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Neue Solidarität
Nr. 37, 9. September 2009

Die Bedeutung der Infastruktur für den Wohlstand einer Nation

Jede Krise oder Unstimmigkeit stellt die Teilnehmer eines Systems vor die wichtigste Frage: Sein oder nicht Sein? Um die Seinsfrage unseres heutigen, gescheiterten Wirtschaftsystems zu untersuchen, ist es notwendig, die Erzeugung von Wohlstand oder des Reichtums und seiner Steigerung in der Gesellschaft zu untersuchen. Man muß hierbei auch auf die historische Streitfrage dieses Begriffs zwischen Vertretern der klassischen Ökonomie wie Adam Smith, David Ricardo u.v.a. und Vertretern der physischen Ökonomie, wie z.B. Henry Carey und Friedrich List, verweisen.

Denn unter den klassischen Ökonomen kam es oft dazu, den Begriff Reichtum mit dem Begriff Wert je nach Gebrauch zu vertauschen und zu definieren. Zu dem Zweck war es notwendig, eine wissenschaftshistorische Definition dieser beiden Begriffe zu finden, um den Anstieg des Wohlstandes einer Gesellschaft zu messen:

Mit anderen Worten: Je mehr der Mensch in der Lage ist, durch neue Errungenschaften in der Wissenschaft und ihrer Umsetzung z.B. in Form neuer Technologien eine Produktionssteigerung von Bedarfsgütern zu ermöglichen, umso mehr steigt der Reichtum einer Nation, und der Wertverlust des Produkts führt zu einer Nachfragedeckung in der Bevölkerung.

Der Staatsmann und US-Demokrat Lyndon LaRouche wies bereits des öfteren darauf hin, daß der Wohlstand einer Nation nur dann erhöht oder max. erhalten werden kann, wenn 50-60% der Staatsausgaben in den Erhalt und Aufbau neuer Infrastrukturen investiert werden.

Wenn man nun die Entstehung und Ausprägung der Menschheit unter dem Aspekt der Wohlstandsvermehrung einmal näher betrachtet, dann zeigt sich, daß der Mensch ein Entwicklungswesen ist und seine natürlichen Rahmenbedingungen selbständig verändern kann. Er wehrt sich gegen die Macht der Natur und macht sie sich zum Untertan. Wird dieser Prozeß der Weiterentwicklung und des Fortschrittsdenken gestoppt, setzen die natürlichen Schranken dem Menschen wieder Grenzen und führen zu einem Machtverlust über die Natur und zu einem Verfall. Dabei gehen langfristig seine Errungenschaften und sein erworbener Lebenstandard verloren.

Dies betrifft nicht nur den wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt, sondern vor allem die damit verbundene Versorgungs- und Transportmöglichkeit.

Beispiel Ruhrgebiet

Schauen wir uns doch einmal die historische Entwicklung des Ruhrgebietes an, und untersuchen wir den Prozeß der vorsätzlichen Veränderung einer Wirtschaft, ausgehend vom natürlichen Standpunkt hin zu einer zunehmenden Kontrolle durch den menschlichen Geist unter dem Aspekt der Wohlstandsvermehrung. Die Entwicklungsgeschichte des Ruhrgebiets gibt uns einige Aufschlüsse über die Entstehung des heutigen Lebensstandards. Es zeigt sich, daß dieses Niveau nicht gottgegeben ist, sondern hart erkämpft wurde.

Doch wie definiert man einen angemesssenen Lebenstandard, und was gehört eigentlich alles zu dessen Aufrechterhaltung dazu?

Diese Frage ist hochbrisant, gerade weil wir Deutschen uns mittlerweile, aus Selbstmitleid und dank der Medien- und Parteienpropaganda, an die Sparpolitik und das Gürtelengerschnallen gewöhnt haben.

Aber schauen wir nur einmal 100 Jahre zurück, dann sehen wir, daß damals das durchschnittliche Lebensalter etwa 46 Jahre betrug. Viele Krankheiten wie Pocken, Thyphus oder Cholera, die 1892 zuletzt in Deutschland verheerend wüteten, sind heute eingedämmt. Jeder Mensch in Deutschland hat heute den Zugang zu sauberem Wasser, zu vielfältigen Nahrungsmitteln, zu medizinischer Versorgung, zu Ausbildung und einer gesicherten Energieversorgung. Um dies zu erhalten, ist es wichtig, die Verknüpfung und Verbesserung von großangelegten Infrastrukturprojekten für die Erhaltung des Lebensstandards sicher zu stellen und neue Technologien einzubinden.

Wie eine Studie der IHK zeigt, sind wir aufgrund mangelnder Nettoinvestitionen allein im Infrastrukturbereich im Umfang von 1000 Milliarden Euro schon seit Jahren nicht mehr in der Lage, diesen Standard noch aufrecht zuerhalten.

Ein gesunder Lebensstandard wird aber nicht nur durch eine effizientere Verbesserung im Transport und den Herausfoderungen an den Maschinen- und Werkzeugmaschinenbau ausgedrückt, sondern auch in dem damit verbundenen Anstieg der Bevölkerungsdichte. Eine Steigerung der Bevölkerungsdichte wiederum führt zu einem Anwachsen des Potentials der Produktivkraft, also der Kraft, die den Wohlstand einer Nation fördert, was sich in der Zunahme der Errungenschaften in den Erfindungen, Gewerben, Wissenschaften und Künsten widerspiegelt. Ein Sinken der Bevölkerungsdichte würde mit einem Niedergang des Wohlstandes und einem verfallenden Lebensstandards einhergehen.

Doch betrachten wir nun den Übergang der Infrastrukturentwicklung von der natürlichen hin zu einer künstlichen unter dem dynamischen Entwicklungsaspekt einer Wirtschaft und dem damit verbundenen Anstieg des Wohlstandes.

Zu Beginn bestimmten die günstigen natürlichen Kräfte, vor allem die Wasserwege von Ruhr, Rhein und Lippe, die Lage der Manufakturstandorte. So zeigte sich, daß die Wasseranbindungen - allerdings nur in den Sommermonaten - die einzige günstige Transportmöglichkeit darstellten, und gleichzeitig die Wasserräder die einzige Möglichkeit boten, den Arbeitsablauf z.B. der Schmieden, Hochöfen oder Sägewerke ständig mit mechanischer Energie zu versorgen.

Einen entscheidenden Faktor bildete im Ruhrgebiet und seiner Umgebung die billige Kohle, die als Hauptexport bis 1850 die Ruhr und umliegende Städte wie z.B. Mülheim im Handel beflügelte.

Sie wurde aber für lange Zeit nur einseitig als Feuerquelle genutzt. Schon im 13. Jh. wurde im Tal der Ruhr gegraben - vorerst noch ohne viel Aufwand. Stieß man auf Wasser, konnte die Förderung kurzfristig durch reine Muskelkraft mit Hilfe von Pumpen aufrecht erhalten werden. War die Arbeit hierbei zu aufwendig, zog man einfach weiter. Doch die Kohle stellte bis zur Entwicklung der Kokereien im Verarbeitungsprozeß der Schmieden und Eisenverwertung nur einen Ersatzstoff zur Holzkohle dar. Als das Holz im 18. Jh. immer knapper wurde, war die Zeit reif, eine effizientere Rohstoffquelle einzusetzen.

Wie sich zeigte, kann eine Nation nicht dabei stehen bleiben, nur von den Gegebenheiten der Natur abhängig zu sein, denn die eingeschränkten Transportmöglichkeiten und die eingeschränkte Verwertung von Rohstoffen stellen das Überleben der Gesellschaft langfristig in Frage. Die Notwendigkeit einer arbeitsersparenden Verbesserung der Rahmenbedingung ist zwingend geboten.

Auf dem Entwicklungsstand einer natürlichen Infrastruktur konnten die anfänglichen Schiffe immer nur stromabwärts Ladung transportieren und mußten zurück im Leerlauf kraftaufwendig von Tieren über Seile zurückgezogen werden. Außerdem mußten die Manufakturen all ihre Rohstoffe wie Holz und Metalle kostenaufwendig von den Rohstoffquellen bringen und die Fertigwaren ebenso wieder abtransportieren lassen.

Zu diesem Zeitpunkt gab es nur wenige ausgebaute Straßen, und der Rest der Landwege war ständig witterungsabhängig und konnte bei Regen kaum genutzt werden. Dies wirkte sich somit auf die Transportzeit und den Lieferpreis aus und das hielt die Entwicklung der Industrie auf.

Der Schöpfergeist war also vor die Aufgabe gestellt, das Transportsystem und somit auch den Industriesektor neu zu beleben. Wäre diese wissenschaftliche Notwendigkeit nicht erfüllt worden, wäre die Menschheit verdammt gewesen, auf den Ursprung zurückzufallen und damit das zyklische Schicksal einer Tierpopulation teilen, wobei jeglicher Lebenskomfort auf der Strecke bleibt.

Die infrastrukturellen Herausforderungen

Es galt, verschiedene Herausforderungen zu meistern. Erstens, wie ist es möglich, eine Überlandverbindung von der Rohstoffquelle zum Verarbeitungsort zu schaffen und konstant aufrecht zu erhalten? Zweitens, wie kann garantiert werden, daß die Rohstoffquelle auf langfristige Sicht erhalten und effizient ausgenutzt wird? Drittens, wie kann man neue Rohstoffe schaffen, und den bisherigen neue Verwendungen zuweisen? Für alle diese Fragen gab es eine Lösung, die mit einem wissenschaftlichen Durchbruch in der Thermodynamik zusammenfällt und die Prinzipien der Natur dem Menschen nutzbar machte.

Die Dampfmaschine, die erst ab 1800 im Ruhrgebiet zum Einsatz kam und später auch von Franz Dinnendahl weiterentwickelt wurde, war das umgesetzte Resultat dieses Durchbruchs. Mit diesem Fundament war es möglich, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht nur in einem Bereich, sondern die gesamte Wirtschaftsdynamik zu verbessern und die Arbeitsleistung pro Person zu steigern.

Diese Maschine hatte einen vielfältigen Wirkungsbereich. Es konnte das Grundwasser in den Gruben unter Tage 24 h/Tag abgepumpt werden, ohne daß ein Arbeiter in den Prozeß eingebunden war. Das bedeutete eine 100 prozentige Arbeitsersparnis. Desweiteren konnten sämtliche Manufakturen diese neue Energiequelle nutzen und ihren eingeschränkten Produktionsstandort am Fluß verlassen. Sie waren jetzt nicht mehr auf den Transport der Rohstoffe angewiesen, sondern konnten zum Ort der Förderung gehen.

Außerdem konnte der Kohle, dem Eisen und anderen Erzen eine neue Bedeutung im Produktionsprozeß gegeben werden.

Revolution des Verkehrs: die Eisenbahnen

Die Dampfmaschine sorgte dadurch für eine erhebliche Steigerung der gewerblichen Produktion, so daß die vorhandenen Verkehrsmittel nicht mehr ausreichten, um den Warentransport zu gewährleisten. An das nationale Transportsystem wurde die Anforderung nach Verbesserung gestellt, und der Profit wuchs in den 1840'ern mit der Eisenbahn und ihren ersten Hauptstrecken durchs Ruhrgebiet Köln-Minden: Elberfeld-Dortmund und Steele-Vohwinkel.

Dieser bedeutende Vorteil wirkte sich nicht nur in der Produktion aus, sondern vor allem im Konsum der Landwirtschaft, die sich nun vermehrt und günstiger Chemikalien, Mastfutter und Werkzeuge beschaffen konnte. Ebenso konnte sie ihre verderblichen Nahrungsmittel schneller absetzen.

Der zunehmende Bedarf der Industrie nach der Eisenbahn, der einen zusätzlichen Bedarf an Schienen, Weichen und Waggons wachrief, erforderte neue Impulse zur Deckung der Kohlen- und Eisennachfrage, sodaß der Bergbau und die Hüttenproduktion beträchtlich zunahmen.

Es mußten neue verbesserte Verarbeitungsmethoden, wie z.B. das Bessemerverfahren oder das Thomasverfahren zur Gewinnung des Roheisens, entwickelt werden, um der Rohstoffversorgung gerecht zu werden.

Aber auch das Dampfschiff, ein durch die Dampfkraft neu erschlossener Wirtschaftsbereich, ermöglichte es, neue Wirtschaftsräume über den Rhein von Mannheim bis nach Holland aufzubauen. „Erst jetzt konnte die Schiffahrt der wachsenden Frachtmenge gerecht werden und vor allen Dingen sie mit der notwendigen Schnelligkeit transportieren.“4

Die schon vorhandenen Häfen wie in Duisburg oder Ruhrort erlebten einen neuen Aufschwung. Ein neuer Handelszweig neben dem Import von Getreide konnte eröffnet werden. Die sich neu ansiedelnden chemischen Industrien, wie z.B. die Sodawerke oder die Schwefelraffinerien erkannten die Ersparnis des Frachttransports und bauten ihre eigenen Werkshäfen. Es enstand ein Warenumschlagsplatz, der bald tief ins Ruhrgebiet hineingriff. Eine Neuinvestition in Infrastrukturprojekte wie die Erweiterung des Schleusenbeckens um 1853 und die Anbindung neuer Eisenbahnstrecken wurde zwingend notwendig.

Viele hafentechnische Aufgaben mußten gemeistert werden, um dem immensen Warenumschlag gerecht zu werden. Anstatt vieler Menschenhände, wurden z.B. Dampfkräne oder Kohlekipper eingesetzt.

Der Rhein erlangte plötzlich eine neue wirtschaftliche Bedeutung, und die Idee einer Anbindung an den Osten und Norden über künstliche Wasserstraßen rückte immer mehr in den Blickpunkt. Verschiedene Projekte wie der Mittellandkanal, der Rhein-Herne-Kanal oder der Dortmund-Ems-Kanal wurden in Angriff genommen.

Wie zuvor, setzte dieser Wunsch der Erweiterung der Infrastruktur neue Kräfte frei. Die Wirtschaft wurde aufgefordert, dem Wunsch nach neuen Maschinen nachzukommen. Es mußten serienweise Schleusen, Hebewerke gebaut und neue Lagerstätten und Hafenanlagen erweitert werden. Um einen konstanten Wasserfluß zu erhalten, wurde es notwendig Talsperren zu bauen, wie z.B. die Möhnetalsperre zur Regulierung der Ruhr. Um drohendem Hochwasser am Rhein vorzubeugen, mußten umfangreiche Abgrabungen vorgenommen und neue Deichsysteme aufgebaut werden.

Um die Produktion und den Ausbau der Produktionsmethoden anzukurbeln, die bisher nur zögernd durch Eigenkapital angetrieben wurden, griff der Staat nach langem Überlegen dazu, das Standbein der Infrastruktur, nämlich die Eisenbahn, in staatlich gestützte Aktiengesellschaften zu verwandeln.

Doch 1873 rächte sich die mangelnde Kontrolle staatlicher Intervention im Infrastrukturbereich, als ein künstlicher Boom der Aktiengesellschaften - der größtenteils rein spekulativer Natur war - platzte und die vielen neugegründeten Eisenbahnunternehmungen untergingen, die viel Kapital benötigten, aber kurzfristig nur wenig Erträge schafften. Viele Unternehmungen wurden gegründet, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben und schließlich wieder zu verkaufen. Es kam zu einer unkontrollierten Produktionausweitung der aber nicht immer eine entsprechende Nachfrage gegenüberstand.

Mit dem Platzen dieser Blase und den zerstörerischen Auswirkungen auf die Industrieentwicklung reagierte der Staat unter Mitwirkung einer vernünftigen Regierung von Bismarck und gelehrten Ökonomen wie Wilhelm v. Kardorf oder Franz Stöpel. Anders als in Großbritannien zog man eine Lehre aus dem fehlenden Einfluß der Regierung und eröffnete die Debatte über eine Schutzpolitik, die 1879 zur Wiederbelebung der Zollpolitik von Friedrich List führte, denn es war wichtig, eine zweite industrielle Revolution zu fördern.

Die steigende Produktion und die Entwicklung neuer Industriezweige, z.B. in der chemischen Industrie und der Metallurgie, erhöhten den Energieverbrauch und erforderten einen immer effizienteren Abbau von Kohle und anderen Rohstoffen. Die Ausweitung der Wirtschaftsräume machte es notwendig, Energie ohne viele Verluste zu transportieren, und einen regelmäßigen Arbeitsablauf Tag und Nacht zu ermöglichen.

Die elektrische Revolution

Wieder einmal war es auf lange Sicht notwendig, einen Durchbruch im Bereich der Wissenschaft zu fördern, wenn der entstandene Produktionsprozeß aufrechterhalten werden sollte. Bedeutende Entdeckungen im Bereich der Elekrodynamik und Elektrizität gab es bereits Ende des 18. Jahrhunderts durch die Forschungen Benjamin Franklins, Michael Faradays oder André-Marie Amperes. Doch es dauerte bis 1830, bis dieser Wissenschaftsbereich sich aus den Fängen des reinen Experimentierens befreite. Nun war es wichtig, daß die Erkentnisse der Wissenschaft ihren Beitrag leisteten, um den Erfordernissen einer neuen produktiven Wirtschaft gerecht zu werden. Mit der Entwicklung des ersten Elektromotors 1850 war es nun möglich, elektrischen Strom auch zu nutzen.

Nun mußte das Verständnis für das Potential der entstehenden Elektroindustrie in der Bevölkerung erweckt werden. Sämtliche Weltausstellungen, ob nun 1876 in Philadelphia, später in Paris oder Berlin, leisteten dazu ihren Beitrag. In Berlin fällt diese Zeit mit der Gründung berühmter Konzerne wie der Siemens & Halske oder der Deutschen Edison Gesellschaft, der späteren AEG, zusammen. Aber auch im Ruhrgebiet ist dies die Blütezeit von Energiekonzernen wie der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke, dem Elektrotechnischen Verein in Dortmund und der Ausrichtung von Unternehmen z.B. Thyssen, Bechem & Keetmann, der späteren Demag, auf die Elektroindustrie.

Dadurch entsprang eine wahre Blüte in der Schwerindustrie, die mit half die Dampfkraft im Bergbau und der Stahlindustrie zu ersetzen. Neue Maschinen, wie elektrische Fahrstühle, Bohrmaschinen oder Lüfter halfen die unterirdische Förderung zu erweitern. Im Bereich der chemischen Industrie, war es möglich, Trockenmaschinen, Zentrifugen und Kälteerzeugungs- maschinen einzusetzen. All diese Neuerungen blieben nicht auf die Industrie beschränkt, sondern konnten auch im Alltag der Bevölkerung zu einem Anstieg der Lebenqualität beitragen.

Diese Produktionsausweitung stellte auch die Infrastruktur vor die Aufgabe, einer steigenden Bevölkerungsdichte in den Industriezentren gerecht zu werden. Überlandleitungen zur Stromversorgung mußten gezogen werden, Straßenbahnen und U-Bahnen für den Personenverkehr folgten. In Wuppertal kam es 1901 zum Bau der ersten Hängebahn.

Doch all diese Beiträge zur Verbesserung des Lebenstandards und dem damit erhöhten Verbauch, stellen uns vor die Frage, wie sollen wir die steigende Nachfrage nach Rohstoffen und Energie decken?

Die atomare Revolution

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die wissenschaftliche Grundlage einer weiteren industriellen Revolution gelegt, die heute 2009 wieder aufgegriffen werden muß. Dieser Durchbruch begann bei der weiteren Nachforschung im Bereich der zugrundeliegenden Ursachen der elektrischen und atomaren Phänomene. Forschungsgruppen in Frankreich, getragen durch Jean Becquerel und die Familie Curie, in England, repräsentiert durch Ernest Rutherford, und in Deutschland, vertreten durch Erwin Schrödinger und Max Planck, ebneten den Weg dafür. Die industrielle Umsetzung, die in Deutschland einen neuen Energieträger bereitstellte, der die steigende Energienachfrage decken konnte, nämlich die Atomenergie, verbreitete sich mit Beginn der 1970er Jahre zunehmend. Was für einen Durchbruch schaffte diese neue Wissenschaft in der Nutzung von Radioistopen (Atomabkömmlingen ) und ihren räumlichen Eigenschaften wie dem magnetischen Feld für den Bereich der Medizin, der Werkstofftechnik und Materialprüfung, der bildgebenden Verfahren und der Konservierung von Lebensmitteln und Bekämpfung von Krankheitserregern!

Diese Errungenschaften der Forschung sollten aber nicht nur auf einige Bereiche beschränkt bleiben, sondern neue Herausforderungen im Infrastrukturbereich schaffen, um einen steigenden Lebensstandard auszubauen. Die Weiterentwicklung neuer Technologien kann vor allem durch die Verwendung der Magnetbahn, in Deutschland Transrapid, welche die besprochenen magnetisch-atomaren Phänomene benutzt und für die bereits 1933 Hermann Kemper die technischen Grundlagen legte, vorangetrieben werden.

Durch den Ausbau eines neuen Infrastrukturnetzwerkes ist es möglich, weit über jetzige Vorstellungen hinaus neue Wirtschafträume zu erschließen. Die Werkstofftechnik und die Wissenschaft stehen vor der Herausforderung, neue Probleme im Bereich der Atomphysik zu lösen und die Eigenschaften ihrer Felder herauszufinden. Denn die Produktion und die Effizienz in der Rohstoffverwertung für den Stahlbedarf und der Erzeugung neuer Oberflächen müssen ausgeweitet und verbessert werden. Die neusten Modelle des Magnetzuges in Japan, die bereits den Einsatz von Supraleitern erfordern, versprechen einen weiteren Anreiz in der Forschung der Metallurgie, der Chemie und der technischen Industrie wie z.B. bei der ständigen Kühlung von Oberflächen.

Die hauptsächliche Bedeutung des Transrapids und der Atomkraft für die nächsten 50 Jahre liegt darin begründet, daß sie die Basis für neue Infrastrukturkorridore bilden werden - und zwar weltweit. Es liegen bereits über 100 separate Infrastrukturprojekte vor, die nur mit ausreichend Energie versorgt und mit Rohstoffquellen verbunden sein müssen. Wenn wir den nächsten Sprung im Bereich der Infrastruktur zur Ermöglichung dieser vor uns liegenden Projekte verpassen, und an der jetzigen unwissenschaftlichen Politik, dem Sparen an der Grundlagenforschung und dem Ausbaustopp neuer Technologien festhalten, sind wir langfristig schuld am Sinken des Lebensstandards.

Seien wir aus der Geschichte gewarnt: 1882 hat schon einmal eine Generation versucht, Fortschritt auf Kosten kurzfristigen Profits zu opfern. In den letzten Jahren blieb unseren Kommunen unter der heutigen Sparpolitik keine andere Möglichkeit, als mit Hilfe von Cross-Border-Leasing-Verträgen ihre eigene Infrastrukturbasis zu verkaufen, um am Leben zu bleiben. Aber die Geschichte hat bereits gezeigt, wer seine eigene Infrastruktur vernachlässigt, zerstört nicht nur seine Beweglichkeit, sondern er scheitert an der Herausforderung für die Gesellschaft, am Leben der nächsten Generation teilzunehmen.


Literatur

1. Henry Carey: Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft

2. Friedrich List: Die Welt bewegt sich

3. Lyndon LaRouche: Das wirkliche „neue Bretton Woods": Ein dollargestützter globaler   Wirtschaftsaufschwung

4. Hans Spethmann: Das Ruhrgebiet Teil 1

5. Franz Schnabel: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert

6. Roland Günther: Im Tal der Könige