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Aus der Neuen Solidarität Nr. 7/2006

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Irans Ölbörse und ihre Folgen

2003 beschloß die iranische Regierung unter dem Reformpräsidenten Mohammad Chatami im Rahmen ihres dritten Fünfjahres-Entwicklungsplans (2000-05), in Teheran eine Internationale Ölbörse (IOB) einzurichten. Dort sollen Rohöl, Erdöl- und Erdgasprodukte gehandelt, aber nicht länger in Dollar, sondern in Euro abgerechnet werden. Dadurch würde ein in Euro ausgewiesener Preismechanismus - in der Sprache der Ölmärkte ein oil marker - geschaffen, der vierte neben den schon bestehenden "West Texas Intermediate Crude" (WTI), "Brent Crude" (Großbritannien) und "Dubai Crude" (Vereinigte Arabische Emirate). Der Handel an den weltführenden Ölbörsen in London und New York wird ausschließlich in Dollar verrechnet.

Die iranische Ölbörse soll ihren Sitz auf der Insel Kisch und Zweigstellen in Assalujeh und Achwas haben. Schon 2003 begann der Iran, im Ölhandel mit europäischen und asiatischen Handelspartnern den Euro zu nutzen, obwohl der Preis immer noch in Dollar festgelegt wurde.

Ölexperten schätzen, daß die IOB Kunden aus allen Teilen der Welt anziehen würde. Für die Europäer wäre es offensichtlich ein Vorteil, ihr Öl in Euro zu bezahlen. Auch die Russen und die Chinesen hätten gute Gründe, sich zu beteiligten. Rußland handelt vor allem mit den Europäern, Japan und China. Das von den Ölimporten aus dem Iran abhängige China könnte auf diese Weise seine Devisenreserven diversifizieren. Sollte sich die iranische Ölbörse im größeren Stil etablieren, könnten Länder dazu übergehen, ihre Dollars zu verkaufen, statt große Dollarbestände anzusammeln. Al Dschasira berichtete im September 2005: "Die IOB wird den schon jetzt herrschenden globalen Trend der Verlagerung der Devisenreserven aus dem Dollar in den Euro beschleunigen."

Der Wechselkurs des Dollar wird wesentlich dadurch gestützt, daß außerhalb der USA sehr große Dollarbestände gehalten werden müssen, um die Ölimporte mit Dollar zu bezahlen. Mit zunehmendem Abrechnen des Ölhandels in Euro - oder auch anderen wichtigen Währungen - würde der Dollar zwangsläufig abgewertet. Der Druck, die Zinsen in den USA zu erhöhen, würde zunehmen, um die wegen des riesigen Zahlungsbilanzdefizits der USA notwendigen Kapitalimporte aufrechtzuerhalten. Bei höheren Zinsen würde die Blase auf den US-Immobilienmärkten zweifellos platzen - und das eine Kettenreaktion auf den Finanzmärkten auslösen.

Doch das eigentliche Problem ist, daß letztendlich das ganze Weltfinanzsystem auf dem Dollar beruht und der Euro wegen interner Verwerfungen in der EWU auf äußerst wackeligen Beinen steht. Das Dollarproblem ist nur im Rahmen einer Neuen Bretton Woods-Reorganisation des Weltwährungssystems lösbar. Das ist zu bedenken, wenn man die Konsequenzen der iranischen Ölbörse analysiert.

mlm

 

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