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Aus der Neuen Solidarität Nr. 36/2007

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Zur Lage der Nation: Schluß mit der Selbsttäuschung!

Programmentwurf für 2008

Von Lyndon LaRouche
- 3. August 2007 -

Entwurf eines Parteiprogramms für die Demokratische Partei im Wahljahr 2008.

Die Absicht, die der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Bundesverfassung der Vereinigten Staaten zugrunde liegt und sich in ihnen äußert, kommt unausgesprochen in allen wichtigen geschichtlichen Schriften über Ursprung, Gründung und Fortbestehen unserer Republik zum Ausdruck, die zusammengenommen ein lebendiges Erbe bilden. Wann immer törichte Gewohnheiten das Weiterbestehen unserer Republik in Gefahr brachten, berührte die Hand unserer Geschichte diejenigen Staatsführer, die das Land dazu inspirierten, die Prinzipien seines Ursprungs und seiner Form wiederaufzugreifen.

Wir stehen heute vor einer furchterregenden Prüfung der Überlebensfähigkeit unserer Republik. Amerika kann zu sich selbst zurückfinden und auch diese Periode überstehen, doch um das zu erreichen, müssen wir unsere jüngsten Irrwege umgehend aufgeben. In dieser Berichtigung des gegenwärtigen gefährlichen Zustandes muß zum Ausdruck kommen, daß wir einen Sinn für die wahren Ursprünge, Geschichte und Zukunftsaussichten sowohl unserer Republik als auch der Welt bewahrt haben, in der sie einst als „Tempel der Freiheit und Leuchtfeuer der Hoffnung“ für die Menschheit galt.

Die großartige Republik unserer vergangenen Tage entstand hauptsächlich durch die Inspiration der Menschen, die aus Europa hierher kamen, um die Prinzipien und Bestrebungen der besten Ideen der Geschichte der europäischen Zivilisation Früchte tragen zu lassen - und das in größtmöglicher Entfernung vom verderblichen Einfluß oligarchischer Traditionen, die selbst heute noch großenteils die Regierungssysteme und das gesellschaftliche Leben in Europa beherrschen.

Auslöser des Abfalls unserer Patrioten vom britischen System 1763-1776 war die Unterdrückung der englischen Kolonien in Nordamerika unter der neuen imperialen Autorität, welche durch den Pariser Friedensvertrag vom Februar 1763 an die imperialistischen finanzoligarchischen Kräfte hinter der von den anglo-holländischen Liberalen geführten Britischen Ostindiengesellschaft übertragen wurde.2 Das löste den Reflex aus, der sich in unserer Unabhängigkeitserklärung von 1776 findet.

Die Wurzeln unserer Republik wurden hauptsächlich von Europäern gepflanzt, die wie die Winthrops und Mathers im Massachusetts des 17. Jh. das beste der europäischen republikanischen Kultur - u.a. den Einfluß von Gottfried Leibniz - in die neuen Siedlungen nach Nordamerika mitbrachten und dieses kulturelle Erbe bewahrten, indem sie es in relativ sichere Entfernung zu den oligarchischen Traditionen des „alten Europa“ brachten. Auf diese Weise haben die Gründerväter unser Bild einer Republik bis auf die Vorstellungen Platons und die besseren Zeiten Athens in der Tradition Solons, die Zeiten vor den sophistischen Torheiten in Perikles’ Zeitalter, zurückgeführt.

Als wir unsere junge, neue Republik gründeten, erfreuten wir uns der Verpflichtung zur Freiheit, die viele maßgebliche Europäer an uns bewunderten. Doch leider machten der von London eingefädelte Wahnwitz der Französischen Revolution und die Torheiten eines durch die Hinrichtung seiner Schwester Marie Antoinette3 in Unvernunft getriebenen Habsburgerkaisers Joseph II. zwischen 1789 und dem Wiener Kongreß 1815 aus Europa moralisch ein Wrack. Metternich und Castlereagh gewannen die Oberhand in Europa, mit gräßlichen Folgen, von denen es sich bis auf den heutigen Tag nicht völlig befreien konnte.

So stand unsere junge US Republik von 1815 bis 1865 unter ständiger Bedrohung durch Londons Agenten, die außerhalb und, wie der Einfluß Aaron Burrs und seiner Kreise belegt, auch innerhalb unserer Grenzen operierten. Die von Europa aus arrangierten Ermordungen amtierender US-Präsidenten sind beispielhaft für diese Gefahrenquelle.4

Nichtsdestotrotz wurden die Errungenschaften aus dem großen Sieg von Präsident Abraham Lincoln gegen Londons Vorstoß zu unserer Vernichtung zwar schwer angeschlagen, aber nicht völlig zerstört - nicht einmal durch Morde an Präsidenten und ähnliche Schandtaten. Viele Generationen von Nachfahren der Gründer seit dem frühen 17. Jahrhundert und der Geist der Freiheit, der auf so viele Einwanderer überging, sind die Quellen einer lebendigen patriotischen Tradition, die es heute zu bewahren gilt. All der Korruption unserer Gesellschaft zum Trotz bleibt unsere Republik als Faktor zum besten der Menschheit selbst heute noch etwas prinzipiell sehr wertvolles, wiewohl das zu glücklicheren Zeiten unter Präsident Franklin Roosevelt noch viel deutlicher so war.

Heute wäre es ein entscheidender Vorteil, wenn wir zugäben, daß wir politisch, moralisch und wirtschaftlich einem Trümmerfeld gleichen - daß das, was seit jener besseren Zeit vor Präsident Franklin Roosevelts Tod aufgebaut wurde, inzwischen moralisch und physisch ruiniert wurde. Nun werden aber Menschen nicht nur geboren, um bloß eine Neuauflage ihrer Vorfahren zu sein. Wir müssen bedenken, daß wir ein akkumuliertes, unsterbliches kulturelles Erbe verkörpern, dessen Einfluß im Bewußtsein der lebenden Generationen mindestens drei oder mehr Generationen in die Vergangenheit zurückreicht; bei Menschen mit bestimmten kulturellen Vorzügen sind es sogar Traditionen, die zwei Jahrhunderte oder mehr vor unserer Lebenszeit beginnen.

Auf diese Art haben wir eine Erinnerung unserer selbst und unserer Republik, die bis zu den Winthrops und Mathers im Neuengland des 17. Jh., also mehr als zweieinhalb Jahrhunderte, zurückreicht. Wer gebildeter ist, verfolgt die Spur dieses Erbes bis ins antike Griechenland der Pythagoräer, Solons und Platons und sieht sich als lebende Verkörperung dieses kulturellen Erbes.

Aus diesem Grunde ist unser US-amerikanisches Erbe hauptsächlich christlicher oder jüdischer Herkunft - letztere die der drei Mose: Moses aus Ägypten und Sinaï, Moses Maimonides und Moses Mendelssohn, oder für andere, wie Papst Benedict XVI. jüngst unterstrich, die des lebendigen Jesus von Nazareth. Gleichzeitig sind wir aber auch ökumenisch, wie Nikolaus von Kues und Philo von Alexandria vor uns - so wie unsere besten Vertreter, dank der Einsicht in die grundsätzlich gute Natur des Menschen, traditionell ihre universelle Verpflichtung gegenüber anderen verstanden haben. Dieses Erbe kommt darin zum Ausdruck, daß das Leibnizsche Prinzip des Strebens nach Glückseligkeit in die Unabhängigkeitserklärung aufgenommen wurde und in der Präambel unserer Verfassung, ihrem Grundgesetz, ein Echo findet. Als wahre Patrioten unserer Republik müssen wir es als unsere Verpflichtung ansehen, Gutes zu tun; unsere politischen Ahnen Cotton Mather und Benjamin Franklin wußten das.

In Bezug auf alle diese Überlegungen wissen wir, daß wir sterblich sind. Dieses Wissen erinnert den Weisen daran, wie wichtig es ist, „Schätze im Himmel zu sammeln“ - eine Sichtweise, die bei den inzwischen etwas älteren Generationen der „oberen Mittelschicht“ weitgehend abhanden gekommen ist. Wenn Sophismus die äußere Gestalt des Existentialismus der Frankfurter Schule und des Kongresses für kulturelle Freiheit annimmt, wie es der zwischen 1945 und 1958 geborenen Generation eingeflößt wurde, dann ist das moralische Bemühen um das Wirken der eigenen Existenz zumindest stark beeinträchtigt. Während achtbare Patrioten früher gewohnt waren, im Sinne ganzer Familien, d.h. Kindern, Eltern, Großeltern und manchmal Urgroßeltern, zu denken, scheint die Vorstellung, daß mehrere Generationen ein gemeinsames Schicksal haben, aus dem Blickwinkel dieser heutigen Generation verschwunden zu sein.

Aus diesem Grund gab es in der jüngsten Zeit eine existenzbedrohende Spaltung zwischen den politischen Anschauungen der „68er“-Nachkriegsgeneration und der entgegengesetzten Sicht der Notwendigkeiten für die Zukunft, wie sie die Generation junger Erwachsener zwischen 18 und 35 Jahren sieht. Der noch lebende Teil der ganz alten Generation, meiner eigenen, dachte immer in Begriffen der langfristigen Verbesserung des Realkapitals für die reale Produktivität und das entsprechende Potential zukünftiger Generationen; beim maßgeblichen Teil der Nachkriegsgeneration in öffentlichen Ämtern und ähnlichen Positionen fehlt heutzutage diese Perspektive.

Man sieht am Einbruch der Investitionen in das Realkapital für wissenschaftlich-technischen Fortschritt und Infrastruktur während der vergangenen 39 Jahre, daß die Nachkriegsgeneration der „68er“ in Nordamerika, West- und Mitteleuropa das praktische Verständnis für die Zukunft ihres Landes und der Menschheit verloren hat. Infolge der entsprechenden Demoralisierung vieler Mitmenschen in der jüngeren Vergangenheit erlebt man nun immer öfter, wie betroffene Angehörige der ärmeren Klassen für ein sicheres Plätzchen jenseits des „Höllenfeuers“ des Armageddon beten. Die Angehörigen der liberalen Mittelschicht zeigen dagegen ein Verlangen nach etwas milderer Leere, nach einem heiteren, todesgleichen Zustand des eingebildeten Nichts, den man vielleicht als Fegefeuer gelten lassen kann.

1. Die Frage des Geldes

Soweit zurück wir die täglichen Erfahrungen in allen Winkeln der europäischen Zivilisation seit etwa 2800 Jahren kennen, war diese Geschichte stets verseucht durch den Einfluß einer gewissen erbärmlichen Vorstellung von „Geld“. Diese moralische Krankheit kennt man heutzutage in Lehre und Anwendung als „Monetarismus“. Diese geistige Umweltverschmutzung ist eine der Hauptursachen aller der sich nun verschlimmernden und drohenden Katastrophen für Wirtschaft, Moral und Umwelt.

Man kann die Wurzeln dieses moralischen Gebrechens u.a. auf das antike Tyros zurückverfolgen, den Hauptgegner der Zivilisation des Mittelmeerraumes ab etwa 700 v.Chr. Man denke in dem Zusammenhang an den Komplex des antiken Apollo-Kultes von Delphi, mit der Straße, die hinab zum Meer führt. Neben dem Tempel liegt eine Ansammlung kleinerer Bauten, die sog. Schatzhäuser, welche den Geldreichtum verschiedener griechischer Städte repräsentierten. Über diesen Meereszugang führt das Unwesen von Delphis „Kredithaien“ u.a. zur Durchsetzung und Unterwanderung der etruskischen Kultur an der Mündung des Tibers, und weiter hinauf zu den berühmten sieben Hügeln Roms. Delphi selbst verbindet man auch mit dem brutalen Gesetz des lykurgischen Sparta mit der Unterdrückung der Heloten.

Die vorherrschende strategische Rolle, die der Wucher heute einnimmt, durchdrang schon einen Großteil der Geschichte der europäischen Zivilisation und ihrer maritimen Kulturen, vom Altertum an über die Zeit von Venedigs Führung im mittelalterlichen System der normannischen Raubzüge bis zum Aufstieg der neuzeitlichen anglo-holländischen imperialen Seemacht, die heute zunehmend wieder die Welt beherrscht - besonders seit 1971-72 die Rolle der US-Dollars als Standbein des internationalen Kreditsystems fester Wechselkurse in einer geradezu verräterischen Aktion zerstört wurde.

Dieses Verhältnis von Monetarismus zu imperialer oder proto-imperialer Seemacht, das in der neuzeitlichen britische imperialen Tradition verkörpert ist, bildet die Wurzel der großen Kriege der europäischen Zivilisation während des angegebenen geschichtlichen Zeitraums bis heute. Seit der britische Prinz Edward Albert in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. unter der nominellen Herrschaft seiner Mutter zur Macht aufstieg, bezeichnet man die imperiale Rolle der Seemacht als „Geopolitik“. Um dies drehten sich schon alle imperialen Konflikte seit der Zeit der Auseinandersetzung des antiken Tyros mit dem wiederauflebenden Ägypten und dessen ionischen und etruskischen Verbündeten.

Wenn man die Weltgeschichte der vergangenen anderthalb Jahrhunderte verstehen will, muß man wissen, wie dieser Begriff der „Geopolitik“ in die globale Strategie eingeführt wurde: im Rahmen der britischen imperialen Reaktion auf den Sieg der USA unter Abraham Lincoln gegen die von den Briten gesteuerten Südstaaten.

Präsident Lincoln folgte der politischen Landkarte, die John Quincy Adams mit beachtlicher Genauigkeit ausgearbeitet hatte, als er während seiner Amtszeit als Außenminister die angestrebten Grenzen einer kontinentalen US-Republik vorab definierte. Die darauf folgenden großen wirtschaftlichen Errungenschaften der USA zur Entwicklung der Arbeitsproduktivkraft unter der Führung Abraham Lincolns und später waren nicht von der Einigung der USA als kontinentaler Nation mit Hilfe der Entwicklung transkontinentaler Eisenbahnnetze zu trennen, und sie revolutionierten die ganze Welt. Die Errungenschaften des amerikanischen Systems der politischen Ökonomie seit der Wahl Abraham Lincolns regten Deutschland, Frankreich, Rußland, Japan und andere Nationen an, zu versuchen, ihr jeweiliges Schicksal grundlegend zu verbessern.

Doch das kriegerische imperiale London sah im Aufbau eines transkontinentalen Eisenbahnnetzes in Eurasien eine Bedrohung seiner imperialen Vorherrschaft als finanzoligarchische Seemacht der anglo-holländischen Form.

Das war der entscheidende Streitpunkt hinter dem, was als Erster und Zweiter Weltkrieg verzeichnet wird.

Die Entlassung Bismarcks als Reichskanzler machte für Prinz Edward Albert den Weg frei, den Ersten Weltkrieg anzuzetteln, indem er mit dem einfältigen österreichischen Kaiser als Werkzeug seine Neffen, Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II., mittels der von London gesteuerten Balkankriege aufeinander hetzte - so wie britische Interessen später während der Amtszeit von Präsident George Bush senior eine neue Welle von Balkankriegen anzettelten.

Ganz ähnlich hatten sich die Briten mit Japan verbündet, um Japans Kriege gegen China 1895-1945, gegen Korea und Rußland in Gang zu setzen. So führte dann ironischerweise ein Seebündnis zwischen England und Japan gegen die Seemacht der USA aus den 20er Jahren zu dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Dieser Konflikt erhielt den Namen „Geopolitik“. So definiert, ist „Geopolitik“ die imperiale Kriegspolitik Londons geblieben. Die Regierungen von Margaret Thatcher und Tony Blair sind dafür beispielhaft.

Nun beginnt im Buch der Geschichte der Weltwirtschaft ein neues Kapitel.

Eine der großen „geopolitischen“ Herausforderungen heute ist vor allem die: Das Bevölkerungswachstum und die damit einhergehende Notwendigkeit, Rohstoffquellen zu erschließen, erfordern die sofortige umfassende Entwicklung großer Landmassen, einen Schub bei fortschrittlichen Technologien sowie auch neue, grundlegende Entdeckungen in der Naturwissenschaft. So ist es kennzeichnend für die strategische Lage, daß jetzt weltweit täglich wenigstens fünf neue Kernkraftwerke gebaut werden müssen und daß wir ein qualitativ neues, landgestütztes Massentransportsystem brauchen, welches gerade bei hochwertiger Fracht einen Großteil der Abhängigkeit von Wasser- und Straßentransport ersetzen wird.

Diese Umstände haben inzwischen dazu geführt, daß man sich den Bau eines Transporttunnels mit einer Eisenbahn (oder Magnetbahn) von Uelen in Sibirien durch die Beringstraße nach Alaska zum Ziel gesetzt hat. Eine derartige Transportroute wäre eine Erweiterung des transsibirischen Eisenbahnsystems und legte den dringend benötigten Schlußstein für die Entwicklung von Transportwegen, implizit von Europas Atlantikküsten bis zum südlichen Ende Südamerikas. Die Erweiterung dieses Netzes würde von Europa und Südwestasien nach Afrika reichen. Die Entwicklung des Hochgeschwindigkeitstransports mit Magnetbahnen entlang dieser Strecken würde den Wirkungsgrad der Weltwirtschaft revolutionieren. Es ermöglichte unmittelbar die Entwicklung all derjenigen Regionen der Welt, die entwickelt werden müssen, wenn der wachsenden Nachfrage nach Entwicklung von Rohstoffquellen begegnet werden soll.

Dies erleichterte auch den jetzt dringend notwendigen Wechsel weg von der kostspieligen Abhängigkeit vom Transport von Treibstoffen auf Kohlenstoffbasis, hin zur Herstellung sauberer, wasserstoffbasierter Treibstoffe durch den Einsatz gasgekühlter Hochtemperaturreaktoren. Die Treibstoffe auf Kohlenstoffbasis könnten dann, viel sinnbringender, als Rohstoffe für die Unterstützung von Leben genutzt und bei der Herstellung wertvollerer Produkte je Gewichteinheit verbraucht werden. Kostspieliger Transport billiger Materialien über weite Strecken ließe sich auf diese Weise stark reduzieren, was für die Nationen und Bevölkerungen der Welt große Kostenersparnisse und Wachstum der Produktivitätsraten pro Kopf und Quadratkilometer mit sich brächte.

Die Kombination solcher Wirtschaftsentwicklungsmaßnahmen führte auf zweierlei Weise zu einem raschen Anstieg der Produktivkräfte und des durchschnittlichen Lebensstandards. Durch effizientere Methoden würden die relativen realen Produktionskosten gesenkt, und der Lebensstandard pro Kopf würde erhöht, indem man bei der produktiven Arbeitskraft selbst kontinuierlich auf immer höhere Konzentrationen von Kosten und Investitionen in immer kapitalintensivere Arten technischen Fortschritts mit steigender Energieflußdichte wechselt. Diese praktischen Veränderungen sind für eine sichere Zukunft des ganzen Planeten absolut unerläßlich.

Diese Überlegungen sind von enormer Bedeutung dafür, wie unsere Regierungen über Geld denken sollten. Es ist an der Zeit, den Wucher einschließlich aller monetaristischen Dogmen in den endgültigen Ruhestand zu versetzen, an einen Ort, wo derart unmoralische Bräuche in friedvoller Unschuld auf ewig schlummern können. Es ist für die Welt an der Zeit, das von Alexander Hamilton so betitelte „amerikanische System der politischen Ökonomie“ an die Stelle des zutiefst imperialistischen monetaristischen Dogmas eines todgeweihten britischen Systems politischer Ökonomie zu setzen.

Die richtige Denkweise über Geld und Geldpolitik wurde bereits, ziemlich einzigartig auf der Welt, mit der Schaffung der US-Verfassung und der beispielhaften Führungsrolle Alexander Hamiltons als erstem Finanzminister der USA entwickelt. An dieser Stelle sollen nun die Prinzipien, die dem amerikanischen System politischer Ökonomie zugrunde liegen, noch einmal in für die Gegenwart relevanten Begriffen angeführt werden.

1.10 Der britische Wucherkult

Die Hauptursache für die schreckliche Bedrohung der heutigen Zivilisation liegt in der Abkehr von dem Währungssystem fester Wechselkurse der Zeit bis 1971, das als eine Phase des unter Führung der US-Regierung von Franklin Roosevelt bewirkten Wirtschaftsaufschwungs begonnen hatte. Um zu verstehen, welche wirtschaftlichen und verwandten Probleme augenblicklich die ganze Zivilisation bedrohen, muß man erkennen, daß die Abschaffung des Bretton-Woods-Systems auf Initiative der Regierung Nixon 1971-72 nicht mehr war als ein wichtiger Einschnitt in einem radikalen Abwärtstrend der amerikanischen Politik, der durch die Ermordung von Präsident John F. Kennedy und den anschließenden Beginn des Indochinakriegs unter dem Vorwand der verlogenen Tongking-Resolution in Gang gesetzt worden war.

Im Endeffekt führten diese Veränderungen der Zeit von 1963-72 über mehrere Generationen hinweg zu einem Prozeß der Machtübertragung auf das alte britisch-imperiale Weltsystem, unter neuen Bezeichnungen für diesen Imperialismus wie „Globalisierung“ und „Umweltschutz“. Es ist der alte britische Imperialismus, der sich lediglich in neue Kleider gehüllt hat. Dieser neue Imperialismus bildet das Umfeld, in dem die amerikanische Republik und praktisch die gesamte übrige Welt an den Rand einer allgemeinen monetär-wirtschaftlichen Zusammenbruchskrise gebracht wurde, die sich durchaus mit dem „neuen finsteren Zeitalter“ im Europa des 14. Jahrhunderts vergleichen läßt.

Bei der Beschreibung dieses Niedergangs der weltweiten wirtschaftlichen und strategischen Lage liegt die Betonung auf dem Wort „Wucher“. Formell vollzog sich die Wende von wirtschaftlicher Vernunft zu Praktiken des Wuchers über den Einfluß der Trilateralen Kommission auf die Regierung Carter 1977-81. Eigentlich war jedoch der Wucher schon 1971-72 in die weltweite monetär-wirtschaftliche Dynamik zurückgekehrt, als die USA plötzlich in eine Währungsordnung „gleitender Wechselkurse“ stürzten.5

Wucher ist eine alte, an sich immer bösartige Praktik, aber die historisch relevante Form des heutigen Wuchers besteht hauptsächlich in der Vorstellung, daß Geld ein Wert an sich ist, was besonders mit dem Einfluß des Venezianers Paolo Sarpi und seiner Anhänger zusammenhängt.

Das liberale Modell, das Paolo Sarpi als eine Art Revolution in die Strategie der Venezianer einführte, ist als qualitativ neue Entwicklungsphase in der langen Geschichte des seit der Antike bekannten „oligarchischen Modells“ zu betrachten. Das frühere oligarchische Modell, das durch Sarpis Reformen abgelöst wurde, war jenes, das wir mit der verderbten Tyrannei des antiken Babylon verbinden, mit dem sog. „Persischen“ Reich, dem Römischen Reich, mit Byzanz und mit dem ultramontanen System venezianisch-normannischer Herrschaft im Mittelalter.

Das heute bedeutsamste, das anglo-holländische liberale System der Geldherrschaft, ist eine neuzeitliche Neuerung im Imperialismus, die sich unter dem Einfluß Sarpis und unter beträchtlichem Zutun seines Hauslakaien Galileo Galilei entwickelte. Der Begriff „liberal“ als Bezeichnung für ein gesellschaftlich-politisches System heißt in diesem Zusammenhang, daß alle systematischen Prinzipien aus den menschlichen Beziehungen innerhalb oder zwischen den einzelnen Gesellschaften verbannt sind - so wie das etwa der bekannte Feind Amerikas, Adam Smith, vorschrieb.6

In der neueren britischen Kultur seit der Thronbesteigung Jakobs I. bedeutet der Begriff „liberal“ vom Wesen her ganz klar, daß sämtliche moralischen Überlegungen, die auf universellen Prinzipien beruhen, ausgemerzt werden. Statt dessen werden in einem solchen System Regeln eingeführt und oft rücksichtslos durchgesetzt, die auf keinem wirklichen Prinzip beruhen. Es sind bloß pragmatische Vorschriften für den Augenblick - ausgewählt nicht als Prinzipien im Sinne universeller naturwissenschaftlicher Prinzipien, sondern nur, weil man sie gerade für zweckdienlich hält. Die Empiristen John Locke, Bernard Mandeville, David Hume, Adam Smith und Jeremy Bentham sind alle mehr oder weniger typische Vertreter dieser im Kern prinzipienlosen, cartesianischen Auffassung öffentlicher Ordnung innerhalb und unter Nationen.

Dieses Fehlen vernünftiger Regeln für das Handeln in Währungsfragen und anderen wirtschaftlich relevanten Fragen brachte ein britisches System des modernen Monetarismus hervor, das nicht bloß völlig irrational ist, sondern das ein Wuchersystem ist, das die Vorstellung wirtschaftlichen Wertes auf die verrückten Possen eines gigantischen Spielkasinos herabwürdigt; man denkt gar nicht daran, den verhältnismäßig größeren oder geringeren Wert von Produktion und Handel für die Ziele des Menschen zu ermitteln.

Aber lassen wir diesen Begriff des Wertes einmal beiseite, um ihn weiter unten zu behandeln; der entscheidende Punkt ist hier unmittelbar, daß das britische Imperium entgegen den Wunschvorstellungen von Lord Shelburnes Lakai Gibbon bald aus eigenem Versagen untergehen wird, nach dem Maßstab der Geschichte wahrscheinlich sogar schon sehr bald. Es wird sterben wie all die anderen Imperien, die die europäische Zivilisation als frühere Ausdrucksformen des Einflusses des alten oligarchischen Modells erlebt hat. Es wird genauso verschwinden, und das nach allen derzeitigen Krankheitszeichen bald. Uns in den Vereinigten Staaten bleibt nur die Wahl, durch geeignete Schritte sicherzustellen, daß unsere Republik nicht zusammen mit dem todgeweihten britischen Imperium von der Weltkarte gefegt wird.7

Das alte feudale Wuchersystem des mittelalterlichen Europa vor Sarpi hatte sich Mitte des 14. Jahrhunderts nach dem kettenreaktionsartigen Bankrott der lombardischen Banken aufgelöst. Doch seit die Regierung Nixon unter der Führung von George Shultz das System fester Wechselkurse aufgab und anschließend Zbigniew Brzezinski die Doktrin der Trilateralen Kommission in die Regierung Carter trug, wurden bestimmte wesentliche Aspekte dieses alten feudalistischen Irrsinns - noch viel schlimmer als eine Finanzblase à la John Law - in das nunmehr endgültig zusammenbrechende Geldsystem von Hedgefonds und dergleichen übernommen. Der gegenwärtige hyperinflationäre, unhaltbare Zustand des Weltwährungs- und -finanzsystems generell ist eine außergewöhnliche, schicksalhafte und nunmehr kurzzeitige Entwicklung im neuzeitlichen Europa, die kurze Endphase eines sterbenden Systems.

Wenn wir uns mit den längerfristigen Aussichten einer wirklich modernen Währungstheorie befassen wollen, dann müssen wir uns den Ursprüngen der Wirtschaftsprobleme zuwenden, die den verheerenden, vom Wucher getriebenen Veränderungen 1971-81 vorausgingen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, welche Gefahren es mit sich brächte, wenn man versuchte, auch nur zu der nicht ganz so wilden, aber genauso ruinösen Geldpolitik vor der 1929artigen Wallstreet-Krise vom Oktober 1987 zurückzukehren.

Um zu verstehen, warum und wie der bösartige Sarpische Liberalismus den früheren bösartigen mittelalterlichen Wucher unter Venedig und den normannischen Rittern ablösen konnte, muß man zunächst erkennen, unter welchen besonderen neuartigen Bedingungen der Religionskrieg von 1492-1648 entstand und sich entfaltete. Eine besonders sorgfältig recherchierte Schrift, in der die tiefere Natur dieser neuen Kriegsumstände aufgezeigt wird, waren Niccolo Machiavellis Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius, eine der einflußreichsten Schriften über die Ursprünge moderner Militärstrategie. In dem Buch wird aufgezeigt, welche neuen Faktoren der neuzeitlichen europäischen Zivilisation den Feldzug der Habsburger und anderer gegen den anhaltenden Einfluß des großen ökumenischen Konzils von Florenz scheitern ließen. Es war diese Herausforderung, auf die Sarpi mit seinen liberalen Reformen des imperialistischen Systems reagierte.

Wird fortgesetzt


Anmerkungen

2. Die anglo-holländische liberale Variante der finanzoligarchischen Fraktion war die Frucht der liberalen Reformen, die durch den Venezianer Paolo Sarpi vorgenommen wurden. Sarpi bewirkte die Verlegung des Zentrums der venezianischen finanzoligarchischen Macht ins nördliche Europa, indem er, wie sein Einfluß auf den Hof des englischen Königs Jakob I. zeigt, Stück für Stück die Seemacht der Niederlande und Englands übernahm. Die Vergewaltigung Englands durch den Barbaren Wilhelm von Oranien führte über eine Serie von Kriegen, darunter der sog. „Siebenjährige Krieg“, zu einer gegenseitigen Schwächung der Nationen Kontinentaleuropas. Das ermöglichte der anglo-holländischen Fraktion Sarpis und den Erben Wilhelm von Oraniens ab Februar 1763, für die damalige Britische Ostindiengesellschaft faktisch imperiale Macht zu erlangen. Während des 18. und weit ins 19. Jahrhundert hinein übte diese neovenezianische Form der Britischen Ostindiengesellschaft die wesentliche militärische, diplomatische und sonstige Macht aus, u.a. gegen Indien und China und in die Amerikas hinein, als Machtausübung im nominellen Interesse der britischen Monarchie. Die Agenten der Britischen Ostindiengesellschaft in Nordamerika bildeten die amerikanische „Tory“-Fraktion des Verräters Aaron Burr (von der Bank of Manhattan) und seiner Verbündeten. Diese anglo-holländischen liberalen Finanzinteressen sind seit 1789 bis heute untrennbar mit dem Namen „Wall Street“ verbunden. Die Übernahme des Wall Street Journal durch den Beaverbrook-Erben Rupert Murdoch sollte das auch jedem aufmerksamen Patrioten heute deutlich machen. Philosophischer Liberalismus baut auf die systemische Ablehnung eines jeden wirklich moralischen Prinzips und begünstigt somit das, was John Locke, Bernard Mandeville, David Hume, François Quesnay, Turgot, Adam Smith, Jeremy Bentham und seine Anhänger als im wesentlichen statistische, misanthropische, anglo-holländische Mißkonzeption der „menschlichen Natur“ definiert haben.

3. Die „Halsband-Affäre”, die Agenten des Außenamts in martinistischen Freimaurerkreisen inszenierten.

4. Wer die wahren Wurzeln unserer Verfassungsgeschichte entdecken möchte, sollte sich an die Formulierung in Lincolns Gettysburger Ansprache „vor 87 Jahren...“ (four score and seven years ago) erinnern. Lincoln wurde am 12. Februar 1809 geboren. Zu Beginn des Krieges der britisch kontrollierten Konföderierten Südstaaten gegen die USA lebten noch Menschen, die zur Zeit der Präsidentschaft George Washingtons geboren worden waren, als Finanzminister Alexander Hamilton die Wirtschaftspolitik unserer Republik schuf. Auf ganz ähnliche Art und Weise war die Verbindung zu den jugendlichen Anführern unseres Kampfes um die Freiheit noch lebendig und einflußreich, als John Quincy Adams Präsident war. Adams selbst war bis zu seinem Tod 1848 eine führende Persönlichkeit unseres politischen Systems. Meine Großeltern kamen während der 60er Jahre des 19. Jh. inmitten des Bürgerkrieges zur Welt. Ich selbst wurde während der Zeit der Großen Depression und des Zweiten Weltkrieges erwachsen und trug in mir die Erinnerung an einen wichtigen meiner Vorfahren bei den Quäkern, einen Bürgerrechtskämpfer und Ur-ur-Großvater, der etwa zehn Jahre vor Lincoln geboren wurde. Präsident Franklin Roosevelts Tradition ging auf einen Vorfahren, den Bankier Isaac Roosevelt, einen Verbündeten Alexander Hamiltons, zurück. Im Grunde führt uns das politische und kulturelle Erbe unserer Gründerväter in das Massachusetts der ersten Hälfte des 17. Jhs. zurück, wo damals ein großer Teil der Saat unserer Republik ausgebracht wurde.

5. Ende 1995, Anfang 1996 veranschaulichte ich den von Wucher getriebenen Verfall der amerikanischen und anderer Volkswirtschaften anhand eines pädagogischen Hilfsmittels, die „Typische Kollapsfunktion“ in Form einer Tripelkurve, als grafische Darstellung des Abgleitens insbesondere der USA in eine Zusammenbruchskrise mit bestimmten Ähnlichkeiten mit der Hyperinflation in Deutschland 1923. Meine Berechnungen bezogen sich explizit auf Entwicklungen, die in den USA während der Regierung Carter 1977-81 sichtbar wurden. Im Grunde hatte der gesetzmäßige Prozeß, den die Zahlen dieser Periode ausdrückten, schon unter Präsident Nixon begonnen, besonders als George W. Shultz unter Nixon die Auflösung des Bretton-Woods-Systems in Gang setzte.

6. Adam Smiths Buch Wohlstand der Nationen aus dem Jahr 1776 zeigt offen den Haß der britischen Liberalen auf die damaligen Vereinigten Staaten von Amerika. Der Inhalt von Smiths Schrift belegt das ganz schamlos.

7. Daß der asiatische Eindringling, der delphische Apollon, den Begleiter der Göttin Gaia, Python, tötete, soll nicht heißen, daß sich der bösartige Drache Python ohne einen heftigen Kampf ergeben hätte.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Schriften von Lyndon H. LaRouche 1981-2006
- Internetseite des Schiller-Instituts
Was Lyndon LaRouche wirklich sagt
- Internetseite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)
Internetseite des LaRouche-Aktionskomitees
- in englischer Sprache

 

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