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Aus der Neuen Solidarität Nr. 19/2007

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LaRouche: Wir brauchen ein „Neues Washington“!

In seinem Internetforum am 1. Mai wies Lyndon LaRouche erneut eindringlich auf das drohende Platzen der weltweiten Finanzblase hin. Es müsse sofort zu einer Kooperation zwischen Rußland, China, Indien und den USA kommen, um das Weltfinanzsystem neu zu ordnen.

Angesichts des drohenden Zusammenbruchs des Dollarsystems, der zum völligen Zusammenbruch der Weltwirtschaft führen würde, sei ein „Neues Washington“ erforderlich, das bereit sei, mit Rußland, China, Indien und anderen Nationen zusammenzuarbeiten. Diese Botschaft stand im Mittelpunkt des Internetforums, das der Ökonom und frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber Lyndon LaRouche am 1. Mai in Washington veranstaltete.

„Was ich Ihnen heute bekanntgeben und anschließend weiter ausführen werde, werden viele Menschen in aller Welt und vor allem in den Vereinigten Staaten nicht glauben wollen“, begann LaRouche seine Rede. „Die Lage ist so, daß sich das gegenwärtige Währungs- und Finanzsystem so tief in einem Prozeß des hoffnungslosen Bankrotts befindet, daß es ausgeschlossen ist, daß dieses System in seiner gegenwärtigen Form sich jemals wieder erholt oder überleben könnte. Es ist am Ende. Der Wert des Geldes an sich ist in Frage gestellt, für alle, die wissen, was vor sich geht.“

Deshalb müßten die Vereinigten Staaten Vereinbarungen mit Rußland, China, Indien und anderen Nationen treffen, um umgehend ein neues Weltwährungssystem nach dem Vorbild des Bretton-Woods-Systems von Präsident Franklin D. Roosevelt zu schaffen: „Das muß geschehen, und es kann geschehen. Rußland hat bereits wiederholt durch Präsident Putin und andere Interesse daran gezeigt, mit den Vereinigten Staaten zusammen zu arbeiten. Vielleicht nicht mit den Narren, die derzeit hier in Washington im Weißen Haus und an ähnlichen Orten sitzen; aber daran, eine neue Beziehung mit den Vereinigten Staaten zu etablieren, die anders ist als die, die jetzt an der Spitze besteht, um die Nationen Rußlands, Chinas, Indiens, der Vereinigten Staaten und anderer Staaten in ein Vertragswerk einzubinden, mit dem umgehend ein neues Notstands-Weltfinanzsystem errichtet werden kann, das sich an dem Abkommen orientiert, das Franklin Roosevelt 1944-45 für die Nachkriegswelt arrangierte. Das ist derzeit die einzige Option für die Menschheit. Und der Zeitrahmen ist unmittelbar. Es ist nichts für 2009, oder sogar 2008. Es ist für 2007, und es muß jetzt geschehen. Denn das gesamte System ist derzeit hoffnungslos bankrott...“

Dollar als Reservewährung erhalten

Der US-Dollar sei, trotz aller Probleme, immer noch die Reservewährung der Welt, so LaRouche. Deshalb müsse sofort etwas unternommen werden, um den bevorstehenden Kollaps zu stoppen. Es gebe viele Leute in hohen Positionen, die dem nicht zustimmen und sagen, sie hätten eine „Idee“, wie die USA und der US-Dollar ersetzt werden könnten - „Leute wie Benn Steil vom Council on Foreign Relations... Was dieser Kerl in Foreign Affairs schreibt, ist idiotisch. Das ist kriminelle Idiotie! Das ist nationaler Selbstmord! Das ist Selbstmord der Welt! Er schlägt vor, daß drei im wesentlichen privat kontrollierte Währungen die Welt beherrschen sollen. Aber was ist mit dem Dollar? Alle Werte in der heutigen Welt beruhen auf der bestimmenden Rolle des Dollars, und auf den Obligationen des Dollars als Reservewährung. Wenn der Dollar kollabiert, was geschieht dann mit Chinas Werten? Kabumm! Wenn der Dollar kollabiert, was geschieht dann mit Indiens Werten? Kabumm! Wenn er kollabiert, was geschieht dann mit Europa? Kabumm! Was geschieht dann mit den Vereinigten Staaten und allen übrigen Teilen der Welt? Sie gehen zu Boden. Denn ohne eine stabile Währung, ohne einen stabilen Wert im Handel, kann man das System nicht erhalten. Und wenn man das System nicht erhalten kann, dann fängt man an, als Folge des finanziellen Zusammenbruchs, die Fabriken und andere Einrichtungen zu schließen, und dann hat man etwas schlimmeres als eine Depression - ein finsteres Zeitalter. Wenn man die Rolle des Dollars nicht als Reservewährung, als Standard des monetären Werts erhält, dann kann man das Währungssystem selbst auch nicht erhalten...

Wenn die Menschen ihm und Leuten wie ihm glauben, dann fahren wir alle für einige Generationen zur Hölle, und die Bevölkerung dieses Planeten wird innerhalb sehr kurzer Zeit von mehr als 6,5 Milliarden auf weniger als eine Milliarde zurückgehen. Ganze Sprachen werden aussterben, ganze Kulturen werden in diesem finsteren Zeitalter verschwinden. Gore hat mit seinem Programm schon vorgeschlagen, die Bevölkerung Afrikas auszulöschen. Das würde geschehen.“

Deshalb, so LaRouche, müsse man das Weltfinanzsystem für bankrott erklären und unter Konkursverwaltung stellen, wie es Franklin Roosevelt getan habe: „Sie werden feststellen, daß die intelligenten Nationen das erkennen... Mit der Entschlossenheit, die Welt vor der Hölle zu bewahren, müssen wir diese Nationen einschließlich der Vereinigten Staaten zusammenbringen, und wenn Rußland, China und Indien zustimmen, sofort über besondere Vereinbarungen zu verhandeln, um die Lage zu stabilisieren und die Grundlage für eine neue Entwicklung in den Angelegenheiten der Welt zu legen, dann kann das funktionieren! Denn andere, relativ schwächere Nationen werden sich anschließen, wenn man ihnen Gelegenheit gibt, sich daran zu beteiligen... Es ist also möglich, und wir haben den Punkt erreicht, an dem es keine vernünftige andere Wahl mehr gibt.“

Die Bedeutung des kalifornischen Parteitags

Dann kam LaRouche auf die Vorgänge in Kalifornien zu sprechen, wo gegen den ursprünglichen Willen der Demokratischen Parteiführung eine Resolution verabschiedet wurde, in von einer Absetzung Cheneys gesprochen wird: „Wir haben uns in der vergangenen Woche in Kalifornien in Szene gesetzt, in relativ kleiner, aber indikativer Form, die zeigt, wie dicht wir an der Möglichkeit sind, die Dinge herumzureißen... [Auf dem Landesparteitag der Demokratischen Partei in Kalifornien] war die Parteiführung entschlossen, Cheney nicht abzusetzen. Viele von denen bekommen ihr Geld direkt oder indirekt aus den Finanzkreisen, die [der frühere US-Außenminister] George Shultz kontrolliert - Demokraten wie Republikaner. Dazu gehört auch Felix Rohatyn, einer der Geldgeber der Demokratischen Partei... Es gibt andere der gleichen Art. Soros ist ein anderer Typ, aber er ist in einer ähnlichen Position. Und dann gibt es die Bankiers, die meist direkt hinter George Shultz als ihrem amerikanischen Ansprechpartner stehen.“ Aufgrund dieser Einflüsse habe die Parteiführung die Parole ausgegeben: „Setzt Cheney nicht ab! George Shultz will nicht, daß wir Cheney absetzen!“

Die jüngeren und ärmeren Bevölkerungskreise seien damit zwar nicht einverstanden, aber sie glaubten, nicht genug Einfluß zu haben. Ihnen werde nur die Wahl gelassen, für oder gegen einen zugelassenen Kandidaten oder eine zugelassene Idee abzustimmen: „Wir haben Leute, die das Land steuern, und den übrigen Leuten sagen: ,Bleibt, wo ihr seid. Tut, was wir euch sagen. Hört auf uns, wir wissen, wo es lang geht. Wir müssen euch das jetzt nicht erklären, wir werden es euch im Januar 2009 sagen, worum es bei der Wahl geht.“

Deshalb, so LaRouche, „brauchten wir einen Katalysator... Und wir waren der Katalysator in der Demokratischen Partei, insbesondere unsere Jugendbewegung, die den Prozeß auslöste, durch den sich der Wunsch einer Mehrheit, die dort vertreten war, ausdrücken konnte. Die Leute waren wie Wasser hinter einem Damm. Wenn man den Damm durchstößt und ein wenig öffnet, dann strömt das Wasser heraus und überschwemmt das Land! Sobald wir ein Loch in den Damm gestoßen hatten, der die Arbeit der Demokratischen Partei blockierte,... war Cheneys Absetzung in Kalifornien und anderswo wieder auf dem Tisch.“

Die Führung in einer Gesellschaft habe die Aufgabe, zu wissen, was zu tun ist, und zu erkennen, wo das Problem liegt. Wirkliche Demokratie liege nicht darin, ja oder nein zu sagen. Wirkliche Freiheit liege im Recht, sich an dem Diskussionsprozeß zu beteiligen, durch den die Themen definiert werden.

Und derzeit sei die Absetzung Cheneys der Test für die Freiheit. „Wir brauchen vor 2009 ein neues Washington. Der entscheidende Schritt ist, Cheney los zu werden und ihn auf die Weide zu schicken - oder in einen Sumpf, wenn er das vorzieht. Ändern wir die Regierung, so wie es in der Verfassung vorgesehen ist. Reagieren wir auf die kritische Lage mit angemessenen Notstandsmaßnahmen und erkennen wir das Wesentliche: daß das Finanz- und Währungssystem in Trümmern liegt. Tun wir also das Offensichtliche: Die Regierungen müssen vereinbaren, das Bankensystem einzufrieren, das Finanzsystem unter Konkursverwaltung zu stellen, um es zu reorganisieren. Dieser Prozeß der Reorganisation wird die Frage des nationalen und internationalen Kredits lösen und uns erlauben, die großen Projekte in Gang zu setzen, mit denen der gegenwärtige Zerfallstrend umgekehrt werden kann, und mit anderen Nationen die Freude zu teilen, in gemeinsamem Interesse an der Entwicklung teil zu haben. Und das bedeutet Sicherheit für uns alle, und für die kommenden Generationen.“

Intensive Diskussion

An LaRouches Vortrag schloß sich traditionell eine mehrstündige intensive Debatte an. Gleich in der ersten Frage wurde LaRouche auf Putins jüngste Äußerungen zum Vertrag über die konventionelle Rüstung in Europa angesprochen. In seiner Antwort (siehe S. 2) verwies LaRouche auf die britische Politik, andere Nationen gegeneinander auszuspielen und in Kriege gegeneinander zu treiben.

Die zweite Frage betraf LaRouches Strategie für den bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf. Man müsse, so LaRouche, den Stil des Wahlkampfes ändern, und die Bevölkerung wieder in die Diskussion mit einschließen (siehe nebenstehende Box). Zwei weitere Fragen betrafen die Lage in Afrika. Warum seien die Führungen von Republikanern und Demokraten so fest entschlossen, den Sudan zu zerstören, und welche Rolle könne die Kernkraft dabei spielen, Afrikas Entwicklungsprobleme zu lösen?

Die Stabschefin des Frauenausschusses des Kongresses fragte nach dem Umgang mit Gewaltvideospielen. LaRouche antwortete, dieses Problem habe zwei Aspekte. Einerseits gebe es seit langem Versuche der Kreise um Samuel Huntington, Dick Cheney, George Shultz und Felix Rohatyn, das traditionelle Militär durch private Söldnertruppen zu ersetzen. Man habe sich gefragt, wie man Menschen in gewissenlose Tötungsmaschinen verwandeln könne, und dazu seien diese Videotechniken ursprünglich entwickelt worden. Der zweite Faktor sei die Krise der Computerindustrie nach dem Jahrtausendwechsel. Man habe neue Einkommensquellen gesucht und in diesen Killervideos gefunden. Was damit gemacht werde, sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und man müsse sie auch entsprechend verfolgen.

Eine weitere Stabsleiterin aus dem Repräsentantenhaus sprach die Welle von Zwangsversteigerungen amerikanischer Immobilien an, und fragte LaRouche, welche Reaktionen er von der Finanzwelt erwarte, wenn ein Moratorium auf Zwangsversteigerungen erklärt würde.

Was die Finanzwelt dazu sage, sei nicht wichtig, weil das Finanzsystem in seiner gegenwärtigen Form sowieso nicht zu retten sei. Man müsse es unter Konkursverwaltung stellen und alle Spekulationen unterbinden. „Das heißt nicht, daß wir alles schließen; wir werden wohl einige Dinge schließen - Spielkasinos werden wir natürlich dichtmachen... Das wird Donald Trump nicht gefallen, aber ich glaube sowieso nicht, daß er mich mag... Ich würde sagen: ,Du bist entlassen, Donald. Ich sage es ihm gleich hier: Du bist entlassen. Deine Zeit ist um.’“ Man müsse sich an der Verfassung und am Gemeinwohlprinzip orientieren, und sicherstellen, daß die betroffenen Familien nicht auf die Straße gesetzt werden.

Auch von Gewerkschaftern kamen Fragen. Die frühere Vizepräsidentin der AFL-CIO von Texas, Sue Daniels, fragte LaRouche, was er davon halte, wenn einerseits immer mehr Arbeitsplätze vernichtet werden, während andererseits die Börsenkurse immer weiter ansteigen. LaRouche betonte noch einmal, daß die Finanzmärkte in ein Kasino verwandelt worden seien, das nicht von den Vereinigten Staaten, sondern von London aus kontrolliert und über die Cayman-Inseln gesteuert werde. Die derzeitige Hausse an den Aktienmärkten sei bloß ein Versuch, den Dollar zu stützen.

Ein Vorstandsmitglied der Automobilarbeitergewerkschaft UAW in Saginaw, Michigan, beschrieb, wie die Arbeiter gezwungen würden, drastische Lohnkürzungen hinzunehmen, und was für Wirkungen dies in den betroffenen Regionen habe. Die jungen Menschen hätten keine Hoffnung, und er wisse nicht, was er ihnen sagen solle. LaRouche betonte in seiner Antwort, daß es sich nicht um ein Problem der Autoindustrie handele, sondern um ein Problem in Washington. Dort habe man beschlossen, die Autoindustrie in andere Länder zu verlagern. „Das Problem hier ist im wesentlichen die Wahrnehmung des nationalen Interesses und der Gerechtigkeit, in dem Sinne, daß man sich um die Menschen kümmert, darum, welche Alternativen es gibt, mit dem Problem umzugehen, das derzeit nicht angegangen wird, weil Felix Rohatyn es nicht erlaubt.“ Rohatyn habe persönlich in Washington interveniert und verhindert, daß LaRouches Vorschläge zur Umrüstung und Nutzung der Kapazitäten der Autoindustrie für den Ausbau der Infrastruktur vom Kongreß aufgegriffen wurden. „Warum behaupten wir uns nicht und sagen: ,Wir werden uns unser Land  zurückgewinnen!’“

Das Problem der Baby-Boomer

Zum Schluß sprach Wesley Irwin von der LaRouche-Jugendbewegung ein Problem an, das sich im Umgang mit den Kongreßabgeordneten immer wieder stelle: Diese argumentierten oft, es gebe genug Geld, man müsse nur an das Geld  herankommen, dann könne man alle möglichen Dinge finanzieren. In dieser Frage sei eine rationale Debatte mit den Abgeordneten unmöglich. Das sei die typische Reaktion von Baby-Boomern, antwortete LaRouche, und er erläuterte, wie es zur Entwicklung des Phänomens der Baby-Boomer gekommen sei. Sie seien heute eine verlorene Generation, und deshalb müsse die junge Generation der 18-35jährigen die Führung übernehmen, so wie das in Kalifornien am Wochenende demonstriert worden sei.

Alexander Hartmann

Lesen Sie hierzu bitte auch:
„Londons Absicht war es, die USA wirtschaftlich zu zerstören“
- Neue Solidarität Nr. 19/2007
„Man muß die Menschen einbeziehen“
- Neue Solidarität Nr. 19/2007
Schriften von Lyndon H. LaRouche 1981-2006
- Internetseite des Schiller-Instituts
Was Lyndon LaRouche wirklich sagt
- Internetseite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)
Die Internetseite des LaRouche-Aktionskomitees
- in englischer Sprache

 

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