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Aus der Neuen Solidarität Nr. 39/2007

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Über Fragen von Ideen und Politik

Gedanken eines Mitglieds der LaRouche-Jugendbewegung zur Konferenz des Schiller-Instituts.

Im abschließenden Teil seiner berühmten Verteidigung der Poesie entwickelt der englische Dichter Percy Shelley zwei machtvolle Gedanken über die Veränderungen, die in einer revolutionären Periode in der Bevölkerung stattfinden. Erstens, daß der sicherste Vorbote, Begleiter und Nachfolger beim Erwirken einer vorteilhaften Veränderung der Meinungen oder Institutionen eines erwachenden Volkes die Poesie, die Dichtung ist; und dann, daß es in solchen Zeiten zu einer Steigerung des Vermögens kommt, große und bewegende Begriffe über den Menschen und die Natur zu erfassen und zu vermitteln.

Nach dem Besuch der internationalen Konferenz des Schiller-Instituts zum Thema der Eurasischen Landbrücke bin ich nun mehr als überzeugt, wenn ich - immer noch mit Shelleys Worten - sage, daß unser heutiges Zeitalter, trotz der herrschenden Belanglosigkeit und des gemeinen Neides, der Verdienst stets herunterzuspielen sucht, hinsichtlich der politischen und intellektuellen Errungenschaften ein denkwürdiges Zeitalter sein wird.

Der Leser möge sich mit mir zusammen in folgende Situation versetzen. Als Teilnehmer an jener Konferenz findet er sich mitten im sonntagmorgendlichen Programm wieder. Helga Zepp-LaRouche, so entnimmt er dem Programm, eröffnet als Vorsitzende der BüSo und Gründerin des Schiller-Instituts diesen Tag mit ihrer Rede über „Die neue kulturelle Renaissance im kommenden Zeitalter der Vernunft“. Was würden Sie denken? Vielleicht: „Das hat doch nichts mit Wirtschaft zu tun – ich würde gern wissen, was das helfen soll!“ Oder vielleicht als zartfühlenderer Teilnehmer: „Wenigstens etwas Schönes, an dem man sich inmitten dieser schrecklichen Realität erfreuen kann...“

Diese, wie auch eine Reihe anderer Annahmen wären bei den Worten, mit denen Helga Zepp-LaRouche ihre Rede begann, rasch verflogen. „Sie alle wissen, daß die Gefahr eines neuen Krieges über unseren Köpfen schwebt und daß die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Finanzsystems vielleicht ebenso verheerende Folgen haben werden, wenn keine Lösung gefunden wird.“ Nun wird man nervös. Man kennt das eben ausgegangene 20. Jahrhundert, man hat erfahren, daß Jochen Sanio (der Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin) die heutige Situation als die schlimmste Bankenkrise seit 1931 bezeichnet hat. Man weiß, daß es nach 1931 ein 1933 gab und damit in Deutschland Hjalmar Schacht. Aber diese Nervosität wird noch steigen, wenn wenig später in der Rede der Name Abba Lerner fällt. Der bekannte Ökonom war 1971 in einer Auseinandersetzung mit Lyndon LaRouche in die Ecke gedrängt worden und konnte nur noch zugeben: „Wenn die deutsche Bevölkerung Hjalmar Schachts Politik akzeptiert hätte, wäre Hitler gar nicht nötig gewesen. Frau Zepp-LaRouche machte es sogar noch deutlicher. Obwohl in Europa jetzt keine Hitlers zu sehen seien, gebe es doch mehr als genug Vertreter der radikalen Schachtschen Sparpolitik, die mit immer drakonischeren Maßnahmen umgesetzt wird, je sichtbarer, schlimmer und unkontrollierbarer der Kollaps wird. Vielleicht wird man da unwillkürlich „Mein Gott!“ flüstern.

Die Rede geht weiter. Der Mord an Alfred Herrhausen durch die „Wirtschaftsattentäter“ wird beschrieben. Warum geschah er? War nicht das eigentliche große Opfer dieses Mordes der Enthusiasmus des Mauerfalls und der Wiedervereinigung Deutschlands? Ja. Deutschland verpaßte die große Chance und endete erneut in einem korrupten System, dem System von Maastricht. Frau Zepp-LaRouche machte sehr deutlich und zeigte, wie die deutsche Regierung selbst heute statt im eigenen Interesse in dem anderer handelt. Warum sonst sollte die Regierung Merkel die russische Regierung unter Putin angreifen oder den Dalai Lama einladen und damit die chinesische Regierung aufs tiefste verärgern?

Optimismus

Ich will hier nicht versuchen, dem Leser alles näher zu bringen, was Frau Zepp-LaRouche in ihrer Rede zu sagen hatte. Das wäre in der Kürze schon wegen der Dichte der Ideen sehr schwierig. Nein, viel eher möchte ich Sie einladen, die Rede einfach selbst zu hören oder zu lesen, zu durchdenken und sich mit diesen großen Fragen auseinanderzusetzen.

Wahr ist ja nicht nur, was bereits geschehen und damit Teil der Geschichte ist. Wahr ist auch, daß während der letzten großen Finanzkrise in Deutschland keine BüSo, weltweit kein Schiller-Institut oder vergleichbare Bewegungen existiert haben. Wie sollte man ohne die mächtigen Werkzeuge vernünftiger Lösungen und dem damit einhergehenden Optimismus gegen die Kultur „objektiver Realität“ und „konkurrierender Interessen“ ankämpfen, der zufolge es immer wieder zu Kriegen kommen muß? Der treffendere Name für diese „Kultur“ ist britische Geopolitik oder Pessimismus – in Deutschland mag man es „Realismus“ nennen, man meint aber doch dasselbe.

Wahr ist doch auch, daß in den Kriegen der Vergangenheit niemand gewonnen hat. Es gab keinen wirklichen Gewinner, alle haben viel verloren. Es sollte uns eine weitere Lektion im Geiste des Westfälischen Friedens von 1648 lehren: Das wahre Eigeninteresse einer Nation liegt im Fortschritt und der Verbesserung aller anderen Nationen.

In deutscher Unterstützung der Putin-feindlichen Politik der Europäischen Union kann also keine Lösung zu finden sein. Die Verbündeten müssen anderswo gesucht werden: In politisch veränderten Vereinigten Staaten, in einer strategischen Partnerschaft mit Rußland, China und Indien; das Finanzsystem muß reorganisiert und eine neue Bretton-Woods-Vereinbarung geschaffen werden. Ist der Weg in diese Richtung im Geiste des Lesers eingeschlagen, dann wird sich die Politik der Eurasischen Landbrücke von selbst als völlig vernünftige Alternative präsentieren. Neue wirtschaftliche Zusammenarbeit wird als Kriegsvermeidungspolitik funktionieren, anders aber wird es nicht gehen.

Man hört es noch im eigenen Geiste: Optimismus. Warum auch nicht mit Shelleys Augen auf die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krisen der Welt blicken. Die offensichtliche Frage wäre: Woran sollte man erkennen können, ob wir heute in einer revolutionären Phase sind? Die Antwort sollte einigermaßen leicht fallen. Sieht man sie nicht, so stört wohl die eigene Schlafmütze den freien Blick.

Lateinamerika tritt dem IWF offen entgegen und organisiert sich selbst um die neue Bank des Südens; Rußland schlägt eine strategische Partnerschaft mit den USA vor, während Südwestasien dabei ist, in sich ausbreitende Kriege gestürzt zu werden. In den USA selbst herrscht nach dem Zusammenbruch des nachindustriellen Modells ein untragbarer Zustand, und der Finanzkollaps hat gerade erst begonnen. Dazu kommt die Unfähigkeit der Nationen Europas, unter der Knute Maastrichts der Verantwortung gegenüber ihren Bevölkerungen nachzukommen.

Gerade wegen all dieser Merkmale der heutigen Situation sind unsere Ideen und Herangehensweisen so erfolgreich: Helga Zepp-LaRouches Aufruf für ein Neues Bretton Woods erhält mehr und mehr Unterzeichner von wichtigen Personen und Institutionen weltweit. Lyndon LaRouches Jugendbewegung in den USA gewinnt immer mehr Unterstützer für das Notgesetz zum Schutz der Eigenheimbesitzer und Banken vor den Heuschrecken eines Finanzsturmes. Das ist momentan der Brennpunkt, aber bei weitem nicht die Bandbreite der Initiativen, die von unseren Ideen ausgehen.

Man denke also noch einmal an die unausgesprochene Bedingung in Shelleys Aussage: Es muß Dichter geben, damit man neue Denkansätze und Ideen inspirieren und ausdrücken kann. Dichter müssen dem neu erweckten Drang nach wahrhaften und großartigen Gedanken eine Richtung zu weisen wissen. So sollen immer neue und bessere Dichter fähig werden, den prometheischen Götterfunken der Kreativität zu entfachen. Die Mentalität der 68er Generation vom „Ende der Geschichte“ findet damit ihr eigenes wohlverdientes Ende. Dafür organisiert unsere weltweite Jugendbewegung, um zu verändern, wo keine Veränderung mehr geschah. Wo man, wenn man arm war, eben „Pech gehabt“ hat. Es werden die Fragen auf den Tisch gebracht und diskutiert, die für das Wohlergehen unserer Kinder und Enkel entscheidend sind.

So sagen uns die wahren Dichter inmitten dieser unruhigen, gefährlichen Zeit: „Ich bin Optimist – eigentlich ein unheilbarer Optimist, denn ich glaube, daß der Mensch im Grunde gut ist und daß Leibniz Recht hatte: daß ein großes Übel stets ein noch größeres Gutes mit sich bringt, eine Kraft des Guten im Menschen.“

Ich reiche Ihnen, den Lesern, die Hand. Lassen Sie uns zusammenarbeiten, mit Ihrer Hilfe, da bin ich sicher, kann es in Deutschland, in Frankreich, wo ich lebe, in Europa und der Welt viel besser aussehen. Erlauben Sie Sich selbst, glücklich zu sein: Jetzt, beim Zusammenbruch des alten Systems, kann der Welt endlich eine neue, bessere Richtung gegeben werden.

Ludwig Garcia

 

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