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Aus der Neuen Solidarität Nr. 24/2008

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Milchstreik der Bauern - der Beginn einer wirklichen Revolution?

In ganz Deutschland und in den Nachbarstaaten bestreiken die Milchproduzenten die Molkereien, um einen kostendeckenden Preis durchzusetzen.

Können Sie sich noch an ein Ereignis der jüngeren Zeitgeschichte erinnern, wo die Deutschen optimistisch, patriotisch und solidarisch waren? Nein, ich meine nicht die letzte Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, sondern den Fall der Mauer - die friedliche Revolution. Damals konnte man erleben, wie dieses Ereignis die Deutschen inspirierte und ihnen den Glauben gab, daß man die Politik und ungerechte Zustände, wenn man solidarisch zusammensteht, auch ändern kann. Derselbe revolutionäre Geist ist auch beim jetzigen Milchstreik der Milchbauern wieder fühlbar. Falls Sie ihn auch wieder erfahren wollen, gehen Sie doch einfach auf die nächste Veranstaltung des BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter) in Ihrer Nähe.

Der Autor tat dies am 2. Juni im kleinen Ort Pfaffing im Landkreis Rosenheim. Dort sollte ursprünglich eine Feier zum 125-jährigen Bestehen der dortigen Feuerwehr stattfinden. Diese wurde zu einer Informationsveranstaltung des BDM zum Milchstreik umdeklariert, und Tausende Bauern aus der ganzen Gegend erschienen, um den Vorsitzenden des BDM, Romuald Schaber, zu hören und zu erfahren, wie die Lage bei der Auseinandersetzung mit den Molkereien und den Einzelhändlern steht. Schaber selbst konnte wegen der Verhandlungen in Köln und Berlin nicht kommen, aber die Veranstaltung war trotzdem ein voller Erfolg. Im Festzelt sprang dank der Reden der Vertreter des BDM der Optimismus auf alle Teilnehmer über.

Vor allem will ich aber den Beitrag des BDM-Beiratsmitglieds Christine Schneebichler aus Neubeuren hervorheben. Sie schilderte in lebhaften Worten, was sie von ihren Kollegen aus ganz Deutschland über den Lieferstreik und die Aktionen hierzu erfahren hatte. So schilderte sie die wachsende Unterstützung für den Streik auch in Gegenden, in denen der BDM noch nicht richtig organisiert ist. So würden 80% der Milchbauern in Brandenburg den Streik unterstützen, obwohl es dort keine richtige Struktur des BDM gebe. Ihre Schilderung der Ereignisse vor der größten Molkerei Europas in Leppersdorf in Sachsen produzierte viel Freude und Lacher.

Dort hatten Bauern mit ihren Traktoren, aus deren Reifen sie die Luft herausgelassen hatten, die dortige Zufahrt zur Molkerei blockiert. Daraufhin habe man heimlich durch den Wald hinter der Molkerei eine Schneise geschlagen, durch die Lastzüge die Milch aus Polen anliefern sollten. Die schweren Lastzüge seien aber in dem Waldboden bis zu den Achsen eingesunken, und die Milch aus Polen habe ihr Ziel nicht erreicht.

Sie erklärte auch, daß der Einzelhandelsverband den Anschein erwecke, man könne die Milchversorgung in Deutschland sicherstellen. Dies versuche man, indem man den Rentnern in Polen oder den Bürgern der anderen europäischen Ländern die Milch wegnehme und sie nach Deutschland bringe, um hier den Streik der Milchbauern zu brechen. Diese Transporte würden aber oft durch aufgebrachte Milchbauern mit ihren Traktoren vor den Molkereien gestoppt.

Der bayerische Vorsitzende des BDM Balthasar Brandhofer ging dann noch weiter auf die Falschmeldungen ein, die von Molkereien und Medien verbreitet würden. So hätten Molkereien über das angebliche Ende des Milchstreiks berichtet und die Bauern aufgefordert, ihre Milch wieder abzuliefern, denn der BDM habe seine Forderungen erreicht. Diese Falschmeldung sei auf einem Briefkopf des BDM verbreitet worden. Es sei aber eine Falschmeldung - und nicht die einzige. Erst wenn der Vorstand des BDM den Streik für beendet erkläre, solle man wieder liefern und dies geschehe erst, wenn die Forderungen des BDM nach einem gerechten Preis, d. h. zurzeit 43 Cent pro Liter Milch, erfüllt sei.

Er beschrieb auch die Solidarität unter den Bauern, die keiner für möglich gehalten habe. Das geflügelte Wort, „Falls man drei Bauern unter einen Hut bringen wolle, müsse man zwei erschlagen“, gelte nicht mehr. Die Solidarität unter den Milchbauern sei groß, und sie könne nicht durch die Aktivitäten des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, zerstört werden.

Dieser versuche, einen Keil zwischen die Landwirte zu treiben, indem er erkläre, nicht streikende Bauern würden von Ihren Kollegen unter Druck gesetzt. Er verwies dabei auf einen Artikel im Münchner Merkur, in dem Sonnleitner in diesem Sinne zitiert wurde. Er forderte die Anwesenden auf, bis zum Ende durchzuhalten und den Streik erst zu beenden, wenn die Forderungen des BDM nach einem Grundpreis von 43 Cent erfüllt seien.

Des weiteren schilderte er, wie die Bauern bei Treffen mit bayerischen Politikern jetzt ganz anders behandelt würden. Ein gewisser Herr Söder aus Franken, der einen Kopf größer sei als er selbst und der bisher immer auf die Bauern herabgeschaut habe, schaue jetzt zu ihm und damit den Bauern auf und verspräche ihnen seine Solidarität und Unterstützung. Diese Erklärungen der Politik werde man aber an den Taten messen.

Dies mußten auch die geladenen Vertreter der Politik erleben. Zuerst sprach Sepp Daxenberger von den Grünen, der auch den Bauern volle Unterstützung der Politik seitens der Grünen versprach  und den Wert der Milch betonte, die einen höheren Preis gerechtfertige. Eine Tonne Milch zu produzieren sei heute ebenso teuer wie die Entsorgung einer Tonne Müll. Er griff den Bauernverband an und stellte die Frage, ob dieser den Bauern oder den Konzernen dienen wolle.

Das kam bei den Bauern natürlich gut an. Aber Jakob Niedermaier vom BDM aus Oberbayern erinnerte Daxenberger daran, daß die Politiker oft schön reden, aber man werde sie in Zukunft nicht mehr daran messen, sondern an ihren Taten.

Ganz schlecht erging es dem lokalen CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner aus Rosenheim. Das ganze Zelt reagierte so erregt auf ihn und die Politik, daß seine zaghaften Versuche, eine Rede zu beginnen, im Klangpegel der Zuhörer untergingen. Jakob Niedermaier mußte die Zuhörer zur Ruhe auffordern, damit er endlich beginnen konnte. Aber auch das hielt nicht lange an. Schon nach kurzer Zeit wurde es wieder laut, und die Bauern pfiffen den Redner schließlich sogar aus. Beleidigt mußte er seine Rede dann vorzeitig abbrechen.

Auch der Vertreter des Deutschen Bauernverbandes, der Kreisobmann des Landkreises Rosenheim Ludwig Strohmeyer aus Prien am Chiemsee, hatte einen schweren Stand bei den Zuhörern. Beifall bekam er aber, als er die Politik der Führung des DBV und vor allem die Position von dessen Präsidenten Gerd Sonnleitner kritisierte: Er sei seit 20 Jahren aktiv im Verband tätig und lasse sich den Verband nicht von Leuten wie Sonnleitner kaputtmachen, versicherte er.

An dem Milchstreik kann man gut sehen, was in Deutschland fehlt: Eine Führung, die für die Interessen ihrer Bürger und nicht der Kartelle steht. Wenn es diese Führung gibt, dann ist der Deutsche auch bereit zu kämpfen, wie das Beispiel BDM bei den Milchbauern zeigt. Eine solche Führung fehlt aber, wie jeder bestätigen kann, in unserer etablierten Politik, und deshalb wird die Notwendigkeit, daß die BüSo eine wirkliche politische Kraft in diesem Lande werden muß, um so deutlicher. Erst dann können wir die grundlegenden Rahmenbedingungen der Politik wieder so einstellen, daß die Interessen der Bürger im Mittelpunkt der Politik stehen. Der Anfang der Revolution ist bei den Bauern und der Milch gemacht.

Werner Zuse

Lesen Sie hierzu bitte auch:
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