrauchs um 75% innerhalb von 25 Jahren für verheerende Folgen insbesondere für die ärmeren Teile der Welt gehabt hätte. Daß es den Autoren der Studie nicht um die Lösung der "Rohstoffprobleme" ging, wurde u.a. daran deutlich, daß Technologien wie die Kernspaltung oder Kernfusion, die einen wichtigen Beitrag zur Behebung der Erschöpfung fossiler Rohstoffe hätten leisten könnten, von vornherein ausgeschlossen wurden.

Die Fehler der Systemanalyse

Wir hören den arglosen Zeitgenossen einwenden: "Aber es muß doch etwas passieren, wir haben doch nur begrenzte Vorräte, wir erleben doch nun den Klimawandel" usw. Aber bevor zu rasch geurteilt wird, stellen wir einmal die Frage: Was stimmt hier nicht? Es scheint alles schlüssig und logisch, aber was nicht stimmt, ist die Methode, die solchen computergestützten Weltmodelle zugrundeliegt, die sog. Systemanalyse oder allgemeiner gesprochen, die Kybernetik. Sie beruht - wie oben gezeigt - auf der Simulierung von Rückkopplungseffekten in geschlossenen Regelkreisen wie bei einer Maschine.

Einer der Begründer der Kybernetik, Norbert Wiener, hat dieses Modell eines Regelkreises von der Maschine auf die menschliche Kommunikation übertragen. Mensch und Maschine unterscheiden sich insofern in Wieners Modell nicht, als beide lediglich "Informationsverarbeitung" betreiben. Die Information=Befehl geht an Mensch oder Maschine, und als "Rückkopplung" erfolgt nun die Ausführung des Befehls.

Was passiert im Falle der Befehlsverweigerung? Genau dies soll durch die Anwendung kybernetischer Modelle auf die menschliche Kommunikation ausgeschlossen werden! Ausdrücklich spricht Wiener von einem System totaler Kontrolle, das allerdings subtiler und feiner wirken soll als die primitive Form totalitärer Herrschaft. Das Ziel der "Informationsgesellschaft" bestand darin, den einzelnen Menschen so zu "vernetzen" bzw. in bestehende "Datennetze" einzugliedern, daß "abweichendes Verhalten" unmöglich gemacht wird. Am weitgehendsten ist dies im militärischen Bereich erreicht worden, in der sog. Informationskriegführung.

Das Club of Rome-Modell beruht auf geschlossenen Regelkreisen, die der Mensch angeblich nicht beeinflussen oder verändern kann. Er kann lediglich zwischen verschiedenen Optionen wählen, wie Dennis Meadows in seinem Berliner Vortrag sagte: Wenn wir weltweit den europäischen Lebensstandard haben wollen, dann können nicht mehr als 2-3 Milliarden Menschen auf diesem Planeten existieren; bei gleichmäßig verbreiteter Armut könnten es 6 Milliarden sein. So vor die Wahl gestellt, wird der sozial-darwinistisch eingestellte Durchschnittsmensch wohl sagen: Damit es mir besser geht, laßt uns die Anzahl der anderen Menschen auf 2 Milliarden reduzieren!

Für jeden denkenden Menschen sollte offensichtlich sein, daß Meadows und Co. - wie seinerzeit der alte Malthus - die "natürlichen Grenzbedingungen" auf dem Planeten für wachsende Armut verantwortlich machen, und nicht etwa das finanzpolitische System der Globalisierung. Hier geht es also in Wahrheit nicht um Wissenschaft, sondern um knallharte politisch-ideologische Kriegführung gegen das christlich-humanistische Menschenbild.

Wäre unsere Gesellschaft in diesem Menschenbild gefestigt, hätten solche Ideologien keine Chance. Denn der Mensch ist keine Maschine, auch kein Tier, das auf Instinkte oder äußerliche Reize reagiert, das im geschlossenen Regelkreis nur zwischen Selbstzerstörung und freiwilliger Selbstbeschränkung wählen könnte.

Aber sind die Ressourcen nicht doch begrenzt? Nochmals: Der Mensch ist keine Maschine, sondern besitzt das Potential kreativen Denkens - und damit die Möglichkeit, den Regelkreis zu durchbrechen. Im wiederholten "Durchbruch" zu neuen wissenschaftlichen Weltbildern besteht die wahre Geschichte der Menschheit, und weil diese geistige Kraft die stärksten physischen Wirkungen hervorgerufen hat, ist jedes "Weltmodell", das die geistige Schöpferkraft ignoriert, falsch.

Erfindungen wie das Rad, der Steinkeil, Hochofen, Dampfmaschine, Rakete und Kernreaktor markieren nicht nur einen Durchbruch der "Regelkreise", sondern haben einen vollkommen anderen Aggregatzustand des menschlichen "Öko-Systems" und damit der Definition von "Rohstoffen" geschaffen, wodurch das Bevölkerungspotential sowohl quantitativ wie qualitativ sich um Größenordnungen erweitern konnte.

30 Jahre Propaganda und ihre Folgen

Nach 30 Jahren Propaganda über eine angebliche Bevölkerungsexplosion muß selbst Dennis Meadows heute zugeben, daß die Bevölkerung auf der Erde abnimmt. Das ist schon erstaunlich, denn seine Jünger und die meisten Medien beten immer noch das alte Mantra des Club of Rome von der "Bevölkerungsexplosion" nach.

Tatsächlich besteht das große demographische Problem heute darin, daß über die Hälfte der Menschheit nicht mehr die einfache Reproduktionsrate erreicht, d.h. die Tendenz zum Rückgang der Bevölkerung hat längst eingesetzt. Dies gilt nicht nur für Europa und die USA, sondern auch für China und Südostasien. Auch die Bevölkerungsentwicklung in Südamerika ist nur noch knapp über dem Reproduktionsniveau.

Das ganze Modell eines stationären Gleichgewichtszustands hat also mit der Realität nichts zu tun! In lebenden Systemen gibt es kein Gleichgewicht, sondern entweder Aufwärts- oder Rückentwicklung. Trotz des offensichtlichen Schwindels seiner Methode - und des Eingeständnisses eines Bevölkerungsschwunds - versuchte Meadows bei seinem Vortrag, dieselben manipulativen Methoden weiter anzuwenden. Es sei jetzt die entscheidende Frage, ob der Bevölkerungsschwund als Folge "freiwilliger Selbstbeschränkung" oder als Folge der menschengemachten Rohstoff- und Klimakrisen eintrete.

Und das ist das eigentliche Stichwort: Rohstoffkrise. Wieder werden von Meadows abstruse Zahlen bemüht, um wie schon vor 30 Jahren vor einer baldigen Erschöpfung der Rohstoffreserven zu warnen. Und immer noch werden Technologien wie die Kernfusion als Lösung der Verknappung fossiler Rohstoffe verworfen. In einer Welt der machtpolitischen Neuaufteilung nach dem 11. September, dem Irakkrieg und einem Erstarken Rußlands stehen erneut geopolitische Rohstoffkriege auf der Agenda der dominierenden Fraktion anglo-amerikanischer Finanzinteressen. Und wie die Grenzen des Wachstums 1972 auf manipulierte Kriege und Knappheit auf den Rohstoffmärkten vorbereiten sollten, so steht die plötzliche "Wiedergeburt" des Club of Rome auch heute in Zusammenhang mit geopolitischen militärischen Manövern.

Diese Manöver sollen von der jungen Generation getragen werden. Dazu braucht man eine neue Riege junger Politiker in den Parteien, junge Leute, die das alte Denken im neuen Gewand präsentieren, die "innovativ", unprätentiös-sachlich, modern und überparteilich auftreten. Junge Leute, die nur noch von "Fakten" reden und größere Zusammenhänge gar nicht mehr wissen wollen, da sie andernfalls in ihrer "Faktengläubigkeit" irritiert werden könnten.

Aber das kalte Kalkül mit Fakten, das der heutigen computergeschulten Jugend so selbstverständlich erscheint, ist eine gewaltige Gefahr für unsere Gesellschaft. Wir wissen gerade aus der deutschen Geschichte, wohin es geführt hat. Der fatale Glaube "an die Fakten" kann nur durch eine intensive Diskussion um das Menschenbild erschüttert werden. Wenn wir die höchste Idee vom Menschen aus der "politisch-faktischen" Debatte ausklammern, dann enden wir im Totalitarismus.

Frank Hahn

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Warum es wirklich keine Grenzen des Wachstums gibt - Neue Solidarität Nr. 15/2002

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum