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Aus der Neuen Solidarität Nr. 18/2008

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„Man muß die Produktivität der gesamten Bevölkerung vergrößern“

An LaRouches Vortrag schloß sich ein Gespräch mit den Vertretern des pro-PLHINO1-Komitees an, dem u.a. mehrere Gewerkschafts-Vertreter angehören. Wir bringen Auszüge.

LaRouche: Mit der Organisation, die Sie haben, haben Sie offensichtlich in allen Landesteilen eine gute Einschätzung der Qualifikationen der verfügbaren Arbeitskräfte. Und Sie arbeiten offensichtlich in dieser Organisation mit vielen kleinen Unternehmen zusammen. Sie haben einen Einblick in deren Fähigkeiten, wenn wir eine Liste der Beschäftigungsformen zusammenstellten, sowohl der jetzigen Mitglieder, die Arbeit suchen, als auch der Menschen, die aus den Vereinigten Staaten zurückkehren. Viele von ihnen waren im Bau beschäftigt, einige in der Landwirtschaft. In den meisten Fällen sind sie nicht sehr qualifiziert, aber sie sind mit dieser Form der Arbeit vertraut. Unter der Leitung von Kadern können sie entwickelt werden.

Es wäre also nicht schwierig, eine solche Liste für den Bau dieser Wasserprojekte, für den PLHINO, zusammenzustellen, und die Regierung von Mexiko hat bereits langfristige Pläne für diese Projekte erstellt. Man geht also von den Plänen aus, die bei der Regierung existieren. Mexiko hat immer Pläne gemacht. Sehen Sie sich die jüngsten an, aber auch einige der älteren.

Nehmen Sie diese Projekte, das Wasser-Projekt: Zunächst einmal Wasserregulierung. Alles hängt von der Wasserregulierung ab. Dann braucht man Strom. Gehen Sie die Liste der Dinge durch, die man braucht, dann findet man die zu erweiternden Industrien, die in den Markt passen, den Sie schaffen, und auch den Qualifikationen der Menschen entsprechen, die zur Verfügung stehen. Was bedeutet, daß man - und das tun Sie ja wahrscheinlich schon - Programme zur Ausbildung der Leute schafft. Man nimmt die Liste der Leute, die Arbeit oder bessere Arbeit brauchen. Stellen Sie sicher, daß Sie Programme haben, um sie auszuwählen und zu qualifizieren.

So kann man um das Wasserprojekt herum ein langfristiges Element der Stabilität im Bausektor schaffen.

Dann kann man zu den sekundären Dingen übergehen. Das sind langfristige Kapitalprojekte. Wasser-Projekte sind langfristige Kapitalprojekte. Verstärken Sie diese Dinge. Dann kommen Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft, entsprechende Zentren. Sie brauchen an jedem Ort Unterstützung für die Landwirtschaft - Saatgut, Beratung, all diese Dinge. Das gehört zu den sekundären Dingen.

Dann gibt es all die anderen Einrichtungen, die man braucht - Bildung, usw. Wir sprechen hier darüber, das über 25, 50, 100 Jahre zu erhalten.

Aber das bedeutet, daß man auch über die Ausbildung der Bevölkerung nachdenken muß, und man arbeitet in 25-Jahres-Zyklen, um jede Generation besser zu qualifizieren als die Generation vor ihr. Und dazu sind die Bildungseinrichtungen extrem wichtig: die Verbesserung der Qualität des Bildungssystems. Denn es gibt da zwei Dinge. Wir haben die Bildung für Kinder, und wir haben die Erwachsenenbildung. Jemand will eine Arbeit, aber er hat keine wirklichen Fertigkeiten. Es gibt also Schulen, die ihnen dabei helfen, sie zu bekommen...

LaRouche: Ja...

LaRouche: Genau. Denn wir sprechen hier über eine Investition. Es geht darum, was man erzeugt. Was für ein Monster erzeugen wir in 25 Jahren?

Industrieentwicklung für das eigene Land

LaRouche: Nehmen Sie eine Stadt wie Monterrey. Damals, 1982, was war da Monterrey? Was waren die Industrien? Was sind die Industrien, wenn man heute nach Monterrey kommt? Es sind ausländische Industrien! Es gab da eine Stahlindustrie, die vom Staat aufgebaut worden war. Was ist mit ihr geschehen? Man begann mit Getreide, dann ging man zum Bier über, dann zu Bierdosen, dann zu Stahlfabriken. Ich meine: bei der wirtschaftlichen Entwicklung geht es nicht um die Entwicklung der Industrien, sondern um die Entwicklung der Menschen. Und gerade, als diese Industrien hier entwickelt worden waren, sind sie wieder verschwunden, und sie wurden durch ausländische Industrien von der anderen Seite der Grenze ersetzt.

Deshalb ist es äußerst wichtig, daß man in Mexiko tief verwurzelte Produktionskapazitäten hat, nicht importierte Industrien. Importierte Industrien sollten generell nur Schlüsselindustrien sein.

Diese Industrie sollte man nutzen, um eine Fähigkeit zu entwickeln, die für die Binnenwirtschaft des Landes nützlich ist. Exporte ins Ausland sind schön und gut, aber wenn man die Binnenwirtschaft nicht entwickelt, funktioniert das nicht. Denn es ist die Entwicklung der Produktivität der Arbeitskraft, die im langfristigen Interesse des Landes liegt. Und was wir in Mexiko wie in anderen Ländern brauchen, ist ein Technologieprogramm auf der Basis wissenschaftlicher Innovationen. Denn man will den Lebensstandard anheben. Um das zu tun, muß man die Produktivität vergrößern. Nicht die einiger Firmen, sondern die der Bevölkerung insgesamt.

In gesunden Zeiten ist es normal, daß es der gesamten Gesellschaft immer besser geht! Nicht nur einigen Leuten. Es geht nicht darum, daß sie aus einem anderen Land hierherkommen, um billige Arbeitskräfte zu bekommen. Es geht darum, das Land aufzubauen. Das ist der eigentliche Zweck des Nationalstaats: die Menschen zu entwickeln, die in ihm leben. Ihre Kultur dazu zu benutzen, ihre Kultur zu verbessern. Um ihr Selbstbewußtsein innerhalb der Nation zu entwickeln. Und das war die Wende, die man nach 1982 in die falsche Richtung vollzog. Alles wurde zerstört. Und nun haben Sie nur noch ein paar ausländische Interessen.

Das gleiche geschieht in den Vereinigten Staaten. Sie haben die einheimische Automobilindustrie der USA stillgelegt. Wir werden auch weiterhin eine Autoindustrie haben, aber es ist eine importierte aus Japan. Das gleiche sieht man in Mexiko.

Das ist unser Problem. Wir müssen die Dinge von einem nationalen, patriotischen Standpunkt aus durchdenken...

Die Rolle der Gewerkschaften

LaRouche: In der Geschichte der Gewerkschaften gibt es gute und schlechte Beispiele für den Versuch, mit dem Problem der lokalen Orientierung der Gewerkschaften umzugehen. Das eine ist der exklusive Ansatz, der nicht so gut ist. Dann gibt es den mehr auf die Gesellschaft orientierten Ansatz. Und dann kommt man zu der Idee, wie man diese beiden Aufgaben in der richtigen Art und Weise miteinander verbindet. Denn die Gewerkschaft muß im Allgemeinen als eines ihrer Ziele mit der Gesellschaft verbunden sein, andererseits muß die Arbeits-Orientierung im Mittelpunkt stehen. Oft scheitert der Versuch, diese beiden Herausforderungen zu verbinden. Es wird zu viel Konzentration auf die Sozialarbeit und nicht genug auf den Fortschritt gelegt - oder sie ist zu sehr auf den Arbeitsplatz beschränkt.

Wie geht man beispielsweise mit der Familie um? Sie haben ein Gewerkschaftsmitglied. Sie haben die Frage der Familie dieses Gewerkschaftsmitglieds. Die Gewerkschaft ist also natürlicherweise ebensosehr mit den Bedingungen der Familien wie mit den Bedingungen am Arbeitsplatz befaßt. Deshalb ist die kulturelle Orientierung, die man fördert, entscheidend. Und das wichtigste ist die Verbesserung der intellektuellen Entwicklung der Mitglieder und der Familien, was uns zur Gesellschaft führt. Und wenn es eine Zusammenarbeit der Gewerkschaftsmitglieder in der Gesellschaft gibt, dann wird das tendenziell einem gemeinsamen Anliegen nützen, weil die Menschen oft von einer Arbeit zur anderen wechseln. Hoffentlich behalten sie dabei ihre Familie, und haben nicht, wie manche Machos, mehr Mätressen als Kinder.

Die intellektuelle und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft als Anliegen der Gewerkschaften hilft, ihr eigenes Selbstwertgefühl anzuheben. Man will, daß die Gewerkschaften eine einflußreiche Kraft in der Gesellschaft werden - eine einflußreiche kulturelle Kraft und eine politische Kraft, und das fördert man. Man versucht, Dinge zu fördern, die das unterstützen. Sie sollten nicht zuhause bleiben und ihre Kinder prügeln. Sie sollten sich selbst entwickeln. Sie sollten spüren, daß sie bessere Menschen werden, bessere Bürger. Das hat die Wirkung, daß sie, in dem Maße, wie sie sich entwickeln, politisch wirksamere Individuen werden. Sie verstehen Dinge, sie sind nicht engstirnig, sie sind nicht auf einige wenige Dinge beschränkt. Und typischerweise wird es, je qualifizierter sie werden, leichter, das zu tun, weil sie dann nicht nur Einblick in ihre eigene Arbeit haben, sondern auch in andere Dinge - wie man einen Damm baut, wie man Infrastruktur aufbaut, wie man Dinge tun kann, die Fähigkeit zu Innovationen. Je mehr Innovationen am Arbeitsplatz, desto besser.

Wissen Sie, früher hatten wir in den Vereinigten Staaten die Vorschlag-Kästen. Diese Vorschlag-Kästen enthielten viel Unsinn, aber es gab auch qualifizierte Arbeiter, und sie setzten sich zusammen, sprachen miteinander. Und einige von ihnen entwickelten Ideen, aber die steckten sie nicht gleich in den Vorschlag-Kasten. An den Abenden und Wochenenden kamen sie zusammen und arbeiteten daran, und wenn sie ihren Vorschlag dann im Vorschlag-Kasten präsentierten, dann war er auch tatsächlich ausgearbeitet. Er war so weit, daß man ihn umsetzen konnte, und das war ein Faktor, der entscheidend war für die Rüstung im Zweiten Weltkrieg. Man förderte den Einfallsreichtum für technologische Innovationen und ähnliche Dinge, und das war äußerst wichtig. Wir bauten Flugzeuge, und entwickelten die Flugzeuge - das war im Zweiten Weltkrieg und danach - schneller, als wir sie bauten. Und das Problem war, daß die Ingenieursabteilungen mit diesen Änderungen mithalten mußten. Die Folge war eine sehr hohe Rate an Produktivitätssteigerung und technologischer Kompetenz. Das ist eine der Besonderheiten der Arbeitskraft der Vereinigten Staaten.

Das gab es auch in der deutschen Arbeitskraft, einen hohen Grad an Fähigkeit zur Innovation. In Norditalien gibt es qualifizierte Arbeitskräfte mit einer hohen Produktivitätsrate. Es gab früher Leute in Mexiko mit dem gleichen Antrieb - vor 1982. Bestimmte Zentren, und sie hatten ihre Zentren auch in den Gewerkschaften, in den Verbänden. Das wurde zerschlagen durch die Entnationalisierung der mexikanischen Industrie, nicht wahr? Das nahm einen großen Teil der Kreativität weg, und wenn man an jene Jahre zurückdenkt, als es mexikanische Produkte gab, die spezifisch mexikanisch waren und die technologische Entwicklung des Landes reflektierten: das ist es meiner Meinung nach, wozu man zurückkehren will. Dafür sind die nationalen Industrien, die nationale Entwicklung, die regionale Entwicklung entscheidend.


1. Plan Hidraulico del Noroeste (= Wasserplan für den Nordwesten), s.a. Neue Solidarität 48/2007

Lesen Sie hierzu bitte auch:
LaRouche in Mexiko: „Der Aufstand gegen die WTO hat begonnen!“
- Neue Solidarität Nr. 18/2008
Eine weltweite Massenbewegung für Nahrungsmittel!
- Neue Solidarität Nr. 18/2008
Massenwirkung: wie man das Empire ausflankiert
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- Neue Solidarität Nr. 1/2008
Mexiko: Bewegung für Wasserprojekte wächst
- Neue Solidarität Nr. 48/2007

 

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